Verein rückt KZ-Außenlager in den Fokus Zeitzeugen zur Aufarbeitung der Portaner NS-Geschichte gesucht / Böhme und Großewinkelmann im Vorstand Von Dirk Haunhorst Porta Westfalica (mt). Ein neu gegründeter Verein möchte die Geschichte des Nationalsozialismus in Porta Westfalica und besonders der KZ-Außenlager aufarbeiten und dokumentieren. Dafür werden Zeitzeugen gesucht. Die Vereinsleitung ist prominent besetzt. Bürgermeister Stephan Böhme und Dr. Johannes Großewinkelmann, Leiter des Museums und Besucherbergwerks Kleinenbremen, haben den ersten und zweiten Vorsitz übernommen. Ein Indiz dafür, wie wichtig dem Verein namens "KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica" die Aufgabe ist.Über die unterirdischen Rüstungsbetriebe im Jakobsberg, in denen 1944 und 1945 Zwangsarbeiter des KZ Neuengamme schuften mussten, sind in den vergangenen Jahrzehnten von mehreren Autoren Berichte verfasst worden. Allerdings wurden diese Dokumente niemals vollständig an einem Ort zusammengetragen. "Wir haben es sozusagen mit mehreren Wurzeln zu tun, die man zu einem Baum zusammenführen muss", sagt Großewinkelmann.Der Verein will Erinnerungsarbeit leisten, vorhandene Gedenkstätten erhalten und neue schaffen. Dafür ist Unterstützung notwendig, auch finanzielle. Böhme: "Ich scheue mich nicht, in dieser Angelegenheit auch den Bundespräsidenten anzuschreiben. Aber die ersten Schritte müssen wir selber tun."Böhme erinnert sich, als Kind und Jugendlicher häufig im Berg gewesen zu sein - ohne zu wissen, was sich Jahre zuvor dort abgespielt hatte. "Wir sind darüber in der Schule nicht aufgeklärt worden." Erst allmählich seien die Geschehnisse der letzten Kriegsjahre ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, wobei zunächst der technische und bergmännische Aspekt im Vordergrund gestanden habe. Mit dem Schicksal der Häftlinge, von denen in der Porta 500 bis 600 an den Folgen des Martyriums unter Tage und in den Lagern starben, habe man sich erst später auseinandergesetzt.Böhme: "Es gibt bis heute immer wieder Anfragen aus der Bürgerschaft zu dem Thema, deshalb bin ich der Überzeugung, dass sich die Stadt dieses Themas annehmen muss." Der Verein will dokumentieren, archivieren und publizieren, auch um den Besuchern von Porta Westfalica etwas an die Hand zu geben. Großewinkelmann: "Das ist eigentlich überfällig."Bislang hat der Verein 30 Mitglieder, darunter die Stadt Porta Westfalica. Mehrere Arbeitsgruppen haben sich gebildet, sie kümmern sich um die baulichen Anlagen, die Archivarbeit und - besonders wichtig - um die Zeitzeugen, mit deren Hilfe Tondokumente verfasst werden sollen. Zeitzeugen, die einen Beitrag zur Vereinsarbeit leisten möchten, können sich bei der Stadt, Telefon (0571) 79 11 33, melden. Unter dieser Nummer werden auch Fragen zum Verein und zu seinen Zielen beantwortet.

Verein rückt KZ-Außenlager in den Fokus

Porta Westfalica (mt). Ein neu gegründeter Verein möchte die Geschichte des Nationalsozialismus in Porta Westfalica und besonders der KZ-Außenlager aufarbeiten und dokumentieren. Dafür werden Zeitzeugen gesucht.

Gedenkstätte auf dem Hausberger Marktplatz: "Nicht wissen wollen ist die bedingungslose Kapitulation" steht auf dem Mahnmal für die KZ-Häftlinge, die 1944 und 1945 in Porta unter schlimmsten Bedingungen schuften mussten. - © MT-Foto: Manfred Otto
Gedenkstätte auf dem Hausberger Marktplatz: "Nicht wissen wollen ist die bedingungslose Kapitulation" steht auf dem Mahnmal für die KZ-Häftlinge, die 1944 und 1945 in Porta unter schlimmsten Bedingungen schuften mussten. - © MT-Foto: Manfred Otto

Die Vereinsleitung ist prominent besetzt. Bürgermeister Stephan Böhme und Dr. Johannes Großewinkelmann, Leiter des Museums und Besucherbergwerks Kleinenbremen, haben den ersten und zweiten Vorsitz übernommen. Ein Indiz dafür, wie wichtig dem Verein namens "KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica" die Aufgabe ist.

Über die unterirdischen Rüstungsbetriebe im Jakobsberg, in denen 1944 und 1945 Zwangsarbeiter des KZ Neuengamme schuften mussten, sind in den vergangenen Jahrzehnten von mehreren Autoren Berichte verfasst worden. Allerdings wurden diese Dokumente niemals vollständig an einem Ort zusammengetragen. "Wir haben es sozusagen mit mehreren Wurzeln zu tun, die man zu einem Baum zusammenführen muss", sagt Großewinkelmann.

Der Verein will Erinnerungsarbeit leisten, vorhandene Gedenkstätten erhalten und neue schaffen. Dafür ist Unterstützung notwendig, auch finanzielle. Böhme: "Ich scheue mich nicht, in dieser Angelegenheit auch den Bundespräsidenten anzuschreiben. Aber die ersten Schritte müssen wir selber tun."

Böhme erinnert sich, als Kind und Jugendlicher häufig im Berg gewesen zu sein - ohne zu wissen, was sich Jahre zuvor dort abgespielt hatte. "Wir sind darüber in der Schule nicht aufgeklärt worden." Erst allmählich seien die Geschehnisse der letzten Kriegsjahre ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, wobei zunächst der technische und bergmännische Aspekt im Vordergrund gestanden habe. Mit dem Schicksal der Häftlinge, von denen in der Porta 500 bis 600 an den Folgen des Martyriums unter Tage und in den Lagern starben, habe man sich erst später auseinandergesetzt.

Böhme: "Es gibt bis heute immer wieder Anfragen aus der Bürgerschaft zu dem Thema, deshalb bin ich der Überzeugung, dass sich die Stadt dieses Themas annehmen muss." Der Verein will dokumentieren, archivieren und publizieren, auch um den Besuchern von Porta Westfalica etwas an die Hand zu geben. Großewinkelmann: "Das ist eigentlich überfällig."

Bislang hat der Verein 30 Mitglieder, darunter die Stadt Porta Westfalica. Mehrere Arbeitsgruppen haben sich gebildet, sie kümmern sich um die baulichen Anlagen, die Archivarbeit und - besonders wichtig - um die Zeitzeugen, mit deren Hilfe Tondokumente verfasst werden sollen. Zeitzeugen, die einen Beitrag zur Vereinsarbeit leisten möchten, können sich bei der Stadt, Telefon (0571) 79 11 33, melden. Unter dieser Nummer werden auch Fragen zum Verein und zu seinen Zielen beantwortet.

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