Barkhausen.

Dutzende Bäume ohne Genehmigung im Schutzgebiet in Barkhausen gerodet

Thomas Lieske

Der Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist jetzt zwar frei. Doch die Fällungen und Rodungen auf dieser Fläche in Barkhausen waren nicht mit dem Kreis abgestimmt. Das wäre zwingend notwendig gewesen, weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Der Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist jetzt zwar frei. Doch die Fällungen und Rodungen auf dieser Fläche in Barkhausen waren nicht mit dem Kreis abgestimmt. Das wäre zwingend notwendig gewesen, weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Barkhausen. Schon wieder sind Dutzende Bäume in einem Landschaftsschutzgebiet in Porta Westfalica gefällt worden – ohne Absprache und ohne Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde. Das hat der Kreis auf MT-Anfrage bestätigt. Tatort diesmal: eine rund 3.500 Quadratmeter große Fläche neben dem Spielplatz am Fähranleger, ein Teil des ehemaligen Campingplatzes – in unmittelbarer Nähe zur Weser.

Wem die Fläche gehört, ist bisher nicht bekannt. Klar ist aber: Die untere Naturschutzbehörde werde sich die Lage vor Ort „sobald wie möglich“ anschauen, betont Kreissprecherin Sabine Ohnesorge. Denn es besteht der Verdacht, dass die Bäume, Sträucher und anderen Gewächse nicht so einfach hätten beseitigt werden dürfen.

Eigentlich sei es „gängige Praxis“, dass sich Privatbesitzer vor Fällungen in Landschaftsschutzgebieten mit der Behörde in Verbindung setzen, berichtet Ohnesorge. Denn: „Für private und öffentliche Hand gelten die gleichen [...] Verbotstatbestände in einem Landschaftsplan.“ Heißt: Ist es unumgänglich, in Gehölzbestände auf Schutzgebieten einzugreifen, um die Fläche insgesamt zu erhalten, müsse keine Genehmigung vorliegen. Das gelte vor allem für die Land- und Forstwirtschaft. Für alle anderen Eingriffe gilt: Genehmigung erforderlich.

„In diesem Fall hätte der Eigentümer gemäß Landschaftsplan eine Ausnahme für die ordnungs- und zeitgemäße Pflege von Hecken und Kopfbäumen beantragen müssen“, erklärt Sabine Ohnesorge. Wobei: Beim Anblick der Fläche ist eher davon auszugehen, dass auf dem Areal ein Radikalschnitt stattgefunden hat. Abschließend hat die Behörde den Fall zwar noch nicht bewertet. Aber: „Wenn es sich nach Prüfung des gesamten Vorgangs um eine Ordnungswidrigkeit handelt, wird diese auch entsprechend verfolgt werden.“ Dem Flächeneigentümer droht also eine Anzeige und damit auch eine Geldbuße.

Immer wieder hat es zuletzt Baumfällungen in Porta Westfalica gegeben, die in geschützte Bereiche eingegriffen haben. So etwa auf einem seit mehr als 25 Jahren eingetragenen Naturdenkmal im Kirchsiek in Hausberge, auf dem die seltene Grüne Nieswurz in Symbiose mit einem Baumbestand wuchs. Der Bestand der geschützten Pflanze wurde dabei fast vollständig zerstört, die Bäume sind komplett gerodet worden.

Auch am Hohen Brink musste ein schützenswerter Baum weichen. Dort soll ein neues Baugebiet entstehen. Dabei hatte die Naturschutzbehörde den alten Baum bereits im Blick, um ihn unter Schutz zu stellen. Anwohner der Nachbargrundstücke kritisierten, dass dort Tatsachen geschaffen worden seien, bevor der Baum endgültig in die Liste der Naturdenkmäler im Mühlenkreis aufgenommen werden konnte.

Welches Motiv im Barkhauser Fall zu den Fällungen geführt hat, ist bisher unklar. Auch der Umweltbeauftragte der Stadt Porta Westfalica, Dr. Albrecht von Lochow, hat sich das Grundstück bereits angesehen und zeigte sich in einer ersten Reaktion gegenüber dem MT entsetzt. Die weitere Klärung des Falls sei aber aufgrund des Schutzstatus' des Geländes Sache des Kreises als zuständige Behörde für solche Flächen.

