Nienburg/Linsburg

Defekt an der Oberleitung in Nienburg stört Bahnverkehr in Norddeutschland

Nikias Schmidentzki

Mit einem gebauten „Steg“ gelangten die Reisenden vom Bahndamm zu den bereitstehenden Bussen. - © Marc Henkel/Freiwillige Feuerwehren Nienburg
Mit einem gebauten „Steg“ gelangten die Reisenden vom Bahndamm zu den bereitstehenden Bussen. (© Marc Henkel/Freiwillige Feuerwehren Nienburg)

Nienburg/Linsburg (harke). Hundert Fahrgäste waren in den Abendstunden des Dienstags mit Zügen der Deutschen Bahn auf der Strecke Bremen-Hannover stehengeblieben. Sturmschäden hatten den Schienenverkehr zunächst komplett zum Erliegen gebracht. Auch in der Nacht zu Mittwoch sollten die Arbeiten anhalten. Im Bereich von Dörverden bis Rohrsen waren Teile der Oberleitung heruntergekommen, erklärte Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis auf Nachfrage der Tageszeitung „Die Harke“ gestern.

Erst Freitagmorgen ab etwa 6 Uhr sollten alle Schäden behoben sein, führte er weiter aus. Aus beiden Richtungen waren Turmtriebwagen unterwegs, um die Schäden zu beheben. Daher sei noch in der Nacht kein Fernverkehr auf dem Abschnitt möglich. Frei war lediglich die Strecke von Bremen nach Hannover, auf der dafür Nahverkehrszüge in beide Richtungen verkehrten.

Gegen kurz nach 21 Uhr hatte es Alarm für die Feuerwehr gegeben. Wie sich nach Angaben von Feuerwehr-Pressewart Marc Henkel herausstellte, waren bereits gegen 19 Uhr mehrere Züge zum Stehen gekommen. Zunächst waren die Langendammer Einsatzkräfte an den Bahnübergang „Führser Mühlweg“ geordert worden. Dort hätten sie mindestens drei stehende Züge sehen können, erklärte Marc Henkel. „Eine genaue Erkundung gestaltete sich jedoch schwierig, da der Gleisbereich nicht betreten werden durfte. Zu groß war die Gefahr ein 15.000-Volt-Stromschlag zu bekommen.“ Trotz der Gefahr hätten Reisende einer Regionalbahn den Zug zu verlassen und sich den Weg durch das Gleisbett Richtung Einsatzkräfte gemacht. „Eine lebensgefährliche Unternehmung, bei der zum Glück niemand zu Schaden kam“, mahnt Henkel

Über eine Behelfstreppe konnten die Reisenden den ICE verlassen. Die Einsatzkräfte unterstützen hierbei. - © Marc Henkel/Freiwillige Feuerwehren Nienburg
Über eine Behelfstreppe konnten die Reisenden den ICE verlassen. Die Einsatzkräfte unterstützen hierbei. (© Marc Henkel/Freiwillige Feuerwehren Nienburg)

Um das erhöhte Unfallrisiko einzudämmen, alarmierte Stadtbrandmeister Stephan Ottens die Ortsfeuerwehr Nienburg mit Beleuchtungsmaterial. Sie sicherte den Bereich des Bahnübergangs „Zur Stadtforst“ und leuchtete ihn aus. Bei der Erkundung habe die Bahn auch die schadhafte Stelle an der Oberleitung gefunden. Ein Instandhaltungstrupp der Deutschen Bahn habe sich umgehend an die Behebung des Fehlers gemacht. „Da aber eine zeitliche Eingrenzung bis zur Schadensbehebung nicht möglich war, entschied das Bahnpersonal die Evakuierung des Zuges.

Einsatzkräfte leuchteten den Bereich weiträumig aus. - © Marc Henkel/Freiwillige Feuerwehren Nienburg
Einsatzkräfte leuchteten den Bereich weiträumig aus. (© Marc Henkel/Freiwillige Feuerwehren Nienburg)

Zeitgleich konnte ein Teil der Strecke Nienburg-Hannover mit Strom versorgt werden, so dass zwei Züge in Richtung Neustadt mit einem Zwischenhalt in Linsburg rollen konnten“, führt Henkel aus.

