Der Zauber des abklingenden Lachens Barkhauser Fotodesigner belegt beim Wettbewerb des Bundesfamilienministeriums einen zweiten Platz Von Dirk Haunhorst Porta Westfalica (mt). Gerda Heinisch ist eigentlich kamerascheu. Wenn jemand fotografiere, laufe sie meistens weg, sagt die 78-Jährige. Ihr Enkel Philipp Hebold hat sie aber "erwischt". Und zwar so gut, dass er für das Porträtfoto seiner Großmutter einen Preis bekam. Als Hebold das Foto machte, hatte er überhaupt nicht an ein preiswürdiges Porträt gedacht. "Ich wollte lediglich einige Aufnahmen von der Familie machen und sie meiner Schwester in Australien schicken", sagt der 26-Jährige. Gut vorbereitet war er dennoch, schließlich ist er Fotodesigner und weiß, dass ein gutes Porträt nicht per Schnappschuss im Vorübergehen zu bekommen ist. Deshalb baute er zu Hause in Barkhausen Stativ, Reflektorschirm und externe Beleuchtung auf, damit die Großmutter nicht einfach "abgeblitzt" wird und die Schatten unter Kontrolle bleiben. Eine Aufnahme gefiel Hebold besonders gut. "Da schaut sie so verschmitzt."Seine Mutter machte ihn dann auf einen Fotowettbewerb aufmerksam, ausgeschrieben vom Bundesfamilienministerium. Der Titel lautete: "Was heißt schon alt?" Eingebunden ist der Wettbewerb in das Programm Altersbilder, mit dem das Ministerium ein realistisches Bild vom "Alter" öffentlich machen will, weil viele traditionelle Vorstellungen nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen.Insgesamt wurden 1600 Beiträge eingesandt, zur Jury zählten unter anderem die Schauspieler Rufus Beck und Hartmut Becker sowie der Präsident des Deutschen Verbandes für Fotografie, Willy Borgfeldt. Ihnen gefiel Hebolds Foto so gut, dass der Barkhauser den mit 2000 Euro dotierten Preis in der Kategorie "Foto (Profi)" belegte. Begründung der Jury: "Ein Gesicht, in dem man lesen und erkennen kann: Diese Frau ruht in sich und ist zufrieden - mit der Vergangenheit ebenso wie mit der Zukunft. Intensive Bildwirkung durch den direkten Blickkontakt."Für Philipp Hebold war es bereits der zweite Erfolg innerhalb kurzer Zeit: Im vorigen Jahr gewann der Student der Wirtschaftswissenschaften den Fotowettbewerb "Mein Mühlenkreis".Zur Fotografie ist Hebold auf Umwegen gekommen. Er hatte zunächst Architektur studiert und musste dabei Fotos mit entsprechenden Programmen bearbeiten. Daraus entwickelt sich das Interesse, selbst zur Kamera zu greifen. "Normalerweise ist es ja andersherum."Hobbyfotografen empfiehlt Hebold, erst einmal drauflos zu knipsen. "Man sollte viel ausprobieren." Vom Studieren einschlägiger Fachliteratur hält er nicht so viel. "Da wird man schnell beeinflusst und am Ende sehen die Fotos alle gleich aus."Beim Fotografieren ist weniger oft mehrDas Schwierigste an der Fotografie sei die Konzentration auf das Wesentliche, meint der 26-Jährige. Man benötige nicht immer das ganze Motiv, Ausschnitte seien oft viel aussagekräftiger. Eine Erfahrung, die Laien spätestens beim Anblick ihrer Urlaubsfotos machen, weil sie zuvor in bester Absicht möglichst viele Menschen vor historischen Gebäuden in reizvoller Landschaft fotografieren wollten und am Ende auf den Abzügen nicht viel zu erkennen ist, am wenigsten die Menschen.Bei Porträtfotos sei es wichtig, das jeweilige Modell bei Laune zu halten, rät Hebold. Ein paar lockere Sprüche könnten schon helfen. Zu seiner Großmutter sagte Philipp: "Du guckst gerade ziemlich komisch." Darauf musste sie lachen. Und als dieses Lachen langsam abklang und sich zu einem Lächeln reduzierte, drückte Hebold auf den Auflöser. Der perfekte Moment.Ja, sagt Gerda Heinisch, das Foto treffe sie schon ganz gut. "Ich bin ein fröhlicher Mensch." Mehrere Leute hätten sie bereits auf das Foto, das im Internet veröffentlicht wurde, angesprochen. So viel Aufmerksamkeit mache sie verlegen. "Aber ein bisschen stolz bin ich auch."www.programm-altersbilder.de

Der Zauber des abklingenden Lachens

Porta Westfalica (mt). Gerda Heinisch ist eigentlich kamerascheu. Wenn jemand fotografiere, laufe sie meistens weg, sagt die 78-Jährige. Ihr Enkel Philipp Hebold hat sie aber "erwischt". Und zwar so gut, dass er für das Porträtfoto seiner Großmutter einen Preis bekam.

