Porta Westfalica

Auch Retter brauchen Schutz - Feuerwehrchef Jens Grabbe wünscht sich nicht nur moderne Gerätehauser

Dirk Haunhorst

Der Umbau der hauptamtlichen Wache soll 2021 beginnen. Umkleide- und Sanitärbereich zählen zu den Baustellen. ?MT- - © Foto: Thomas Lieske
Der Umbau der hauptamtlichen Wache soll 2021 beginnen. Umkleide- und Sanitärbereich zählen zu den Baustellen. ?MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica. Die Freiwillige Feuerwehr hat im vorigen Jahr die im Brandschutzbedarfsplan festgelegten Schutzziele zu fast hundert Prozent erreicht. Sowohl bei Bränden mit Menschengefährdung als auch bei Verkehrsunfällen mit Verletzten sollen die ersten Feuerwehrleute innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein. Dies gelang 2019 in 22 von 23 Fällen. „Und in dem Ausnahmefall lagen wir nur ein paar Sekunden drüber“, sagt Feuerwehrchef Jens Grabbe dem MT. Sein Fazit: „Wir sind insgesamt super aufgestellt und für unsere Bürger leistungsfähig.“ Damit das so bleibt, gebe es aber in den nächsten Jahren viel zu tun – sowohl personell als auch materiell.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die richtige Wahl und Ausstattung der Standorte, von denen die Löschgruppen ausrücken. Aktuell entsteht ein neues Feuerwehrhaus in Holtrup, 2021 soll das neue Gerätehaus für die Löschgruppen Hausberge und Lohfeld in der Hausberger Schweiz gebaut werden. Später sind dann die Erweiterung des Holzhauser Domizils sowie die Suche nach einem geeigneten Standort für die Eisberger Löschgruppe an der Reihe. Die Verhältnisse im 70 Jahre alten Gebäude am Eisberger Lammerbach sind beengt, die Räume sanierungsbedürftig, und außerdem ist die innerörtliche Lage hinderlich beim schnellen Ausrücken.

Jens Grabbe leitet seit gut fünf Jahren die Feuerwehr.

MT-Foto (Archiv): Haunhorst - © Haunhorst Dirk
Jens Grabbe leitet seit gut fünf Jahren die Feuerwehr.
MT-Foto (Archiv): Haunhorst (© Haunhorst Dirk)

Auch der dreistufige Umbau der hauptamtlichen Wache in Hausberge kommt in den nächsten Jahren auf die Feuerwehr zu. „Die Wache wurde bislang noch gar nicht angefasst“, sagt Grabbe. Umkleide- und Sanitärbereiche, auch für den Rettungsdienst, seien nicht mehr zeitgemäß. Zudem müsse die Gebäudetechnik erneuert werden. „Es geht dabei auch immer um die Aufwertung des Arbeitsplatzes“, sagt Grabbe. Dies sei im Hinblick auf Personalgewinnung ein wichtiger Faktor. Nicht nur die Standorte für die ehrenamtlichen Kräfte müssten attraktiv sein, sondern auch die Arbeitsplätze der Hauptamtlichen. „Sie werden nicht allzu viele arbeitslose Feuerwehrleute finden“, sagt Grabbe und deutet damit an, dass ein Arbeitgeber sich heute Mühe geben muss, um im Wettbewerb ums Personal zu bestehen.

Dazu gehören auch vermeintlich selbstverständliche Sachen wie die richtige Kleidung. „Wie haben die Überbekleidung für den Innenangriff gewechselt.“ Die Folge: mehr Tragekomfort. Die Kleidung ist atmungsaktiver und trotzdem sicher. Die Feuerwehrleute hätte das Material vorher testen können. Auch neue Stiefel und Handschuhe wurden angeschafft. „Die Politik hat hier mitgezogen“, sagt Grabbe. Nachdem das Verhältnis zu den Politikern vor einigen Jahren zuweilen angespannt gewesen sei, herrsche inzwischen ein „Vertrauensverhältnis“. Das unterstreicht auch eine Aussage von Thomas Wehking (SPD), dem Leiter des Feuerwehrausschusses. Er hatte sich in der Weihnachtsratssitzung ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit bei der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes bedankt.

Gleichwohl gebe es keinen Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen, sagt der Feuerwehrchef. Vor allem Personalentwicklung sei eine Daueraufgabe, damit künftig genügend Retter zur Verfügung stünden. „Mitgliederwerbung und Förderung des Ehrenamtes“ ist deshalb ein Kapitel im Brandschutzbedarfsplan überschrieben.

Ein Problem bleibt der weiterhin geringe Anteil an Frauen. Ihre Zahl von 31 bedeutet lediglich einen Anteil von 13 Prozent unter den 237 aktiven ehrenamtlichen Kräften. Hinzu kommen 35 Stellen in der hauptamtlichen Wache inklusive Rettungsdienst.

