Lothar Warner und seine Solawi in Vlotho

Gisela Burmester

Auch in den Wintermonaten gibt es Gemüse: Lothar Warner erntet Wintersalat für die Mitglieder der Solawi. - © MT-Foto: Alex Lehn
Auch in den Wintermonaten gibt es Gemüse: Lothar Warner erntet Wintersalat für die Mitglieder der Solawi. (© MT-Foto: Alex Lehn)
Christian Weindok beim Spaziergang mit dem Kalb.
Christian Weindok beim Spaziergang mit dem Kalb.

Vlotho (mt). Im Rentenalter startet Lothar Warner noch einmal durch: Er pachtete einen Resthof an der Bretthorststraße in Vlotho und gründete 2014 die Solidarische Landwirtschaft (Solawi). Für 46 Mitglieder baut der 65-Jährige Gemüse auf seinem zertifizierten Bioland-Hof an, hält zudem Rinder und Schafe für die Beweidung des Naturschutzgebiets Winterberg im Auftrag des Kreises Herford und als Schlachtvieh.

Lothar Warner wollte immer Bauer werden - aber einer, der traditionelle, ursprüngliche Landwirtschaft betreibt. „Bloß keine Industrialisierung, das ist mir ein Herzensanliegen“, sagt der Landwirtschaftsmeister, der sich zuvor 25 Jahre in Bethel um den ökologischen Landbau kümmerte - zusammen mit Bewohnern der Bielefelder Einrichtung. Heute ist er Arbeitgeber von zwei Mitarbeitern, die vom Wittekindshof und der Lebenshilfe betreut werden, und einem Gärtner.

Information
Solawi

Bei der Solidarischen Landwirtschaft wird die Landwirtschaft - nicht das einzelne Lebensmittel - wird finanziert.

In der solidarischen Landwirtschaft tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeuger als auch der Konsument die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft. Quelle: www.solidarische-landwirtschaft.org

Zusammen beackern sie insgesamt 5,5 Hektar Fläche. „Auf zwei Hektar Streuobstwiese wachsen alte Apfelsorten, dazu kommen Kirschen und Birnen.“ Die restlichen drei Hektar stehen für den Gemüseanbau zur Verfügung. „Wir haben 35 bis 40 Kulturen. Vieles wird in Handarbeit erledigt“, berichtet Lothar Warner und verweist auf die bei den Solawi-Mitgliedern äußerste beliebten Tomaten, auf Kartoffeln, Porree, Kohl, Radieschen, Kürbis, Rettich, Möhren und Rote Bete. Gerade von den letzten drei Gemüsesorten steht noch jede Menge zur Verfügung. Hiervon kann sich jedes Mitglied soviel nehmen, wie es will. Außerdem sind Wintersalat, Feldsalat und Postelein, die den Winter über in einem Gewächshaustunnel heranwuchsen, im Angebot.

Einmal in der Woche - immer freitags - können die Solawi-Mitglieder, die monatlich 75 Euro an den Biobauern zahlen, ihre Kisten mit frischem, saisonalen Gemüse und Obst füllen. Nicht nur in der Bretthorststraße, sondern auch an den Abholstellen in Rinteln und Porta Westfalica. Was und wie viel sie nehmen dürfen, ist auf einer in der Diele aufgehängten Tafel vermerkt. Beispielsweise ein Kilogramm Äpfel, dazu jeweils eine Einheit Kürbis, Kartoffeln, Kohl und Feldsalat. Ein Ansprechpartner ist vor Ort, der hilft, Anregungen und Kritik entgegennimmt. „Natürlich gibt es auch mal Ärger bei der Verteilung“, meint Lothar Warner. Das sei doch normal.

Die Ernte der Produkte übernehmen der Bauer und seine Mitarbeiter, die Solawi-Mitglieder sollen bei der Arbeit auf den Feldern helfen, beispielsweise beim Kartoffelroden. „So entsteht Gemeinschaft, alle können erleben, wie die Pflanzen gedeihen und sehen, wie ihre Lebensmittel heranwachsen.“ Lothar Warner ist die Wertschätzung der Arbeit wichtig, und er erlebt, dass er und die Solawi im Ort langsam akzeptiert werden. Zunächst sei er belächelt und vielleicht auch misstrauisch beäugt worden, doch nun spüre er eine Veränderung im Umgang miteinander. Aber es sei ja auch nicht alltäglich, dass Ware nicht gegen eine bestimmte Summe verkauft werde, sondern dass von der Gemeinschaft ein jährlicher Geldbetrag festgesetzt werde.

