Rehkitze sind in Gefahr - Portaner Naturschutzwart gibt Tipps Stefan Lyrath Porta Westfalica-Kleinenbremen. Im Mai kommen die Rehkitze. Sie werden in eine Welt voller Gefahren geboren. Menschen können dazu beitragen, dass die Überlebenschancen steigen. „Hunde sollten an der Leine geführt werden“, meint Eckhard Bruß, Naturschutzwart des Kreises für Kleinenbremen und Wülpke – auch wenn in NRW keine allgemeine Leinenpflicht herrscht. Von freilaufenden Hunden, die sich außerhalb des Einflussbereichs ihrer Halter befinden, gehen mehrere Gefahren aus. Sie können Rehkitze aufstöbern, jagen oder sogar töten. Im schlimmsten Fall bleibt nicht nur das Jungtier, sondern auch die Ricke auf der Strecke. „Jede Tiermutter verteidigt ihren Nachwuchs“, erklärt Eckhard Bruß – und wenn es das eigene Leben koste. Bereits bloßer Körperkontakt mit Menschen, welche die als niedlich empfundenen Jungtiere streicheln wollen, könne zur Katastrophe führen. „Danach nimmt die Ricke ihr Kitz wegen des Geruchs nicht mehr auf“, warnt Bruß. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Rehe zum eigenen Schutz ohne Körpergeruch geboren worden, um sich besser vor Raubwild verbergen zu können. Um diese nicht aufmerksam zu machen, schaut die Ricke zudem nur zum Säugen vorbei. Eine Rabenmutter ist sie deshalb nicht. Zurzeit verstecken sich die Kitze bevorzugt in Getreidefeldern oder dem hohen Gras nicht gemähter Wiesen. Eine große Gefahr seien Mähmaschinen, weil die Setzzeit zeitlich ungefähr mit dem ersten Grünlandschnitt zusammenfällt. Peta, nach eigenen Angaben die bundesweit größte Tierrechtsorganisation, geht davon aus, dass in Deutschland pro Jahr geschätzte 100.000 Rehe bei Mäharbeiten getötet werden, „obwohl die Todesfälle vermeidbar wären“. Der Lärm von Maschinen, teilt Peta mit, vertreibe Kitze nicht etwa, sondern führe zum „Drückinstinkt“. Das heißt, sie verharren bewegungslos auf dem Boden – bei Fressfeinden wie dem Fuchs eine gute Strategie, bei Mähmaschinen allerdings tödlich. Einen Fluchtinstinkt hat das Jungwild anfangs noch nicht. Naturschutzwart Eckhard Bruß erinnert Landwirte daran, dass sie nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet sind, den jeweiligen Jagdpächter zu informieren, wenn gemäht werden soll – zum Schutz aller Tiere, die sich auf der Wiese verstecken. Zum Vertreiben von Rehkitzen sind laut Bruß Flatterfahnen oder akustische Signale geeignet. „Um ganz sicher zu gehen, kann man die Felder vorher mit ausgebildeten Hunden abschreiten oder die Jungtiere mit Drohnen orten. Außerdem können Landwirte so mähen, dass das Wild flüchten kann.“ Nämlich, so Peta, von innen nach außen. Für junge Feldhasen gilt in etwa das Gleiche wie für Rehkitze. Die Häsin sorgt allerdings mehrmals im Jahr für Nachwuchs. Gefährdet sind auch Bodenbrüter wie Rebhühner und Fasane. Wildschweine paaren sich von Oktober bis Mai. Die Frischlinge kommen hauptsächlich im März, April und Mai zur Welt. Wenn Menschen ihnen zu nahe kommen, kann es gefährlich werden, denn die Muttertiere verstehen keinen Spaß. „Menschen haben den kräftigen Bachen nichts entgegenzusetzen“, warnt Eckhard Bruß. Die Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit, in der Elterntiere nicht bejagt werden dürfen, dauert noch bis zum 15. Juli. So lange gilt auch eine „besondere Aufsichtspflicht über Hunde auf und an allen Grünflächen“. Anderes Thema: An Landwirte appelliert der Naturschutzwart, Blühstreifen so anzulegen, dass das ganze Jahr über Blüte herrscht. Ackerraine sollten nicht gemulcht, sondern mit Mähbalken bearbeitet werden. Denn: „Für sämtliche Wildtiere gibt es immer weniger Flächen zum Brüten, Überwintern und Leben.“ Bruß weist außerdem darauf hin, dass in Wald und Feld von März bis Ende Oktober ein Rauchverbot gilt. Der Naturschutzwart hat übrigens beobachtet, dass die illegale Entsorgung von Müll während der Corona-Krise zunimmt. Seine Vermutung: „Einige Leute haben offenbar mehr Zeit und entsorgen ihren Abfall in der Natur.“

Rehkitze sind in Gefahr - Portaner Naturschutzwart gibt Tipps

Im Mai kommen die Rehkitze zur Welt und brauchen besonderen Schutz. © Foto: Insa Osterhagen/ Pixabay

Porta Westfalica-Kleinenbremen. Im Mai kommen die Rehkitze. Sie werden in eine Welt voller Gefahren geboren. Menschen können dazu beitragen, dass die Überlebenschancen steigen. „Hunde sollten an der Leine geführt werden“, meint Eckhard Bruß, Naturschutzwart des Kreises für Kleinenbremen und Wülpke – auch wenn in NRW keine allgemeine Leinenpflicht herrscht.