Die große Herausforderung in der Feuerwehr sei die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt, sagt Grabbe. Die ehrenamtlichen Kräfte benötigen Unterstützung. Dabei ist die Stadtverwaltung gefordert. „Eine kontinuierliche Unterstützung bei der Mitgliederverwaltung, der Ausschreibung und Beschaffung von Fahrzeugen, Technik und persönlicher Schutzausrüstung sowie der weiteren Verwaltungsaufgaben der Führungskräfte ist erforderlich“ steht im 165-seitigen Brandschutzbedarfsplan.

Auch Zusatzversicherungen und insbesondere guter Rechtsschutz seien nötig, um Führungskräfte zu gewinnen. „Wir müssen ihnen ein Netz bauen“, sagt Grabbe. „Denn sie entscheiden im Ernstfall in Sekunden darüber, was ein Staatsanwalt monatelang auseinandernehmen kann.“

Die Portaner Löschgruppen haben inzwischen Bilanz gezogen, am Samstag, 7. März, tut dies Grabbe beim Stadtfeuerwehrtag für die gesamte Truppe. Die Statistik zeigt, dass das Einsatzaufkommen im Laufe der Jahre steigt. Wenn einzelne Löschgruppen bis zu 60 Mal im Jahr gefordert seien, stoße das Verständnis der Arbeitgeber an Grenzen. „Wir haben deshalb die Alarm- und Ausrückeordnung verändert.“ Ein Beispiel: Wenn für die Beseitigung einer Ölspur ausreichend Personal der hauptamtlichen Wache vorhanden sei, brauchten dafür nicht ehrenamtliche Kräfte ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Und wenn ein Baum „irgendwo in der Pampa“ umgestürzt sei, aber keine Gefahr darstelle, müsse der nicht augenblicklich entfernt werden. Auch die stärkere Zusammenarbeit mit Werks- und Betriebsfeuerwehren, wie es sie beim Entsorger Prezero oder der Barbara Erzbergbau GmbH gebe, könne die Freiwillige Feuerwehr entlasten.

Der wichtigste Faktor für eine gedeihliche Personalentwicklung ist eine gute Jugendarbeit. Die Nachwuchsgruppen haben 240 Kinder und Jugendliche. Es gebe keine Stadt vergleichbarer Größe in Nordrhein-Westfalen, die in der Jugendabteilung ähnlich gut aufgestellt sei wie Porta, habe ein Gutachter anlässlich der Arbeit am Brandschutzbedarfsplan attestiert, so Grabbe. Über dieses Kompliment freut er sich besonders. Denn bevor Jens Grabbe 2014 die Wehrführung übernahm, hatte er fast elf Jahre lang den Posten des Jugendwartes inne.

