Holzhausen

Ab in die Ruine: Student Marlon Roth will das Gut Oheimb neu in Szene setzen

Thomas Lieske

Marlon Roth will das heruntergekommene Gut Oheimb neu in Szene setzen. Für dieses Kunstprojekt sucht der junge Student aus Holzhausen nun Zeitzeugen. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Marlon Roth will das heruntergekommene Gut Oheimb neu in Szene setzen. Für dieses Kunstprojekt sucht der junge Student aus Holzhausen nun Zeitzeugen. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Holzhausen. Der Putz blättert ab, Fensterscheiben gibt es schon lange nicht mehr. Spanplatten verdecken in vielen Öffnungen den Blick nach innen. Davon dass hier einmal Verletzte nach dem Zweiten Weltkrieg behandelt wurden, Mütter und Kinder zusammen eine Kur machten oder Asylbewerber untergebracht waren, ist heute nichts mehr zu erahnen. Keine Frage: Das Gut Oheimb in Holzhausen hat die besten Tage als prachtvolles Gutshaus längst hinter sich.

Für Marlon Roth liegt genau darin aber der Reiz. Der 23-jährige Holzhauser ist Student an der Uni Bielefeld - Kunst auf Grundschullehramt – und hat Großes vor mit dem alten Gut. Mit einem Kunstprojekt will er dem Gebäude, das 2018 den Besitzer gewechselt hat, mit einem ästhetischen Forschungsprojekt zu neuem Glanz verhelfen. Für diese ungewöhnliche Studienarbeit sucht Roth nun Zeitzeugen. „Ich hoffe, dass ich einige Menschen finde, die hier mal gearbeitet haben oder eine Kur gemacht haben“, erzählt Marlon Roth.

In einem selbst gestalteten Werkstattbuch hält der Student den Fortschritt des Projekts fest. - © Foto: Marlon Roth/pr
In einem selbst gestalteten Werkstattbuch hält der Student den Fortschritt des Projekts fest. (© Foto: Marlon Roth/pr)

Seine Recherchen sind in vollem Gang, zwei potenzielle Zeitzeugen hat er bereits gefunden – unter anderem einen alten Hausmeister. Derzeit versucht er, über Infos von Holzhausern, alte Postkarten, Fotos und vor allem soziale Netzwerke wie Facebook, weitere Menschen zu finden, die er in sein Projekt einbinden kann. Die Idee: „Ich möchte mit den Leuten über ihre Geschichte ins Gespräch kommen, die sie persönlich mit Gut Oheimb verbinden. Meine Hoffnung ist, dass in diesen Erinnerungen Orte in dem Haus vorkommen, die heute noch zu erkennen sind“, sagt Roth. Diese Orte in dem Gutshaus will er dann fotografieren und den Interviews gegenüberstellen.

Außerdem hofft er, in dem Gebäude, für das er sich beim Besitzer eine Betretungserlaubnis geholt hat, Überbleibsel aus alten Zeiten zu finden – vielleicht einen Verbandskasten oder andere Gegenstände. „Sie könnten die Brücke bilden zwischen der erzählten Erinnerung und dem heutigen Zustand.“ Auf die Suche in dem Haus freut er sich schon jetzt. Alles was er herausfindet, hält er in einem selbstgebastelten Werkstattbuch fest. Auch Ideen, Telefonnummern, Skizzen.

Marlon Roth selbst hat als gebürtiger Holzhauser kaum Erinnerungen an das markante Gebäude. „Es war eigentlich immer leer“, sagt er. „Mal wucherte das Gelände zu, dann wurde es wieder freigeschnitten.“ Nur an den Abriss alter Scheunen auf dem Hof kann er sich noch erinnern. Gereizt habe ihn das Gut aber schon immer. Deshalb hofft er, dass er seine Idee nun mit Inhalten füllen kann. Doch die Zeit drängt. Im April will er fertig sein, um das Ergebnis dann in einer Art Ausstellung in der Uni zu präsentieren. Ein straffer Zeitplan, denn noch hat er kaum Zeitzeugen zusammen.

