Drei Fragen an Dr. Jens Prager von der Handwerkskammer OWL: „Der Meisterbrief steht für Qualität“

Julika Bergermann

Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. - © Jörg Dieckmann
Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer, Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. (© Jörg Dieckmann)

Die Große Koalition will zurück zur Meisterpflicht. In zwölf Gewerken sollen ab 2020 Betriebe nur noch von ausgebildeten Handwerksmeistern geführt werden dürfen. Dr. Jens Prager von der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe begrüßt dieses Vorhaben.

Wie steht die Handwerkskammer OWL zur geplanten Wiedereinführung der Meisterpflicht?

Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe begrüßt, dass die große Koalition dem Bundestag in einem Gesetzentwurf die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerken vorschlagen wird. Die damit verbundene Reform der Handwerksordnung basiert auf intensiven Gesprächen und sorgfältiger Prüfung. Der Meisterbrief steht für Qualität, Verbraucherschutz und Ausbildung. Ein starkes Handwerk ist ein wichtiger Baustein für die Wirtschaftskraft und den Wohlstand in Deutschland.

Werden bestehende Betriebe ohne Meisterpflicht zum Handwerk 2. Klasse?

Nein, das denke ich nicht. Für alle bestehenden Betriebe ohne Meisterbrief wird es einen Bestandsschutz geben. Es wurden verschiedene Prüfkriterien zugrunde gelegt, um die Fehlentwicklungen aus der Handwerksreform aus 2004 zu korrigieren. Bei der Auswahl der Gewerke galt es, darauf zu achten, ob bei fehlender Meisterqualifikation Gefahren für Leben oder Gesundheit der Beschäftigten beziehungsweise. Kunden entstehen könnten. Wenn bestehende Betriebe ihren Kunden die notwendige Qualität sowie einen Gewährleistungs- und Verbraucherschutz bieten können, werden sie sicherlich weiterhin dem Markt erhalten bleiben.

Das Handwerk klagt über Nachwuchsmangel – wie lässt sich das beheben?

Durch einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist laut Statistiken leider aktuell eher Wunschdenken denn Realität. Wir brauchen wieder mehr junge Leute, die eine handwerkliche Ausbildung als attraktiven Karriereweg sehen. Die Ausbildung in den Betrieben ist genauso viel wert wie die an den Universitäten. Bildungspolitisch müssen alle Schulabschlüsse gleichermaßen wertgeschätzt werden, denn kognitive und handwerkliche Begabungen sind absolut gleichwertig.

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Drei Fragen an Dr. Jens Prager von der Handwerkskammer OWL: „Der Meisterbrief steht für Qualität“Julika BergermannDie Große Koalition will zurück zur Meisterpflicht. In zwölf Gewerken sollen ab 2020 Betriebe nur noch von ausgebildeten Handwerksmeistern geführt werden dürfen. Dr. Jens Prager von der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe begrüßt dieses Vorhaben. Wie steht die Handwerkskammer OWL zur geplanten Wiedereinführung der Meisterpflicht? Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe begrüßt, dass die große Koalition dem Bundestag in einem Gesetzentwurf die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerken vorschlagen wird. Die damit verbundene Reform der Handwerksordnung basiert auf intensiven Gesprächen und sorgfältiger Prüfung. Der Meisterbrief steht für Qualität, Verbraucherschutz und Ausbildung. Ein starkes Handwerk ist ein wichtiger Baustein für die Wirtschaftskraft und den Wohlstand in Deutschland. Werden bestehende Betriebe ohne Meisterpflicht zum Handwerk 2. Klasse? Nein, das denke ich nicht. Für alle bestehenden Betriebe ohne Meisterbrief wird es einen Bestandsschutz geben. Es wurden verschiedene Prüfkriterien zugrunde gelegt, um die Fehlentwicklungen aus der Handwerksreform aus 2004 zu korrigieren. Bei der Auswahl der Gewerke galt es, darauf zu achten, ob bei fehlender Meisterqualifikation Gefahren für Leben oder Gesundheit der Beschäftigten beziehungsweise. Kunden entstehen könnten. Wenn bestehende Betriebe ihren Kunden die notwendige Qualität sowie einen Gewährleistungs- und Verbraucherschutz bieten können, werden sie sicherlich weiterhin dem Markt erhalten bleiben. Das Handwerk klagt über Nachwuchsmangel – wie lässt sich das beheben? Durch einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist laut Statistiken leider aktuell eher Wunschdenken denn Realität. Wir brauchen wieder mehr junge Leute, die eine handwerkliche Ausbildung als attraktiven Karriereweg sehen. Die Ausbildung in den Betrieben ist genauso viel wert wie die an den Universitäten. Bildungspolitisch müssen alle Schulabschlüsse gleichermaßen wertgeschätzt werden, denn kognitive und handwerkliche Begabungen sind absolut gleichwertig.