Porta Westfalica

Regionalforstamtsleiter Raguse verteidigt die Sperrung des Wolfsschluchtweges

Dirk Haunhorst

„30 sehr kritische Bäume“: Holger-Karsten Raguse vom Regionalforstamt OWL erläuterte am Absperrgitter die Gefahren des Wolfsschluchtweges. MT- - © Foto: Dirk Haunhorst
„30 sehr kritische Bäume“: Holger-Karsten Raguse vom Regionalforstamt OWL erläuterte am Absperrgitter die Gefahren des Wolfsschluchtweges. MT- (© Foto: Dirk Haunhorst)

Porta Westfalica. Stadtheimatpfleger Herbert Wiese hat sich häufiger dafür ausgesprochen, den beliebten Wolfsschluchtweg nicht komplett zu schließen. Um so größer ist seine Enttäuschung, nachdem er von der Sperrung erfahren hat. „Ich finde diese neue Entwicklung sehr bedauerlich. Viele Menschen dieser Region haben eine ganz besondere Beziehung zu diesem Pfad. Er ist ein Stück Heimat und verbunden mit vielen positiven Erinnerungen“, so Wiese gegenüber dem MT.

Wie gestern berichtet, hat das Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe eine Anordnung des NRW-Umweltministeriums umgesetzt und den 1,7 Kilometer langen Wolfsschluchtweg, der auf der Südseite des Wiehen zwischen Kaiser-Denkmal und Wittekindsburg liegt, mit Gitterzäunen abgesperrt. Bei einem Ortstermin erläuterte gestern der Leiter des Regionalforstamts den gravierenden Schritt. „So etwas sollte eigentlich nicht passieren“, sagt Holger-Karsten Raguse. Eine Wegesperrung sei die absolute Ausnahme. Da jedoch ein Gutachten eine Verdichtung an Gefahren entlang des Wolfsschluchtweges ausweise, sei noch vor Ostern die Sperrung erfolgt.

Ihm sei klar, dass angesichts der Corona-Krise vielen Menschen die Decke auf den Kopf falle und sie deshalb unbedingt nach draußen wollten. Auch der Wolfsschluchtweg, desen Eigentümer das Land ist, sei ein beliebtes Ziel für Spaziergänger. Doch aufgrund des überproportional großen Bestandes an Alt- und Totholz, das aus 20 Meter hohen Kronen zu stürzen drohe, sei dieser Waldweg einfach zu gefährlich, sagt Raguse. Eine Beseitigung der problematischen Bäume komme wegen der besonderen ökologischen Bedeutung nicht infrage. Wie berichtet, liegt der Weg im sogenannten Wildnisentwicklungsgebiet. Die Ausweisung solcher Flächen soll einzigartige Lebensräume sichern und deshalb Eingriffe verbieten.

Hauptsächlich Buchen säumen den Wolfsschluchtweg, „Die machen etwa 80 Prozent aus“, schätzt Raguse. Hinzu kämen rund zehn Prozent Traubeneichen sowie sonstige Arten. Der 140 bis 170 Jahre alte Baumbestand werde bereits seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaft. Einerseits habe sich mit den schönen alten Buchen ein ökologisches Juwel entwickelt, anderseits gebe es ungefähr „30 sehr kritische Bäume“, die eine unmittelbare Gefahr darstellten. Darüber hinaus stünden dort etwa 30 weitere Bäume, sich sich laut Gutachten „kritisch entwickeln“ könnten. Insbesondere an Steilstücken des Weges scheinen sich manche Bäume nur noch festzukrallen, so Raguse. Auch witterungsbedingt hätten die Buchen zuletzt an Vitalität eingebüßt.

Heimatpfleger Herbert Wiese plädiert dafür, den Wanderern nicht nur etwas zu nehmen, sondern Alternativen zu bieten. „Sollte es zu einer dauerhaften Sperrung des Weges kommen, müssen neue Überlegungen für Wanderwege auf der Südseite des Wittekindsgebirges angestellt werden.“ Raguse sieht das ähnlich und spricht von einem „Besucherleitungskonzept“, das zusammen mit dem Kreis und der Stadt Porta Westfalica erarbeitet werden soll. Dabei stehe neben der Aufwertung vorhandener Wege im südlichen Bereich des Wiehen auch die Erfahrbarkeit des besonderen ökologischen Werts im Vordergrund. Doch konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht, gesteht Raguse ein.

Dass künftig einzelne geführte Wanderungen auf dem Wolfsschluchtweg möglich sein könnten, wie anlässlich früherer Sperrungsdebatten bereits vorgeschlagen, hält Raguse angesichts der Kombination aus Schutzwürdigkeit und Gefahrenstelle für eher unwahrscheinlich.

