Tausendfaches Leid für Hitlers Wahn Workshop folgt den Spuren von Rüstungsproduktion und Konzentrationslagern an der Porta Von Stefan Lyrath Porta Westfalica (Ly). Wenige Wochen nach der Gründung des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica führt ein Workshop zu den Orten des Grauens. Termin ist Samstag, 19. September, Ausgangspunkt das Kleinenbremer Besucherbergwerk. Gerüchte ranken sich um die heimische Rüstungsproduktion der Nationalsozialisten. Von riesigen Stollen, die unter der Weser hindurchführen sollen, ist die Rede. Fakt ist, dass es von März 1944 bis kurz vor Kriegsende an der Porta drei Außenlager des KZ Neuengamme gab, in denen fast 3000 Häftlinge gelitten haben.Dr. Johannes Großewinkelmann, Geschäftsführer von Besucherbergwerk und Bergbaumuseum, sieht den Workshop "Rüstungsproduktion und Konzentrationslager im Raum Porta" als Einstieg in die Thematik. Dass Großewinkelmann gleichzeitig 2. Vorsitzender des neuen Vereins ist, erleichtert die Kooperation. Seine Partner sind die Volkshochschule Minden sowie die VHS-Geschichtswerkstatt Bünde. Telefonische Anmeldungen zum Workshop bis 11. September unter (0 57 22) 90 223.Unter unbeschreiblichen Bedingungen haben Gefangene für die unterirdische Produktion geschuftet, viele bis zum Tod. "Aus KZ-Häftlingen wurde das letzte Quäntchen Arbeitskraft gepresst. Ob sie beim Stollenbau starben, war egal", erklärt Thomas Lange , der eine Magisterarbeit über "Die Konzentrationslager an der Porta Westfalica" geschrieben hat. Lange, Großewinkelmann und Jörg Militzer, Chef der Bünder Geschichtswerkstatt, leiten den Workshop.Bei der Evakuierung am 1. April 1945 vegetierten laut Lange bis zu 1200 Häftlinge im Saal des "Kaiserhofes" vor sich hin, rund 500 in Lerbeck, etwa 1000 (großenteils jüdische Frauen) am Hausberger Frettholzweg. Dies waren die drei Portaner Außenlager Neuengammes.Zu den früheren Produktionsstätten führt die Busfahrt ebenfalls. So wurden Häftlinge von März 1944 bis kurz vor Kriegsende zu körperlicher Schwerstarbeit beim Bau einer Raffinerie oder der Erweiterung von Stollen im Jakobsberg gezwungen. Andere mussten Radioröhren herstellen oder Flugmotoren reparieren.Über Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen im heutigen Besucherbergwerk, wo die Teilnehmer außerdem auf Spurensuche gehen, ist dagegen nichts dokumentiert. Im vorderen Teil gab es jedoch bereits Ausbauten für den Bremer Hersteller Focke-Wulf, der die Fertigung von Teilen und Flugzeugzellen für den Jäger FW 190 unter die Erde verlagern wollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr.Mit der eigentlichen Erzgrube sollte eigentlich Ende der 1920er-Jahre Schluss sein. Dass es anders kam, lag "am Rüstungswahn Hitlers", so Großewinkelmann. Das Thema des Workshops (Treff um 9.45 am Besucherbergwerk) soll Teil der Dauerausstellung im Museum werden. An ein Projekt mit Schülern ist ebenfalls gedacht.

Tausendfaches Leid für Hitlers Wahn

Porta Westfalica (Ly). Wenige Wochen nach der Gründung des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica führt ein Workshop zu den Orten des Grauens. Termin ist Samstag, 19. September, Ausgangspunkt das Kleinenbremer Besucherbergwerk.

Am Eingang zum Besucherbergwerk: Thomas Lange, Jörg Militzer und Dr. Johannes Großewinkelmann (v.l.) leiten den Workshop. - © Foto: Stefan Lyrath
Am Eingang zum Besucherbergwerk: Thomas Lange, Jörg Militzer und Dr. Johannes Großewinkelmann (v.l.) leiten den Workshop. - © Foto: Stefan Lyrath

Gerüchte ranken sich um die heimische Rüstungsproduktion der Nationalsozialisten. Von riesigen Stollen, die unter der Weser hindurchführen sollen, ist die Rede. Fakt ist, dass es von März 1944 bis kurz vor Kriegsende an der Porta drei Außenlager des KZ Neuengamme gab, in denen fast 3000 Häftlinge gelitten haben.

Dr. Johannes Großewinkelmann, Geschäftsführer von Besucherbergwerk und Bergbaumuseum, sieht den Workshop "Rüstungsproduktion und Konzentrationslager im Raum Porta" als Einstieg in die Thematik. Dass Großewinkelmann gleichzeitig 2. Vorsitzender des neuen Vereins ist, erleichtert die Kooperation. Seine Partner sind die Volkshochschule Minden sowie die VHS-Geschichtswerkstatt Bünde. Telefonische Anmeldungen zum Workshop bis 11. September unter (0 57 22) 90 223.

Unter unbeschreiblichen Bedingungen haben Gefangene für die unterirdische Produktion geschuftet, viele bis zum Tod. "Aus KZ-Häftlingen wurde das letzte Quäntchen Arbeitskraft gepresst. Ob sie beim Stollenbau starben, war egal", erklärt Thomas Lange , der eine Magisterarbeit über "Die Konzentrationslager an der Porta Westfalica" geschrieben hat. Lange, Großewinkelmann und Jörg Militzer, Chef der Bünder Geschichtswerkstatt, leiten den Workshop.

Bei der Evakuierung am 1. April 1945 vegetierten laut Lange bis zu 1200 Häftlinge im Saal des "Kaiserhofes" vor sich hin, rund 500 in Lerbeck, etwa 1000 (großenteils jüdische Frauen) am Hausberger Frettholzweg. Dies waren die drei Portaner Außenlager Neuengammes.

Zu den früheren Produktionsstätten führt die Busfahrt ebenfalls. So wurden Häftlinge von März 1944 bis kurz vor Kriegsende zu körperlicher Schwerstarbeit beim Bau einer Raffinerie oder der Erweiterung von Stollen im Jakobsberg gezwungen. Andere mussten Radioröhren herstellen oder Flugmotoren reparieren.

Über Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen im heutigen Besucherbergwerk, wo die Teilnehmer außerdem auf Spurensuche gehen, ist dagegen nichts dokumentiert. Im vorderen Teil gab es jedoch bereits Ausbauten für den Bremer Hersteller Focke-Wulf, der die Fertigung von Teilen und Flugzeugzellen für den Jäger FW 190 unter die Erde verlagern wollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Mit der eigentlichen Erzgrube sollte eigentlich Ende der 1920er-Jahre Schluss sein. Dass es anders kam, lag "am Rüstungswahn Hitlers", so Großewinkelmann. Das Thema des Workshops (Treff um 9.45 am Besucherbergwerk) soll Teil der Dauerausstellung im Museum werden. An ein Projekt mit Schülern ist ebenfalls gedacht.

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