Landkreis Schaumburg

Kosten explodieren: Landkreis Schaumburg gibt immer mehr für Sicherheitsdienste aus

Jakob Gokl

Die Kosten haben sich auf 100.000 Euro verdreifacht. - © Marijan Murat/dpa
Die Kosten haben sich auf 100.000 Euro verdreifacht. (© Marijan Murat/dpa)

Landkreis Schaumburg (szlz). Sie werden bedrängt, beschimpft, sogar körperlich bedroht: Die Situation für Mitarbeiter des Landkreises hat sich in den letzten Jahren verschärft. Der Respekt vor Amtspersonen nimmt auch in Schaumburg ab. Immer wieder kommen Mitarbeiter in gefährliche Situationen. Die Kreisverwaltung hat reagiert und lässt für viel Geld seit 2018 immer mehr Bereiche auch während der Sprechzeiten von Sicherheitsdiensten überwachen, hat eine Recherche unserer Zeitung ergeben.

Mehr als 100.000 Euro kostete der Sicherheitsdienst für Verwaltungsgebäude in den Tag- und Nachtstunden im Jahr 2018 – ein absoluter Höchstwert. 2014 gab der Landkreis lediglich 33.000 Euro für die eigene Sicherheit aus. In vier Jahren hat sich die Summe mehr als verdreifacht.

Das liegt vor allem daran, dass 2014 lediglich nachts und am Wochenende ein Sicherheitsdienst für das Stadthäger Kreishaus sowie den Gebäudekomplex in der Breslauer Straße („Gerberhof“) beschäftigt wurde.

Doch seit 2014 stiegen die Kosten für externe Sicherheitsdienste. Zunächst langsam über 2 Jahre um etwa 10 Prozent auf 36.000 Euro. Doch ab dem Jahr 2017 sprangen die Ausgaben sprunghaft an, zunächst auf 43.000 Euro und 2018 schließlich auf 103.000 Euro.

Im Dezember 2017 hatte der Kreis nämlich begonnen, das seitdem leer stehende Kreiskrankenhaus Stadthagen zu überwachen. Im Jahr 2018 kostete der Streifendienst beim größtenteils verlassenen Gebäude über 29.000 Euro.

Außerdem reagierte der Landkreis auf die steigende Anzahl Asylbewerber im Landkreis. Diese müssen ihre Anträge auf Bezüge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beim Sozialamt in der Breslauer Straße stellen. Allein die Masse an Leuten, die teilweise im Sozialamt warten, mache einen Ordnungsdienst notwendig. Außerdem habe es immer wieder unangenehme Vorfälle gegeben. Mitarbeiter seien bedrängt, oder auch bedroht worden. Zu einer Körperverletzung sei es glücklicherweise nicht gekommen. Für die etwa zehn Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt sei die Situation aber phasenweise sehr unangenehm gewesen.

Mittlerweile ist der Sicherheitsdienst im Sozialamt zu einer teuren Angelegenheit geworden. Im Jahr 2018 gab die Verwaltung 27.500 Euro alleine für die Sicherheit während der Asylbewerber-Sprechzeiten aus.

Außerdem werden auch die Mitarbeiter des Jobcenter Stadthagen seit 2018 phasenweise von einem Sicherheitsdienst bewacht. Kostenpunkt: 3.100 Euro. „Gesamtgesellschaftlich hat sich etwas verändert“, sagt Heimann. Gespräch würden schneller laut, Menschen zeigten teilweise weniger Respekt vor Entscheidungen des Amtes. Außerdem seien Arbeitsplätze so ausgestattet worden, dass Mitarbeiter eine Meldung an ihre Kollegen abgeben können, wenn sie Hilfe brauchen. „Sicherheit spielt eine immer größere Rolle“, so Heimann. Er betont: „Wir bringen Bedrohungen oder andere Probleme deswegen allesamt zur Anzeige.“

Ähnliche Probleme haben dazu geführt, dass seit dem 3. Juni 2016 auch das Ordnungsamt im Kreishaus während der Sprechzeiten bewacht wird – für 2.400 Euro im ersten Monat.

Erste Zahlen für die ersten Monate des Jahres 2019 liegen der Redaktion bereits vor, sie sind aber wenig aussagekräftig. Es zeichnet sich aber ab, dass die Gesamtkosten für Sicherheitsdienstleistungen wieder etwas sinken werden. „Der Trend geht aber ganz eindeutig nach oben“, weiß auch Heimann.

