Porta Westfalica

Portaner Firma Wintermeier in vorläufiger Insolvenz

Thomas Lieske

30 Prozent des Jahresumsatzes hat die Firma Wintermeier aus Porta Westfalica plötzlich verloren, weil ein Großkunde weggebrochen ist. Doch es gibt bereits wieder Hoffnung. MT- - © Foto: Dirk Haunhorst
30 Prozent des Jahresumsatzes hat die Firma Wintermeier aus Porta Westfalica plötzlich verloren, weil ein Großkunde weggebrochen ist. Doch es gibt bereits wieder Hoffnung. MT- (© Foto: Dirk Haunhorst)

Porta Westfalica. Volle Auftragsbücher, steigender Monatsumsatz: Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass die Portaner Firma Wintermeier Maschinenbau und Frästechnik in der vorläufigen Insolvenz steckt. Nur ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass derzeit vieles in Bewegung ist, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Fünf Wochen hat die Firma zusammen mit ihrem vorläufigen Insolvenzverwalter Boris von dem Bussche noch Zeit, um das Unternehmen neu zu strukturieren. Und wer sich mit von dem Bussche unterhält, der merkt: Wintermeier ist auf einem guten Weg.

Unverschuldet gerät die Firma in die finanzielle Schieflage, als 2019 plötzlich und unerwartet ein Großkunde wegbricht. „Das macht etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus", erklärt der Rechtsanwalt. „Diese Lücke kam überraschend und konnte bis zuletzt nur in kleinen Schritten fast geschlossen werden." In der Zwischenzeit seien weitere laufende Kosten zu regulieren gewesen. Dazu die zurückgegangenen Erlöse: Die Firma hatte keine Chance, alle laufenden Kosten zu decken. Der letzte Ausweg: über die vorläufige Insolvenz, eine Restrukturierung und die anschließende übertragende Sanierung.

Von dem Bussche hat sich mit seiner Kanzlei darauf spezialisiert, angeschlagene Unternehmen zu restrukturieren. Auch für Wintermeier, die bisher einen Jahresumsatz von etwa 1,35 Millionen Euro mit dem Bau von Spezialteilen in geringer Stückzahl und Einzelanfertigungen eingefahren haben, sieht der Fachanwalt für Insolvenzrecht gute Chancen. Der Betrieb läuft weiter. Alle 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wegen der vollen Auftragsbücher alle Hände voll zu tun. Die Löhne werden derzeit über die Bundesagentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit einem Kreditinstitut vorfinanziert.

„Die Beschäftigten sind umgehend im Rahmen einer Belegschaftsversammlung in die Lage eingewiesen worden", erklärt von dem Bussche. Auch die Kunden und Lieferanten hat das Unternehmen sofort über die Lage informiert. „Wintermeier war in der Vergangenheit für seine Zuverlässigkeit bekannt, sodass vermutlich jetzt die Kunden, die auf die Zusammenarbeit in der Vergangenheit haben bauen können dem Unternehmen nun die Treue halten", sagt der Anwalt. Aus seiner Sicht habe sich gezeigt, dass die offene Kommunikation der richtige Weg zu sein scheint.

Und nun die Krise in der Krise: Auch Wintermeier muss sich in der finanziell noch schwierigen Lage mit den Auswirkungen des Corona-Virus beschäftigen, um den dringend notwendigen Betrieb am Laufen zu halten – die Firma befindet sozusagen im doppelten Krisenmodus. „Wir haben das Unternehmen auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt, damit die Mitarbeiter wegen der aktuellen gesundheitlichen Situation, gestaffelt an den Maschinen tätig sein können und der direkte Kontakt zur Vermeidung von Infektionen möglichst ausgeschlossen wird", erklärt von dem Bussche.

Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens sei es ganz klar, den Standort zu erhalten und auch die Belegschaft zu halten, betont der vorläufige Insolvenzverwalter. „Hier arbeiten wir vermehrt an einer Lösung, die Stabilität nach vorne bringt und Sicherungsgeber sowie Belegschaft halten kann."

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Porta WestfalicaPortaner Firma Wintermeier in vorläufiger InsolvenzThomas LieskePorta Westfalica. Volle Auftragsbücher, steigender Monatsumsatz: Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass die Portaner Firma Wintermeier Maschinenbau und Frästechnik in der vorläufigen Insolvenz steckt. Nur ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass derzeit vieles in Bewegung ist, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Fünf Wochen hat die Firma zusammen mit ihrem vorläufigen Insolvenzverwalter Boris von dem Bussche noch Zeit, um das Unternehmen neu zu strukturieren. Und wer sich mit von dem Bussche unterhält, der merkt: Wintermeier ist auf einem guten Weg. Unverschuldet gerät die Firma in die finanzielle Schieflage, als 2019 plötzlich und unerwartet ein Großkunde wegbricht. „Das macht etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus", erklärt der Rechtsanwalt. „Diese Lücke kam überraschend und konnte bis zuletzt nur in kleinen Schritten fast geschlossen werden." In der Zwischenzeit seien weitere laufende Kosten zu regulieren gewesen. Dazu die zurückgegangenen Erlöse: Die Firma hatte keine Chance, alle laufenden Kosten zu decken. Der letzte Ausweg: über die vorläufige Insolvenz, eine Restrukturierung und die anschließende übertragende Sanierung. Von dem Bussche hat sich mit seiner Kanzlei darauf spezialisiert, angeschlagene Unternehmen zu restrukturieren. Auch für Wintermeier, die bisher einen Jahresumsatz von etwa 1,35 Millionen Euro mit dem Bau von Spezialteilen in geringer Stückzahl und Einzelanfertigungen eingefahren haben, sieht der Fachanwalt für Insolvenzrecht gute Chancen. Der Betrieb läuft weiter. Alle 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wegen der vollen Auftragsbücher alle Hände voll zu tun. Die Löhne werden derzeit über die Bundesagentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit einem Kreditinstitut vorfinanziert. „Die Beschäftigten sind umgehend im Rahmen einer Belegschaftsversammlung in die Lage eingewiesen worden", erklärt von dem Bussche. Auch die Kunden und Lieferanten hat das Unternehmen sofort über die Lage informiert. „Wintermeier war in der Vergangenheit für seine Zuverlässigkeit bekannt, sodass vermutlich jetzt die Kunden, die auf die Zusammenarbeit in der Vergangenheit haben bauen können dem Unternehmen nun die Treue halten", sagt der Anwalt. Aus seiner Sicht habe sich gezeigt, dass die offene Kommunikation der richtige Weg zu sein scheint. Und nun die Krise in der Krise: Auch Wintermeier muss sich in der finanziell noch schwierigen Lage mit den Auswirkungen des Corona-Virus beschäftigen, um den dringend notwendigen Betrieb am Laufen zu halten – die Firma befindet sozusagen im doppelten Krisenmodus. „Wir haben das Unternehmen auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt, damit die Mitarbeiter wegen der aktuellen gesundheitlichen Situation, gestaffelt an den Maschinen tätig sein können und der direkte Kontakt zur Vermeidung von Infektionen möglichst ausgeschlossen wird", erklärt von dem Bussche. Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens sei es ganz klar, den Standort zu erhalten und auch die Belegschaft zu halten, betont der vorläufige Insolvenzverwalter. „Hier arbeiten wir vermehrt an einer Lösung, die Stabilität nach vorne bringt und Sicherungsgeber sowie Belegschaft halten kann."