Herford

Unter den Friseuren in Herford gibt es einen Kampf um Preise und Angestellte

Jan-Henrik Gerdener

Friseurmeisterin Sabrina Poser ärgert sich über das unlautere Vorgehen der Konkurrenz. - © Sabrina Poser/pr
Friseurmeisterin Sabrina Poser ärgert sich über das unlautere Vorgehen der Konkurrenz. (© Sabrina Poser/pr)

Herford (nw). Es gibt in Herford ganze 72 Friseure. Gerade in der Innenstadt ist die Ballung sehr hoch und es finden sich teilweise bis zu vier Friseure in einer einzigen Straße. Dementsprechend groß ist die Konkurrenz untereinander. Um sich hier durchzusetzen, kann ein Salon auf Qualität oder besondere Leistungen und Angebote setzen. Ein Geschäft kann aber auch zu weitaus unlauteren Methoden greifen, die zum Teil auch an die Grenzen der Legalität stoßen. Darüber ärgern sich die Friseure, die nach den Regeln spielen.

"Es macht einfach keinen Spaß mehr, Friseur zu sein", meint Nihat Durmaz. Knapp zwei Jahre lang betrieb er den Salon Kopfsache, bis er ihn dieses Jahr schloss. Der Grund: Frust über den Zustand der Friseurbranche. "Ich habe selbst Angebote bekommen, meinen Meistertitel zu "verleihen". Dafür werden zwischen 400 und 1.000 Euro gezahlt."

Den Meistertitel verleihen - das bedeutet, einen Friseurmeister dafür zu bezahlen, dass er seinen Namen hergibt. Denn ein Friseursalon kann - bis auf einige Ausnahmefälle - nur betrieben werden, wenn ein Meister das Geschäft leitet. Dies ist bei solchen Angeboten aber nicht der Fall. Hier sollen Meister gegen einen monatlichen Betrag, einfach nur ihren Namen hergeben, ohne regelmäßig im Geschäft anwesend zu sein.

Auch Friseurmeister Kai Flagmeier ärgert sich über unlautere Methoden. - © Kai Flagmeier/pr
Auch Friseurmeister Kai Flagmeier ärgert sich über unlautere Methoden. (© Kai Flagmeier/pr)

Das "Leihen" ist im Gewerbe bekannt. "Das Problem gibt es seit Jahren und mir sind auch einige dieser Läden bekannt. Aber ich kann nicht mehr machen, als mich bei der Handwerkskammer zu beschweren", berichtet Friseurmeister Kai Flagmeier. "Es ist unfair den Leuten gegenüber, die sich an die Handwerksordnung halten und dafür teilweise zahlen müssen." Als Flagmeier bei einer seiner Filialen in einer ähnlichen Situation gewesen sei und eigentlich einen Auszubildenden gehabt hätte, der kurz vor seiner Meisterprüfung stand und den Salon übernehmen sollte, musste er zum Betreiben eine Sonderprüfung beantragen. Dafür habe er Kosten von rund 1.000 Euro tragen müssen. "Und andere Läden machen einfach ohne Meister weiter."

Auch bei der Friseur- und Kosmetikerinnung Herford ist das Vorgehen bekannt. "Gerade im Kreis Herford haben wir ein großes Problem mit solchen Läden. Da gibt es genug Beschwerden", sagt Olaf Kraußlach, Obermeister der Innung. "Dabei ist die Meisterpflicht nur gut und richtig, um auch Qualität sichern zu können."

"Wenn wir dann als Handwerkskammer konkrete Hinweise erhalten, dass ein Meister nicht im Betrieb anwesend ist, lassen wir dieses umgehend durch unseren Außendienstmitarbeiter prüfen", sagt Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL. Wenn sich feststellen lasse, dass der für den Betrieb eingetragene Meister nicht dort anwesend sei, werde er von der Handelskammer gelöscht und der Betrieb erhalte eine Frist zur Einstellung eines neuen Meisters. Sollte dem nicht nachgekommen werden, werde das Ordnungsamt eingeschaltet, um ein Untersagungsverfahren einzuleiten. Verfahren an deren Ende ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro stehen kann.

