Das Gebäude der betroffenen Firma in Schloß Holte-Stukenbrock. - © Sigurd Gringel/nw
Das Gebäude der betroffenen Firma in Schloß Holte-Stukenbrock. (© Sigurd Gringel/nw)

Die Ermittlungen im Pausenbrotfall kommen ins Stocken

Jürgen Mahncke

Schloß Holte-Stukenbrock (nw). Hat ein 56-Jähriger, dem versuchter Mord an einem Arbeitskollegen durch das Vergiften seines Pausenbrotes vorgeworfen wird, noch mehr Taten auf dem Gewissen? Diese Frage treibt die Mordkommission „Mergel" seit der Verhaftung des Bielefelders am 17. Mai an. Anfang Mai stellte ein Kollege eine unbekannte Substanz auf dem Belag seines Pausenbrotes fest. Bilder einer Video-Kamera überführten den Bielefelder, als er zum zweiten Mal versuchte, seine Kollegen zu vergiften.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen stellten Beamte ein ganzes Lager von giftigen Chemikalien sicher. Am vergangenen Freitag hatten Mitarbeiter des Spezialunternehmens Lobbe aus Iserlohn in Spezialanzügen letzte Reste der vermutlich hochgefährlichen Stoffe aus den Kellerräumen entsorgt.

Um auszuschließen, dass dem Festgenommenen vergangene Krankheits- und Todesfälle in dem Armaturenunternehmen zuzurechnen sind, werden zahlreiche Krankenakten der Belegschaft, auch von Verstorbenen, durch das Landeskriminalamt in Düsseldorf unter die Lupe genommen. Wie zu erfahren war, kommt es hier allerdings zu Verzögerungen. Erst nach Begutachtung der Unterlagen soll entschieden werden, ob Exhumierungen plötzlich verstorbener Mitarbeiter notwendig sind.

Die Exhumierung von Verstorbenen ist zum Zweck einer erneuten Leichenschau möglich. Nach § 87, Absatz 3, der Strafprozessordnung kann ein Richter oder die Staatsanwaltschaft die Exhumierung beantragen, wenn Zweifel an der Todesursache des Verstorbenen existieren und der Verdacht besteht, dass der Verstorbene zum Beispiel einem Mord zum Opfer gefallen ist. Wie zu hören war, hoffen die Ermittler, dass ihnen diese Maßnahmen erspart bleiben. Zum einen fürchten sie die tiefe Betroffenheit der Angehörigen, zum anderen den hohen Verwaltungsaufwand.

Der mutmaßliche Täter schweigt indessen weiter zu den Vorwürfen. „Ich und mein Mandat haben keine Erklärungen abzugeben. Ich stelle mir die Frage, ob es Anknüpfungstatsachen zu dem jetzt erhobenen Vorwurf gibt", sagt Strafverteidiger Henning Jansen. Bilder einer installierten Videokamera belegen bisher nur die Manipulation eines einzigen Pausenbrotes.

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Die Ermittlungen im Pausenbrotfall kommen ins StockenJürgen MahnckeSchloß Holte-Stukenbrock (nw). Hat ein 56-Jähriger, dem versuchter Mord an einem Arbeitskollegen durch das Vergiften seines Pausenbrotes vorgeworfen wird, noch mehr Taten auf dem Gewissen? Diese Frage treibt die Mordkommission „Mergel" seit der Verhaftung des Bielefelders am 17. Mai an. Anfang Mai stellte ein Kollege eine unbekannte Substanz auf dem Belag seines Pausenbrotes fest. Bilder einer Video-Kamera überführten den Bielefelder, als er zum zweiten Mal versuchte, seine Kollegen zu vergiften. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen stellten Beamte ein ganzes Lager von giftigen Chemikalien sicher. Am vergangenen Freitag hatten Mitarbeiter des Spezialunternehmens Lobbe aus Iserlohn in Spezialanzügen letzte Reste der vermutlich hochgefährlichen Stoffe aus den Kellerräumen entsorgt. Um auszuschließen, dass dem Festgenommenen vergangene Krankheits- und Todesfälle in dem Armaturenunternehmen zuzurechnen sind, werden zahlreiche Krankenakten der Belegschaft, auch von Verstorbenen, durch das Landeskriminalamt in Düsseldorf unter die Lupe genommen. Wie zu erfahren war, kommt es hier allerdings zu Verzögerungen. Erst nach Begutachtung der Unterlagen soll entschieden werden, ob Exhumierungen plötzlich verstorbener Mitarbeiter notwendig sind. Die Exhumierung von Verstorbenen ist zum Zweck einer erneuten Leichenschau möglich. Nach § 87, Absatz 3, der Strafprozessordnung kann ein Richter oder die Staatsanwaltschaft die Exhumierung beantragen, wenn Zweifel an der Todesursache des Verstorbenen existieren und der Verdacht besteht, dass der Verstorbene zum Beispiel einem Mord zum Opfer gefallen ist. Wie zu hören war, hoffen die Ermittler, dass ihnen diese Maßnahmen erspart bleiben. Zum einen fürchten sie die tiefe Betroffenheit der Angehörigen, zum anderen den hohen Verwaltungsaufwand. Der mutmaßliche Täter schweigt indessen weiter zu den Vorwürfen. „Ich und mein Mandat haben keine Erklärungen abzugeben. Ich stelle mir die Frage, ob es Anknüpfungstatsachen zu dem jetzt erhobenen Vorwurf gibt", sagt Strafverteidiger Henning Jansen. Bilder einer installierten Videokamera belegen bisher nur die Manipulation eines einzigen Pausenbrotes.