Tiny House in Bielefeld: Steht am Kesselbrink die Zukunft des Wohnens?

Susanne Lahr

Smarthome-Kennerin Sara Hanke zeigt, wie es sich auf kleinem Raum leben lässt. - © Wolfgang Rudolf
Smarthome-Kennerin Sara Hanke zeigt, wie es sich auf kleinem Raum leben lässt. (© Wolfgang Rudolf)
Haus am Haken: Dieses Tiny House mit dem Namen "Cabin One" wiegt mehr als 10 Tonnen und misst eine Länge von 11 Meter. - © Schwäbisch Hall
Haus am Haken: Dieses Tiny House mit dem Namen "Cabin One" wiegt mehr als 10 Tonnen und misst eine Länge von 11 Meter. (© Schwäbisch Hall)

Bielefeld. Es ist schön, wenn ein mit Technik vollgepacktes Haus so etwas Profanes hat wie einen Pipi-Schalter. Vor nächtlichen Wanderungen einfach draufdrücken, schon geht ein gedämpftes Licht an, das einen nicht völlig aus dem Halbschlaf reißt, die Treppe sanft beleuchtet, im Bad die Heizung startet und die WC-Brille wärmt.

Das funktioniert, weil hinter dem Pipi-Schalter smarte Technologie steckt. Wie überall in dem  winzigen Tiny-House, das sich noch bis zum Wochenende auf dem Kesselbrink präsentiert. Auf 25 Quadratmeter gibt es die geballten Wohntrends der Zukunft zu sehen. Probeschlafen inklusive.

Eine Antwort auf die Wohnungsnot?

In Bielefeld gilt Wohnraum als Mangelware, bezahlbarer ganz besonders. Die Berechnungen, dass 2020 schon mehr als 5.000 Wohnungen fehlen, haben jüngst zur Ankündigung geführt, dass die Stadt regelnd eingreifen will. Großflächiges Bauen soll nur noch auf städtischen Flächen möglich sein, die Stadt will bestimmen, was und wie gebaut werden darf. Nachbar-Kommunen haben das Konzept schon erfolgreich vorgemacht.

Trend zum Minimalismus

Bauen verschlingt Fläche und Geld, daher verwundert es kaum, dass sich Menschen Gedanken über Minimalismus machen. Weg von großen Wohnflächen, hin zur Beschränkung auf das Wesentliche. Aus Amerika ist der Trend der Tiny-Houses (engl. winzig; gesprochen Teini), der kleinen Heime, zu uns herüber gekommen. Sie können auf Räder stehen oder auf festem Grund, jedenfalls benötigen sie wenig Platz. In Detmold, Löhne oder Paderborn gibt es beispielsweise schon Anbieter.

Bielefeld: Das Tiny House auf dem Kesselbrink

Das Smarthaus auf dem Kesselbrink stammt vom dem Berliner Start-Up-Unternehmen "Cabin Spacey". Die grau-gelbe Konstruktion ist ein kleines Raumwunder. Auf 3 mal 11 Metern finden sich Wohnzimmer und Küche, Schlafzimmer und ein voll ausgestattetes Bad. Ein Niedrigenergiehaus, das voller cleverer Technik steckt.

Bielefeld ist die erste Station auf der Tournee-Route des Tiny-Hauses, das von der Bausparkasse Schwäbisch Hall präsentiert wird, hier vor Ort in Kooperation mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Axel Kirschberger, Bereichsleiter Immobilien bei der Volksbank, ist begeistert. Allerdings habe bisher noch niemand  beim Geldinstitut nach einem Baukredit für so ein Mini-Eigenheim nachgefragt, sagt der Banker.

Der Preis beginnt bei 70.000 Euro

Denn minimalistisch ist der Preis nicht, auch wenn es natürlich weniger kostet, als ein ausgewachsenes Haus. Die 15 bis 16 Tonnen schwere "Cabin One", ein Holzsystembau mit großen Panoramafenstern, beginnt bei rund 70.000  Euro. Je mehr technischen Schnick-Schnack man möchte, desto teurer wird das sogenannte Modulhaus. Alle Funktionen im voll vernetzten Heim lassen sich übers Smartphone, per Display oder auch über digitale Sprachassistenten steuern.

Kinderkram in der Küche: Die Würfel sagt Herd und Backofen, was von ihnen verlangt wierde, erklärt Daniel Holze. - © Susanne Lahr
Kinderkram in der Küche: Die Würfel sagt Herd und Backofen, was von ihnen verlangt wierde, erklärt Daniel Holze. (© Susanne Lahr)

Egal, ob die Kaffeemaschine einen Espresso brühen soll, die Wassertemperatur fürs Duschen hochgedreht wird, Licht gedimmt oder Musik spielen soll. Das Haus erkennt seinen Besitzer an einem mitgeführten Transponder, der per Berührung die Tür öffnet und es Licht werden lässt. 60 Prozent des Strombedarfes sollen über zwei Solarmodule auf dem Dach gedeckt werden.

Cool, klein und trotzdem fehlt nichts

Whitney Fox findet die Technik einfach super. Sie ist mit ihren Großeltern in der Stadt unterwegs, kommt zufällig am Tiny-House vorbei. "Ich finde es cool, dass man alles auf so wenig Platz beisammen hat und einem trotzdem nichts fehlt." Oma und Opa sind eher skeptisch: "Im Prinzip ist das Wohnen in dieser Form schon eine gute Sache. Wir können uns das persönlich aber nicht vorstellen. Der geringe Platz und die viele Technik. Das ist eher was für jüngere Leute", sagt das Ehepaar Tacke.

