Zerstörte Puppen, ausgeschlagene Fenster, demolierte Schilder: Nichts haben die Vandalen verschont. Schon von außen bietet das Bistro der Erlebniswelt Steinzeichen in Steinbergen ein Bild der Verwüstung. Fotos: momo
Zerstörte Puppen, ausgeschlagene Fenster, demolierte Schilder: Nichts haben die Vandalen verschont. Schon von außen bietet das Bistro der Erlebniswelt Steinzeichen in Steinbergen ein Bild der Verwüstung. Fotos: momo

Steinbergen

Zerstörungswut im Steinzeichen Steinbergen - Polizei prüft rechtsextremen Hintergrund

Maurice Mühlenmeier

Das Haus der Weltreligionen ist komplett verwüstet. Im Davidstern (unten rechts) befindet sich ein Kothaufen.
Das Haus der Weltreligionen ist komplett verwüstet. Im Davidstern (unten rechts) befindet sich ein Kothaufen.

Steinbergen (sz/lz). „Das war mal ein richtig schöner Ort. Ich war als Kind gerne hier“, resümiert Marc Z., der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das hat einen guten Grund: Er darf nicht hier sein. Es geht um das Steinzeichen Steinbergen – oder das, was noch davon übrig ist.

Die Erlebniswelt Steinzeichen war ein naturorientierter Erlebnis- und Freizeitpark im Ortsteil Steinbergen von Rinteln im Landkreis Schaumburg. Er lag auf dem Messingberg, in einem bereits renaturierten Gebiet eines Steinbruches. Der Park wurde im Zuge der Weltausstellung Expo 2000 als dezentrales Projekt aufgebaut. Am 26. April 2016, wenige Tage vor der geplanten Saisoneröffnung, wurde bekannt, dass die Erlebniswelt bis auf weiteres geschlossen bleibt und vor dem Aus steht. Noch 2016 ging sie in Insolvenz und es kam nicht zur geplanten Wiedereröffnung.

Müll und Dreck liegt auf dem Fußboden, Hakenkreuze und Pentragramme „zieren“ die Wände.
Müll und Dreck liegt auf dem Fußboden, Hakenkreuze und Pentragramme „zieren“ die Wände.

Heute watet man in einem Meer aus Glas, Exkrementen, Müll und Dreck durch die Reste einer schönen Erinnerung. Hakenkreuze und Pentagramme „zieren“ die Wände. Körperteile von Schaufensterpuppen in skurrilen Arrangements, Botschaften wie aus Horrorfilmen an den Wänden: „Er ist hier!“ Wer? Der endgültige Verfall des Steinzeichens.

Auch das Haus der Weltreligionen ist mittlerweile völlig verwüstet. Die Sandstein-Skulpturen wurden größtenteils umgeworfen. Als vorläufiger Gipfel der Geschmacklosigkeit befindet sich ein offenbar menschlicher Kothaufen mitten in einem zerstörten Davidstern.

Die Polizei prüft einen rechtsextremen Hintergrund. Berndhard Priesmeier, Vorsitzender des Fördervereins des Hauses der Religionen, ist sich hingegen sicher: „Das zeugt von einem abgestumpften Antisemitismus.“

Josef Wärmer, der ehemalige Betreiber der Erlebniswelt, ist „mehr als traurig“. Das Problem sei weniger der eigentliche Verfall des Grundstücks, sondern vielmehr die zahlreichen Randalierer und Kriminellen, die tags wie nachts ihr Unwesen treiben: „Seitdem der Park im Internet auf einer ‚Lost Places‘-Seite auftauchte, ging es los.“ Einbrüche, Diebstähle, Vandalismus, Hausfriedensbruch. Wärmer selbst hat über ein Dutzend Anzeigen erstattet – die meisten gegen unbekannt.

Aus den Polizeiberichten wird Wärmers Hypothese gestützt: Demnach begannen die Einbrüche im März, mehrere Personen konnten von der Polizei gestellt werden. Auch einen Kupferdieb, der das Edelmetall stahl und weiterverkaufte, konnten die Behörden im November stellen. Doch das alles wirkt wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Besuch auf dem ehemals schönen Gelände erinnert an dystopische Endzeitfilme, an Zombie-Apokalypse und postnukleare Videospiele.

In rücksichtsloser Zerstörungswut wurden ausnahmslos alle Fenster in Sichtweite zerschmettert. Inventar und Möbel zerlegt, zersägt und zerstört, Müllberge türmen sich innen wie außen. Besonders schlimm traf es das ehemalige Bistro, das eher einem Überbleibsel eines Bombentests gleicht als einer Raststätte.

Auch das Haus der Weltreligionen, das etwa auf halber Höhe des Hanges liegt, hat gelitten. „Es ist ein Trauerspiel“, klagt Peter Neumann, Initiator des Projekts. Das Haus der Religionen wurde seinerzeit aus Spendenmitteln gebaut. Heute sind die großen Steinstelen mit den Symbolen der Weltreligionen umgestürzt. Das Inventar wurde gestohlen, zerstört, beschmiert. Am Eingang eine seltsam deformierte Schaufensterpuppe, die fast schon grüßend den Arm ausstreckt: „Willkommen im Wahnsinn.“ Und in der Mitte eben der Davidstern mit einem Kothaufen.

„Wir hängen schon an dem Gebäude“, befindet Priesmeier. Einer weiteren Nutzung stehe man offen gegenüber – wie realistisch das ist, bleibt abzuwarten. Was nun zu tun sei, die Antwort bleibt indes jeder schuldig. Priesmeier verweist auf die schwierigen Eigentumsverhältnisse mit Besitzer, Pächter, Unterpächter und Nutzer. Neumann indes will das „Projekt jetzt verabschieden“, er glaubt nicht an eine weitere Nutzung.