Belohnung für eine gelungene Momentaufnahme: Philipp Hebold wurde in Berlin ausgezeichnet. - © Foto: pr
Belohnung für eine gelungene Momentaufnahme: Philipp Hebold wurde in Berlin ausgezeichnet. - © Foto: pr

Als Hebold das Foto machte, hatte er überhaupt nicht an ein preiswürdiges Porträt gedacht. "Ich wollte lediglich einige Aufnahmen von der Familie machen und sie meiner Schwester in Australien schicken", sagt der 26-Jährige. Gut vorbereitet war er dennoch, schließlich ist er Fotodesigner und weiß, dass ein gutes Porträt nicht per Schnappschuss im Vorübergehen zu bekommen ist. Deshalb baute er zu Hause in Barkhausen Stativ, Reflektorschirm und externe Beleuchtung auf, damit die Großmutter nicht einfach "abgeblitzt" wird und die Schatten unter Kontrolle bleiben. Eine Aufnahme gefiel Hebold besonders gut. "Da schaut sie so verschmitzt."

Seine Mutter machte ihn dann auf einen Fotowettbewerb aufmerksam, ausgeschrieben vom Bundesfamilienministerium. Der Titel lautete: "Was heißt schon alt?" Eingebunden ist der Wettbewerb in das Programm Altersbilder, mit dem das Ministerium ein realistisches Bild vom "Alter" öffentlich machen will, weil viele traditionelle Vorstellungen nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen.

Insgesamt wurden 1600 Beiträge eingesandt, zur Jury zählten unter anderem die Schauspieler Rufus Beck und Hartmut Becker sowie der Präsident des Deutschen Verbandes für Fotografie, Willy Borgfeldt. Ihnen gefiel Hebolds Foto so gut, dass der Barkhauser den mit 2000 Euro dotierten Preis in der Kategorie "Foto (Profi)" belegte. Begründung der Jury: "Ein Gesicht, in dem man lesen und erkennen kann: Diese Frau ruht in sich und ist zufrieden - mit der Vergangenheit ebenso wie mit der Zukunft. Intensive Bildwirkung durch den direkten Blickkontakt."

Für Philipp Hebold war es bereits der zweite Erfolg innerhalb kurzer Zeit: Im vorigen Jahr gewann der Student der Wirtschaftswissenschaften den Fotowettbewerb "Mein Mühlenkreis".

Zur Fotografie ist Hebold auf Umwegen gekommen. Er hatte zunächst Architektur studiert und musste dabei Fotos mit entsprechenden Programmen bearbeiten. Daraus entwickelt sich das Interesse, selbst zur Kamera zu greifen. "Normalerweise ist es ja andersherum."

Hobbyfotografen empfiehlt Hebold, erst einmal drauflos zu knipsen. "Man sollte viel ausprobieren." Vom Studieren einschlägiger Fachliteratur hält er nicht so viel. "Da wird man schnell beeinflusst und am Ende sehen die Fotos alle gleich aus."

Beim Fotografieren ist weniger oft mehr

Das Schwierigste an der Fotografie sei die Konzentration auf das Wesentliche, meint der 26-Jährige. Man benötige nicht immer das ganze Motiv, Ausschnitte seien oft viel aussagekräftiger. Eine Erfahrung, die Laien spätestens beim Anblick ihrer Urlaubsfotos machen, weil sie zuvor in bester Absicht möglichst viele Menschen vor historischen Gebäuden in reizvoller Landschaft fotografieren wollten und am Ende auf den Abzügen nicht viel zu erkennen ist, am wenigsten die Menschen.

Bei Porträtfotos sei es wichtig, das jeweilige Modell bei Laune zu halten, rät Hebold. Ein paar lockere Sprüche könnten schon helfen. Zu seiner Großmutter sagte Philipp: "Du guckst gerade ziemlich komisch." Darauf musste sie lachen. Und als dieses Lachen langsam abklang und sich zu einem Lächeln reduzierte, drückte Hebold auf den Auflöser. Der perfekte Moment.

Ja, sagt Gerda Heinisch, das Foto treffe sie schon ganz gut. "Ich bin ein fröhlicher Mensch." Mehrere Leute hätten sie bereits auf das Foto, das im Internet veröffentlicht wurde, angesprochen. So viel Aufmerksamkeit mache sie verlegen. "Aber ein bisschen stolz bin ich auch."

www.programm-altersbilder.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.