Der gesamte Uferbereich und die weiteren Flächen rund um die Weser in Porta Westfalica sind unter Schutz gestellt. Eingriffe in diese sensiblen Bereiche müssen immer mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Fällungen und Rückschnitte sogar erlaubt.

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Barkhausen.Dutzende Bäume ohne Genehmigung im Schutzgebiet in Barkhausen gerodetThomas LieskePorta Westfalica-Barkhausen. Schon wieder sind Dutzende Bäume in einem Landschaftsschutzgebiet in Porta Westfalica gefällt worden – ohne Absprache und ohne Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde. Das hat der Kreis auf MT-Anfrage bestätigt. Tatort diesmal: eine rund 3.500 Quadratmeter große Fläche neben dem Spielplatz am Fähranleger, ein Teil des ehemaligen Campingplatzes – in unmittelbarer Nähe zur Weser. Wem die Fläche gehört, ist bisher nicht bekannt. Klar ist aber: Die untere Naturschutzbehörde werde sich die Lage vor Ort „sobald wie möglich“ anschauen, betont Kreissprecherin Sabine Ohnesorge. Denn es besteht der Verdacht, dass die Bäume, Sträucher und anderen Gewächse nicht so einfach hätten beseitigt werden dürfen. Eigentlich sei es „gängige Praxis“, dass sich Privatbesitzer vor Fällungen in Landschaftsschutzgebieten mit der Behörde in Verbindung setzen, berichtet Ohnesorge. Denn: „Für private und öffentliche Hand gelten die gleichen [...] Verbotstatbestände in einem Landschaftsplan.“ Heißt: Ist es unumgänglich, in Gehölzbestände auf Schutzgebieten einzugreifen, um die Fläche insgesamt zu erhalten, müsse keine Genehmigung vorliegen. Das gelte vor allem für die Land- und Forstwirtschaft. Für alle anderen Eingriffe gilt: Genehmigung erforderlich. „In diesem Fall hätte der Eigentümer gemäß Landschaftsplan eine Ausnahme für die ordnungs- und zeitgemäße Pflege von Hecken und Kopfbäumen beantragen müssen“, erklärt Sabine Ohnesorge. Wobei: Beim Anblick der Fläche ist eher davon auszugehen, dass auf dem Areal ein Radikalschnitt stattgefunden hat. Abschließend hat die Behörde den Fall zwar noch nicht bewertet. Aber: „Wenn es sich nach Prüfung des gesamten Vorgangs um eine Ordnungswidrigkeit handelt, wird diese auch entsprechend verfolgt werden.“ Dem Flächeneigentümer droht also eine Anzeige und damit auch eine Geldbuße. Immer wieder hat es zuletzt Baumfällungen in Porta Westfalica gegeben, die in geschützte Bereiche eingegriffen haben. So etwa auf einem seit mehr als 25 Jahren eingetragenen Naturdenkmal im Kirchsiek in Hausberge, auf dem die seltene Grüne Nieswurz in Symbiose mit einem Baumbestand wuchs. Der Bestand der geschützten Pflanze wurde dabei fast vollständig zerstört, die Bäume sind komplett gerodet worden. Auch am Hohen Brink musste ein schützenswerter Baum weichen. Dort soll ein neues Baugebiet entstehen. Dabei hatte die Naturschutzbehörde den alten Baum bereits im Blick, um ihn unter Schutz zu stellen. Anwohner der Nachbargrundstücke kritisierten, dass dort Tatsachen geschaffen worden seien, bevor der Baum endgültig in die Liste der Naturdenkmäler im Mühlenkreis aufgenommen werden konnte. Welches Motiv im Barkhauser Fall zu den Fällungen geführt hat, ist bisher unklar. Auch der Umweltbeauftragte der Stadt Porta Westfalica, Dr. Albrecht von Lochow, hat sich das Grundstück bereits angesehen und zeigte sich in einer ersten Reaktion gegenüber dem MT entsetzt. Die weitere Klärung des Falls sei aber aufgrund des Schutzstatus' des Geländes Sache des Kreises als zuständige Behörde für solche Flächen. Der gesamte Uferbereich und die weiteren Flächen rund um die Weser in Porta Westfalica sind unter Schutz gestellt. Eingriffe in diese sensiblen Bereiche müssen immer mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Fällungen und Rückschnitte sogar erlaubt.