Porta Westfalica

Die abgebrochene Weltreise - Portanerin Kreuzfahrtdirektorin Annika Monkau erlebt auf der MS Astor momentan einzigartige Schiffstour

Hans-Martin Polte

Porta Westfalica. Ein Leben ohne Angst vor dem Coronavirus und ohne strenge Sicherheitsvorkehrungen? Das scheint im Augenblick undenkbar. Doch genau das erleben in diesen Tagen knapp 400 Passagiere und die Crewmitglieder auf dem Kreuzfahrtschiff MS Astor, das von Südafrika kommend auf dem Atlantischen Ozean in Richtung Europa unterwegs ist – und keine Häfen mehr ansteuert.

Auf der Weltreise hat Annika Monkau trotz der Arbeit auch viel gesehen. So hier in Australien die berühmte Oper in Sydney. Foto: privat - © pr
Auf der Weltreise hat Annika Monkau trotz der Arbeit auch viel gesehen. So hier in Australien die berühmte Oper in Sydney. Foto: privat (© pr)

Über die außergewöhnliche Situation berichtet mithilfe von Whatsapp die stellvertretende Kreuzfahrtdirektorin Annika Monkau, die in Barkhausen zu Hause ist und seit zwei Jahren auf Trans-Ocean-Schiffen beschäftigt ist: „Wir sind zur Zeit auf der letzten Etappe unserer viermonatigen Weltreise Von Hamburg nach Bremerhaven in 123 Tagen. Nachdem wir am 20. März in Südafrika wegen der Corona-Krise nur noch in den Hafen von Durban einlaufen durften, um zu tanken und Lebensmittel aufzunehmen, mussten alle weiteren geplanten Stopps in Südafrika und Namibia gecancelt werden. Daraufhin entschied sich unsere Trans-Ocean-Reederei für den Abbruch der Weltreise und die direkte Heimfahrt nach Bremerhaven.“

Das bedeutet, dass es keine Landgänge und Ausflüge mehr gibt und alle Personen auf dem Schiff bis zum voraussichtlichen Anlegen am 12. April in Bremerhaven an Bord bleiben müssen. Glück im Unglück hatten die Betroffenen auf dem Schiff, dass sie erwiesenermaßen alle gesund sind, nachdem Tests ergeben hatten, dass Corona nicht auf dem Schiff Fuß gefasst hat. So kommt es zu der aktuell eigentlich unvorstellbaren Situation, dass sich die Gäste und alle Beschäftigten ganz normal ohne Abstandsregelungen oder Isolierungen auf dem Schiff bewegen können.

Wie Annika Monkau berichtet, können die Gäste ohne Einschränkungen in den beiden Restaurants essen und in der Freizeit mit anderen Passagieren Sport treiben, Spiele spielen, Tanzen und in Gruppen zusammen sitzen. „Natürlich wird sehr auf Hygiene-Maßnahmen geachtet. Denn gleich nach dem Aufkommen der Epidemie in China wurden wir als Crewmitglieder über das Coronavirus und die nötigen Schutzmaßnahmen eindringlich informiert“, schreibt die 24-Jährige.

Das geänderte Programm stellt die Crew auf eine harte Bewährungsprobe. Annika Monkau, die eigentlich ausgebildete Erzieherin ist, wird besonders gefordert, weil sie mit anderen zusammen für das Entertainment, also für die gute Laune und die Beschäftigung der Gäste an Bord zuständig ist. Man könnte nun vermuten, dass die Passagiere nach dem Wegfall von Landgängen jetzt möglichst schnell nach Hause wollen? „Nein, im Gegenteil“, sagt Annika Monkau. „Sie kennen ja über die Medien die Verhältnisse in Europa und Deutschland. Manche würden nach der Ankunft in Bremerhaven gerne noch länger an Bord bleiben. Hier wissen sie einfach, dass sie sicher sind, zumal wir sehr viele ältere Passagiere an Bord haben. Die meisten zeigen Verständnis und sind froh, unter sich und ohne Ansteckungsgefahr zu sein.“

Eine gute Nachricht für die Passagiere kommt von der Pressesprecherin der Unternehmens-Zentrale in Offenbach Gabriele Arnold: „Unsere Kreuzfahrtgesellschaft wird ab dem Tag, wo die Rückreise ohne weitere Stopps aufgrund der allgemeinen Restriktionen und internationalen Grenzschließungen beschlossen wurde, den anteiligen Reisepreis zurück erstatten. Das ist fast ein Viertel der Reisekosten.“ Außerdem bekommen die Gäste kostenloses WLAN, damit sie auch auf hoher See mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen können.

Große Herausforderung stehen aber allen Beteiligten noch bevor, wenn die MS Astor am 12. April in Bremerhaven anlegt. Eine Frage: Ist im Hafen überhaupt Platz zum Anlegen, da wegen der Krise dort bereits dort einige Kreuzfahrtschiffe festgemacht haben? Probleme wird es vor allem für die Passagiere und Crewmitglieder geben, wenn sie nach viermonatiger Reise von Bord gehen und in ein sehr verändertes, entschleunigtes Land kommen. Es gelten völlig andere Regeln als noch vor einigen Wochen. Auf Flugzeuge und andere Verkehrsmittel kann man nicht wie geplant zurückgreifen. Man darf nicht in größeren Gruppen vom Schiff gehen, muss eineinhalb Meter Abstand halten und darf sich nicht beim Abschied oder beim Wiedersehen mit abholenden Verwandten oder Freunden umarmen. – Auf die veränderte Welt müssen sich die Passagiere vorbereiten. Noch können sie anderthalb Wochen das Leben an Bord genießen – ohne Abstand zu halten.