Die Nachricht über die Sperrung des markanten Weges hat viele Menschen überrascht, auch den früheren Barkhauser Ortsheimatpfleger und heutigen Portaner Natur- und Landschaftsführer Lutz Carta: „Für mich gehört die Wolfsschlucht, in der ein großer Teil des Sandsteins für das Denkmal abgebaut wurde, einfach zum Gesamtobjekt. Wir verlieren einen der schönsten touristischen Wege in Porta.“

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Porta WestfalicaRegionalforstamtsleiter Raguse verteidigt die Sperrung des WolfsschluchtwegesDirk HaunhorstPorta Westfalica. Stadtheimatpfleger Herbert Wiese hat sich häufiger dafür ausgesprochen, den beliebten Wolfsschluchtweg nicht komplett zu schließen. Um so größer ist seine Enttäuschung, nachdem er von der Sperrung erfahren hat. „Ich finde diese neue Entwicklung sehr bedauerlich. Viele Menschen dieser Region haben eine ganz besondere Beziehung zu diesem Pfad. Er ist ein Stück Heimat und verbunden mit vielen positiven Erinnerungen“, so Wiese gegenüber dem MT. Wie gestern berichtet, hat das Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe eine Anordnung des NRW-Umweltministeriums umgesetzt und den 1,7 Kilometer langen Wolfsschluchtweg, der auf der Südseite des Wiehen zwischen Kaiser-Denkmal und Wittekindsburg liegt, mit Gitterzäunen abgesperrt. Bei einem Ortstermin erläuterte gestern der Leiter des Regionalforstamts den gravierenden Schritt. „So etwas sollte eigentlich nicht passieren“, sagt Holger-Karsten Raguse. Eine Wegesperrung sei die absolute Ausnahme. Da jedoch ein Gutachten eine Verdichtung an Gefahren entlang des Wolfsschluchtweges ausweise, sei noch vor Ostern die Sperrung erfolgt. Ihm sei klar, dass angesichts der Corona-Krise vielen Menschen die Decke auf den Kopf falle und sie deshalb unbedingt nach draußen wollten. Auch der Wolfsschluchtweg, desen Eigentümer das Land ist, sei ein beliebtes Ziel für Spaziergänger. Doch aufgrund des überproportional großen Bestandes an Alt- und Totholz, das aus 20 Meter hohen Kronen zu stürzen drohe, sei dieser Waldweg einfach zu gefährlich, sagt Raguse. Eine Beseitigung der problematischen Bäume komme wegen der besonderen ökologischen Bedeutung nicht infrage. Wie berichtet, liegt der Weg im sogenannten Wildnisentwicklungsgebiet. Die Ausweisung solcher Flächen soll einzigartige Lebensräume sichern und deshalb Eingriffe verbieten. Hauptsächlich Buchen säumen den Wolfsschluchtweg, „Die machen etwa 80 Prozent aus“, schätzt Raguse. Hinzu kämen rund zehn Prozent Traubeneichen sowie sonstige Arten. Der 140 bis 170 Jahre alte Baumbestand werde bereits seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaft. Einerseits habe sich mit den schönen alten Buchen ein ökologisches Juwel entwickelt, anderseits gebe es ungefähr „30 sehr kritische Bäume“, die eine unmittelbare Gefahr darstellten. Darüber hinaus stünden dort etwa 30 weitere Bäume, sich sich laut Gutachten „kritisch entwickeln“ könnten. Insbesondere an Steilstücken des Weges scheinen sich manche Bäume nur noch festzukrallen, so Raguse. Auch witterungsbedingt hätten die Buchen zuletzt an Vitalität eingebüßt. Heimatpfleger Herbert Wiese plädiert dafür, den Wanderern nicht nur etwas zu nehmen, sondern Alternativen zu bieten. „Sollte es zu einer dauerhaften Sperrung des Weges kommen, müssen neue Überlegungen für Wanderwege auf der Südseite des Wittekindsgebirges angestellt werden.“ Raguse sieht das ähnlich und spricht von einem „Besucherleitungskonzept“, das zusammen mit dem Kreis und der Stadt Porta Westfalica erarbeitet werden soll. Dabei stehe neben der Aufwertung vorhandener Wege im südlichen Bereich des Wiehen auch die Erfahrbarkeit des besonderen ökologischen Werts im Vordergrund. Doch konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht, gesteht Raguse ein. Dass künftig einzelne geführte Wanderungen auf dem Wolfsschluchtweg möglich sein könnten, wie anlässlich früherer Sperrungsdebatten bereits vorgeschlagen, hält Raguse angesichts der Kombination aus Schutzwürdigkeit und Gefahrenstelle für eher unwahrscheinlich. Die Nachricht über die Sperrung des markanten Weges hat viele Menschen überrascht, auch den früheren Barkhauser Ortsheimatpfleger und heutigen Portaner Natur- und Landschaftsführer Lutz Carta: „Für mich gehört die Wolfsschlucht, in der ein großer Teil des Sandsteins für das Denkmal abgebaut wurde, einfach zum Gesamtobjekt. Wir verlieren einen der schönsten touristischen Wege in Porta.“