Hannover

Der letzte Vorhang: Abschiedskonzert von Kiss in Hannover

Thomas Kühlmann

Gaben bei ihrer Abschiedsvorstellung auf der Expo-Plaza in Hannover noch einmal alles: Bassist Gene Simmons (von links) sowie die Gitarristen Tommy Thayer und Paul Stanley. Am Schlagzeug sorgte Eric Singer für den nötigen Dampfhammer-Rhythmus. - © Thomas Kühlmann/mt
Gaben bei ihrer Abschiedsvorstellung auf der Expo-Plaza in Hannover noch einmal alles: Bassist Gene Simmons (von links) sowie die Gitarristen Tommy Thayer und Paul Stanley. Am Schlagzeug sorgte Eric Singer für den nötigen Dampfhammer-Rhythmus. (© Thomas Kühlmann/mt)

Hannover (mt). Es ist schon bezeichnend, wenn selbst Kinder auf dem Heimweg noch laut „Rock and Roll all nite“ in Dauerschleife singen – jenen Song, mit dem die Glamrock-Giganten von Kiss ihre Abschiedsvorstellung vor 12.500 Zuschauern auf der Expo-Plaza in Hannover beendet haben. Ein nicht enden wollender Konfettiregen aus gigantischen Kanonen sowie bunte Girlanden garnieren den Showdown der US-Kultrocker, bis der letzte Ton verklungen ist und die Protagonisten mit einem lauten Knall die Bühne verlassen. Ob wirklich für immer, wie sie es angekündigt haben, wird sich zeigen.

Sicher, Gene Simmons, der sein zum Markenzeichen gewordenes Spiel mit der Megazunge immer noch wie im Schlaf beherrscht, und seine Mitstreiter Paul Stanley, Tommy Thayer und Eric Singer sind ruhiger geworden – doch das blutrünstige Bühnenspektakel beherrschen sie immer noch traumhaft. „You wanted the best, you got the best – the hottest band in the world: Kiss.“ Als die vier Protagonisten nach dem legendären Intro mit dem Klassiker „Detroit rock city“ pünktlich die Show eröffnen, gibt es für die Fans aller Altersklassen kein Halten mehr. Größtenteils wie ihre Idole geschminkt, stimmt die „Kiss-.Army“ vom ersten Refrain lautstark mit ein.

Kiss live in Hannover 2019 (Plus-Inhalt)

Es ist ein Familientreffen, denn in den ersten Reihen tummeln sich neben gestandenen Kiss-Anhängern der ersten Stunde auch deren Kinder oder gar Enkelkinder – natürlich geschützt durch Kopfhörer gegen die für sie noch etwas zu hohen Dezibelzahlen. Allerdings übertreiben die Schockrocker es nicht mit der Lautstärke, der Sound ist bestens ausgesteuert und verkommt nicht wie bei vielen Konzerten der härteren Art zu einem Musikbrei.

Dass es die geschminkten Helden dieses mal wirklich ernst mit dem Bühnenabschied meinen könnten, ist vielleicht einer der Gründe, warum sich auch reichlich Prominenz eingefunden hat, um den Heroen ihre Aufwartung zu machen. So rocken Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker von den Scorpions ebenso zu den Ohrwürmern der 1973 gegründeten Formation mit wie Fernsehkoch Tim Mälzer. Meine und Schenker zeigen sich dabei bestens gelaunt und müssen immer wieder Selfies mit Fans über sich ergehen lassen, die die deutschen Rockgrößen schnell in vorderster Front vor der Bühne erkannt haben. Doch die Hannoveraner Platzhirsche scheinen den Hype zu genießen, waren sie doch schon im Geschäft, als es Kiss noch nicht gab – und sind es immer noch.

Unterdessen zieht die US-Kultformation, die neben Black Sabbath und Alice Cooper zu den Urvätern des blutrünstigen Hardrocks gehört und neueren Bands wie Marilyn Manson als Vorbild diente, alle Register. Da legt sich zuerst einmal Eric Singer bei einem mehr als zehnminütigen Schlagzeugsolo mächtig ins Zeug, um seinen Kumpanen bei der drückenden Witterung eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. Klar, dass Gene Simmons nach einem furchteinflößenden Gewitter aus den Lautsprechertürmen beim anschließend folgenden „God of thunder“ wieder Blut spuckt und sich dieses genüsslich mit einem Handtuch vom Mund abwischt. Klar auch, dass Gitarrist Paul Stanley bei „Love gun“ einmal mehr über den Zuhörern schwebt, sich auf einer zweiten Bühne mitten im Publikum an seinem Instrument austobt, um im nächsten Moment den populärsten Hit „I was made for lovin you“ anzustimmen. Jenen Song, der auch heute noch auf vielen Feten zum Standardprogramm zählt und bei dem in Hannover die Fans aller Generationen ihre Arme in die Höhe strecken und ausschweifend mitgrölen. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt, wird aber kurz abgekühlt, als Eric Singer am Flügel mit „Beth“ die bekannte Ballade der Band zum Besten gibt, bevor nach „Rock and Roll all nite“ der letzte Vorhang fällt. Für die Kinder ein Ohrwurm für die Nacht.

