Bielefeld

Drogendealer packt gegen Bielefelder Familienclan aus

Jürgen Mahncke

Strafverteidiger Clemens Louis mit dem Angeklagten Taylan C. im Landgericht. - © Jürgen Mahncke/nw
Strafverteidiger Clemens Louis mit dem Angeklagten Taylan C. im Landgericht. (© Jürgen Mahncke/nw)

Bielefeld (nw). Für Staatsanwalt Daniel Jobes konnte der erste Prozesstag, in dem sich Taylan C. wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu verantworten hatte, nicht besser laufen. Gemeinsam mit Mitgliedern eines jesidischen Familienclans soll der Angeklagte einen schwunghaften Handel mit Marihuana, Haschisch und Kokain betrieben haben.

Es wurde an- und verkauft und Erlöse aus den Drogendeals zu Anfang der geschäftlichen Beziehung 2015 auch geteilt. Von 2015 bis zum 15. März 2019 wurden etwa 190 Kilogramm Marihuana, 16 Kilogramm Haschisch und 2 Kilogramm Kokain, in den meisten Fällen aus Spanien angeliefert, in Ostwestfalen-Lippe verkauft.

Schon in der Grundschule gab es zwischen dem 31-jährigen Angeklagten und einem Clan-Mitglied erste Kontakte. Man verlor sich nicht aus den Augen. Gemeinsam startete das Duo einen zu Beginn noch kleinen Drogenhandel, der in der Zeit stetig wuchs. „Wir haben die Drogen aus Spanien bekommen. Als man uns vertraute, haben wir immer größere Mengen angeliefert bekommen. Bezahlen mussten wir erst dann, wenn die Ware gänzlich verkauft war“, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Am 16. März wurden der Angeklagte und mehrere Mitglieder des Familienclans festgenommen. Es wurden große Mengen an Drogen und Bargeld gefunden. - © Christian Mathiesen
Am 16. März wurden der Angeklagte und mehrere Mitglieder des Familienclans festgenommen. Es wurden große Mengen an Drogen und Bargeld gefunden. (© Christian Mathiesen)

Später kamen dann weitere Lieferanten der verbotenen Drogen dazu, aus den Niederlanden und auch aus Deutschland. Der Angeklagte und auch Mitglieder des Familienclans bunkerten das Rauschgift an verschiedenen Orten und bedienten sich teilweise am selben Depot. Am Anfang habe man eine gemeinsame Kasse gehabt, so Taylan C.. Von Familienmitgliedern sei er auch bei neuen Geschäftsanbahnungen um Rat gefragt worden und teilweise zu Treffpunkten mit den Großdealern mitgenommen worden.

Was weder Taylan C. noch Mitglieder des Familienclans wussten, schon ein Jahr vor ihrer Festnahme waren ihnen Ermittler auf der Spur. Telefonate wurden abgehört, Autos waren verwanzt, so dass Fahrwege genau nachvollzogen werden konnten.

Am 16. März stürmten dann Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos und einer Einsatzhundertschaft die Wohnungen des jesidischen Familienclans und des jetzt Angeklagten. Bei seiner Verhaftung wurden 4.500 Euro in bar in seiner Hosentasche und weitere 64.000 Euro in zwei Umschlägen in der Wohnung gefunden. Beim Familienclan fanden Ermittler mit Hilfe eines Spürhundes erhebliche Mengen an illegalen Drogen und große Summen an Bargeld.

Durch die umfangreichen und glaubwürdigen Aussagen des Angeklagten Taylan C. wird es Staatsanwalt Daniel Jobes nun wesentlich leichter fallen, im anstehenden Prozess gegen den jesidischen Familienclan seine Anklage zu begründen. Taylan C. ist zu einem Kronzeugen in der Hauptverhandlung gegen Mitglieder der Großfamilie geworden, die seit dem 16. März in Untersuchungshaft sitzen und vermutlich während der Verhandlung schweigen werden.

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BielefeldDrogendealer packt gegen Bielefelder Familienclan ausJürgen MahnckeBielefeld (nw). Für Staatsanwalt Daniel Jobes konnte der erste Prozesstag, in dem sich Taylan C. wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu verantworten hatte, nicht besser laufen. Gemeinsam mit Mitgliedern eines jesidischen Familienclans soll der Angeklagte einen schwunghaften Handel mit Marihuana, Haschisch und Kokain betrieben haben. Es wurde an- und verkauft und Erlöse aus den Drogendeals zu Anfang der geschäftlichen Beziehung 2015 auch geteilt. Von 2015 bis zum 15. März 2019 wurden etwa 190 Kilogramm Marihuana, 16 Kilogramm Haschisch und 2 Kilogramm Kokain, in den meisten Fällen aus Spanien angeliefert, in Ostwestfalen-Lippe verkauft. Schon in der Grundschule gab es zwischen dem 31-jährigen Angeklagten und einem Clan-Mitglied erste Kontakte. Man verlor sich nicht aus den Augen. Gemeinsam startete das Duo einen zu Beginn noch kleinen Drogenhandel, der in der Zeit stetig wuchs. „Wir haben die Drogen aus Spanien bekommen. Als man uns vertraute, haben wir immer größere Mengen angeliefert bekommen. Bezahlen mussten wir erst dann, wenn die Ware gänzlich verkauft war“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Später kamen dann weitere Lieferanten der verbotenen Drogen dazu, aus den Niederlanden und auch aus Deutschland. Der Angeklagte und auch Mitglieder des Familienclans bunkerten das Rauschgift an verschiedenen Orten und bedienten sich teilweise am selben Depot. Am Anfang habe man eine gemeinsame Kasse gehabt, so Taylan C.. Von Familienmitgliedern sei er auch bei neuen Geschäftsanbahnungen um Rat gefragt worden und teilweise zu Treffpunkten mit den Großdealern mitgenommen worden. Was weder Taylan C. noch Mitglieder des Familienclans wussten, schon ein Jahr vor ihrer Festnahme waren ihnen Ermittler auf der Spur. Telefonate wurden abgehört, Autos waren verwanzt, so dass Fahrwege genau nachvollzogen werden konnten. Am 16. März stürmten dann Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos und einer Einsatzhundertschaft die Wohnungen des jesidischen Familienclans und des jetzt Angeklagten. Bei seiner Verhaftung wurden 4.500 Euro in bar in seiner Hosentasche und weitere 64.000 Euro in zwei Umschlägen in der Wohnung gefunden. Beim Familienclan fanden Ermittler mit Hilfe eines Spürhundes erhebliche Mengen an illegalen Drogen und große Summen an Bargeld. Durch die umfangreichen und glaubwürdigen Aussagen des Angeklagten Taylan C. wird es Staatsanwalt Daniel Jobes nun wesentlich leichter fallen, im anstehenden Prozess gegen den jesidischen Familienclan seine Anklage zu begründen. Taylan C. ist zu einem Kronzeugen in der Hauptverhandlung gegen Mitglieder der Großfamilie geworden, die seit dem 16. März in Untersuchungshaft sitzen und vermutlich während der Verhandlung schweigen werden.