Bad Oeynhausen

Personalnot: Klinikbetten im HDZ Bad Oeynhausen bleiben leer

Jörg Stuke

Begehrte Fachkräfte: Leticia Fernandez Gonzalez und Tilo Zimmermann im Pflegedienst der chirurgischen Intensivstation des Herz- und Diabeteszentrums Bad Oeynhausen. - © Peter Hübbe/nw
Begehrte Fachkräfte: Leticia Fernandez Gonzalez und Tilo Zimmermann im Pflegedienst der chirurgischen Intensivstation des Herz- und Diabeteszentrums Bad Oeynhausen. (© Peter Hübbe/nw)

Bad Oeynhausen (nw). An Patienten wär kein Mangel. „Der Ansturm auf das Herz- und Diabeteszentrum ist derzeit riesig", sagt Geschäftsführerin Karin Overlack. Und doch sind nicht alle Betten im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) belegt. Grund: Es fehlen Pflegekräfte. Die Personalnot im Pflegesektor macht offensichtlich auch vor einer Klinik von Weltruf wie dem HDZ, dem europaweit führenden Zentrum für Herz-Transplantationen und Deutschlands größter Herzchirurgie, nicht Halt.

Rund 60 Pflegestellen würde das HDZ aktuell gern besetzen. Angesichts von 1.700 Mitarbeitern, die im HDZ im Pflegebereich beschäftigt sind, keine allzu große Quote. Und dennoch ist es eine Lücke mit Folgen. Denn die Pflegekräfte fehlen dem Herzzentrum vor allem im Intensivbereich. Und der ist in der Spezialklinik außergewöhnlich groß: Von den 500 Betten des HDZ sind 100 für Intensivpatienten vorgesehen. Zwischen zehn und 15 der Intensivbetten sind im HDZ derzeit aufgrund des Personalmangels nicht belegt.

Kapazität der neuen Intensivstation konnte nie ausgeschöpft werden

Erst 2015, als Karin Overlack die Geschäftsführung des HDZ übernahm, wurde eine neue Intensivstation eingeweiht. Deren Kapazität von 23 zusätzlichen Betten aber nie wirklich ausgeschöpft werden konnte – aufgrund des fehlenden Pflegepersonals, wie Overlack bestätigt.

Mit dem Problem des Fachkräftemangels ist das HDZ nicht allein. Die Mühlenkreiskliniken (MKK) mit seinen Standorten in Minden, Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden, „suchen ausgebildetes Fachpersonal in allen Bereichen, insbesondere auch in allen Pflegebereichen, und hier insbesondere in der Intensivpflege", berichtet Pressesprecher Christian Busse. „Eine genaue Zahl von offenen Stellen können wir nicht nennen", sagt Busse. Im Mai musste das Klinikum Herford seinen Kreißsaal für mehrere Tage schließen, weil nicht genug Hebammen-Stellen besetzt waren, um den Betrieb aufrecht zu halten.

Bedingt durch die gesetzlichen Vorgaben könne es an allen Standorten zu „vereinzelten temporären Reduzierungen der Bettenkapazitäten" kommen, erklärt der MKK-Sprecher. Dies könne auch für die Intensiveinheiten nicht ausgeschlossen werden. „Am Krankenhaus Bad Oeynhausen sind aktuell vier Betten auf der Intensivstation geschlossen, im Johannes Wesling Klinikum in Minden wird derzeit die temporäre Schließung von zwei Betten vorbereitet."

MKK haben seit 2015 rund 620 neue Stellen geschaffen

Und das, obwohl die MKK in den vergangenen Jahr ihren Mitarbeiterstamm kräftig ausgebaut haben. Seit 2015 sei die Zahl der MKK-Mitarbeiter um 620 Personen angestiegen. Allein 327 neue Stellen seien im Pflegedienst und den pflegenden Bereichen geschaffen worden. Insgesamt haben die MKK aktuell 4.900 Mitarbeiter, davon sind 3.226 in den pflegenden Tätigkeitsfeldern beschäftigt.

Die Preisfrage lautet: Was können die Kliniken und Krankenhäuser tun, um neue Pflegekräfte zu gewinnen? Vom gegenseitigen Abwerben der Mitarbeiter hält Karin Overlack nichts. Eine sogenannte „Fangprämie" für die Anwerbung von Mitarbeitern aus anderen Einrichtungen, wie sie zum Beispiel das Klinikum Herford auslobt, lehnt die HDZ-Geschäftsführerin kategorisch ab. „Werbeprämien für die Vermittlung von neuen Mitarbeitern zahlen die Mühlenkreiskliniken nicht", erklärt auch Busse. Auch eine Rekrutierung aus dem Ausland erfolge derzeit nicht.

Eigene Pflegeschule ist fürs HDZ keine Option

Christian Siegling, Pflegedirektor im HDZ, sieht den eigentlichen Schlüssel zur Lösung des Problems in der Ausbildung. Was allerdings nicht bedeutet, dass das HDZ eine eigene Pflegeschule aufbauen will. Diesen Weg verfolge das HDZ nicht, so Overlack. Aus ihrer Sicht sei der bessere Weg, die vorhandenen Strukturen zu nutzen und die gemeinsame Ausbildung von Pflegeschülern in Minden, Herford und Bünde weiterzuführen und auszubauen.

Busse verweist auf die Akademie für Gesundheitsberufe der MKK. „Sie ist mit mehr als 500 Auszubildenden nach den öffentlichen Schulen die größte Bildungseinrichtung im Kreis Minden-Lübbecke", sagt der MKK-Sprecher. Die Ausbildungskapazitäten seien seit 2015 um knapp ein Drittel sukzessive erhöht worden. In Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld biete die Akademie zudem das Duale Studium in der Gesundheits- und Krankenpflege an. „Den meisten bei uns ausgebildeten jungen Fachkräften machen wir nach ihrem Examen ein Übernahmeangebot", so Busse.

