Lübbecke

Tierheim Lübbecke rettet kranke Tierbabys vor dem Einschläfern

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Die Welpen Lilo und Stitch wurden gerettet. - © Foto: Heike von Schulz
Die Welpen Lilo und Stitch wurden gerettet. (© Foto: Heike von Schulz)

Lübbecke (nw). Lilo und Stitch, zwei englische Bulldoggen-Mix-Welpen sind so, wie man Welpen kennt. Sie sind ständig in Bewegung, quirlig, lebendig und voller Tatendrang, denn schließlich wollen sie noch die ganze Welt kennenlernen. Natürlich sind sie auch bestrebt, möglichst oft in der Nähe ihrer Betreuerinnen vom Lübbecker Tierheim zu sein. Die haben es sich – etwas erhöht – auf einem Podest in einem weitläufigen Zwinger gemütlich gemacht. Er befindet sich innerhalb des Tierheimgeländes.

Die beiden Tierpflegerinnen Laura Zimme (l.) - sie hält Lilo im Arm mit ihrer Kollegin Tierpflegerin Sabine Gervelis - sie schmust gerade mit Stitch - im Lübbecker Tierheim. Beide haben dafür gesorgt, dass die beiden englisch Bulldog-Welpen-Mixe die Schwimmer-Krankheit überwinden. - © Foto: Heike von Schulz
Die beiden Tierpflegerinnen Laura Zimme (l.) - sie hält Lilo im Arm mit ihrer Kollegin Tierpflegerin Sabine Gervelis - sie schmust gerade mit Stitch - im Lübbecker Tierheim. Beide haben dafür gesorgt, dass die beiden englisch Bulldog-Welpen-Mixe die Schwimmer-Krankheit überwinden. (© Foto: Heike von Schulz)

Kein Problem für die beiden Hundebabys, die doch so gerne auf den Arm möchten. Sie recken und strecken sich, nehmen Anlauf, so dass auch dieses kleine Hindernis schnell geschafft ist.

Die beiden Tierpflegerinnen Laura Zimmer und Sabine Gervelis belohnen Lilo und Stitch gerne für ihre Mühen. Sie kommen beide auf den Arm, werden gekrault und gedrückt.

Vor gut sechs Wochen sah das noch völlig anders aus. Das Tierheim Lübbecke erhielt einen Notfall-Anruf. Es ging um Lilo und Stitch, die eingeschläfert werden sollten, weil ihre Besitzer einfach nicht mehr weiter wussten und überfordert waren.

Die beiden bereits acht Wochen alten Welpen waren mit einer starken Bewegungseinschränkung zur Welt gekommen, die sich nicht bessern wollte. Sie litten unter dem Schwimmer-Syndrom. Betroffene Tiere strecken ihre Hintergliedmaßen, seltener auch ihre Vordergliedmaßen seitlich heraus, liegen flach auf dem Boden und können nicht aufstehen. Der Muskeltonus ist vermindert. Fortbewegt durch schwimmende Ruderbewegungen

Die Fortbewegung geschieht mittels schwimmender Ruderbewegungen, was dem Syndrom seinen Namen gab. Die Symptome sind auf glatten Oberflächen stärker ausgeprägt. Das Tierheim Lübbecke beschloss, die beiden Welpen zu retten, nahm sie auf und behandelte ihre Krankheit.

„Bis jetzt hatten wir keine Erfahrung mit der Erkrankung, aber wir wussten, dass man so was mit viel Physiotherapie in den Griff bekommen kann", sagt die fest angestellte Tierpflegerin Laura Zimmer im Gespräch mit der NW. „Also sind Lilo und Stitch bei uns eingezogen". Beide konnten sich anfangs nur robbend fortbewegen. „Manchmal lagen sie einfach nur flach auf dem Boden."

