Bielefeld

Personalnot Lehrermangel: Ministerin schreibt 5.500 Lehrer in NRW an

Andrea Sahlmen

Die Schulministerin wünscht sich, dass Lehrer in NRW umsatteln auf Grundschule. Foto: Julian Stratenschulte/dpa - © Julian Stratenschulte
Die Schulministerin wünscht sich, dass Lehrer in NRW umsatteln auf Grundschule. Foto: Julian Stratenschulte/dpa (© Julian Stratenschulte)

Bielefeld (nw). Der Bedarf ist groß: In den kommenden zehn Jahren fehlen an den Grundschulen in NRW 15.000 Lehrer. Um akute Engpässe auszugleichen, versucht das Schulministerium aktuell

Lehrer zum Wechsel der Schulform zu bewegen. 5.500 Pädagogen mit dem Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule erhalten deshalb in diesen Tagen Post von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer.

Die FDP-Politikerin wirbt in einem persönlichen Brief dafür, sich auch auf Stellenausschreibungen an anderen Schulformen zu bewerben, also an Grundschulen, Schulen der Sekundarstufe I und Berufskollegs sowie auf Stellen für die sonderpädagogische Förderung.

Hintergrund ist der Lehrermangel im Land. 15.000 fehlenden Lehrkräften an Grundschulen stehen in den kommenden zehn Jahren 16.000 Lehrer zu viel gegenüber, die an Gymnasien und Gesamtschulen unterrichten. „Dieses Ungleichgewicht wollen wir mit diesen attraktiven erweiterten Einstellungsmöglichkeiten verringern", erklärt Gebauer. „Oberstufenlehrkräfte können ihre Einstellungschancen deutlich steigern und eine dauerhafte Anstellung und eine Verbeamtung erreichen, wenn sie bei der Wahl der Schulform flexibel sind."

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW sehen darin eine Notlösung, um den Mangel kurzfristig zu beheben. Allerdings sind damit auch Probleme verbunden. Den sogenannten Sek-II-Lehrern fehlen Qualifikationen, die Grundschullehrkräfte im Studium lernen. „Lehrer anderer Schulformen müssen mehr fortgebildet werden", fordert die GEW-Vorsitzende in NRW, Maike Finnern aus Bielefeld.

Eines der größten Probleme sei jedoch die unterschiedliche Bezahlung der Lehrkräfte. Die Gehaltsunterschiede zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern beträgt mehrere Hundert Euro. „Ohne gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, wird die Grundschule oder die Sekundarstufe I für viele Kandidaten nur eine kurze Station im Lebenslauf", fürchtet der VBE-Vorsitzende in NRW, Stefan Behlau.

Der Verband hat aus diesem Grund erst vor zwei Wochen eine Petition an den zuständigen Ausschuss des NRW-Landtages übergeben. „Wir fordern gleiches Gehalt für alle Lehrkräfte aller Schulformen", sagt Behlau. „Grundsätzlich muss sich aber auch an den Arbeitsbedingungen etwas ändern", ergänzt Finnern. Das Lehramt müsse sich beispielsweise weiter für Seiteneinsteiger öffnen, so die Bielefelderin.

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BielefeldPersonalnot Lehrermangel: Ministerin schreibt 5.500 Lehrer in NRW anAndrea SahlmenBielefeld (nw). Der Bedarf ist groß: In den kommenden zehn Jahren fehlen an den Grundschulen in NRW 15.000 Lehrer. Um akute Engpässe auszugleichen, versucht das Schulministerium aktuell Lehrer zum Wechsel der Schulform zu bewegen. 5.500 Pädagogen mit dem Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule erhalten deshalb in diesen Tagen Post von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Die FDP-Politikerin wirbt in einem persönlichen Brief dafür, sich auch auf Stellenausschreibungen an anderen Schulformen zu bewerben, also an Grundschulen, Schulen der Sekundarstufe I und Berufskollegs sowie auf Stellen für die sonderpädagogische Förderung. Hintergrund ist der Lehrermangel im Land. 15.000 fehlenden Lehrkräften an Grundschulen stehen in den kommenden zehn Jahren 16.000 Lehrer zu viel gegenüber, die an Gymnasien und Gesamtschulen unterrichten. „Dieses Ungleichgewicht wollen wir mit diesen attraktiven erweiterten Einstellungsmöglichkeiten verringern", erklärt Gebauer. „Oberstufenlehrkräfte können ihre Einstellungschancen deutlich steigern und eine dauerhafte Anstellung und eine Verbeamtung erreichen, wenn sie bei der Wahl der Schulform flexibel sind." Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW sehen darin eine Notlösung, um den Mangel kurzfristig zu beheben. Allerdings sind damit auch Probleme verbunden. Den sogenannten Sek-II-Lehrern fehlen Qualifikationen, die Grundschullehrkräfte im Studium lernen. „Lehrer anderer Schulformen müssen mehr fortgebildet werden", fordert die GEW-Vorsitzende in NRW, Maike Finnern aus Bielefeld. Eines der größten Probleme sei jedoch die unterschiedliche Bezahlung der Lehrkräfte. Die Gehaltsunterschiede zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern beträgt mehrere Hundert Euro. „Ohne gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, wird die Grundschule oder die Sekundarstufe I für viele Kandidaten nur eine kurze Station im Lebenslauf", fürchtet der VBE-Vorsitzende in NRW, Stefan Behlau. Der Verband hat aus diesem Grund erst vor zwei Wochen eine Petition an den zuständigen Ausschuss des NRW-Landtages übergeben. „Wir fordern gleiches Gehalt für alle Lehrkräfte aller Schulformen", sagt Behlau. „Grundsätzlich muss sich aber auch an den Arbeitsbedingungen etwas ändern", ergänzt Finnern. Das Lehramt müsse sich beispielsweise weiter für Seiteneinsteiger öffnen, so die Bielefelderin.