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HannoverDer letzte Vorhang: Abschiedskonzert von Kiss in HannoverThomas KühlmannHannover (mt). Es ist schon bezeichnend, wenn selbst Kinder auf dem Heimweg noch laut „Rock and Roll all nite“ in Dauerschleife singen – jenen Song, mit dem die Glamrock-Giganten von Kiss ihre Abschiedsvorstellung vor 12.500 Zuschauern auf der Expo-Plaza in Hannover beendet haben. Ein nicht enden wollender Konfettiregen aus gigantischen Kanonen sowie bunte Girlanden garnieren den Showdown der US-Kultrocker, bis der letzte Ton verklungen ist und die Protagonisten mit einem lauten Knall die Bühne verlassen. Ob wirklich für immer, wie sie es angekündigt haben, wird sich zeigen. Sicher, Gene Simmons, der sein zum Markenzeichen gewordenes Spiel mit der Megazunge immer noch wie im Schlaf beherrscht, und seine Mitstreiter Paul Stanley, Tommy Thayer und Eric Singer sind ruhiger geworden – doch das blutrünstige Bühnenspektakel beherrschen sie immer noch traumhaft. „You wanted the best, you got the best – the hottest band in the world: Kiss.“ Als die vier Protagonisten nach dem legendären Intro mit dem Klassiker „Detroit rock city“ pünktlich die Show eröffnen, gibt es für die Fans aller Altersklassen kein Halten mehr. Größtenteils wie ihre Idole geschminkt, stimmt die „Kiss-.Army“ vom ersten Refrain lautstark mit ein. Es ist ein Familientreffen, denn in den ersten Reihen tummeln sich neben gestandenen Kiss-Anhängern der ersten Stunde auch deren Kinder oder gar Enkelkinder – natürlich geschützt durch Kopfhörer gegen die für sie noch etwas zu hohen Dezibelzahlen. Allerdings übertreiben die Schockrocker es nicht mit der Lautstärke, der Sound ist bestens ausgesteuert und verkommt nicht wie bei vielen Konzerten der härteren Art zu einem Musikbrei. Dass es die geschminkten Helden dieses mal wirklich ernst mit dem Bühnenabschied meinen könnten, ist vielleicht einer der Gründe, warum sich auch reichlich Prominenz eingefunden hat, um den Heroen ihre Aufwartung zu machen. So rocken Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker von den Scorpions ebenso zu den Ohrwürmern der 1973 gegründeten Formation mit wie Fernsehkoch Tim Mälzer. Meine und Schenker zeigen sich dabei bestens gelaunt und müssen immer wieder Selfies mit Fans über sich ergehen lassen, die die deutschen Rockgrößen schnell in vorderster Front vor der Bühne erkannt haben. Doch die Hannoveraner Platzhirsche scheinen den Hype zu genießen, waren sie doch schon im Geschäft, als es Kiss noch nicht gab – und sind es immer noch. Unterdessen zieht die US-Kultformation, die neben Black Sabbath und Alice Cooper zu den Urvätern des blutrünstigen Hardrocks gehört und neueren Bands wie Marilyn Manson als Vorbild diente, alle Register. Da legt sich zuerst einmal Eric Singer bei einem mehr als zehnminütigen Schlagzeugsolo mächtig ins Zeug, um seinen Kumpanen bei der drückenden Witterung eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. Klar, dass Gene Simmons nach einem furchteinflößenden Gewitter aus den Lautsprechertürmen beim anschließend folgenden „God of thunder“ wieder Blut spuckt und sich dieses genüsslich mit einem Handtuch vom Mund abwischt. Klar auch, dass Gitarrist Paul Stanley bei „Love gun“ einmal mehr über den Zuhörern schwebt, sich auf einer zweiten Bühne mitten im Publikum an seinem Instrument austobt, um im nächsten Moment den populärsten Hit „I was made for lovin you“ anzustimmen. Jenen Song, der auch heute noch auf vielen Feten zum Standardprogramm zählt und bei dem in Hannover die Fans aller Generationen ihre Arme in die Höhe strecken und ausschweifend mitgrölen. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt, wird aber kurz abgekühlt, als Eric Singer am Flügel mit „Beth“ die bekannte Ballade der Band zum Besten gibt, bevor nach „Rock and Roll all nite“ der letzte Vorhang fällt. Für die Kinder ein Ohrwurm für die Nacht. Fotostrecke auf MT.de Der Autor ist erreichbar unter(0571) 882 158 oder unterThomas.Kuehlmann@MT.de