Der Wald in OWL ist so bedroht wie noch nie

Kristina Grube

Der Baum, der in den Wäldern in OWL derzeit auf Platz eins der bedrohten Arten stehe, sei die Buche, so ein Experte. - © picture alliance/dpa
Der Baum, der in den Wäldern in OWL derzeit auf Platz eins der bedrohten Arten stehe, sei die Buche, so ein Experte. (© picture alliance/dpa)

Bielefeld. Das Ausmaß des Baumsterbens in Ostwestfalen-Lippe hat in diesem Jahr ein trauriges Hoch erreicht. Erhard Oehle, Leiter des Forstbezirks Bielefeld, ist sich sicher: „So schlecht wie jetzt ging es den Bäumen noch nie."

Zunächst wütete das verheerende Sturmtief Friederike im Januar 2018 und hinterließ große Lücken im Baumbestand. Danach folgte ein Hitzesommer, der in diesem Jahr sogar noch einmal überboten wurde. Dazu eine langanhaltende Trockenheit.

Die Folge: Die geschwächten Bäume wurden von unterschiedlichen Insekten und Pilzen befallen. Eigene Abwehrmechanismen wie die Produktion von Harz blieben aus. Um Wasser zu sparen, werfen Bäume deshalb zuerst ihre Blätter und anschließend ihre Äste ab. „Es müsste vier bis sechs Wochen lang einen Landregen geben, um den Wassermangel wieder auszugleichen", sagt Oehle.

Buche auf Platz eins der bedrohten Arten

Nun sind viele Bäume tot und knochentrocken. Der Baum, der in den Wäldern in OWL derzeit auf Platz eins der bedrohten Arten stehe, sei die Buche, sagt Markus Uhr, Revierförster des Regionalforstamts OWL in Minden-Lübbecke. „Bei Trockenheit wird sie schnell brüchig und während der Baum abstirbt, befallen ihn schnell Pilze, die das Holz spröde machen." Schlage das Buchenholz auf den Boden auf, zerspringe es wie Glas, beschreibt Oehle. Dazu reiche bei der Buche bereits ein kräftiger Windstoß aus oder die Berührung einer benachbarten Baumkrone.

Eine ausgesprochen gefährliche Situation für Wanderer, die aus rund 20 Metern Höhe getroffen werden können. Noch seien keine Waldflächen gesperrt worden, „aber ausgeschlossen ist es nicht", sagt Andreas Roess, Pressesprecher des Regionalforstamts OWL. Wer einen Wald betrete, mache dies auf eigene Gefahr, erinnert Uhr. Anders in den Städten – die Kreise Herford, Minden-Lübbecke und die Stadt Gütersloh etwa, warnten ihre Bürger vor herabstürzenden Ästen und prüften ihren Bestand auf Totholz an Straßen und Radwegen. Am Blömkeberg im Bielefelder Ortsteil Quelle wurden rund 70 Buchen gefällt. Sie waren bereits abgestorben.

"Vor uns liegt ein Änderungsprozess"

Manch ein Wanderer habe sich sorgenvoll an Oehle gewandt, man erkenne den Wald kaum wieder. „Vor uns liegt ein Änderungsprozess im Wald. Unsere Aufgabe ist es jetzt, zu schauen, welche Baumarten für das Aufforsten in Frage kommen", sagt Oehle. Die Weißtanne, ein Baum aus dem Schwarzwald, oder die Traubeneiche nennt er als mögliche Alternativen. Das müsse im Einzelfall entschieden werden, je nach Standort und Bodenbeschaffenheit.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Der Wald in OWL ist so bedroht wie noch nieKristina GrubeBielefeld. Das Ausmaß des Baumsterbens in Ostwestfalen-Lippe hat in diesem Jahr ein trauriges Hoch erreicht. Erhard Oehle, Leiter des Forstbezirks Bielefeld, ist sich sicher: „So schlecht wie jetzt ging es den Bäumen noch nie." Zunächst wütete das verheerende Sturmtief Friederike im Januar 2018 und hinterließ große Lücken im Baumbestand. Danach folgte ein Hitzesommer, der in diesem Jahr sogar noch einmal überboten wurde. Dazu eine langanhaltende Trockenheit. Die Folge: Die geschwächten Bäume wurden von unterschiedlichen Insekten und Pilzen befallen. Eigene Abwehrmechanismen wie die Produktion von Harz blieben aus. Um Wasser zu sparen, werfen Bäume deshalb zuerst ihre Blätter und anschließend ihre Äste ab. „Es müsste vier bis sechs Wochen lang einen Landregen geben, um den Wassermangel wieder auszugleichen", sagt Oehle. Buche auf Platz eins der bedrohten Arten Nun sind viele Bäume tot und knochentrocken. Der Baum, der in den Wäldern in OWL derzeit auf Platz eins der bedrohten Arten stehe, sei die Buche, sagt Markus Uhr, Revierförster des Regionalforstamts OWL in Minden-Lübbecke. „Bei Trockenheit wird sie schnell brüchig und während der Baum abstirbt, befallen ihn schnell Pilze, die das Holz spröde machen." Schlage das Buchenholz auf den Boden auf, zerspringe es wie Glas, beschreibt Oehle. Dazu reiche bei der Buche bereits ein kräftiger Windstoß aus oder die Berührung einer benachbarten Baumkrone. Eine ausgesprochen gefährliche Situation für Wanderer, die aus rund 20 Metern Höhe getroffen werden können. Noch seien keine Waldflächen gesperrt worden, „aber ausgeschlossen ist es nicht", sagt Andreas Roess, Pressesprecher des Regionalforstamts OWL. Wer einen Wald betrete, mache dies auf eigene Gefahr, erinnert Uhr. Anders in den Städten – die Kreise Herford, Minden-Lübbecke und die Stadt Gütersloh etwa, warnten ihre Bürger vor herabstürzenden Ästen und prüften ihren Bestand auf Totholz an Straßen und Radwegen. Am Blömkeberg im Bielefelder Ortsteil Quelle wurden rund 70 Buchen gefällt. Sie waren bereits abgestorben. "Vor uns liegt ein Änderungsprozess" Manch ein Wanderer habe sich sorgenvoll an Oehle gewandt, man erkenne den Wald kaum wieder. „Vor uns liegt ein Änderungsprozess im Wald. Unsere Aufgabe ist es jetzt, zu schauen, welche Baumarten für das Aufforsten in Frage kommen", sagt Oehle. Die Weißtanne, ein Baum aus dem Schwarzwald, oder die Traubeneiche nennt er als mögliche Alternativen. Das müsse im Einzelfall entschieden werden, je nach Standort und Bodenbeschaffenheit.