Bielefeld

Bielefelderin Anja Blacha bezwingt als erste Deutsche den K2

Ivonne Michel

Elf Stunden für die letzten 1000 Meter bis zum Gipfel

Errichten eines Zeltes. - © NW
Errichten eines Zeltes. (© NW)

Bielefeld (nw). Brusthoher Tiefschnee versperrt den ohnehin schon anspruchsvollen Aufstieg zum Gipfel des K2, dem zweithöchsten Berg der Welt auf der Grenze zwischen China und Pakistan. Am sogenannten Flaschenhals, einer Schlüsselstelle auf der letzten Etappe, herrscht Lawinengefahr.

Anja Blacha auf dem Gipfel des K2 - © NW
Anja Blacha auf dem Gipfel des K2 (© NW)

"Das wird nichts mehr", entscheiden auch viele der erfahrensten Bergsteiger in diesem Jahr - und kehren um. Anja Blacha nicht. Die 29-jährige gebürtige Bielefelderin gehört zu den wenigen, die jetzt Ende Juli den K2 (8.611 Meter) bestiegen haben. Sie ist die erste Deutsche überhaupt – und war ohne Flaschensauerstoff unterwegs.

Fotos von Anja Blacha auf dem Weg zum Gipfel des K2

"Der K2 reguliert sich selbst", sagt Blacha. Im Gegensatz zu Massenandrang und Staus am Mount Everest, den Blacha 2017 selbst als jüngste Deutsche erklommen hat. "Am K2 haben extrem viele abgebrochen dieses Jahr", sagt die studierte Betriebswirtin, die jetzt in Zürich in der Schweiz lebt und dort für ein Telekommunikationsunternehmen arbeitet. Nur 31 Bergsteiger haben es geschafft, etwa Dreiviertel haben aufgegeben. "Obwohl sie so viel Zeit und Geld investiert haben", sagt Blacha.

Querung des Eisfalls zwischen Basislager und Camp 1 am K2. - © NW
Querung des Eisfalls zwischen Basislager und Camp 1 am K2. (© NW)

Der K2 gilt unter den Bergsteigern als der anspruchsvollste aller 14 Achttausender. Schon die 120 Kilometer lange Anreise ins Basislager auf etwa 5.000 Meter Höhe habe es in sich. "Man muss durch Pakistan reisen, durch Eisfälle - und am K2 geht's dann immer nur steil bergauf", berichtet Blacha. Zwei Monate war sie insgesamt unterwegs, hat Anfang Juli bereits den Broad Peak (8.051 Meter) ohne Atemmaske bestiegen.

Vom Basislager auf der pakistanischen Seite aus dauerte der Aufstieg auf den K2 fünf Tage. Fünf bis sieben Stunden ist sie täglich unterwegs, dann ruht sie sich im Zelt in einem der Camps auf der Strecke aus.

Auch an einer Gedenkstätte für die verstorbenen Bergsteiger geht's vorbei. Das Risiko hat die 29-Jährige immer vor Augen. Auf ihren Expeditionen hat sie mehrere Tote gesehen, die abgestürzt oder an Sauerstoff- oder Kräftemangel gestorben sind. Das Gefühl sei beklemmend, mache aber auch vorsichtig. "Man darf sich nie wirklich verausgaben", sagt Blacha.

Das Memorial zum Andenken an verstorbene Bergsteiger. - © NW
Das Memorial zum Andenken an verstorbene Bergsteiger. (© NW)

Für den Aufstieg vom letzten Camp zum Gipfel des K2, eine Strecke von etwa einem Kilometer, benötigte sie elf Stunden. "Je höher man kommt, umso langsamer geht man", sagt die 29-Jährige, die auf Nüsse und Trockenfrüchte als Stärkung schwört. Am 25. Juli, oben angekommen, dann die Belohnung: das absolute Glücksgefühl.

Erst 2015 hat Blacha mit dem Extrem-Bergsteigen begonnen. Ihre Sammlung der „Seven Summits", der höchsten Berge aller Kontinente, hat sie bereits voll: Sie bezwang den Elbrus in Russland, den Kigo (Kilimandscharo-Massiv) in Tansania, den Aconcagua in Südamerika, den Denali in Alaska, die Carstensz-Pyramide in Indonesien, den Mount Everest im Himalaya und den Mount Vinson in der Antarktis.

Anja Blacha auf dem Gipfelanstieg am K2 mit dem Broad Peak links im Hintergrund. - © NW
Anja Blacha auf dem Gipfelanstieg am K2 mit dem Broad Peak links im Hintergrund. (© NW)

Die Verbundenheit mit der Natur, das Gefühl der Weite und Freiheit, schätzt die 29-Jährige, die an der Marienschule ihr Abitur gemacht und zu Schulzeiten großes Talent als Florettfechterin bewiesen hat. „Auch zum Ausgleich vom Alltag im Büro – immer online, immer verbunden."

Ihr nächstes großes Ziel liegt allerdings nicht auf über 8.000 Metern - erreicht aber mit immerhin 2.800 Metern ebenfalls eine  beachtliche Höhe: Im November will sie durch die Antarktis zum Südpol wandern: 1.400 Kilometer misst die geplante Strecke. Ihre Vorbereitung dafür: Autoreifen ziehen. "Sieht sicher etwas merkwürdig aus, ist aber das beste Training fürs Schlitten ziehen", ergänzt Blacha.

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