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Landkreis SchaumburgKosten explodieren: Landkreis Schaumburg gibt immer mehr für Sicherheitsdienste ausJakob GoklLandkreis Schaumburg (szlz). Sie werden bedrängt, beschimpft, sogar körperlich bedroht: Die Situation für Mitarbeiter des Landkreises hat sich in den letzten Jahren verschärft. Der Respekt vor Amtspersonen nimmt auch in Schaumburg ab. Immer wieder kommen Mitarbeiter in gefährliche Situationen. Die Kreisverwaltung hat reagiert und lässt für viel Geld seit 2018 immer mehr Bereiche auch während der Sprechzeiten von Sicherheitsdiensten überwachen, hat eine Recherche unserer Zeitung ergeben. Mehr als 100.000 Euro kostete der Sicherheitsdienst für Verwaltungsgebäude in den Tag- und Nachtstunden im Jahr 2018 – ein absoluter Höchstwert. 2014 gab der Landkreis lediglich 33.000 Euro für die eigene Sicherheit aus. In vier Jahren hat sich die Summe mehr als verdreifacht. Das liegt vor allem daran, dass 2014 lediglich nachts und am Wochenende ein Sicherheitsdienst für das Stadthäger Kreishaus sowie den Gebäudekomplex in der Breslauer Straße („Gerberhof“) beschäftigt wurde. Doch seit 2014 stiegen die Kosten für externe Sicherheitsdienste. Zunächst langsam über 2 Jahre um etwa 10 Prozent auf 36.000 Euro. Doch ab dem Jahr 2017 sprangen die Ausgaben sprunghaft an, zunächst auf 43.000 Euro und 2018 schließlich auf 103.000 Euro. Im Dezember 2017 hatte der Kreis nämlich begonnen, das seitdem leer stehende Kreiskrankenhaus Stadthagen zu überwachen. Im Jahr 2018 kostete der Streifendienst beim größtenteils verlassenen Gebäude über 29.000 Euro. Außerdem reagierte der Landkreis auf die steigende Anzahl Asylbewerber im Landkreis. Diese müssen ihre Anträge auf Bezüge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beim Sozialamt in der Breslauer Straße stellen. Allein die Masse an Leuten, die teilweise im Sozialamt warten, mache einen Ordnungsdienst notwendig. Außerdem habe es immer wieder unangenehme Vorfälle gegeben. Mitarbeiter seien bedrängt, oder auch bedroht worden. Zu einer Körperverletzung sei es glücklicherweise nicht gekommen. Für die etwa zehn Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt sei die Situation aber phasenweise sehr unangenehm gewesen. Mittlerweile ist der Sicherheitsdienst im Sozialamt zu einer teuren Angelegenheit geworden. Im Jahr 2018 gab die Verwaltung 27.500 Euro alleine für die Sicherheit während der Asylbewerber-Sprechzeiten aus. Außerdem werden auch die Mitarbeiter des Jobcenter Stadthagen seit 2018 phasenweise von einem Sicherheitsdienst bewacht. Kostenpunkt: 3.100 Euro. „Gesamtgesellschaftlich hat sich etwas verändert“, sagt Heimann. Gespräch würden schneller laut, Menschen zeigten teilweise weniger Respekt vor Entscheidungen des Amtes. Außerdem seien Arbeitsplätze so ausgestattet worden, dass Mitarbeiter eine Meldung an ihre Kollegen abgeben können, wenn sie Hilfe brauchen. „Sicherheit spielt eine immer größere Rolle“, so Heimann. Er betont: „Wir bringen Bedrohungen oder andere Probleme deswegen allesamt zur Anzeige.“ Ähnliche Probleme haben dazu geführt, dass seit dem 3. Juni 2016 auch das Ordnungsamt im Kreishaus während der Sprechzeiten bewacht wird – für 2.400 Euro im ersten Monat. Erste Zahlen für die ersten Monate des Jahres 2019 liegen der Redaktion bereits vor, sie sind aber wenig aussagekräftig. Es zeichnet sich aber ab, dass die Gesamtkosten für Sicherheitsdienstleistungen wieder etwas sinken werden. „Der Trend geht aber ganz eindeutig nach oben“, weiß auch Heimann.