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Bad OeynhausenPersonalnot: Klinikbetten im HDZ Bad Oeynhausen bleiben leerJörg StukeBad Oeynhausen (nw). An Patienten wär kein Mangel. „Der Ansturm auf das Herz- und Diabeteszentrum ist derzeit riesig", sagt Geschäftsführerin Karin Overlack. Und doch sind nicht alle Betten im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) belegt. Grund: Es fehlen Pflegekräfte. Die Personalnot im Pflegesektor macht offensichtlich auch vor einer Klinik von Weltruf wie dem HDZ, dem europaweit führenden Zentrum für Herz-Transplantationen und Deutschlands größter Herzchirurgie, nicht Halt. Rund 60 Pflegestellen würde das HDZ aktuell gern besetzen. Angesichts von 1.700 Mitarbeitern, die im HDZ im Pflegebereich beschäftigt sind, keine allzu große Quote. Und dennoch ist es eine Lücke mit Folgen. Denn die Pflegekräfte fehlen dem Herzzentrum vor allem im Intensivbereich. Und der ist in der Spezialklinik außergewöhnlich groß: Von den 500 Betten des HDZ sind 100 für Intensivpatienten vorgesehen. Zwischen zehn und 15 der Intensivbetten sind im HDZ derzeit aufgrund des Personalmangels nicht belegt. Kapazität der neuen Intensivstation konnte nie ausgeschöpft werden Erst 2015, als Karin Overlack die Geschäftsführung des HDZ übernahm, wurde eine neue Intensivstation eingeweiht. Deren Kapazität von 23 zusätzlichen Betten aber nie wirklich ausgeschöpft werden konnte – aufgrund des fehlenden Pflegepersonals, wie Overlack bestätigt. Mit dem Problem des Fachkräftemangels ist das HDZ nicht allein. Die Mühlenkreiskliniken (MKK) mit seinen Standorten in Minden, Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden, „suchen ausgebildetes Fachpersonal in allen Bereichen, insbesondere auch in allen Pflegebereichen, und hier insbesondere in der Intensivpflege", berichtet Pressesprecher Christian Busse. „Eine genaue Zahl von offenen Stellen können wir nicht nennen", sagt Busse. Im Mai musste das Klinikum Herford seinen Kreißsaal für mehrere Tage schließen, weil nicht genug Hebammen-Stellen besetzt waren, um den Betrieb aufrecht zu halten. Bedingt durch die gesetzlichen Vorgaben könne es an allen Standorten zu „vereinzelten temporären Reduzierungen der Bettenkapazitäten" kommen, erklärt der MKK-Sprecher. Dies könne auch für die Intensiveinheiten nicht ausgeschlossen werden. „Am Krankenhaus Bad Oeynhausen sind aktuell vier Betten auf der Intensivstation geschlossen, im Johannes Wesling Klinikum in Minden wird derzeit die temporäre Schließung von zwei Betten vorbereitet." MKK haben seit 2015 rund 620 neue Stellen geschaffen Und das, obwohl die MKK in den vergangenen Jahr ihren Mitarbeiterstamm kräftig ausgebaut haben. Seit 2015 sei die Zahl der MKK-Mitarbeiter um 620 Personen angestiegen. Allein 327 neue Stellen seien im Pflegedienst und den pflegenden Bereichen geschaffen worden. Insgesamt haben die MKK aktuell 4.900 Mitarbeiter, davon sind 3.226 in den pflegenden Tätigkeitsfeldern beschäftigt. Die Preisfrage lautet: Was können die Kliniken und Krankenhäuser tun, um neue Pflegekräfte zu gewinnen? Vom gegenseitigen Abwerben der Mitarbeiter hält Karin Overlack nichts. Eine sogenannte „Fangprämie" für die Anwerbung von Mitarbeitern aus anderen Einrichtungen, wie sie zum Beispiel das Klinikum Herford auslobt, lehnt die HDZ-Geschäftsführerin kategorisch ab. „Werbeprämien für die Vermittlung von neuen Mitarbeitern zahlen die Mühlenkreiskliniken nicht", erklärt auch Busse. Auch eine Rekrutierung aus dem Ausland erfolge derzeit nicht. Eigene Pflegeschule ist fürs HDZ keine Option Christian Siegling, Pflegedirektor im HDZ, sieht den eigentlichen Schlüssel zur Lösung des Problems in der Ausbildung. Was allerdings nicht bedeutet, dass das HDZ eine eigene Pflegeschule aufbauen will. Diesen Weg verfolge das HDZ nicht, so Overlack. Aus ihrer Sicht sei der bessere Weg, die vorhandenen Strukturen zu nutzen und die gemeinsame Ausbildung von Pflegeschülern in Minden, Herford und Bünde weiterzuführen und auszubauen. Busse verweist auf die Akademie für Gesundheitsberufe der MKK. „Sie ist mit mehr als 500 Auszubildenden nach den öffentlichen Schulen die größte Bildungseinrichtung im Kreis Minden-Lübbecke", sagt der MKK-Sprecher. Die Ausbildungskapazitäten seien seit 2015 um knapp ein Drittel sukzessive erhöht worden. In Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld biete die Akademie zudem das Duale Studium in der Gesundheits- und Krankenpflege an. „Den meisten bei uns ausgebildeten jungen Fachkräften machen wir nach ihrem Examen ein Übernahmeangebot", so Busse.