Rinteln

Kauft Hameln den Jahrtausendblick?

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Seit über 19 Jahren throhnt der Jahrtausendblick über Rinteln. - © Foto: SN
Seit über 19 Jahren throhnt der Jahrtausendblick über Rinteln. (© Foto: SN)

Rinteln (sn). Seit über 19 Jahren krönt der steinerne „Jahrtausendblick“ das Wesergebirge über Steinbergen. Errichtet wurde er als dezentrales Expo-Projekt, geplant vom Architekten Günter Zamp Kelp. Mit der Insolvenz des Erlebnisparkes Steinzeichen Steinbergen kehrte Ruhe ein. Legal lässt sich der „Jahrtausendblick“ derzeit nicht betreten.

Jetzt sorgt ein Antrag des Hamelner Kreistagsabgeordneten Helmuth Mönkeberg für Irritation in Rinteln. Er schlägt vor, der Nachbarlandkreis solle den „Jahrtausendblick“ kaufen, ihn abbauen und in Hameln-Pyrmont wieder aufbauen. „Menschenskind, ehe das verrottet oder umkippt, sollte man doch zumindest versuchen, es woanders hinzustellen“, appelliert Mönkeberg im Gespräch mit dieser Zeitung.

Auch der von ihm ins Auge gefasste neue Standort ist pikant: Nämlich oberhalb des Bückeberges, wo in der NS-Diktatur das Reichserntedankfest veranstaltet wurde und derzeit eine Gedenkstätte geplant wird (wir berichteten). „Mit dem Aussichtsturm hätte man auch einen anderen Blickwinkel, nicht nur dort, wo damals Hitler gewütet hat.“ Auch den bevorstehenden Rückbau des Atomkraftwerkes Grohnde könne man mithilfe des „Jahrtausendblicks“ vom Bückeberg aus gut sehen.

Der Bückeberg in Hameln-Pyrmont soll mit einer Gedenkstätte an das Reichserntedankfest der Nationalsozialisten erinnern. Im Hintergrund ist das Atomkraftwerk Grohnde zu erkennen. - © Foto: dana
Der Bückeberg in Hameln-Pyrmont soll mit einer Gedenkstätte an das Reichserntedankfest der Nationalsozialisten erinnern. Im Hintergrund ist das Atomkraftwerk Grohnde zu erkennen. (© Foto: dana)

Der Plan von Mönkeberg stößt bei Matthias Gräbner auf wenig Gegenliebe. Er ist Geschäftsführer der Touristikagentur Westliches Weserbergland, und beschäftigt sich mit der Nachnutzung des insolventen Erlebnisparkes Steinzeichen Steinbergen. Heißestes Eisen im Feuer: ein Mountainbike-Park (wir berichteten). Aber egal, was kommt: „Zentraler Bestandteil aller Konzepte ist der ‚Jahrtausendblick’“, betont Gräbner. Unabhängig davon, welche Pläne am Ende verwirklicht werden, sie alle bauen auf dem „Jahrtausendblick“ als Wahrzeichen auf.

Doch entscheiden kann Gräbner das nicht. Der Insolvenzverwalter der Erlebniswelt Steinzeichen Steinbergen hat allerdings gegenüber dem Landkreis Hameln-Pyrmont bereits signalisiert, dass er eine „Zerstückelung“ der Insolvenzmasse nicht präferiere. Dadurch würde eine Nachnutzung kaum noch möglich sein. Vor diesem Hintergrund empfiehlt auch der Hamelner Landkreis, den Antrag nicht weiter zu verfolgen.

Der Architekt des „Jahrtausendblicks“, Günter Zamp Kelp, hält einen Ab- und Wiederaufbau zwar für „grundsätzlich machbar, aber für sehr teuer“. Begeistert sei er von der Idee allerdings nicht, gibt er auf Anfrage dieser Zeitung unumwunden zu. „Aus meiner Sicht wäre es schade, wenn er von dort wegkommt.“ Der „Jahrtausendblick“ sei als Objekt im Fluss der Zeit konzipiert gewesen. „Wenn man den jetzt versetzt, stellt er sich ja langsam selbst infrage.“ Er wünscht sich, dass der „Jahrtausendblick“ in den geplanten Mountainbike-Park integriert wird. „Die können ein Wahrzeichen gut gebrauchen.“

