Lerbeck

Kurios: Eine Ampel in Lerbeck verführt zu Rotlichtverstößen

Thomas Lieske

Während die Geradeaus-Fahrer an dieser Ampel Rot haben, bekommen die Rechtsabbieger Grün. Das verleitet einige offenbar dazu, die Kreuzung bei Rot Richtung „Zur Porta“ zu überqueren. Nicht selten kracht es dabei. MT-Fotos: Thomas Lieske
Während die Geradeaus-Fahrer an dieser Ampel Rot haben, bekommen die Rechtsabbieger Grün. Das verleitet einige offenbar dazu, die Kreuzung bei Rot Richtung „Zur Porta“ zu überqueren. Nicht selten kracht es dabei. MT-Fotos: Thomas Lieske

Thomas Lieske

Porta Westfalica-Lerbeck. Der Pfeil für die Rechtsabbieger springt auf Grün. Für alle anderen gilt Rot. Trotzdem überquert ein Auto die Ampelkreuzung an der B482 in Lerbeck aus Neesen kommend geradeaus Richtung „Zur Porta“. Es kracht. Denn während die Rechtsabbieger schon auf die Bundesstraße fahren dürfen, hat auch der Querverkehr aus Richtung Hausberge noch Grün. So geschehen immer wieder in der Vergangenheit.

Auf der gegenüber liegenden Seite ist die Ampelschaltung eindeutiger für Autofahrer geregelt.
Auf der gegenüber liegenden Seite ist die Ampelschaltung eindeutiger für Autofahrer geregelt.

Am Donnerstagmorgen fahren gleich drei Autos geradeaus, obwohl sie eigentlich Rot haben. Nur durch ein scharfes Bremsmanöver eines Vorfahrtsberechtigten knallt es nicht. Szenen wie diese kennt Sven Johanning zur Genüge. Der Sprecher der Landesbehörde Straßen NRW, die für die Kreuzung zuständig ist, wundert sich allerdings über das Verhalten der Autofahrer. Eigentlich seien die Lichtzeichen klar – „für die Geradeausfahrer hat man die Lichter sogar noch vergrößert, für die Rechtsabbieger verkleinert“, erklärt Johanning im MT-Gespräch.

Und doch gibt es offenbar Handlungsbedarf. Um die Unfallzahlen weiter zu verringern, wird demnächst an dieser Kreuzung eine Testphase beginnen. „Wir werden demnächst das Rotlicht für die Abbieger wegnehmen und schauen, ob sich das auf das Unfallgeschehen auswirkt.“ Dafür werde eine Spezialfirma beauftragt. Wie lange das dauert, kann Johanning noch nicht abschätzen. Eine Ampel, die zu Rotlichtverstößen verführt – sie hat in den vergangenen Tagen und Wochen für reichlich Diskussion in politischen Ausschüssen gesorgt.

Verwunderung auch bei Portaner Polizisten. „Im Normalfall wären diese Autofahrer, die bei Grün für Rechtsabbieger über Rot geradeaus fahren, alle ihren Führerschein los“, weiß Klaus Scholz (CDU). Er ist selbst Polizist und kennt die Stelle nur zu gut. Ab einer Sekunde Übertretung gibt es an einer roten Ampel nicht nur Führerscheinentzug, sondern auch Punkte in Flensburg und ein ordentliches Bußgeld. Scholz als Stadtratsmitglied war es auch, der zuletzt immer wieder nachgehakt hat, wann an dieser Stelle etwas passiert.

Das soll demnächst ja nun geschehen. Die komplette Lichtzeichenanlage für die Rechtsabbieger wegzunehmen, sei allerdings aus Johannings Sicht nicht die beste Lösung. „Der Druck für die Rechtsabbieger aus Neesen kommend ist schon ziemlich hoch. Die wollen alle in Richtung Autobahn 2 fahren.“ Mit der zusätzlichen Abbiegerampel könne das Verkehrsaufkommen in diese Richtung besser gesteuert werden. Zumindest in der Theorie. Warum einige Autofahrer in der Praxis anders agieren, erschließe sich ihm auch nicht, sagt Johanning.

