Bielefeld

Bus und Bahn in NRW: So sieht das Ticketsystem der Zukunft aus

Max Maschmann

In Zukunft braucht ein Kunde des Nahverkehrs nur noch sein Handy. - © Martin Gerten/dpa
In Zukunft braucht ein Kunde des Nahverkehrs nur noch sein Handy. (© Martin Gerten/dpa)

Bielefeld (nw). Die drei großen Verkehrsverbände aus NRW planen gemeinsam die Einführung eines neuen Ticketsystems. Es ermöglicht die automatische Erkennung von Ein- und Ausstieg eines Kunden via Mobiltelefon. Bereits ab 2020 soll die neue Technik zur Verfügung stehen. Das wünschen sich der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) sowie der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR). Die Höhe der Kosten ist noch offen.

Die Neuerung trägt den Titel „Check-in/Be-out-System" (CiBo) und soll sich problemlos in reguläre und bestehende Apps auf dem eigenen Handy integrieren lassen. So funktioniert es: Der Einstieg eines Kunden (Check-in) wird via Mobiltelefon erkannt. Bei Fahrtbeginn startet das Gerät die Aufzeichnung des Fahrtweges – dafür muss das Ortungssystem des Telefons angeschaltet sein. Die Aufzeichnung läuft so lange, bis der Kunde aussteigt (Be-out). Da das System in den ersten Jahren nicht seinen vollen Funktionsumfang erreicht haben wird, fragt es per Benachrichtigung auf dem Telefon, wenn es einen Ausstieg vermutet. Dadurch soll es lernen, Ausstiege sicher zu erkennen. Später bleibt es dem Kunden überlassen, ob er bestätigt oder dem System vertraut.

„Unser Ziel ist es, dass Fahrgäste sich nicht mit Tickets und Tarifen beschäftigen müssen. Ich bin mir sicher, dass so viele Fahrgäste zusteigen, denen Bus- und Bahnfahren bislang zu kompliziert war", sagt Martin Husmann, Vorstandssprecher des VRR. Tatsächlich soll das System auf Grundlage des erfassten Fahrtweges automatisiert den Fahrpreis berechnen. „Dabei wird für den Kunden stets ermittelt, welches die günstigsten Tickets auf dieser Strecke wären", erklärt Uli Beele, Pressesprecher des NWL. Am Ende des Monats erhält der Kunde dann eine Rechnung. Wer möchte, kann seine Fahrkarten aber weiter klassisch vor Antritt der Reise kaufen.

Während Lothar Ebbers, Pressesprecher beim Fahrgastverband Pro Bahn NRW, die Pläne begrüßt („Das bietet neue Möglichkeiten, die aktuellen Anforderungen gerecht werden"), sieht sie der Bielefelder Datenschützer padeluun kritisch. „Jedes System, das Daten vorhält, aus denen sich Schlüsse ziehen lassen, ist bedenklich", sagt der Vorstand des Vereins Digital Courage.

Wie Dino Niemann, stellvertretender VRR-Pressesprecher erklärt, sollen die Fahrtwege von den restlichen persönlichen Daten getrennt sein – also anonymisiert. So sollen Datenschutzrisiken minimiert werden und einzelne Fahrtwege zum Beispiel nicht einer konkreten Person zugeordnet werden können.

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BielefeldBus und Bahn in NRW: So sieht das Ticketsystem der Zukunft ausMax MaschmannBielefeld (nw). Die drei großen Verkehrsverbände aus NRW planen gemeinsam die Einführung eines neuen Ticketsystems. Es ermöglicht die automatische Erkennung von Ein- und Ausstieg eines Kunden via Mobiltelefon. Bereits ab 2020 soll die neue Technik zur Verfügung stehen. Das wünschen sich der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) sowie der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR). Die Höhe der Kosten ist noch offen. Die Neuerung trägt den Titel „Check-in/Be-out-System" (CiBo) und soll sich problemlos in reguläre und bestehende Apps auf dem eigenen Handy integrieren lassen. So funktioniert es: Der Einstieg eines Kunden (Check-in) wird via Mobiltelefon erkannt. Bei Fahrtbeginn startet das Gerät die Aufzeichnung des Fahrtweges – dafür muss das Ortungssystem des Telefons angeschaltet sein. Die Aufzeichnung läuft so lange, bis der Kunde aussteigt (Be-out). Da das System in den ersten Jahren nicht seinen vollen Funktionsumfang erreicht haben wird, fragt es per Benachrichtigung auf dem Telefon, wenn es einen Ausstieg vermutet. Dadurch soll es lernen, Ausstiege sicher zu erkennen. Später bleibt es dem Kunden überlassen, ob er bestätigt oder dem System vertraut. „Unser Ziel ist es, dass Fahrgäste sich nicht mit Tickets und Tarifen beschäftigen müssen. Ich bin mir sicher, dass so viele Fahrgäste zusteigen, denen Bus- und Bahnfahren bislang zu kompliziert war", sagt Martin Husmann, Vorstandssprecher des VRR. Tatsächlich soll das System auf Grundlage des erfassten Fahrtweges automatisiert den Fahrpreis berechnen. „Dabei wird für den Kunden stets ermittelt, welches die günstigsten Tickets auf dieser Strecke wären", erklärt Uli Beele, Pressesprecher des NWL. Am Ende des Monats erhält der Kunde dann eine Rechnung. Wer möchte, kann seine Fahrkarten aber weiter klassisch vor Antritt der Reise kaufen. Während Lothar Ebbers, Pressesprecher beim Fahrgastverband Pro Bahn NRW, die Pläne begrüßt („Das bietet neue Möglichkeiten, die aktuellen Anforderungen gerecht werden"), sieht sie der Bielefelder Datenschützer padeluun kritisch. „Jedes System, das Daten vorhält, aus denen sich Schlüsse ziehen lassen, ist bedenklich", sagt der Vorstand des Vereins Digital Courage. Wie Dino Niemann, stellvertretender VRR-Pressesprecher erklärt, sollen die Fahrtwege von den restlichen persönlichen Daten getrennt sein – also anonymisiert. So sollen Datenschutzrisiken minimiert werden und einzelne Fahrtwege zum Beispiel nicht einer konkreten Person zugeordnet werden können.