Doch die Tierpflegerinnen des Tierheims Lübbecke nahmen die Aufgabe gerne an und entwickelten gemeinsam einen Rettungsplan. Und der nahm gleich mehrere Tierpflegerinnen und auch ehrenamtliche Mitarbeiter in den kommenden gut vier Wochen ganz schön in Beschlag. Die wichtigste Adresse für die Tierfreunde war dabei die „Praxis für Hundephysiotherapie nach Blümchen" in Kirchlengern. Auch ein Tierarzt wurde zunächst konsultiert, der den beiden Welpen ansonsten völlige Gesundheit attestierte. Praxis für Hundephysiotherapie gab wichtige Tipps

„Von der Praxis in Kirchlengern erhielten wir die wichtigsten Tipps, wie wir unsere beiden Babys zum Laufen bringen konnten", so Laura Zimmer." Nunmehr wurde ein genauer Rettungsplan entwickelt, der genauestens eingehalten werden musste. Mindestens fünf Mal am Tag mussten Stitch und Lilo an den Hinterpfoten bewegt werden.

Auch wenn es sicherlich nicht immer ganz schmerzfrei für die beiden war und sie sich sträubten, mussten die Tierpflegerinen die Beine auseinanderziehen, sie auch in kreisende Bewegungen versetzen und so verschiedenste Übungen vollziehen. „Es geht vor allem auch darum, Muskelgewebe aufzubauen, so dass die beiden ihre Beine bald von alleine bewegen konnten", sagt Sabine Gervelis.

Gesagt, getan. Immer, wenn es die Zeit zuließ, wurden die beiden Lieblinge bewegt. Schließlich mussten auch die Hinterläufe getaped und festgebunden werden, um sie so zu zwingen nebeneinander zu stehen und sich parallel fortzubewegen.

„Nach einiger Zeit sahen wir die Fortschritte und die beiden fingen an, sich auch mit den Hinterläufen aufrecht fortzubewegen", freute sich Laura Zimmer. Zwischendurch kamen beide auch noch auf ein Unterwasserlaufband.

Bereits nach gut vier Wochen war so viel Muskelgewebe aufgebaut worden, dass sich Lilo und Stitch daran gewöhnen konnten richtig zu laufen. „Und jetzt können sie selbst sehen, was die beiden für tolle Fortschritte in den letzten Wochen gemacht haben", sagen Laura Zimmer und Sabine Gervelis.

Die beiden Welpen können nach ihrer Heilung das Tierheim bald wieder verlassen. „Wir haben einige Interessenten, die sie gerne aufnehmen würden", sagt Laura Zimmer.

