Porta Westfalica/Rothenuffeln

Kofferraum voller Spenden: So helfen zwei Männer spontan gestrandeten Lkw-Fahrern an der A2

Thomas Lieske

Dieser Lkw-Fahrer aus Usbekistan freut sich riesig über das Überraschungspaket. - © Foto: privat
Dieser Lkw-Fahrer aus Usbekistan freut sich riesig über das Überraschungspaket. (© Foto: privat)

Porta Westfalica/Rothenuffeln. Der Kofferraum ist voll. Klaus Gettkant aus Rothenuffeln und sein Freund Antony Gradwell sind am Samstagabend auf dem Weg zum Rastplatz „Fuchsgrund“ an der Autobahn 2 in Porta Westfalica. Gettkant hat die Zeilen über die in der Coronakrise gestrandeten Lkw-Fahrer an der A2 im MT gelesen ist unzufrieden. Nicht mit dem Artikel, sondern mit der Situation der Trucker. „Da muss man doch etwas tun können.“Aber wie?

„Eigentlich bleibt da nur selbst hinzufahren und denen etwas vorbeizubringen“, sagt Gettkant im Gespräch mit dem MT. Toilettenpapier, Zahnbürsten, Shampoo, Duschgel, Gulaschsuppe, Tomatensuppe, abgepacktes Brot, ein bisschen Wurst, Schokolade und Mineralwasser liegen im Kofferraum. Gettkant steuert den Parkplatz an diesem Abend nicht das erste Mal an. Am Donnerstag hat er schon einmal ein kleines Hilfspaket zum Rastplatz gebracht, erzählt der Mann. Die Reaktion der Fahrer war überaus positiv. Gettkant fühlt sich bestärkt und startet einen Aufruf via Facebook. Seine Freund Antony Gradwell, der selbst Lkw-Fahrer ist und weiß, was Trucker unterwegs am meisten brauchen, macht mit. Innerhalb kürzester Zeit kommen so zahlreiche Spenden zusammen, die die beiden nun zum Rastplatz bringen. Und der ist – wie auch schon unter der Woche – mal wieder überfüllt.

Seit Tagen das gleiche - © Bild: Der Rastplatz Fuchsgrund an der Autobahn 2 in Porta ist voll mt Lastwagen. Die Fahrer sind dort gestrandet, weil sie nicht wissen wie es an den Grenzen weitergeht. MT-Foto: Thomas Lieske
Seit Tagen das gleiche (© Bild: Der Rastplatz Fuchsgrund an der Autobahn 2 in Porta ist voll mt Lastwagen. Die Fahrer sind dort gestrandet, weil sie nicht wissen wie es an den Grenzen weitergeht. MT-Foto: Thomas Lieske)

Einfach so an die Fahrerkabinen wollen sie nicht gehen. „Einfach ist die Hilfe in Coronazeiten nicht. Aber sie ist möglich“, sagt Gettkant im MT-Gespräch. Die Fahrer kommen aus Polen, der Ukraine, Russland, Litauen und anderen östlichen Staaten. Die Sprachbarriere ist groß, Gettkant und Gradwell geben ihr bestes, um die verwunderten Fahrer zu überzeugen, sich eines der gepackten Pakete zu nehmen. Die beiden haben Handzettel auf verschiedenen Sprachen dabei, um den Fahrern zu signalisieren, dass diese Hilfe kostenlos ist.

Die Spenden sind spontan zusammengekommen. - © Foto: pr
Die Spenden sind spontan zusammengekommen. (© Foto: pr)

Es dauert nicht lang, da trauen sich die ersten Trucker an die Pakete. „. Die Fahrer aus Russland, Usbekistan und Bulgarien waren zuerst sehr skeptisch, aber nach freundlichen Gesten und dem Hinweis, auf vorhandene Hilfsmittel hat dann doch einige LKW-Fahrer angelockt“, erzählt der Mann aus Rothenuffeln. Die Freude ist groß. „“Mit freundlichen Gesten kann man Barrieren abbauen. Vom Usbeken haben wir den Segen Allahs bekommen“, freuen sich die Helfer.