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Porta WestfalicaDie abgebrochene Weltreise - Portanerin Kreuzfahrtdirektorin Annika Monkau erlebt auf der MS Astor momentan einzigartige SchiffstourHans-Martin PoltePorta Westfalica. Ein Leben ohne Angst vor dem Coronavirus und ohne strenge Sicherheitsvorkehrungen? Das scheint im Augenblick undenkbar. Doch genau das erleben in diesen Tagen knapp 400 Passagiere und die Crewmitglieder auf dem Kreuzfahrtschiff MS Astor, das von Südafrika kommend auf dem Atlantischen Ozean in Richtung Europa unterwegs ist – und keine Häfen mehr ansteuert. Über die außergewöhnliche Situation berichtet mithilfe von Whatsapp die stellvertretende Kreuzfahrtdirektorin Annika Monkau, die in Barkhausen zu Hause ist und seit zwei Jahren auf Trans-Ocean-Schiffen beschäftigt ist: „Wir sind zur Zeit auf der letzten Etappe unserer viermonatigen Weltreise ’Von Hamburg nach Bremerhaven in 123 Tagen‘. Nachdem wir am 20. März in Südafrika wegen der Corona-Krise nur noch in den Hafen von Durban einlaufen durften, um zu tanken und Lebensmittel aufzunehmen, mussten alle weiteren geplanten Stopps in Südafrika und Namibia gecancelt werden. Daraufhin entschied sich unsere Trans-Ocean-Reederei für den Abbruch der Weltreise und die direkte Heimfahrt nach Bremerhaven.“ Das bedeutet, dass es keine Landgänge und Ausflüge mehr gibt und alle Personen auf dem Schiff bis zum voraussichtlichen Anlegen am 12. April in Bremerhaven an Bord bleiben müssen. Glück im Unglück hatten die Betroffenen auf dem Schiff, dass sie erwiesenermaßen alle gesund sind, nachdem Tests ergeben hatten, dass Corona nicht auf dem Schiff Fuß gefasst hat. So kommt es zu der aktuell eigentlich unvorstellbaren Situation, dass sich die Gäste und alle Beschäftigten ganz normal ohne Abstandsregelungen oder Isolierungen auf dem Schiff bewegen können. Wie Annika Monkau berichtet, können die Gäste ohne Einschränkungen in den beiden Restaurants essen und in der Freizeit mit anderen Passagieren Sport treiben, Spiele spielen, Tanzen und in Gruppen zusammen sitzen. „Natürlich wird sehr auf Hygiene-Maßnahmen geachtet. Denn gleich nach dem Aufkommen der Epidemie in China wurden wir als Crewmitglieder über das Coronavirus und die nötigen Schutzmaßnahmen eindringlich informiert“, schreibt die 24-Jährige. Das geänderte Programm stellt die Crew auf eine harte Bewährungsprobe. Annika Monkau, die eigentlich ausgebildete Erzieherin ist, wird besonders gefordert, weil sie mit anderen zusammen für das Entertainment, also für die gute Laune und die Beschäftigung der Gäste an Bord zuständig ist. Man könnte nun vermuten, dass die Passagiere nach dem Wegfall von Landgängen jetzt möglichst schnell nach Hause wollen? „Nein, im Gegenteil“, sagt Annika Monkau. „Sie kennen ja über die Medien die Verhältnisse in Europa und Deutschland. Manche würden nach der Ankunft in Bremerhaven gerne noch länger an Bord bleiben. Hier wissen sie einfach, dass sie sicher sind, zumal wir sehr viele ältere Passagiere an Bord haben. Die meisten zeigen Verständnis und sind froh, unter sich und ohne Ansteckungsgefahr zu sein.“ Eine gute Nachricht für die Passagiere kommt von der Pressesprecherin der Unternehmens-Zentrale in Offenbach Gabriele Arnold: „Unsere Kreuzfahrtgesellschaft wird ab dem Tag, wo die Rückreise ohne weitere Stopps aufgrund der allgemeinen Restriktionen und internationalen Grenzschließungen beschlossen wurde, den anteiligen Reisepreis zurück erstatten. Das ist fast ein Viertel der Reisekosten.“ Außerdem bekommen die Gäste kostenloses WLAN, damit sie auch auf hoher See mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen können. Große Herausforderung stehen aber allen Beteiligten noch bevor, wenn die MS Astor am 12. April in Bremerhaven anlegt. Eine Frage: Ist im Hafen überhaupt Platz zum Anlegen, da wegen der Krise dort bereits dort einige Kreuzfahrtschiffe festgemacht haben? Probleme wird es vor allem für die Passagiere und Crewmitglieder geben, wenn sie nach viermonatiger Reise von Bord gehen und in ein sehr verändertes, entschleunigtes Land kommen. Es gelten völlig andere Regeln als noch vor einigen Wochen. Auf Flugzeuge und andere Verkehrsmittel kann man nicht wie geplant zurückgreifen. Man darf nicht in größeren Gruppen vom Schiff gehen, muss eineinhalb Meter Abstand halten und darf sich nicht beim Abschied oder beim Wiedersehen mit abholenden Verwandten oder Freunden umarmen. – Auf die veränderte Welt müssen sich die Passagiere vorbereiten. Noch können sie anderthalb Wochen das Leben an Bord genießen – ohne Abstand zu halten.