Der Auto ist erreichbar unterTelefon (0571) 882 164 oder Dirk.Haunhorst@MT.de

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Porta WestfalicaAuch Retter brauchen Schutz - Feuerwehrchef Jens Grabbe wünscht sich nicht nur moderne GerätehauserDirk HaunhorstPorta Westfalica. Die Freiwillige Feuerwehr hat im vorigen Jahr die im Brandschutzbedarfsplan festgelegten Schutzziele zu fast hundert Prozent erreicht. Sowohl bei Bränden mit Menschengefährdung als auch bei Verkehrsunfällen mit Verletzten sollen die ersten Feuerwehrleute innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein. Dies gelang 2019 in 22 von 23 Fällen. „Und in dem Ausnahmefall lagen wir nur ein paar Sekunden drüber“, sagt Feuerwehrchef Jens Grabbe dem MT. Sein Fazit: „Wir sind insgesamt super aufgestellt und für unsere Bürger leistungsfähig.“ Damit das so bleibt, gebe es aber in den nächsten Jahren viel zu tun – sowohl personell als auch materiell. Ein wichtiger Punkt ist dabei die richtige Wahl und Ausstattung der Standorte, von denen die Löschgruppen ausrücken. Aktuell entsteht ein neues Feuerwehrhaus in Holtrup, 2021 soll das neue Gerätehaus für die Löschgruppen Hausberge und Lohfeld in der Hausberger Schweiz gebaut werden. Später sind dann die Erweiterung des Holzhauser Domizils sowie die Suche nach einem geeigneten Standort für die Eisberger Löschgruppe an der Reihe. Die Verhältnisse im 70 Jahre alten Gebäude am Eisberger Lammerbach sind beengt, die Räume sanierungsbedürftig, und außerdem ist die innerörtliche Lage hinderlich beim schnellen Ausrücken. Auch der dreistufige Umbau der hauptamtlichen Wache in Hausberge kommt in den nächsten Jahren auf die Feuerwehr zu. „Die Wache wurde bislang noch gar nicht angefasst“, sagt Grabbe. Umkleide- und Sanitärbereiche, auch für den Rettungsdienst, seien nicht mehr zeitgemäß. Zudem müsse die Gebäudetechnik erneuert werden. „Es geht dabei auch immer um die Aufwertung des Arbeitsplatzes“, sagt Grabbe. Dies sei im Hinblick auf Personalgewinnung ein wichtiger Faktor. Nicht nur die Standorte für die ehrenamtlichen Kräfte müssten attraktiv sein, sondern auch die Arbeitsplätze der Hauptamtlichen. „Sie werden nicht allzu viele arbeitslose Feuerwehrleute finden“, sagt Grabbe und deutet damit an, dass ein Arbeitgeber sich heute Mühe geben muss, um im Wettbewerb ums Personal zu bestehen. Dazu gehören auch vermeintlich selbstverständliche Sachen wie die richtige Kleidung. „Wie haben die Überbekleidung für den Innenangriff gewechselt.“ Die Folge: mehr Tragekomfort. Die Kleidung ist atmungsaktiver und trotzdem sicher. Die Feuerwehrleute hätte das Material vorher testen können. Auch neue Stiefel und Handschuhe wurden angeschafft. „Die Politik hat hier mitgezogen“, sagt Grabbe. Nachdem das Verhältnis zu den Politikern vor einigen Jahren zuweilen angespannt gewesen sei, herrsche inzwischen ein „Vertrauensverhältnis“. Das unterstreicht auch eine Aussage von Thomas Wehking (SPD), dem Leiter des Feuerwehrausschusses. Er hatte sich in der Weihnachtsratssitzung ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit bei der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes bedankt. Gleichwohl gebe es keinen Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen, sagt der Feuerwehrchef. Vor allem Personalentwicklung sei eine Daueraufgabe, damit künftig genügend Retter zur Verfügung stünden. „Mitgliederwerbung und Förderung des Ehrenamtes“ ist deshalb ein Kapitel im Brandschutzbedarfsplan überschrieben. Ein Problem bleibt der weiterhin geringe Anteil an Frauen. Ihre Zahl von 31 bedeutet lediglich einen Anteil von 13 Prozent unter den 237 aktiven ehrenamtlichen Kräften. Hinzu kommen 35 Stellen in der hauptamtlichen Wache inklusive Rettungsdienst. Die große Herausforderung in der Feuerwehr sei die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt, sagt Grabbe. Die ehrenamtlichen Kräfte benötigen Unterstützung. Dabei ist die Stadtverwaltung gefordert. „Eine kontinuierliche Unterstützung bei der Mitgliederverwaltung, der Ausschreibung und Beschaffung von Fahrzeugen, Technik und persönlicher Schutzausrüstung sowie der weiteren Verwaltungsaufgaben der Führungskräfte ist erforderlich“ steht im 165-seitigen Brandschutzbedarfsplan. Auch Zusatzversicherungen und insbesondere guter Rechtsschutz seien nötig, um Führungskräfte zu gewinnen. „Wir müssen ihnen ein Netz bauen“, sagt Grabbe. „Denn sie entscheiden im Ernstfall in Sekunden darüber, was ein Staatsanwalt monatelang auseinandernehmen kann.“ Die Portaner Löschgruppen haben inzwischen Bilanz gezogen, am Samstag, 7. März, tut dies Grabbe beim Stadtfeuerwehrtag für die gesamte Truppe. Die Statistik zeigt, dass das Einsatzaufkommen im Laufe der Jahre steigt. Wenn einzelne Löschgruppen bis zu 60 Mal im Jahr gefordert seien, stoße das Verständnis der Arbeitgeber an Grenzen. „Wir haben deshalb die Alarm- und Ausrückeordnung verändert.“ Ein Beispiel: Wenn für die Beseitigung einer Ölspur ausreichend Personal der hauptamtlichen Wache vorhanden sei, brauchten dafür nicht ehrenamtliche Kräfte ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Und wenn ein Baum „irgendwo in der Pampa“ umgestürzt sei, aber keine Gefahr darstelle, müsse der nicht augenblicklich entfernt werden. Auch die stärkere Zusammenarbeit mit Werks- und Betriebsfeuerwehren, wie es sie beim Entsorger Prezero oder der Barbara Erzbergbau GmbH gebe, könne die Freiwillige Feuerwehr entlasten. Der wichtigste Faktor für eine gedeihliche Personalentwicklung ist eine gute Jugendarbeit. Die Nachwuchsgruppen haben 240 Kinder und Jugendliche. Es gebe keine Stadt vergleichbarer Größe in Nordrhein-Westfalen, die in der Jugendabteilung ähnlich gut aufgestellt sei wie Porta, habe ein Gutachter anlässlich der Arbeit am Brandschutzbedarfsplan attestiert, so Grabbe. Über dieses Kompliment freut er sich besonders. Denn bevor Jens Grabbe 2014 die Wehrführung übernahm, hatte er fast elf Jahre lang den Posten des Jugendwartes inne. Der Auto ist erreichbar unterTelefon (0571) 882 164 oder Dirk.Haunhorst@MT.de