Teils seit vielen Tagen müssen die Fahrer auf dem Rastplatz „Fuchsgrund“ an der A2 in Porta ausharren. Die vollen Mülltonnen zeugen davon. Hier haben sie immerhin noch eine Toilette. „An vielen Rastplätzen ist gar nichts. Eine Dusche oder ein ordentliches Waschbecken für die Körperhygiene, davon können die Fernfahrer derzeit nur träumen“, sagt Gettkant. Zum Teil könnten die Fahrer nirgends auf Toilette gehen und seien gezwungen, alles aufzufangen und im Lkw zu transportieren „Das sind widrigste Umstände“, findet Gettkant.

Auch deshalb habe er die Hilfsaktion gestartet. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendwo muss man ja anfangen zu helfen.“ Die ganze Welt könne er damit zwar nicht retten. Aber er hofft auf Nachahmer, damit der Kreis der Helfer möglichst groß wird.

An diesem Samstagabend werden die beiden nicht alle ihrer Spenden los. „70 Prozent der Lkw-Fahrer konnten wir nicht erreichen, weil sie in ihren Kabinen schliefen“, sagt Gettkant. „wir werden die Hilfe in den nächsten Tagen natürlich fortsetzen, weil wir gelernt haben, wie schwierig Hilfe sein kann. Sprachlich werden wir aufrüsten und lernen wie wir Barrieren abbauen.“

Eines bereitet den beiden dabei Sorge: „Keiner weiß, wie viele der LKW-Fahrer infiziert sind, sie werden nicht getestet.“ Dabei seien gehörten sie zu der systemrelevanten Berufsgruppe, ist Gettkant überzeugt. Mit dieser Überzeugung steht er bei Weitem nicht allein da. „Wenn sie positiv sind, dann fehlen den Familien für lange Zeit Einnahmen.“ Das sei das Dilemma.

„Die Lkw-Fahrer leiden wirklich große Not. Sie kommen teilweise aus Spanien und müssen in ihre Heimat zurück, teils bis in die Ukraine.“ An der einen Stelle hätten sich die Staus vor den geschlossenen Grenzen aufgelöst, an anderer Stelle nicht. „Jedes Land hat seine eigenen Einreisebedingungen. Das ist eine Qual für die Lkw-Fahrer.“ Dazu seien die Lenkzeiten erhöht worden. „Und wenn sie dann irgendwann zu Hause sind, dann müssen selbst erst einmal in Quarantäne und verdienen dann kein Geld.“ Auch das sei für beide Motivation, wieder zu helfen. In den kommenden Tagen werden sie wohl noch häufiger den Rastplatz ansteuern.