Seit über 19 Jahren thront er über Rinteln, der „Jahrtausendblick“ auf dem Gelände des ehemaligen Steinzeichens Steinbergen. Schon lange ist fraglich, was aus dem Gelände wird, diskutiert wird derzeit ein Bikepark (wir berichteten). Jetzt gibt es den Antrag, die Aussichtsplattform abzubauen und in Hameln-Pyrmont aufzubauen. Foto: tol

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RintelnKauft Hameln den Jahrtausendblick?Rinteln (sn). Seit über 19 Jahren krönt der steinerne „Jahrtausendblick“ das Wesergebirge über Steinbergen. Errichtet wurde er als dezentrales Expo-Projekt, geplant vom Architekten Günter Zamp Kelp. Mit der Insolvenz des Erlebnisparkes Steinzeichen Steinbergen kehrte Ruhe ein. Legal lässt sich der „Jahrtausendblick“ derzeit nicht betreten. Jetzt sorgt ein Antrag des Hamelner Kreistagsabgeordneten Helmuth Mönkeberg für Irritation in Rinteln. Er schlägt vor, der Nachbarlandkreis solle den „Jahrtausendblick“ kaufen, ihn abbauen und in Hameln-Pyrmont wieder aufbauen. „Menschenskind, ehe das verrottet oder umkippt, sollte man doch zumindest versuchen, es woanders hinzustellen“, appelliert Mönkeberg im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch der von ihm ins Auge gefasste neue Standort ist pikant: Nämlich oberhalb des Bückeberges, wo in der NS-Diktatur das Reichserntedankfest veranstaltet wurde und derzeit eine Gedenkstätte geplant wird (wir berichteten). „Mit dem Aussichtsturm hätte man auch einen anderen Blickwinkel, nicht nur dort, wo damals Hitler gewütet hat.“ Auch den bevorstehenden Rückbau des Atomkraftwerkes Grohnde könne man mithilfe des „Jahrtausendblicks“ vom Bückeberg aus gut sehen. Der Plan von Mönkeberg stößt bei Matthias Gräbner auf wenig Gegenliebe. Er ist Geschäftsführer der Touristikagentur Westliches Weserbergland, und beschäftigt sich mit der Nachnutzung des insolventen Erlebnisparkes Steinzeichen Steinbergen. Heißestes Eisen im Feuer: ein Mountainbike-Park (wir berichteten). Aber egal, was kommt: „Zentraler Bestandteil aller Konzepte ist der ‚Jahrtausendblick’“, betont Gräbner. Unabhängig davon, welche Pläne am Ende verwirklicht werden, sie alle bauen auf dem „Jahrtausendblick“ als Wahrzeichen auf. Doch entscheiden kann Gräbner das nicht. Der Insolvenzverwalter der Erlebniswelt Steinzeichen Steinbergen hat allerdings gegenüber dem Landkreis Hameln-Pyrmont bereits signalisiert, dass er eine „Zerstückelung“ der Insolvenzmasse nicht präferiere. Dadurch würde eine Nachnutzung kaum noch möglich sein. Vor diesem Hintergrund empfiehlt auch der Hamelner Landkreis, den Antrag nicht weiter zu verfolgen. Der Architekt des „Jahrtausendblicks“, Günter Zamp Kelp, hält einen Ab- und Wiederaufbau zwar für „grundsätzlich machbar, aber für sehr teuer“. Begeistert sei er von der Idee allerdings nicht, gibt er auf Anfrage dieser Zeitung unumwunden zu. „Aus meiner Sicht wäre es schade, wenn er von dort wegkommt.“ Der „Jahrtausendblick“ sei als Objekt im Fluss der Zeit konzipiert gewesen. „Wenn man den jetzt versetzt, stellt er sich ja langsam selbst infrage.“ Er wünscht sich, dass der „Jahrtausendblick“ in den geplanten Mountainbike-Park integriert wird. „Die können ein Wahrzeichen gut gebrauchen.“ Seit über 19 Jahren thront er über Rinteln, der „Jahrtausendblick“ auf dem Gelände des ehemaligen Steinzeichens Steinbergen. Schon lange ist fraglich, was aus dem Gelände wird, diskutiert wird derzeit ein Bikepark (wir berichteten). Jetzt gibt es den Antrag, die Aussichtsplattform abzubauen und in Hameln-Pyrmont aufzubauen. Foto: tol