Streit um den Wolfsschluchtweg: Landespolitiker schalten sich ein Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Ein Bündnis aus Politikern, Heimatpflegern und zertifizierten Landschaftsführern setzt sich für die sofortige Öffnung des Wolfsschluchtweges am Südhang des Wiehengebirges ein. Sie haben kurz vor Ostern ein Schreiben verfasst und darin die heimischen Landtagsabgeordneten um Unterstützung gebeten. Auch Kirstin Korte hat den Brief erhalten und inzwischen Kontakt zum zuständigen Ministerium gesucht, wie die CDU-Landtagsabgeordnete gestern mitteilte. Sie gehe davon aus, den Absendern des Briefes zeitnah antworten zu können. Christina Weng (SPD) hält den Portaner Vorstoß für richtig. Sie möchte vor allem wissen, welche Beweggründe hinter der Schließung des Weges stecken und auf welcher Grundlage dies geschehen ist. Zu den Unterzeichnern des Schreiben zählen mehrere BarkhauserBarkhauserBarkhauser Politiker aus den Reihen von SPD, CDU, FDP und Grünen. Unterschrieben haben zudem Dr. Gerhard Franke, Vorsitzender des Kaiser-Denkmal-Fördervereins, Stadtheimatpfleger Herbert Wiese, Barkhausens Ortsheimatpfleger Reiner Müller und die Landschaftsführer Lutz und Marisa Carta. Sie wehren sich gegen die Schließung des beliebten Wanderweges, der vor zwei Wochen auf Anordnung des NRW-Umweltministeriums Ministeriums vom Regionalforstamt OWL abgesperrt wurde. Damit werde ein fast zwei Jahrzehnte alter Kompromiss aufgehoben, beklagen die Unterzeichner. Damals sei vereinbart worden, „diesen einmalig schönen und historisch wichtigen Wanderweg“ offen zu halten. Auch seinerzeit habe es Bedenken wegen der Verkehrssicherungspflicht gegeben. „Über 18 Jahre sind diese Bedenken nicht Realität geworden“, steht in dem Schreiben. Im Übrigen habe der Bundesgerichtshof 2012 in einem Urteil festgestellt, dass keine Verkehrssicherungspflicht im Wald bei typischen Gefahren wie Ast- oder Windbruch bestehe. Das Regionalforstamt OWL bekräftigt hingegen auf Nachfrage die Notwendigkeit der Wegeschließung – einerseits, um das Wildnisentwicklungsgebiet „Wälder bei Porta Westfalica“, in dem der Wolfschluchtweg liegt, zu schützen. Anderseits, um unmittelbar drohende Gefahren für die Erholungssuchenden auszuschließen. Diese Gefahren seien nicht mit den „normalen“ Gefahren im Wald zu vergleichen, die der Besucher aufgrund der Regelung zum „Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr“ wissend auf sich nehme. Die Besonderheiten des Waldgebietes am Wolfsschluchtweg, die Steilhanglage, das Alter und die Reife der Bäume bis hin zur Zerfallsphase seien im Landesvergleich einmalig, insbesondere aufgrund der Ausprägung auf solch kleiner Fläche, schreibt die Forstbehörde. Sie äußert sich auch zur Bedeutung des Wildnisentwicklungsgebietes, das im Jahr 2017 ausgewiesen wurde. Zuvor waren die „Wälder bei Porta Westfalica“ als Naturschutzgebiet deklariert (seit 1990). Eine Änderung des Gebietsstatus liege nicht in der Entscheidungskompetenz der Regionalforstämter vor Ort, sondern es handele sich um eine umfangreiche Verwaltungsaufgabe unter Beteiligung des NRW-Umweltministeriums, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und des Landesbetriebes Wald und Holz. Das Regionalforstamt hält die Schließung des Weges nach Abwägung der verschiedenen Schutzziele auch deshalb für verhältnismäßig, weil Schönheit und Besonderheit des Gebietes sowohl vom oberhalb verlaufenden Kammweg als auch von den unterhalb gelegenen Wegen am Südhang zu erleben sei. Davon unabhängig sei ein Besucherlenkungskonzept für das Waldareal Wittekindsberg unter Berücksichtigung des Wildnisentwicklungsgebietes in Angriff zu nehmen. Hingegen weist die Portaner Initiative in ihrem Schreiben an die Landtagsabgeordneten auf den „erheblichen Besucherdruck“ hin, der im Umfeld des stark frequentierten Denkmals bei nur noch einem Hauptwanderweg entstehe. Der Wolfsschluchtweg habe nicht nur eine kulturhistorische, umweltpädagogische und touristische Bedeutung für die Region, er diene zudem als Ausgleichsweg für die steigende Anzahl der Besucher rund um das Denkmal. Bleibe dieser Wanderweg nicht für eine gelenkte Besucherführung geöffnet, drohe „wilder Tourismus“, weil sich die Wanderer auf eigene Faust ihren Weg suchten und das Wildnisentwicklungsgebiet erheblich schädigten. „Dieses war bereits während der Renovierungsphase des Kaiser-Wilhelm-Denkmals erkennbar und ist durch die erneute Schließung des Weges ebenfalls zu befürchten.“ Bürgermeister Bernd Hedtmann begrüßt, dass die örtlichen Akteure sich des Themas angenommen haben. „Ich hoffe, dass wir über die politischen Kanäle einen Kompromiss hinbekommen.“ Zumindest müsse über eine Alternative zum Wolfsschluchtweg am Südhang des Wittekindsberges nachgedacht werden, meint Hedtmann. Der Autor ist erreichbar unterTelefon (0571) 882 164 oderDirk.Haunhorst@MT.de