Ein ICE aus Hannover mit rund 450 Fahrgästen war kurz vor dem Nienburger Bahnhof stehengeblieben. Einsatzkräfte halfen den Reisenden aus dem Zug und begleiteten diese mit ihrem Gepäck zum nahegelegenen Real-Markt, wo sie in Busse einsteigen konnten. Während der Notfallmanager der Deutschen Bahn die Lage am ICE erkundete, hatten die Einsatzkräfte die Evakuierung der 450 Fahrgäste vorbereitet. Weitere rund 80 Passagiere zweier Züge, deren Reise im Nienburger Bahnhof vorzeitig beendet gewesen war, konnten ihre Fahrten ebenfalls in bereitstehenden Bussen fortsetzen.

Um die Versorgung der Gestrandeten sowohl in Nienburg als auch in Linsburg kümmerten sich die Johanniter. Sie waren mit rund 40 Einsatzkräften ausgerückt und kümmerten sich um die Ausgabe von Getränken und standen bereit um bei Bedarf medizinische Notfälle zu versorgen, wie Pressebeauftragter Marc Lüpkemann erklärte.

Zu den „Gestrandeten“ gehörte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann aus dem Wahlkreis Wesermarsch. Sie äußerte sich via Facebook zu dem Zwischenfall kritisch: „Was ist noch schlimmer als der Zustand der Bundeswehr? Das ist die DB!“ Ihrem Ärger machten mehrere Fahrgäste auch gegenüber Feuerwehrleuten Luft, erklärt Henkel: „Mangelnde Information und schlechte Versorgung waren die Schlagworte.“ Es hätten aber auch zahlreiche Betroffene die Arbeit der Einsatzkräfte zu schätzen gewusst.

„Kurz vor 1 Uhr, es waren bereits 350 Fahrgäste evakuiert und mit Bussen abtransportiert worden, hatte es die Bahn geschafft, den Oberleitungsschaden zu beseitigen. Der ICE konnte seine Fahrt mit mehreren Stunden Verspätung in Richtung Bremen fortsetzen“, teilt Marc Henkel mit. Für die letzten Helfer der Johanniter war der Einsatz laut Lüpkemann gegen 3.15 Uhr beendet. Insgesamt seien sie mit sieben Fahrzeugen unterwegs gewesen. Hinzu kam die Bereitschaft der noch jungen Verpflegungsgruppe, bei der sich 33 Personen bereithielten.

Ebenfalls im Einsatz waren die leitende Notarztgruppe des Landkreises, die Organisatorische Leitung des Rettungsdienstes sowiedie DLRG. Allein dieser Schaden kurz vor dem Bahnhof Nienburg hat den Bahnverkehr in Norddeutschland durcheinandergewirbelt. Weitere Verzögerungen im Bahnverkehr sollten sich über den Mittwoch ziehen, und erst am Donnerstag soll alles wieder planmäßig rollen.

