Bückeburg/Porta Westfalica

AfD-Millionenspender tüftelte in Lerbeck an Klospülungen und wurde reich

Dirk Haunhorst und Jakob Gokl

Rainer Strangfeld verdiente mit Patenten Millionen. Er arbeitete in Lerbeck für DAL, heute Grohe. - © Foto: MT
Rainer Strangfeld verdiente mit Patenten Millionen. Er arbeitete in Lerbeck für DAL, heute Grohe. (© Foto: MT)

Bückeburg/Porta Westfalica. Ein zurückgezogener, im Alter vielleicht einsamer Mann soll jener Bückeburger gewesen sein, der etwa 7,3 Millionen Euro an die AfD vererbt hat (MT berichtete). Seine Nachbarn sagen, sie hätten zwar teilweise 20 Jahre Tür an Tür gelebt, Reiner Strangfeld aber kaum zu Gesicht bekommen. „Besuch hatte er eigentlich nie“, sagte eine Frau. Er sei nicht aufgefallen, „niemand wusste, dass er so reich ist“, betont sie. Strangfelds Wohnung in der Bückeburger Innenstadt ist nicht auffallend luxuriös. Sie steht seit seinem Tod leer.

Im Juli 2018 hatte der damals 79-jährige sich öffentlich im Bereich Hasengarten verbrannt. Feuerwehr und Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Die Staatsanwaltschaft in Bückeburg erklärte auf Anfrage: „Es gab im Juli 2018 ein Todesermittlungsverfahren, dieses hat keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden ergeben.“

Der Nachlass des Mannes sei von der Polizei gesichert worden. Dabei hätten die Beamten „ein Schriftstück im Wohnhaus gefunden, das dem Nachlassgericht übergeben wurde“. Das Gericht habe dann die rechtlichen Details des Erbfalls geprüft. Das Vermögen soll aus Immobilien, Goldmünzen und Goldbarren bestehen.

Zu Gerüchten, der Ingenieur habe seine Münzen und Goldbarren nicht bei der Bank aufbewahrt, sondern versteckt, sagte der stellvertretende AfD-Bundesschatzmeister Carsten Hütter: „Ich habe den Eindruck, dass es sich um einen Menschen handelt, der seine Sachen selbst verwaltet hat.“

Von dem Testament des Bückeburgers hatten in der AfD zunächst nur wenige Funktionäre gewusst, sagte Hütter. Er selbst habe beispielsweise erst vor etwa fünf Wochen erfahren, dass der Nachlassgeber durch Suizid aus dem Leben geschieden sei. Der Ingenieur sei der AfD in Niedersachsen nicht als Sympathisant der Partei bekannt gewesen. Der AfD-Kreisverband Nienburg-Schaumburg dürfte von der Erbschaft, die an die Bundespartei ging, nicht direkt profitieren, war aus der Partei zu hören.

Strangfeld war in den siebziger und achtziger Jahren als Ingenieur für den Armaturenhersteller DAL Georg Rost & Söhne in Lerbeck tätig. Beim Deutschen Patent- und Markenamt ist er als Erfinder bei 106 Patenten und Anmeldungen eingetragen, meist wird Rost und Söhne als Inhaber und Anmelder genannt.

Strangfeld habe im Labor gearbeitet, berichten frühere Mitarbeiter. Erfunden hat er unter anderem Klosettdruckspüler und Selbstschlussventile für Klospülungen. Das machte ihn offenbar reich. Es sei Usus, so Mitarbeiter, dass bei Erfindungen und Patenten, die im Unternehmen gemacht und angemeldet würden, noch jährliche Zahlungen an die Mitarbeiter gegangen seien, auch nach deren Ausscheiden. Aufgrund der schieren Masse an mit Strangfelds Technik ausgerüsteten Klospülungen könne auch bei einer Beteiligung im Promillebereich ein Vermögen herauskommen.

