Bielefeld

Anzeige erstattet: Missbrauchsverdacht in Bielefelder Kita

Jens Reichenbach

Ein Erzieher steht unter Verdacht, eines seiner Kita-Kinder sexuell missbraucht zu haben. Am Dienstag klärte der Träger die Eltern auf. - © Symbolfoto: Pixabay / Creative Commons
Ein Erzieher steht unter Verdacht, eines seiner Kita-Kinder sexuell missbraucht zu haben. Am Dienstag klärte der Träger die Eltern auf. (© Symbolfoto: Pixabay / Creative Commons)

Bielefeld. Die Nachricht von dem Kita-Erzieher, der eines seiner zu betreuenden Kinder sexuell missbraucht haben soll, hat für großes Entsetzen bei Kollegen, Verantwortlichen und vor allem bei den Eltern gesorgt. Am Dienstagabend konnten endlich die Eltern der Einrichtung im Bielefelder Süden ihre Fragen und Sorgen loswerden. Der Kirchenkreis Gütersloh, der Träger der Kita ist, bot ein breites Spektrum an Hilfsangeboten an.

Was war passiert? Bereits vor den Sommerferien hatten die Eltern des betroffenen Kindes die Kita-Leitung über einen Verdacht informiert, der sich bei genauer Prüfung für die Verantwortlichen erhärtete, erläuterte Kirchenkreis-Sprecherin Frauke Brauns: "Die Kita-Leitung hat daraufhin den Kirchenkreis über den Missbrauchsverdacht unterrichtet." Der kirchliche Träger erstattete daraufhin Strafanzeige gegen den Mitarbeiter. Inzwischen ermitteln Kripo und Staatsanwaltschaft gegen den Erzieher, der umgehend suspendiert wurde.

Wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?

Aufgrund der Sommerferien war es für die Verantwortlichen schwierig, die Eltern zeitnah zu informieren. Am Dienstagabend kam nun trotzdem ein Elternabend zustande, bei dem Fachkräfte des Kirchenkreises die Eltern aller Kinder über die neue Situation in der Kita aufklären konnten. "Zu dem Vorfall selbst gab es keine weiteren Erklärungen", so Brauns. "Darum sind wir von den ermittelnden Behörden gebeten worden. Aber wir haben trotzdem viele Fragen der Eltern beantworten können."

Die meisten Fragen der Eltern drehten sich um das Thema: "Wie erkenne ich, ob mein Kind auch betroffen ist?" Und genau das konnten die eingeladenen Expertinnen nicht eindeutig beantworten: "Jedes Kind reagiert anders." Eltern sollten daher ihre Kinder gut beobachten, aber nicht mit Fragen verunsichern. Aufmerksam werden sollte jeder, wenn das Kind ein verändertes Verhalten zeigt oder plötzlich nicht mehr in die Kita gehen möchte. Doch was mache ich in so einem Fall? "Der Tenor der Fachleute war immer wieder: Wenn ich unsicher bin, dann sollte ich mit Hilfe holen und Experten um Rat fragen", so Brauns.

Große Betroffenheit und fachlicher und seelsorgerlicher Bedarf

Vor Ort boten Mitarbeiterinnen der Erziehungs-, Familien- und Krisenberatungsstelle Sennestadt (Diakonie für Bielefeld) und der "Ärztlichen Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern" Unterstützung, Hilfe oder Gespräche. Aber auch die Kita-Fachberaterin des Kirchenkreises, die Geschäftsführerin des Verbundes sowie das Pfarrteam der zuständigen Kirchengemeinde boten fachliche und seelsorgerliche Hilfe an. "Wir wollten bewusst ein großes Spektrum an Angeboten bieten."

Denn vor Ort zeigte sich, dass manche Eltern eher fachliche Aufklärung benötigten, andere eher seelsorgerliche. "Wenn man weiß, wie viele Frauen in ihrem Leben von Missbrauch betroffen sind, ist es klar, dass manche sehr betroffen reagieren, auch wen ihr Kind kein Opfer des Missbrauchs geworden ist", betont Brauns.