Eindämmen wird man das Problem nicht können: Das Gelände ist wegen zahlreicher Löcher in den Zäunen schlecht gesichert. Dennoch, betonen die Verantwortlichen: Wer das Grundstück betrete, mache sich strafbar. Alles werde zur Anzeige gebracht.

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SteinbergenZerstörungswut im Steinzeichen Steinbergen - Polizei prüft rechtsextremen HintergrundMaurice MühlenmeierSteinbergen (sz/lz). „Das war mal ein richtig schöner Ort. Ich war als Kind gerne hier“, resümiert Marc Z., der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das hat einen guten Grund: Er darf nicht hier sein. Es geht um das Steinzeichen Steinbergen – oder das, was noch davon übrig ist. Die Erlebniswelt Steinzeichen war ein naturorientierter Erlebnis- und Freizeitpark im Ortsteil Steinbergen von Rinteln im Landkreis Schaumburg. Er lag auf dem Messingberg, in einem bereits renaturierten Gebiet eines Steinbruches. Der Park wurde im Zuge der Weltausstellung Expo 2000 als dezentrales Projekt aufgebaut. Am 26. April 2016, wenige Tage vor der geplanten Saisoneröffnung, wurde bekannt, dass die Erlebniswelt bis auf weiteres geschlossen bleibt und vor dem Aus steht. Noch 2016 ging sie in Insolvenz und es kam nicht zur geplanten Wiedereröffnung. Heute watet man in einem Meer aus Glas, Exkrementen, Müll und Dreck durch die Reste einer schönen Erinnerung. Hakenkreuze und Pentagramme „zieren“ die Wände. Körperteile von Schaufensterpuppen in skurrilen Arrangements, Botschaften wie aus Horrorfilmen an den Wänden: „Er ist hier!“ Wer? Der endgültige Verfall des Steinzeichens. Auch das Haus der Weltreligionen ist mittlerweile völlig verwüstet. Die Sandstein-Skulpturen wurden größtenteils umgeworfen. Als vorläufiger Gipfel der Geschmacklosigkeit befindet sich ein offenbar menschlicher Kothaufen mitten in einem zerstörten Davidstern. Die Polizei prüft einen rechtsextremen Hintergrund. Berndhard Priesmeier, Vorsitzender des Fördervereins des Hauses der Religionen, ist sich hingegen sicher: „Das zeugt von einem abgestumpften Antisemitismus.“ Josef Wärmer, der ehemalige Betreiber der Erlebniswelt, ist „mehr als traurig“. Das Problem sei weniger der eigentliche Verfall des Grundstücks, sondern vielmehr die zahlreichen Randalierer und Kriminellen, die tags wie nachts ihr Unwesen treiben: „Seitdem der Park im Internet auf einer ‚Lost Places‘-Seite auftauchte, ging es los.“ Einbrüche, Diebstähle, Vandalismus, Hausfriedensbruch. Wärmer selbst hat über ein Dutzend Anzeigen erstattet – die meisten gegen unbekannt. Aus den Polizeiberichten wird Wärmers Hypothese gestützt: Demnach begannen die Einbrüche im März, mehrere Personen konnten von der Polizei gestellt werden. Auch einen Kupferdieb, der das Edelmetall stahl und weiterverkaufte, konnten die Behörden im November stellen. Doch das alles wirkt wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Besuch auf dem ehemals schönen Gelände erinnert an dystopische Endzeitfilme, an Zombie-Apokalypse und postnukleare Videospiele. In rücksichtsloser Zerstörungswut wurden ausnahmslos alle Fenster in Sichtweite zerschmettert. Inventar und Möbel zerlegt, zersägt und zerstört, Müllberge türmen sich innen wie außen. Besonders schlimm traf es das ehemalige Bistro, das eher einem Überbleibsel eines Bombentests gleicht als einer Raststätte. Auch das Haus der Weltreligionen, das etwa auf halber Höhe des Hanges liegt, hat gelitten. „Es ist ein Trauerspiel“, klagt Peter Neumann, Initiator des Projekts. Das Haus der Religionen wurde seinerzeit aus Spendenmitteln gebaut. Heute sind die großen Steinstelen mit den Symbolen der Weltreligionen umgestürzt. Das Inventar wurde gestohlen, zerstört, beschmiert. Am Eingang eine seltsam deformierte Schaufensterpuppe, die fast schon grüßend den Arm ausstreckt: „Willkommen im Wahnsinn.“ Und in der Mitte eben der Davidstern mit einem Kothaufen. „Wir hängen schon an dem Gebäude“, befindet Priesmeier. Einer weiteren Nutzung stehe man offen gegenüber – wie realistisch das ist, bleibt abzuwarten. Was nun zu tun sei, die Antwort bleibt indes jeder schuldig. Priesmeier verweist auf die schwierigen Eigentumsverhältnisse mit Besitzer, Pächter, Unterpächter und Nutzer. Neumann indes will das „Projekt jetzt verabschieden“, er glaubt nicht an eine weitere Nutzung. Eindämmen wird man das Problem nicht können: Das Gelände ist wegen zahlreicher Löcher in den Zäunen schlecht gesichert. Dennoch, betonen die Verantwortlichen: Wer das Grundstück betrete, mache sich strafbar. Alles werde zur Anzeige gebracht.