Ein Zusammentreffen der besonderen Art mit Reiner Strangfeld hatte Kurt Baberske, der zwischen 1987 bis Mitte der neunziger Jahre für Rost und Söhne arbeitete. „Das werde ich nie vergessen, das war schließlich mein erster Arbeitstag in Lerbeck“, berichtete der Portaner CDU-Fraktionschef gestern auf MT-Anfrage. 15. Oktober 1987, Kurt Baberske fährt mit seinem Polo von Minden nach Lerbeck. Am Ende des Kirchwegs muss er halten, um Autos Vorfahrt zu gewähren. Der Fahrer hinter ihm bemerkt das zu spät und fährt auf – nichts Gravierendes. Baberske steigt aus, ist sauer. „Ausgerechnet an meinem ersten Arbeitstag“, denkt er. An den Autos ist kein nennenswerter Schaden zu entdecken. Der Mann bietet 50 Mark an, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Baberske nimmt das Geld und fährt zum Werk. Dort folgt die Überraschung. Er sieht den Mann auf dem Betriebsgelände und erfährt, dass es Reiner Strangfeld ist. Wenig später kommen sie kurz ins Gespräch. Baberske erklärt, dass er eben erst seine Arbeitsstelle angetreten hat. „Sie fangen an und ich höre bald auf“, so sinngemäß Strangfelds Kommentar. Dann sagte er noch, dass er wohl nichts bezahlt hätte, wenn er gewusst hätte, dass der Neue und er in der derselben Firma arbeiten. „Danach hatten wir nichts mehr miteinander zu tun. Ich habe ihn auch, glaube ich, nicht mehr gesehen.“ In einem Handelsregistereintrag vom Oktober 1988 zu Rost & Söhne steht: „Die Prokura Reiner Strangfeld ist erloschen.“

Auch in der Grohe-Zentrale in Düsseldorf erfuhr man gestern, dass der AfD-Millionenspender einst für Rost & Söhne gearbeitet hatte. „Die private Spende hat nichts mit unserem Unternehmen zu tun“, sagte eine Sprecherin. Die Wege der Vorgängerfirma und des Mitarbeiters hätten sich ja vor vielen Jahren getrennt.