Gute Nachricht für die Zukunft in der Kita: Die Sprecherin des Träger berichtete, dass die Eltern nach den offenen Worten der Kita-Leitung dem Erzieher-Team mit Applaus ihr Vertrauen aussprachen.

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BielefeldAnzeige erstattet: Missbrauchsverdacht in Bielefelder KitaJens ReichenbachBielefeld. Die Nachricht von dem Kita-Erzieher, der eines seiner zu betreuenden Kinder sexuell missbraucht haben soll, hat für großes Entsetzen bei Kollegen, Verantwortlichen und vor allem bei den Eltern gesorgt. Am Dienstagabend konnten endlich die Eltern der Einrichtung im Bielefelder Süden ihre Fragen und Sorgen loswerden. Der Kirchenkreis Gütersloh, der Träger der Kita ist, bot ein breites Spektrum an Hilfsangeboten an. Was war passiert? Bereits vor den Sommerferien hatten die Eltern des betroffenen Kindes die Kita-Leitung über einen Verdacht informiert, der sich bei genauer Prüfung für die Verantwortlichen erhärtete, erläuterte Kirchenkreis-Sprecherin Frauke Brauns: "Die Kita-Leitung hat daraufhin den Kirchenkreis über den Missbrauchsverdacht unterrichtet." Der kirchliche Träger erstattete daraufhin Strafanzeige gegen den Mitarbeiter. Inzwischen ermitteln Kripo und Staatsanwaltschaft gegen den Erzieher, der umgehend suspendiert wurde. Wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist? Aufgrund der Sommerferien war es für die Verantwortlichen schwierig, die Eltern zeitnah zu informieren. Am Dienstagabend kam nun trotzdem ein Elternabend zustande, bei dem Fachkräfte des Kirchenkreises die Eltern aller Kinder über die neue Situation in der Kita aufklären konnten. "Zu dem Vorfall selbst gab es keine weiteren Erklärungen", so Brauns. "Darum sind wir von den ermittelnden Behörden gebeten worden. Aber wir haben trotzdem viele Fragen der Eltern beantworten können." Die meisten Fragen der Eltern drehten sich um das Thema: "Wie erkenne ich, ob mein Kind auch betroffen ist?" Und genau das konnten die eingeladenen Expertinnen nicht eindeutig beantworten: "Jedes Kind reagiert anders." Eltern sollten daher ihre Kinder gut beobachten, aber nicht mit Fragen verunsichern. Aufmerksam werden sollte jeder, wenn das Kind ein verändertes Verhalten zeigt oder plötzlich nicht mehr in die Kita gehen möchte. Doch was mache ich in so einem Fall? "Der Tenor der Fachleute war immer wieder: Wenn ich unsicher bin, dann sollte ich mit Hilfe holen und Experten um Rat fragen", so Brauns. Große Betroffenheit und fachlicher und seelsorgerlicher Bedarf Vor Ort boten Mitarbeiterinnen der Erziehungs-, Familien- und Krisenberatungsstelle Sennestadt (Diakonie für Bielefeld) und der "Ärztlichen Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern" Unterstützung, Hilfe oder Gespräche. Aber auch die Kita-Fachberaterin des Kirchenkreises, die Geschäftsführerin des Verbundes sowie das Pfarrteam der zuständigen Kirchengemeinde boten fachliche und seelsorgerliche Hilfe an. "Wir wollten bewusst ein großes Spektrum an Angeboten bieten." Denn vor Ort zeigte sich, dass manche Eltern eher fachliche Aufklärung benötigten, andere eher seelsorgerliche. "Wenn man weiß, wie viele Frauen in ihrem Leben von Missbrauch betroffen sind, ist es klar, dass manche sehr betroffen reagieren, auch wen ihr Kind kein Opfer des Missbrauchs geworden ist", betont Brauns. Gute Nachricht für die Zukunft in der Kita: Die Sprecherin des Träger berichtete, dass die Eltern nach den offenen Worten der Kita-Leitung dem Erzieher-Team mit Applaus ihr Vertrauen aussprachen.