Ungewöhnlich für seine Nachbarn ist aber auch, dass er mit den Kälbern regelmäßig Spaziergänge unternimmt. Der Bauer hält neben 15 Schafen vier Kühe und drei Kälber der Gebirgsrasse Hinterwäldler in Mutterkuhhaltung, die fünf Hektar hügeliges Naturschutzgebiet beweiden. „Die Tiere bleiben im Sommer draußen und verwildern. Um die Jungtiere an Menschen zu gewöhnen, nehmen wir sie, wenn sie im Stall stehen, an die Leine und marschieren mit ihnen los.“

Die Kuhherde wird wachsen, damit - wie bereits bei den Schafen - Schlachtvieh heranwächst. Vergrößerung gilt auch für den restlichen Betrieb. Lothar Warner will investieren: in ein Kühlhaus, Gewächshäuser und Kleingeräte. Denn trotz seines Alters wähnt er sich noch längst nicht am Ziel: „Mit der Solawi verwirkliche ich meinen Lebenstraum.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Lothar Warner und seine Solawi in VlothoGisela BurmesterVlotho (mt). Im Rentenalter startet Lothar Warner noch einmal durch: Er pachtete einen Resthof an der Bretthorststraße in Vlotho und gründete 2014 die Solidarische Landwirtschaft (Solawi). Für 46 Mitglieder baut der 65-Jährige Gemüse auf seinem zertifizierten Bioland-Hof an, hält zudem Rinder und Schafe für die Beweidung des Naturschutzgebiets Winterberg im Auftrag des Kreises Herford und als Schlachtvieh.Lothar Warner wollte immer Bauer werden - aber einer, der traditionelle, ursprüngliche Landwirtschaft betreibt. „Bloß keine Industrialisierung, das ist mir ein Herzensanliegen“, sagt der Landwirtschaftsmeister, der sich zuvor 25 Jahre in Bethel um den ökologischen Landbau kümmerte - zusammen mit Bewohnern der Bielefelder Einrichtung. Heute ist er Arbeitgeber von zwei Mitarbeitern, die vom Wittekindshof und der Lebenshilfe betreut werden, und einem Gärtner.Zusammen beackern sie insgesamt 5,5 Hektar Fläche. „Auf zwei Hektar Streuobstwiese wachsen alte Apfelsorten, dazu kommen Kirschen und Birnen.“ Die restlichen drei Hektar stehen für den Gemüseanbau zur Verfügung. „Wir haben 35 bis 40 Kulturen. Vieles wird in Handarbeit erledigt“, berichtet Lothar Warner und verweist auf die bei den Solawi-Mitgliedern äußerste beliebten Tomaten, auf Kartoffeln, Porree, Kohl, Radieschen, Kürbis, Rettich, Möhren und Rote Bete. Gerade von den letzten drei Gemüsesorten steht noch jede Menge zur Verfügung. Hiervon kann sich jedes Mitglied soviel nehmen, wie es will. Außerdem sind Wintersalat, Feldsalat und Postelein, die den Winter über in einem Gewächshaustunnel heranwuchsen, im Angebot.Einmal in der Woche - immer freitags - können die Solawi-Mitglieder, die monatlich 75 Euro an den Biobauern zahlen, ihre Kisten mit frischem, saisonalen Gemüse und Obst füllen. Nicht nur in der Bretthorststraße, sondern auch an den Abholstellen in Rinteln und Porta Westfalica. Was und wie viel sie nehmen dürfen, ist auf einer in der Diele aufgehängten Tafel vermerkt. Beispielsweise ein Kilogramm Äpfel, dazu jeweils eine Einheit Kürbis, Kartoffeln, Kohl und Feldsalat. Ein Ansprechpartner ist vor Ort, der hilft, Anregungen und Kritik entgegennimmt. „Natürlich gibt es auch mal Ärger bei der Verteilung“, meint Lothar Warner. Das sei doch normal.Die Ernte der Produkte übernehmen der Bauer und seine Mitarbeiter, die Solawi-Mitglieder sollen bei der Arbeit auf den Feldern helfen, beispielsweise beim Kartoffelroden. „So entsteht Gemeinschaft, alle können erleben, wie die Pflanzen gedeihen und sehen, wie ihre Lebensmittel heranwachsen.“ Lothar Warner ist die Wertschätzung der Arbeit wichtig, und er erlebt, dass er und die Solawi im Ort langsam akzeptiert werden. Zunächst sei er belächelt und vielleicht auch misstrauisch beäugt worden, doch nun spüre er eine Veränderung im Umgang miteinander. Aber es sei ja auch nicht alltäglich, dass Ware nicht gegen eine bestimmte Summe verkauft werde, sondern dass von der Gemeinschaft ein jährlicher Geldbetrag festgesetzt werde.Ungewöhnlich für seine Nachbarn ist aber auch, dass er mit den Kälbern regelmäßig Spaziergänge unternimmt. Der Bauer hält neben 15 Schafen vier Kühe und drei Kälber der Gebirgsrasse Hinterwäldler in Mutterkuhhaltung, die fünf Hektar hügeliges Naturschutzgebiet beweiden. „Die Tiere bleiben im Sommer draußen und verwildern. Um die Jungtiere an Menschen zu gewöhnen, nehmen wir sie, wenn sie im Stall stehen, an die Leine und marschieren mit ihnen los.“Die Kuhherde wird wachsen, damit - wie bereits bei den Schafen - Schlachtvieh heranwächst. Vergrößerung gilt auch für den restlichen Betrieb. Lothar Warner will investieren: in ein Kühlhaus, Gewächshäuser und Kleingeräte. Denn trotz seines Alters wähnt er sich noch längst nicht am Ziel: „Mit der Solawi verwirkliche ich meinen Lebenstraum.“