Die Zahl dieser Verfahren ist aber überschaubar. 2017 mussten fünf Betriebe wegen Verstoß gegen die Handwerksordnung in Herford insgesamt 16.500 Euro zahlen, teilt Susanne Körner, Pressesprecherin der Stadt, mit. Zwei davon seien Friseure gewesen. Drei weitere Anzeigen führten aufgrund mangelnder Beweise nicht zu einem Verfahren. Im vergangenen Jahr wurden von der Handwerkskammer sieben weitere Anzeigen erstattet, in diesem Jahr bislang zwei. Aus Mangel an eindeutigen Beweisen führte keine der Anzeigen zu einem Verfahren.

Pressesprecherin Körner gibt außerdem zu bedenken, dass nicht hinter allen Fällen kriminelle Energie stecke: "Manchmal ist es schlicht Unwissenheit, weil Menschen aus anderen Nationen das deutsche System nicht kennen und unbeabsichtigt falsche Angaben machen." Bei Fällen von "geliehenen" Meistertiteln zeigt sich allerdings ein Verständnis des Systems und seiner Schwächen.

Aber es ist nicht jede Methode, bei der vielleicht Grenzen überschritten werden, gleich illegal. "Es wird teilweise massiv versucht, gut ausgebildete Mitarbeiter abzuwerben. Eine meiner Mitarbeiterinnen wurde in einem sehr kurzen Zeitraum vom gleichen Mitbewerber gleich dreimal kontaktiert.", erzählt Friseurmeisterin Sabrina Poser. Flagmeier ist auch mit ähnlichen Fällen vertraut. "Ein Geschäft in Herford hatte auch einmal einen Aushang im Fenster, dass jedem 250 Euro bezahlt, der dorthin neue Mitarbeiter vermittelt. Das Abwerben ist bei uns Gang und Gäbe." Auf diese Weise wollten sich Betriebe die Ausbildungskosten sparen und qualifizierte Mitarbeiter günstig abgreifen.

Das Drücken von Kosten ist auch gewerbebedingt. "Als ich meine Preise anziehen musste, habe ich auch gemerkt, dass Kunden wegbleiben", sagt Durmaz. "Die Zehn-Euro-Friseure machen den Beruf kaputt." Poser sieht ein ähnliches Problem: "Wenn es nur um klassische Scherenhaarschnitte und Färbungen geht, ist die Konkurrenz größer. Man braucht Angebote, die ein Alleinstellungsmerkmal sind, um Kunden an sich zu binden." Sowohl Poser als auch Flagmeier bieten deshalb ein umfassenderes Programm an. Kraußbach gibt hier noch etwas anderes zu bedenken: "Wenn ein Friseur Leistungen für fünf bis zehn Euro für anbietet, sollte man als Kunde überlegen, wie diese Preise zustande kommen können."