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Nienburg/LinsburgDefekt an der Oberleitung in Nienburg stört Bahnverkehr in NorddeutschlandNikias SchmidentzkiNienburg/Linsburg (harke). Hundert Fahrgäste waren in den Abendstunden des Dienstags mit Zügen der Deutschen Bahn auf der Strecke Bremen-Hannover stehengeblieben. Sturmschäden hatten den Schienenverkehr zunächst komplett zum Erliegen gebracht. Auch in der Nacht zu Mittwoch sollten die Arbeiten anhalten. Im Bereich von Dörverden bis Rohrsen waren Teile der Oberleitung heruntergekommen, erklärte Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis auf Nachfrage der Tageszeitung „Die Harke“ gestern. Erst Freitagmorgen ab etwa 6 Uhr sollten alle Schäden behoben sein, führte er weiter aus. Aus beiden Richtungen waren Turmtriebwagen unterwegs, um die Schäden zu beheben. Daher sei noch in der Nacht kein Fernverkehr auf dem Abschnitt möglich. Frei war lediglich die Strecke von Bremen nach Hannover, auf der dafür Nahverkehrszüge in beide Richtungen verkehrten. Gegen kurz nach 21 Uhr hatte es Alarm für die Feuerwehr gegeben. Wie sich nach Angaben von Feuerwehr-Pressewart Marc Henkel herausstellte, waren bereits gegen 19 Uhr mehrere Züge zum Stehen gekommen. Zunächst waren die Langendammer Einsatzkräfte an den Bahnübergang „Führser Mühlweg“ geordert worden. Dort hätten sie mindestens drei stehende Züge sehen können, erklärte Marc Henkel. „Eine genaue Erkundung gestaltete sich jedoch schwierig, da der Gleisbereich nicht betreten werden durfte. Zu groß war die Gefahr ein 15.000-Volt-Stromschlag zu bekommen.“ Trotz der Gefahr hätten Reisende einer Regionalbahn den Zug zu verlassen und sich den Weg durch das Gleisbett Richtung Einsatzkräfte gemacht. „Eine lebensgefährliche Unternehmung, bei der zum Glück niemand zu Schaden kam“, mahnt Henkel Um das erhöhte Unfallrisiko einzudämmen, alarmierte Stadtbrandmeister Stephan Ottens die Ortsfeuerwehr Nienburg mit Beleuchtungsmaterial. Sie sicherte den Bereich des Bahnübergangs „Zur Stadtforst“ und leuchtete ihn aus. Bei der Erkundung habe die Bahn auch die schadhafte Stelle an der Oberleitung gefunden. Ein Instandhaltungstrupp der Deutschen Bahn habe sich umgehend an die Behebung des Fehlers gemacht. „Da aber eine zeitliche Eingrenzung bis zur Schadensbehebung nicht möglich war, entschied das Bahnpersonal die Evakuierung des Zuges. Zeitgleich konnte ein Teil der Strecke Nienburg-Hannover mit Strom versorgt werden, so dass zwei Züge in Richtung Neustadt mit einem Zwischenhalt in Linsburg rollen konnten“, führt Henkel aus. Ein ICE aus Hannover mit rund 450 Fahrgästen war kurz vor dem Nienburger Bahnhof stehengeblieben. Einsatzkräfte halfen den Reisenden aus dem Zug und begleiteten diese mit ihrem Gepäck zum nahegelegenen Real-Markt, wo sie in Busse einsteigen konnten. Während der Notfallmanager der Deutschen Bahn die Lage am ICE erkundete, hatten die Einsatzkräfte die Evakuierung der 450 Fahrgäste vorbereitet. Weitere rund 80 Passagiere zweier Züge, deren Reise im Nienburger Bahnhof vorzeitig beendet gewesen war, konnten ihre Fahrten ebenfalls in bereitstehenden Bussen fortsetzen. Um die Versorgung der Gestrandeten sowohl in Nienburg als auch in Linsburg kümmerten sich die Johanniter. Sie waren mit rund 40 Einsatzkräften ausgerückt und kümmerten sich um die Ausgabe von Getränken und standen bereit um bei Bedarf medizinische Notfälle zu versorgen, wie Pressebeauftragter Marc Lüpkemann erklärte. Zu den „Gestrandeten“ gehörte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann aus dem Wahlkreis Wesermarsch. Sie äußerte sich via Facebook zu dem Zwischenfall kritisch: „Was ist noch schlimmer als der Zustand der Bundeswehr? Das ist die DB!“ Ihrem Ärger machten mehrere Fahrgäste auch gegenüber Feuerwehrleuten Luft, erklärt Henkel: „Mangelnde Information und schlechte Versorgung waren die Schlagworte.“ Es hätten aber auch zahlreiche Betroffene die Arbeit der Einsatzkräfte zu schätzen gewusst. „Kurz vor 1 Uhr, es waren bereits 350 Fahrgäste evakuiert und mit Bussen abtransportiert worden, hatte es die Bahn geschafft, den Oberleitungsschaden zu beseitigen. Der ICE konnte seine Fahrt mit mehreren Stunden Verspätung in Richtung Bremen fortsetzen“, teilt Marc Henkel mit. Für die letzten Helfer der Johanniter war der Einsatz laut Lüpkemann gegen 3.15 Uhr beendet. Insgesamt seien sie mit sieben Fahrzeugen unterwegs gewesen. Hinzu kam die Bereitschaft der noch jungen Verpflegungsgruppe, bei der sich 33 Personen bereithielten. Ebenfalls im Einsatz waren die leitende Notarztgruppe des Landkreises, die Organisatorische Leitung des Rettungsdienstes sowiedie DLRG. Allein dieser Schaden kurz vor dem Bahnhof Nienburg hat den Bahnverkehr in Norddeutschland durcheinandergewirbelt. Weitere Verzögerungen im Bahnverkehr sollten sich über den Mittwoch ziehen, und erst am Donnerstag soll alles wieder planmäßig rollen.