Jetzt bleibe aber erst einmal das Experiment abzuwarten, sagt Johanning. Die Verkehrsunfallkommission, die auch schon an allen anderen Entscheidungen zu dieser Ampel beteiligt war, wird das Geschehen weiter im Blick behalten und auswerten. Und muss, falls auch das Abbauen des Rotlichts nichts bringt, noch einmal kreativ werden.

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LerbeckKurios: Eine Ampel in Lerbeck verführt zu RotlichtverstößenThomas LieskeThomas Lieske Porta Westfalica-Lerbeck. Der Pfeil für die Rechtsabbieger springt auf Grün. Für alle anderen gilt Rot. Trotzdem überquert ein Auto die Ampelkreuzung an der B482 in Lerbeck aus Neesen kommend geradeaus Richtung „Zur Porta“. Es kracht. Denn während die Rechtsabbieger schon auf die Bundesstraße fahren dürfen, hat auch der Querverkehr aus Richtung Hausberge noch Grün. So geschehen immer wieder in der Vergangenheit. Am Donnerstagmorgen fahren gleich drei Autos geradeaus, obwohl sie eigentlich Rot haben. Nur durch ein scharfes Bremsmanöver eines Vorfahrtsberechtigten knallt es nicht. Szenen wie diese kennt Sven Johanning zur Genüge. Der Sprecher der Landesbehörde Straßen NRW, die für die Kreuzung zuständig ist, wundert sich allerdings über das Verhalten der Autofahrer. Eigentlich seien die Lichtzeichen klar – „für die Geradeausfahrer hat man die Lichter sogar noch vergrößert, für die Rechtsabbieger verkleinert“, erklärt Johanning im MT-Gespräch. Und doch gibt es offenbar Handlungsbedarf. Um die Unfallzahlen weiter zu verringern, wird demnächst an dieser Kreuzung eine Testphase beginnen. „Wir werden demnächst das Rotlicht für die Abbieger wegnehmen und schauen, ob sich das auf das Unfallgeschehen auswirkt.“ Dafür werde eine Spezialfirma beauftragt. Wie lange das dauert, kann Johanning noch nicht abschätzen. Eine Ampel, die zu Rotlichtverstößen verführt – sie hat in den vergangenen Tagen und Wochen für reichlich Diskussion in politischen Ausschüssen gesorgt. Verwunderung auch bei Portaner Polizisten. „Im Normalfall wären diese Autofahrer, die bei Grün für Rechtsabbieger über Rot geradeaus fahren, alle ihren Führerschein los“, weiß Klaus Scholz (CDU). Er ist selbst Polizist und kennt die Stelle nur zu gut. Ab einer Sekunde Übertretung gibt es an einer roten Ampel nicht nur Führerscheinentzug, sondern auch Punkte in Flensburg und ein ordentliches Bußgeld. Scholz als Stadtratsmitglied war es auch, der zuletzt immer wieder nachgehakt hat, wann an dieser Stelle etwas passiert. Das soll demnächst ja nun geschehen. Die komplette Lichtzeichenanlage für die Rechtsabbieger wegzunehmen, sei allerdings aus Johannings Sicht nicht die beste Lösung. „Der Druck für die Rechtsabbieger aus Neesen kommend ist schon ziemlich hoch. Die wollen alle in Richtung Autobahn 2 fahren.“ Mit der zusätzlichen Abbiegerampel könne das Verkehrsaufkommen in diese Richtung besser gesteuert werden. Zumindest in der Theorie. Warum einige Autofahrer in der Praxis anders agieren, erschließe sich ihm auch nicht, sagt Johanning. Jetzt bleibe aber erst einmal das Experiment abzuwarten, sagt Johanning. Die Verkehrsunfallkommission, die auch schon an allen anderen Entscheidungen zu dieser Ampel beteiligt war, wird das Geschehen weiter im Blick behalten und auswerten. Und muss, falls auch das Abbauen des Rotlichts nichts bringt, noch einmal kreativ werden.