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HerfordUnter den Friseuren in Herford gibt es einen Kampf um Preise und AngestellteJan-Henrik GerdenerHerford (nw). Es gibt in Herford ganze 72 Friseure. Gerade in der Innenstadt ist die Ballung sehr hoch und es finden sich teilweise bis zu vier Friseure in einer einzigen Straße. Dementsprechend groß ist die Konkurrenz untereinander. Um sich hier durchzusetzen, kann ein Salon auf Qualität oder besondere Leistungen und Angebote setzen. Ein Geschäft kann aber auch zu weitaus unlauteren Methoden greifen, die zum Teil auch an die Grenzen der Legalität stoßen. Darüber ärgern sich die Friseure, die nach den Regeln spielen. "Es macht einfach keinen Spaß mehr, Friseur zu sein", meint Nihat Durmaz. Knapp zwei Jahre lang betrieb er den Salon Kopfsache, bis er ihn dieses Jahr schloss. Der Grund: Frust über den Zustand der Friseurbranche. "Ich habe selbst Angebote bekommen, meinen Meistertitel zu "verleihen". Dafür werden zwischen 400 und 1.000 Euro gezahlt." Den Meistertitel verleihen - das bedeutet, einen Friseurmeister dafür zu bezahlen, dass er seinen Namen hergibt. Denn ein Friseursalon kann - bis auf einige Ausnahmefälle - nur betrieben werden, wenn ein Meister das Geschäft leitet. Dies ist bei solchen Angeboten aber nicht der Fall. Hier sollen Meister gegen einen monatlichen Betrag, einfach nur ihren Namen hergeben, ohne regelmäßig im Geschäft anwesend zu sein. Das "Leihen" ist im Gewerbe bekannt. "Das Problem gibt es seit Jahren und mir sind auch einige dieser Läden bekannt. Aber ich kann nicht mehr machen, als mich bei der Handwerkskammer zu beschweren", berichtet Friseurmeister Kai Flagmeier. "Es ist unfair den Leuten gegenüber, die sich an die Handwerksordnung halten und dafür teilweise zahlen müssen." Als Flagmeier bei einer seiner Filialen in einer ähnlichen Situation gewesen sei und eigentlich einen Auszubildenden gehabt hätte, der kurz vor seiner Meisterprüfung stand und den Salon übernehmen sollte, musste er zum Betreiben eine Sonderprüfung beantragen. Dafür habe er Kosten von rund 1.000 Euro tragen müssen. "Und andere Läden machen einfach ohne Meister weiter." Auch bei der Friseur- und Kosmetikerinnung Herford ist das Vorgehen bekannt. "Gerade im Kreis Herford haben wir ein großes Problem mit solchen Läden. Da gibt es genug Beschwerden", sagt Olaf Kraußlach, Obermeister der Innung. "Dabei ist die Meisterpflicht nur gut und richtig, um auch Qualität sichern zu können." "Wenn wir dann als Handwerkskammer konkrete Hinweise erhalten, dass ein Meister nicht im Betrieb anwesend ist, lassen wir dieses umgehend durch unseren Außendienstmitarbeiter prüfen", sagt Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL. Wenn sich feststellen lasse, dass der für den Betrieb eingetragene Meister nicht dort anwesend sei, werde er von der Handelskammer gelöscht und der Betrieb erhalte eine Frist zur Einstellung eines neuen Meisters. Sollte dem nicht nachgekommen werden, werde das Ordnungsamt eingeschaltet, um ein Untersagungsverfahren einzuleiten. Verfahren an deren Ende ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro stehen kann. Die Zahl dieser Verfahren ist aber überschaubar. 2017 mussten fünf Betriebe wegen Verstoß gegen die Handwerksordnung in Herford insgesamt 16.500 Euro zahlen, teilt Susanne Körner, Pressesprecherin der Stadt, mit. Zwei davon seien Friseure gewesen. Drei weitere Anzeigen führten aufgrund mangelnder Beweise nicht zu einem Verfahren. Im vergangenen Jahr wurden von der Handwerkskammer sieben weitere Anzeigen erstattet, in diesem Jahr bislang zwei. Aus Mangel an eindeutigen Beweisen führte keine der Anzeigen zu einem Verfahren. Pressesprecherin Körner gibt außerdem zu bedenken, dass nicht hinter allen Fällen kriminelle Energie stecke: "Manchmal ist es schlicht Unwissenheit, weil Menschen aus anderen Nationen das deutsche System nicht kennen und unbeabsichtigt falsche Angaben machen." Bei Fällen von "geliehenen" Meistertiteln zeigt sich allerdings ein Verständnis des Systems und seiner Schwächen. Aber es ist nicht jede Methode, bei der vielleicht Grenzen überschritten werden, gleich illegal. "Es wird teilweise massiv versucht, gut ausgebildete Mitarbeiter abzuwerben. Eine meiner Mitarbeiterinnen wurde in einem sehr kurzen Zeitraum vom gleichen Mitbewerber gleich dreimal kontaktiert.", erzählt Friseurmeisterin Sabrina Poser. Flagmeier ist auch mit ähnlichen Fällen vertraut. "Ein Geschäft in Herford hatte auch einmal einen Aushang im Fenster, dass jedem 250 Euro bezahlt, der dorthin neue Mitarbeiter vermittelt. Das Abwerben ist bei uns Gang und Gäbe." Auf diese Weise wollten sich Betriebe die Ausbildungskosten sparen und qualifizierte Mitarbeiter günstig abgreifen. Das Drücken von Kosten ist auch gewerbebedingt. "Als ich meine Preise anziehen musste, habe ich auch gemerkt, dass Kunden wegbleiben", sagt Durmaz. "Die Zehn-Euro-Friseure machen den Beruf kaputt." Poser sieht ein ähnliches Problem: "Wenn es nur um klassische Scherenhaarschnitte und Färbungen geht, ist die Konkurrenz größer. Man braucht Angebote, die ein Alleinstellungsmerkmal sind, um Kunden an sich zu binden." Sowohl Poser als auch Flagmeier bieten deshalb ein umfassenderes Programm an. Kraußbach gibt hier noch etwas anderes zu bedenken: "Wenn ein Friseur Leistungen für fünf bis zehn Euro für anbietet, sollte man als Kunde überlegen, wie diese Preise zustande kommen können."