Von freilaufenden Hunden, die sich außerhalb des Einflussbereichs ihrer Halter befinden, gehen mehrere Gefahren aus. Sie können Rehkitze aufstöbern, jagen oder sogar töten. Im schlimmsten Fall bleibt nicht nur das Jungtier, sondern auch die Ricke auf der Strecke. „Jede Tiermutter verteidigt ihren Nachwuchs“, erklärt Eckhard Bruß – und wenn es das eigene Leben koste.

Naturschutzwart Eckhard Bruß vor einer nicht gemähten Wiese. Dort können sich Rehkitze und andere Jungtiere verstecken. - © Foto: Stefan Lyrath
Naturschutzwart Eckhard Bruß vor einer nicht gemähten Wiese. Dort können sich Rehkitze und andere Jungtiere verstecken. - © Foto: Stefan Lyrath

Bereits bloßer Körperkontakt mit Menschen, welche die als niedlich empfundenen Jungtiere streicheln wollen, könne zur Katastrophe führen. „Danach nimmt die Ricke ihr Kitz wegen des Geruchs nicht mehr auf“, warnt Bruß. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Rehe zum eigenen Schutz ohne Körpergeruch geboren worden, um sich besser vor Raubwild verbergen zu können. Um diese nicht aufmerksam zu machen, schaut die Ricke zudem nur zum Säugen vorbei. Eine Rabenmutter ist sie deshalb nicht. Zurzeit verstecken sich die Kitze bevorzugt in Getreidefeldern oder dem hohen Gras nicht gemähter Wiesen.

Eine große Gefahr seien Mähmaschinen, weil die Setzzeit zeitlich ungefähr mit dem ersten Grünlandschnitt zusammenfällt. Peta, nach eigenen Angaben die bundesweit größte Tierrechtsorganisation, geht davon aus, dass in Deutschland pro Jahr geschätzte 100.000 Rehe bei Mäharbeiten getötet werden, „obwohl die Todesfälle vermeidbar wären“.

Der Lärm von Maschinen, teilt Peta mit, vertreibe Kitze nicht etwa, sondern führe zum „Drückinstinkt“. Das heißt, sie verharren bewegungslos auf dem Boden – bei Fressfeinden wie dem Fuchs eine gute Strategie, bei Mähmaschinen allerdings tödlich. Einen Fluchtinstinkt hat das Jungwild anfangs noch nicht.

Naturschutzwart Eckhard Bruß erinnert Landwirte daran, dass sie nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet sind, den jeweiligen Jagdpächter zu informieren, wenn gemäht werden soll – zum Schutz aller Tiere, die sich auf der Wiese verstecken. Zum Vertreiben von Rehkitzen sind laut Bruß Flatterfahnen oder akustische Signale geeignet. „Um ganz sicher zu gehen, kann man die Felder vorher mit ausgebildeten Hunden abschreiten oder die Jungtiere mit Drohnen orten. Außerdem können Landwirte so mähen, dass das Wild flüchten kann.“ Nämlich, so Peta, von innen nach außen.

Für junge Feldhasen gilt in etwa das Gleiche wie für Rehkitze. Die Häsin sorgt allerdings mehrmals im Jahr für Nachwuchs. Gefährdet sind auch Bodenbrüter wie Rebhühner und Fasane.

Wildschweine paaren sich von Oktober bis Mai. Die Frischlinge kommen hauptsächlich im März, April und Mai zur Welt. Wenn Menschen ihnen zu nahe kommen, kann es gefährlich werden, denn die Muttertiere verstehen keinen Spaß. „Menschen haben den kräftigen Bachen nichts entgegenzusetzen“, warnt Eckhard Bruß.

Die Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit, in der Elterntiere nicht bejagt werden dürfen, dauert noch bis zum 15. Juli. So lange gilt auch eine „besondere Aufsichtspflicht über Hunde auf und an allen Grünflächen“.

Anderes Thema: An Landwirte appelliert der Naturschutzwart, Blühstreifen so anzulegen, dass das ganze Jahr über Blüte herrscht. Ackerraine sollten nicht gemulcht, sondern mit Mähbalken bearbeitet werden. Denn: „Für sämtliche Wildtiere gibt es immer weniger Flächen zum Brüten, Überwintern und Leben.“ Bruß weist außerdem darauf hin, dass in Wald und Feld von März bis Ende Oktober ein Rauchverbot gilt.

Der Naturschutzwart hat übrigens beobachtet, dass die illegale Entsorgung von Müll während der Corona-Krise zunimmt. Seine Vermutung: „Einige Leute haben offenbar mehr Zeit und entsorgen ihren Abfall in der Natur.“

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