Streit um den Wolfsschluchtweg: Landespolitiker schalten sich ein

. . . und hinter tausend Stäben eine verlockende Welt: Das alte Rilke-Zitat lässt sich im Falle des Wolfsschluchtwegs gut abwandeln. Vor allem Barkhauser Politiker wollen die Schließung des 1,7 Kilometer langen Weges, der als außergewöhnlich schön gilt, wieder rückgängig machen. MT-Foto: Dirk Haunhorst © haunhorst

Porta Westfalica. Ein Bündnis aus Politikern, Heimatpflegern und zertifizierten Landschaftsführern setzt sich für die sofortige Öffnung des Wolfsschluchtweges am Südhang des Wiehengebirges ein. Sie haben kurz vor Ostern ein Schreiben verfasst und darin die heimischen Landtagsabgeordneten um Unterstützung gebeten.

Auch Kirstin Korte hat den Brief erhalten und inzwischen Kontakt zum zuständigen Ministerium gesucht, wie die CDU-Landtagsabgeordnete gestern mitteilte. Sie gehe davon aus, den Absendern des Briefes zeitnah antworten zu können. Christina Weng (SPD) hält den Portaner Vorstoß für richtig. Sie möchte vor allem wissen, welche Beweggründe hinter der Schließung des Weges stecken und auf welcher Grundlage dies geschehen ist.

Zu den Unterzeichnern des Schreiben zählen mehrere BarkhauserBarkhauserBarkhauser Politiker aus den Reihen von SPD, CDU, FDP und Grünen. Unterschrieben haben zudem Dr. Gerhard Franke, Vorsitzender des Kaiser-Denkmal-Fördervereins, Stadtheimatpfleger Herbert Wiese, Barkhausens Ortsheimatpfleger Reiner Müller und die Landschaftsführer Lutz und Marisa Carta. Sie wehren sich gegen die Schließung des beliebten Wanderweges, der vor zwei Wochen auf Anordnung des NRW-Umweltministeriums Ministeriums vom Regionalforstamt OWL abgesperrt wurde. Damit werde ein fast zwei Jahrzehnte alter Kompromiss aufgehoben, beklagen die Unterzeichner. Damals sei vereinbart worden, „diesen einmalig schönen und historisch wichtigen Wanderweg“ offen zu halten. Auch seinerzeit habe es Bedenken wegen der Verkehrssicherungspflicht gegeben. „Über 18 Jahre sind diese Bedenken nicht Realität geworden“, steht in dem Schreiben. Im Übrigen habe der Bundesgerichtshof 2012 in einem Urteil festgestellt, dass keine Verkehrssicherungspflicht im Wald bei typischen Gefahren wie Ast- oder Windbruch bestehe.