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LübbeckeTierheim Lübbecke rettet kranke Tierbabys vor dem EinschläfernLübbecke (nw). Lilo und Stitch, zwei englische Bulldoggen-Mix-Welpen sind so, wie man Welpen kennt. Sie sind ständig in Bewegung, quirlig, lebendig und voller Tatendrang, denn schließlich wollen sie noch die ganze Welt kennenlernen. Natürlich sind sie auch bestrebt, möglichst oft in der Nähe ihrer Betreuerinnen vom Lübbecker Tierheim zu sein. Die haben es sich – etwas erhöht – auf einem Podest in einem weitläufigen Zwinger gemütlich gemacht. Er befindet sich innerhalb des Tierheimgeländes. Kein Problem für die beiden Hundebabys, die doch so gerne auf den Arm möchten. Sie recken und strecken sich, nehmen Anlauf, so dass auch dieses kleine Hindernis schnell geschafft ist. Die beiden Tierpflegerinnen Laura Zimmer und Sabine Gervelis belohnen Lilo und Stitch gerne für ihre Mühen. Sie kommen beide auf den Arm, werden gekrault und gedrückt. Vor gut sechs Wochen sah das noch völlig anders aus. Das Tierheim Lübbecke erhielt einen Notfall-Anruf. Es ging um Lilo und Stitch, die eingeschläfert werden sollten, weil ihre Besitzer einfach nicht mehr weiter wussten und überfordert waren. Die beiden bereits acht Wochen alten Welpen waren mit einer starken Bewegungseinschränkung zur Welt gekommen, die sich nicht bessern wollte. Sie litten unter dem Schwimmer-Syndrom. Betroffene Tiere strecken ihre Hintergliedmaßen, seltener auch ihre Vordergliedmaßen seitlich heraus, liegen flach auf dem Boden und können nicht aufstehen. Der Muskeltonus ist vermindert. Fortbewegt durch schwimmende Ruderbewegungen Die Fortbewegung geschieht mittels schwimmender Ruderbewegungen, was dem Syndrom seinen Namen gab. Die Symptome sind auf glatten Oberflächen stärker ausgeprägt. Das Tierheim Lübbecke beschloss, die beiden Welpen zu retten, nahm sie auf und behandelte ihre Krankheit. „Bis jetzt hatten wir keine Erfahrung mit der Erkrankung, aber wir wussten, dass man so was mit viel Physiotherapie in den Griff bekommen kann", sagt die fest angestellte Tierpflegerin Laura Zimmer im Gespräch mit der NW. „Also sind Lilo und Stitch bei uns eingezogen". Beide konnten sich anfangs nur robbend fortbewegen. „Manchmal lagen sie einfach nur flach auf dem Boden." Doch die Tierpflegerinnen des Tierheims Lübbecke nahmen die Aufgabe gerne an und entwickelten gemeinsam einen Rettungsplan. Und der nahm gleich mehrere Tierpflegerinnen und auch ehrenamtliche Mitarbeiter in den kommenden gut vier Wochen ganz schön in Beschlag. Die wichtigste Adresse für die Tierfreunde war dabei die „Praxis für Hundephysiotherapie nach Blümchen" in Kirchlengern. Auch ein Tierarzt wurde zunächst konsultiert, der den beiden Welpen ansonsten völlige Gesundheit attestierte. Praxis für Hundephysiotherapie gab wichtige Tipps „Von der Praxis in Kirchlengern erhielten wir die wichtigsten Tipps, wie wir unsere beiden Babys zum Laufen bringen konnten", so Laura Zimmer." Nunmehr wurde ein genauer Rettungsplan entwickelt, der genauestens eingehalten werden musste. Mindestens fünf Mal am Tag mussten Stitch und Lilo an den Hinterpfoten bewegt werden. Auch wenn es sicherlich nicht immer ganz schmerzfrei für die beiden war und sie sich sträubten, mussten die Tierpflegerinen die Beine auseinanderziehen, sie auch in kreisende Bewegungen versetzen und so verschiedenste Übungen vollziehen. „Es geht vor allem auch darum, Muskelgewebe aufzubauen, so dass die beiden ihre Beine bald von alleine bewegen konnten", sagt Sabine Gervelis. Gesagt, getan. Immer, wenn es die Zeit zuließ, wurden die beiden Lieblinge bewegt. Schließlich mussten auch die Hinterläufe getaped und festgebunden werden, um sie so zu zwingen nebeneinander zu stehen und sich parallel fortzubewegen. „Nach einiger Zeit sahen wir die Fortschritte und die beiden fingen an, sich auch mit den Hinterläufen aufrecht fortzubewegen", freute sich Laura Zimmer. Zwischendurch kamen beide auch noch auf ein Unterwasserlaufband. Bereits nach gut vier Wochen war so viel Muskelgewebe aufgebaut worden, dass sich Lilo und Stitch daran gewöhnen konnten richtig zu laufen. „Und jetzt können sie selbst sehen, was die beiden für tolle Fortschritte in den letzten Wochen gemacht haben", sagen Laura Zimmer und Sabine Gervelis. Die beiden Welpen können nach ihrer Heilung das Tierheim bald wieder verlassen. „Wir haben einige Interessenten, die sie gerne aufnehmen würden", sagt Laura Zimmer.