Paderborn

Nach Missbrauchsstudie: Staatsanwaltschaft Paderborn leitet Ermittlungen gegen elf Priester ein

Birger Berbüsse

Die Staatsanwaltschaft hat mehrere Personalakten von Geistlichen des Erzbistums überprüft. - © Wolfgang Rudolf (Themenbild)
Die Staatsanwaltschaft hat mehrere Personalakten von Geistlichen des Erzbistums überprüft. (© Wolfgang Rudolf (Themenbild))

Paderborn (nw). Mehr als fünf Monate hat die Prüfung gedauert, doch nun steht fest: Gegen elf Priester des Erzbistums Paderborn wird wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt. Bei der Prüfung ihrer Personalakten haben sich Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben, teilte der zuständige Paderborner Oberstaatsanwalt Christoph Zielke auf Anfrage der Neuen Westfälischenmit. Bei den Hinweisen handelt es sich überwiegend um sexuellen Missbrauch von Kindern.

"Es wurden entsprechende Aktenvorgänge angelegt, die an die örtlichen Staatsanwaltschaften weitergegeben wurden", so Zielke. Ihnen sei nun die Prüfung der Verjährungsfrist und des Tatnachweises vorbehalten, erläutert er das weitere Vorgehen. Lediglich zwei Fälle bleiben in der Zuständigkeit der Paderborner Staatsanwaltschaft, die weiteren neun werden an andere Behörden auf dem Gebiet des Erzbistums weitergeleitet.

Warum es vielleicht zu keinem Verfahren kommt

Die Staatsanwaltschaft hatte die Akten nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche erhalten. Das Erzbistum Paderborn hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen 70 Jahren 111 Beschuldigte und 197 Betroffene verzeichnet. Die Diözese erstellte eine Liste mit allen Beschuldigten. Daraus filterte die Staatsanwaltschaft jene heraus, die noch am Leben sind und nicht schon Gegenstand eines Strafverfahrens waren. In elf Fällen wird nun ermittelt.

Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß, dass es zu keinem Verfahren gegen die Beschuldigten kommt, weil die Fälle bereits verjährt sind. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren schon 87 der 111 Beschuldigten aus dem Erzbistum Paderborn verstorben und 13 der noch lebenden 24 Kleriker sind in Rente, so dass davon auszugehen ist, dass ein möglicher Missbrauch schon verjährt ist.

Acht weitere Verfahren gegen Unbekannt

Das gilt auch für acht weitere Verfahren gegen Unbekannt, die Zielke ebenfalls eingeleitet hat. "In den von der Kirche überreichten Unterlagen gab es Hinweise auf bislang strafrechtlich nicht aufgearbeitete Fälle", sagt der Oberstaatsanwalt. Allerdings konnten sich die vermeintlichen Opfer nicht mehr an die Namen der Priester erinnern und die Fälle liegen mehr als 50 Jahre zurück.

Ermittelt wird allerdings auch in einem aktuellen Fall. Vor einigen Wochen habe das Erzbistum Paderborn selber Strafanzeige gegen einen Geistlichen gestellt, nachdem gegen ihn Vorwürfe bekannt geworden seien, so Zielke. Weitere Details wollte er mit Verweis auf das laufende Verfahren aber nicht nennen. Im Januar waren bereits zwei weitere neue Missbrauchsfälle bekannt geworden, in denen die Staatsanwaltschaft gegen einen Priester und einen Kirchenmitarbeiter ermittelt.

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PaderbornNach Missbrauchsstudie: Staatsanwaltschaft Paderborn leitet Ermittlungen gegen elf Priester einBirger BerbüssePaderborn (nw). Mehr als fünf Monate hat die Prüfung gedauert, doch nun steht fest: Gegen elf Priester des Erzbistums Paderborn wird wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt. Bei der Prüfung ihrer Personalakten haben sich Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben, teilte der zuständige Paderborner Oberstaatsanwalt Christoph Zielke auf Anfrage der Neuen Westfälischenmit. Bei den Hinweisen handelt es sich überwiegend um sexuellen Missbrauch von Kindern. "Es wurden entsprechende Aktenvorgänge angelegt, die an die örtlichen Staatsanwaltschaften weitergegeben wurden", so Zielke. Ihnen sei nun die Prüfung der Verjährungsfrist und des Tatnachweises vorbehalten, erläutert er das weitere Vorgehen. Lediglich zwei Fälle bleiben in der Zuständigkeit der Paderborner Staatsanwaltschaft, die weiteren neun werden an andere Behörden auf dem Gebiet des Erzbistums weitergeleitet. Warum es vielleicht zu keinem Verfahren kommt Die Staatsanwaltschaft hatte die Akten nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche erhalten. Das Erzbistum Paderborn hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen 70 Jahren 111 Beschuldigte und 197 Betroffene verzeichnet. Die Diözese erstellte eine Liste mit allen Beschuldigten. Daraus filterte die Staatsanwaltschaft jene heraus, die noch am Leben sind und nicht schon Gegenstand eines Strafverfahrens waren. In elf Fällen wird nun ermittelt. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß, dass es zu keinem Verfahren gegen die Beschuldigten kommt, weil die Fälle bereits verjährt sind. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren schon 87 der 111 Beschuldigten aus dem Erzbistum Paderborn verstorben und 13 der noch lebenden 24 Kleriker sind in Rente, so dass davon auszugehen ist, dass ein möglicher Missbrauch schon verjährt ist. Acht weitere Verfahren gegen Unbekannt Das gilt auch für acht weitere Verfahren gegen Unbekannt, die Zielke ebenfalls eingeleitet hat. "In den von der Kirche überreichten Unterlagen gab es Hinweise auf bislang strafrechtlich nicht aufgearbeitete Fälle", sagt der Oberstaatsanwalt. Allerdings konnten sich die vermeintlichen Opfer nicht mehr an die Namen der Priester erinnern und die Fälle liegen mehr als 50 Jahre zurück. Ermittelt wird allerdings auch in einem aktuellen Fall. Vor einigen Wochen habe das Erzbistum Paderborn selber Strafanzeige gegen einen Geistlichen gestellt, nachdem gegen ihn Vorwürfe bekannt geworden seien, so Zielke. Weitere Details wollte er mit Verweis auf das laufende Verfahren aber nicht nennen. Im Januar waren bereits zwei weitere neue Missbrauchsfälle bekannt geworden, in denen die Staatsanwaltschaft gegen einen Priester und einen Kirchenmitarbeiter ermittelt.