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Porta Westfalica/RothenuffelnKofferraum voller Spenden: So helfen zwei Männer spontan gestrandeten Lkw-Fahrern an der A2Thomas LieskePorta Westfalica/Rothenuffeln. Der Kofferraum ist voll. Klaus Gettkant aus Rothenuffeln und sein Freund Antony Gradwell sind am Samstagabend auf dem Weg zum Rastplatz „Fuchsgrund“ an der Autobahn 2 in Porta Westfalica. Gettkant hat die Zeilen über die in der Coronakrise gestrandeten Lkw-Fahrer an der A2 im MT gelesen ist unzufrieden. Nicht mit dem Artikel, sondern mit der Situation der Trucker. „Da muss man doch etwas tun können.“Aber wie? „Eigentlich bleibt da nur selbst hinzufahren und denen etwas vorbeizubringen“, sagt Gettkant im Gespräch mit dem MT. Toilettenpapier, Zahnbürsten, Shampoo, Duschgel, Gulaschsuppe, Tomatensuppe, abgepacktes Brot, ein bisschen Wurst, Schokolade und Mineralwasser liegen im Kofferraum. Gettkant steuert den Parkplatz an diesem Abend nicht das erste Mal an. Am Donnerstag hat er schon einmal ein kleines Hilfspaket zum Rastplatz gebracht, erzählt der Mann. Die Reaktion der Fahrer war überaus positiv. Gettkant fühlt sich bestärkt und startet einen Aufruf via Facebook. Seine Freund Antony Gradwell, der selbst Lkw-Fahrer ist und weiß, was Trucker unterwegs am meisten brauchen, macht mit. Innerhalb kürzester Zeit kommen so zahlreiche Spenden zusammen, die die beiden nun zum Rastplatz bringen. Und der ist – wie auch schon unter der Woche – mal wieder überfüllt. Einfach so an die Fahrerkabinen wollen sie nicht gehen. „Einfach ist die Hilfe in Coronazeiten nicht. Aber sie ist möglich“, sagt Gettkant im MT-Gespräch. Die Fahrer kommen aus Polen, der Ukraine, Russland, Litauen und anderen östlichen Staaten. Die Sprachbarriere ist groß, Gettkant und Gradwell geben ihr bestes, um die verwunderten Fahrer zu überzeugen, sich eines der gepackten Pakete zu nehmen. Die beiden haben Handzettel auf verschiedenen Sprachen dabei, um den Fahrern zu signalisieren, dass diese Hilfe kostenlos ist. Es dauert nicht lang, da trauen sich die ersten Trucker an die Pakete. „. Die Fahrer aus Russland, Usbekistan und Bulgarien waren zuerst sehr skeptisch, aber nach freundlichen Gesten und dem Hinweis, auf vorhandene Hilfsmittel hat dann doch einige LKW-Fahrer angelockt“, erzählt der Mann aus Rothenuffeln. Die Freude ist groß. „“Mit freundlichen Gesten kann man Barrieren abbauen. Vom Usbeken haben wir den Segen Allahs bekommen“, freuen sich die Helfer. Teils seit vielen Tagen müssen die Fahrer auf dem Rastplatz „Fuchsgrund“ an der A2 in Porta ausharren. Die vollen Mülltonnen zeugen davon. Hier haben sie immerhin noch eine Toilette. „An vielen Rastplätzen ist gar nichts. Eine Dusche oder ein ordentliches Waschbecken für die Körperhygiene, davon können die Fernfahrer derzeit nur träumen“, sagt Gettkant. Zum Teil könnten die Fahrer nirgends auf Toilette gehen und seien gezwungen, alles aufzufangen und im Lkw zu transportieren „Das sind widrigste Umstände“, findet Gettkant. Auch deshalb habe er die Hilfsaktion gestartet. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendwo muss man ja anfangen zu helfen.“ Die ganze Welt könne er damit zwar nicht retten. Aber er hofft auf Nachahmer, damit der Kreis der Helfer möglichst groß wird. An diesem Samstagabend werden die beiden nicht alle ihrer Spenden los. „70 Prozent der Lkw-Fahrer konnten wir nicht erreichen, weil sie in ihren Kabinen schliefen“, sagt Gettkant. „wir werden die Hilfe in den nächsten Tagen natürlich fortsetzen, weil wir gelernt haben, wie schwierig Hilfe sein kann. Sprachlich werden wir aufrüsten und lernen wie wir Barrieren abbauen.“ Eines bereitet den beiden dabei Sorge: „Keiner weiß, wie viele der LKW-Fahrer infiziert sind, sie werden nicht getestet.“ Dabei seien gehörten sie zu der systemrelevanten Berufsgruppe, ist Gettkant überzeugt. Mit dieser Überzeugung steht er bei Weitem nicht allein da. „Wenn sie positiv sind, dann fehlen den Familien für lange Zeit Einnahmen.“ Das sei das Dilemma. „Die Lkw-Fahrer leiden wirklich große Not. Sie kommen teilweise aus Spanien und müssen in ihre Heimat zurück, teils bis in die Ukraine.“ An der einen Stelle hätten sich die Staus vor den geschlossenen Grenzen aufgelöst, an anderer Stelle nicht. „Jedes Land hat seine eigenen Einreisebedingungen. Das ist eine Qual für die Lkw-Fahrer.“ Dazu seien die Lenkzeiten erhöht worden. „Und wenn sie dann irgendwann zu Hause sind, dann müssen selbst erst einmal in Quarantäne und verdienen dann kein Geld.“ Auch das sei für beide Motivation, wieder zu helfen. In den kommenden Tagen werden sie wohl noch häufiger den Rastplatz ansteuern.