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Bückeburg/Porta WestfalicaAfD-Millionenspender tüftelte in Lerbeck an Klospülungen und wurde reichJakob Gokl,Dirk HaunhorstBückeburg/Porta Westfalica. Ein zurückgezogener, im Alter vielleicht einsamer Mann soll jener Bückeburger gewesen sein, der etwa 7,3 Millionen Euro an die AfD vererbt hat (MT berichtete). Seine Nachbarn sagen, sie hätten zwar teilweise 20 Jahre Tür an Tür gelebt, Reiner Strangfeld aber kaum zu Gesicht bekommen. „Besuch hatte er eigentlich nie“, sagte eine Frau. Er sei nicht aufgefallen, „niemand wusste, dass er so reich ist“, betont sie. Strangfelds Wohnung in der Bückeburger Innenstadt ist nicht auffallend luxuriös. Sie steht seit seinem Tod leer. Im Juli 2018 hatte der damals 79-jährige sich öffentlich im Bereich Hasengarten verbrannt. Feuerwehr und Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Die Staatsanwaltschaft in Bückeburg erklärte auf Anfrage: „Es gab im Juli 2018 ein Todesermittlungsverfahren, dieses hat keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden ergeben.“ Der Nachlass des Mannes sei von der Polizei gesichert worden. Dabei hätten die Beamten „ein Schriftstück im Wohnhaus gefunden, das dem Nachlassgericht übergeben wurde“. Das Gericht habe dann die rechtlichen Details des Erbfalls geprüft. Das Vermögen soll aus Immobilien, Goldmünzen und Goldbarren bestehen. Zu Gerüchten, der Ingenieur habe seine Münzen und Goldbarren nicht bei der Bank aufbewahrt, sondern versteckt, sagte der stellvertretende AfD-Bundesschatzmeister Carsten Hütter: „Ich habe den Eindruck, dass es sich um einen Menschen handelt, der seine Sachen selbst verwaltet hat.“ Von dem Testament des Bückeburgers hatten in der AfD zunächst nur wenige Funktionäre gewusst, sagte Hütter. Er selbst habe beispielsweise erst vor etwa fünf Wochen erfahren, dass der Nachlassgeber durch Suizid aus dem Leben geschieden sei. Der Ingenieur sei der AfD in Niedersachsen nicht als Sympathisant der Partei bekannt gewesen. Der AfD-Kreisverband Nienburg-Schaumburg dürfte von der Erbschaft, die an die Bundespartei ging, nicht direkt profitieren, war aus der Partei zu hören. Strangfeld war in den siebziger und achtziger Jahren als Ingenieur für den Armaturenhersteller DAL Georg Rost & Söhne in Lerbeck tätig. Beim Deutschen Patent- und Markenamt ist er als Erfinder bei 106 Patenten und Anmeldungen eingetragen, meist wird Rost und Söhne als Inhaber und Anmelder genannt. Strangfeld habe im Labor gearbeitet, berichten frühere Mitarbeiter. Erfunden hat er unter anderem Klosettdruckspüler und Selbstschlussventile für Klospülungen. Das machte ihn offenbar reich. Es sei Usus, so Mitarbeiter, dass bei Erfindungen und Patenten, die im Unternehmen gemacht und angemeldet würden, noch jährliche Zahlungen an die Mitarbeiter gegangen seien, auch nach deren Ausscheiden. Aufgrund der schieren Masse an mit Strangfelds Technik ausgerüsteten Klospülungen könne auch bei einer Beteiligung im Promillebereich ein Vermögen herauskommen. Ein Zusammentreffen der besonderen Art mit Reiner Strangfeld hatte Kurt Baberske, der zwischen 1987 bis Mitte der neunziger Jahre für Rost und Söhne arbeitete. „Das werde ich nie vergessen, das war schließlich mein erster Arbeitstag in Lerbeck“, berichtete der Portaner CDU-Fraktionschef gestern auf MT-Anfrage. 15. Oktober 1987, Kurt Baberske fährt mit seinem Polo von Minden nach Lerbeck. Am Ende des Kirchwegs muss er halten, um Autos Vorfahrt zu gewähren. Der Fahrer hinter ihm bemerkt das zu spät und fährt auf – nichts Gravierendes. Baberske steigt aus, ist sauer. „Ausgerechnet an meinem ersten Arbeitstag“, denkt er. An den Autos ist kein nennenswerter Schaden zu entdecken. Der Mann bietet 50 Mark an, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Baberske nimmt das Geld und fährt zum Werk. Dort folgt die Überraschung. Er sieht den Mann auf dem Betriebsgelände und erfährt, dass es Reiner Strangfeld ist. Wenig später kommen sie kurz ins Gespräch. Baberske erklärt, dass er eben erst seine Arbeitsstelle angetreten hat. „Sie fangen an und ich höre bald auf“, so sinngemäß Strangfelds Kommentar. Dann sagte er noch, dass er wohl nichts bezahlt hätte, wenn er gewusst hätte, dass der Neue und er in der derselben Firma arbeiten. „Danach hatten wir nichts mehr miteinander zu tun. Ich habe ihn auch, glaube ich, nicht mehr gesehen.“ In einem Handelsregistereintrag vom Oktober 1988 zu Rost & Söhne steht: „Die Prokura Reiner Strangfeld ist erloschen.“ Auch in der Grohe-Zentrale in Düsseldorf erfuhr man gestern, dass der AfD-Millionenspender einst für Rost & Söhne gearbeitet hatte. „Die private Spende hat nichts mit unserem Unternehmen zu tun“, sagte eine Sprecherin. Die Wege der Vorgängerfirma und des Mitarbeiters hätten sich ja vor vielen Jahren getrennt.