Wer mit dem Ort eine persönliche Erinnerung verbindet, Erinnerungsstücke an die aktive Zeit des Gutshauses oder Fotos hat, kann sich bei dem Studenten melden. Er ist erreichbar unter Telefon (01 52) 31 838 149.

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HolzhausenAb in die Ruine: Student Marlon Roth will das Gut Oheimb neu in Szene setzenThomas LieskePorta Westfalica-Holzhausen. Der Putz blättert ab, Fensterscheiben gibt es schon lange nicht mehr. Spanplatten verdecken in vielen Öffnungen den Blick nach innen. Davon dass hier einmal Verletzte nach dem Zweiten Weltkrieg behandelt wurden, Mütter und Kinder zusammen eine Kur machten oder Asylbewerber untergebracht waren, ist heute nichts mehr zu erahnen. Keine Frage: Das Gut Oheimb in Holzhausen hat die besten Tage als prachtvolles Gutshaus längst hinter sich. Für Marlon Roth liegt genau darin aber der Reiz. Der 23-jährige Holzhauser ist Student an der Uni Bielefeld - Kunst auf Grundschullehramt – und hat Großes vor mit dem alten Gut. Mit einem Kunstprojekt will er dem Gebäude, das 2018 den Besitzer gewechselt hat, mit einem ästhetischen Forschungsprojekt zu neuem Glanz verhelfen. Für diese ungewöhnliche Studienarbeit sucht Roth nun Zeitzeugen. „Ich hoffe, dass ich einige Menschen finde, die hier mal gearbeitet haben oder eine Kur gemacht haben“, erzählt Marlon Roth. Seine Recherchen sind in vollem Gang, zwei potenzielle Zeitzeugen hat er bereits gefunden – unter anderem einen alten Hausmeister. Derzeit versucht er, über Infos von Holzhausern, alte Postkarten, Fotos und vor allem soziale Netzwerke wie Facebook, weitere Menschen zu finden, die er in sein Projekt einbinden kann. Die Idee: „Ich möchte mit den Leuten über ihre Geschichte ins Gespräch kommen, die sie persönlich mit Gut Oheimb verbinden. Meine Hoffnung ist, dass in diesen Erinnerungen Orte in dem Haus vorkommen, die heute noch zu erkennen sind“, sagt Roth. Diese Orte in dem Gutshaus will er dann fotografieren und den Interviews gegenüberstellen. Außerdem hofft er, in dem Gebäude, für das er sich beim Besitzer eine Betretungserlaubnis geholt hat, Überbleibsel aus alten Zeiten zu finden – vielleicht einen Verbandskasten oder andere Gegenstände. „Sie könnten die Brücke bilden zwischen der erzählten Erinnerung und dem heutigen Zustand.“ Auf die Suche in dem Haus freut er sich schon jetzt. Alles was er herausfindet, hält er in einem selbstgebastelten Werkstattbuch fest. Auch Ideen, Telefonnummern, Skizzen. Marlon Roth selbst hat als gebürtiger Holzhauser kaum Erinnerungen an das markante Gebäude. „Es war eigentlich immer leer“, sagt er. „Mal wucherte das Gelände zu, dann wurde es wieder freigeschnitten.“ Nur an den Abriss alter Scheunen auf dem Hof kann er sich noch erinnern. Gereizt habe ihn das Gut aber schon immer. Deshalb hofft er, dass er seine Idee nun mit Inhalten füllen kann. Doch die Zeit drängt. Im April will er fertig sein, um das Ergebnis dann in einer Art Ausstellung in der Uni zu präsentieren. Ein straffer Zeitplan, denn noch hat er kaum Zeitzeugen zusammen. Wer mit dem Ort eine persönliche Erinnerung verbindet, Erinnerungsstücke an die aktive Zeit des Gutshauses oder Fotos hat, kann sich bei dem Studenten melden. Er ist erreichbar unter Telefon (01 52) 31 838 149.