In Bielefeld steht noch keines dieser Winzhäuser. Einige Städte in NRW, wie Dortmund oder Warendorf, prüfen die erste Minihaus-Siedlungen. Für die Tiny-Häuser - ob mit oder ohne Räder - gilt übrigens das normale Bauplanungs- und -ordnungsrecht. Doch müssen es immer ordentliche Baugebiete sein? Angesichts des Wohnraummangels könnte aber auch darüber nachgedacht werden, sie zum Beispiels auch auf Parkdecks aufzustellen oder Grabeland. "Möglichkeiten, die heute so noch nicht gedacht werden", sagt Jörg Rohde, Bezirksdirektor von Schwäbisch Hall.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Tiny House in Bielefeld: Steht am Kesselbrink die Zukunft des Wohnens?Susanne LahrBielefeld. Es ist schön, wenn ein mit Technik vollgepacktes Haus so etwas Profanes hat wie einen Pipi-Schalter. Vor nächtlichen Wanderungen einfach draufdrücken, schon geht ein gedämpftes Licht an, das einen nicht völlig aus dem Halbschlaf reißt, die Treppe sanft beleuchtet, im Bad die Heizung startet und die WC-Brille wärmt. Das funktioniert, weil hinter dem Pipi-Schalter smarte Technologie steckt. Wie überall in dem  winzigen Tiny-House, das sich noch bis zum Wochenende auf dem Kesselbrink präsentiert. Auf 25 Quadratmeter gibt es die geballten Wohntrends der Zukunft zu sehen. Probeschlafen inklusive. Eine Antwort auf die Wohnungsnot? In Bielefeld gilt Wohnraum als Mangelware, bezahlbarer ganz besonders. Die Berechnungen, dass 2020 schon mehr als 5.000 Wohnungen fehlen, haben jüngst zur Ankündigung geführt, dass die Stadt regelnd eingreifen will. Großflächiges Bauen soll nur noch auf städtischen Flächen möglich sein, die Stadt will bestimmen, was und wie gebaut werden darf. Nachbar-Kommunen haben das Konzept schon erfolgreich vorgemacht. Trend zum Minimalismus Bauen verschlingt Fläche und Geld, daher verwundert es kaum, dass sich Menschen Gedanken über Minimalismus machen. Weg von großen Wohnflächen, hin zur Beschränkung auf das Wesentliche. Aus Amerika ist der Trend der Tiny-Houses (engl. winzig; gesprochen Teini), der kleinen Heime, zu uns herüber gekommen. Sie können auf Räder stehen oder auf festem Grund, jedenfalls benötigen sie wenig Platz. In Detmold, Löhne oder Paderborn gibt es beispielsweise schon Anbieter. Das Smarthaus auf dem Kesselbrink stammt vom dem Berliner Start-Up-Unternehmen "Cabin Spacey". Die grau-gelbe Konstruktion ist ein kleines Raumwunder. Auf 3 mal 11 Metern finden sich Wohnzimmer und Küche, Schlafzimmer und ein voll ausgestattetes Bad. Ein Niedrigenergiehaus, das voller cleverer Technik steckt. Bielefeld ist die erste Station auf der Tournee-Route des Tiny-Hauses, das von der Bausparkasse Schwäbisch Hall präsentiert wird, hier vor Ort in Kooperation mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Axel Kirschberger, Bereichsleiter Immobilien bei der Volksbank, ist begeistert. Allerdings habe bisher noch niemand  beim Geldinstitut nach einem Baukredit für so ein Mini-Eigenheim nachgefragt, sagt der Banker. Der Preis beginnt bei 70.000 Euro Denn minimalistisch ist der Preis nicht, auch wenn es natürlich weniger kostet, als ein ausgewachsenes Haus. Die 15 bis 16 Tonnen schwere "Cabin One", ein Holzsystembau mit großen Panoramafenstern, beginnt bei rund 70.000  Euro. Je mehr technischen Schnick-Schnack man möchte, desto teurer wird das sogenannte Modulhaus. Alle Funktionen im voll vernetzten Heim lassen sich übers Smartphone, per Display oder auch über digitale Sprachassistenten steuern. Egal, ob die Kaffeemaschine einen Espresso brühen soll, die Wassertemperatur fürs Duschen hochgedreht wird, Licht gedimmt oder Musik spielen soll. Das Haus erkennt seinen Besitzer an einem mitgeführten Transponder, der per Berührung die Tür öffnet und es Licht werden lässt. 60 Prozent des Strombedarfes sollen über zwei Solarmodule auf dem Dach gedeckt werden. Cool, klein und trotzdem fehlt nichts Whitney Fox findet die Technik einfach super. Sie ist mit ihren Großeltern in der Stadt unterwegs, kommt zufällig am Tiny-House vorbei. "Ich finde es cool, dass man alles auf so wenig Platz beisammen hat und einem trotzdem nichts fehlt." Oma und Opa sind eher skeptisch: "Im Prinzip ist das Wohnen in dieser Form schon eine gute Sache. Wir können uns das persönlich aber nicht vorstellen. Der geringe Platz und die viele Technik. Das ist eher was für jüngere Leute", sagt das Ehepaar Tacke. In Bielefeld steht noch keines dieser Winzhäuser. Einige Städte in NRW, wie Dortmund oder Warendorf, prüfen die erste Minihaus-Siedlungen. Für die Tiny-Häuser - ob mit oder ohne Räder - gilt übrigens das normale Bauplanungs- und -ordnungsrecht. Doch müssen es immer ordentliche Baugebiete sein? Angesichts des Wohnraummangels könnte aber auch darüber nachgedacht werden, sie zum Beispiels auch auf Parkdecks aufzustellen oder Grabeland. "Möglichkeiten, die heute so noch nicht gedacht werden", sagt Jörg Rohde, Bezirksdirektor von Schwäbisch Hall.