Das Regionalforstamt OWL bekräftigt hingegen auf Nachfrage die Notwendigkeit der Wegeschließung – einerseits, um das Wildnisentwicklungsgebiet „Wälder bei Porta Westfalica“, in dem der Wolfschluchtweg liegt, zu schützen. Anderseits, um unmittelbar drohende Gefahren für die Erholungssuchenden auszuschließen. Diese Gefahren seien nicht mit den „normalen“ Gefahren im Wald zu vergleichen, die der Besucher aufgrund der Regelung zum „Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr“ wissend auf sich nehme.

Die Besonderheiten des Waldgebietes am Wolfsschluchtweg, die Steilhanglage, das Alter und die Reife der Bäume bis hin zur Zerfallsphase seien im Landesvergleich einmalig, insbesondere aufgrund der Ausprägung auf solch kleiner Fläche, schreibt die Forstbehörde. Sie äußert sich auch zur Bedeutung des Wildnisentwicklungsgebietes, das im Jahr 2017 ausgewiesen wurde. Zuvor waren die „Wälder bei Porta Westfalica“ als Naturschutzgebiet deklariert (seit 1990). Eine Änderung des Gebietsstatus liege nicht in der Entscheidungskompetenz der Regionalforstämter vor Ort, sondern es handele sich um eine umfangreiche Verwaltungsaufgabe unter Beteiligung des NRW-Umweltministeriums, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und des Landesbetriebes Wald und Holz.

Das Regionalforstamt hält die Schließung des Weges nach Abwägung der verschiedenen Schutzziele auch deshalb für verhältnismäßig, weil Schönheit und Besonderheit des Gebietes sowohl vom oberhalb verlaufenden Kammweg als auch von den unterhalb gelegenen Wegen am Südhang zu erleben sei. Davon unabhängig sei ein Besucherlenkungskonzept für das Waldareal Wittekindsberg unter Berücksichtigung des Wildnisentwicklungsgebietes in Angriff zu nehmen.

Hingegen weist die Portaner Initiative in ihrem Schreiben an die Landtagsabgeordneten auf den „erheblichen Besucherdruck“ hin, der im Umfeld des stark frequentierten Denkmals bei nur noch einem Hauptwanderweg entstehe. Der Wolfsschluchtweg habe nicht nur eine kulturhistorische, umweltpädagogische und touristische Bedeutung für die Region, er diene zudem als Ausgleichsweg für die steigende Anzahl der Besucher rund um das Denkmal. Bleibe dieser Wanderweg nicht für eine gelenkte Besucherführung geöffnet, drohe „wilder Tourismus“, weil sich die Wanderer auf eigene Faust ihren Weg suchten und das Wildnisentwicklungsgebiet erheblich schädigten. „Dieses war bereits während der Renovierungsphase des Kaiser-Wilhelm-Denkmals erkennbar und ist durch die erneute Schließung des Weges ebenfalls zu befürchten.“

Bürgermeister Bernd Hedtmann begrüßt, dass die örtlichen Akteure sich des Themas angenommen haben. „Ich hoffe, dass wir über die politischen Kanäle einen Kompromiss hinbekommen.“ Zumindest müsse über eine Alternative zum Wolfsschluchtweg am Südhang des Wittekindsberges nachgedacht werden, meint Hedtmann.

Der Autor ist erreichbar unterTelefon (0571) 882 164 oderDirk.Haunhorst@MT.de

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