Waidmannsheil und Halali: Lernen für den Jagdschein Christine Riechmann Porta Westfalica-Hausberge. Aufgeregt fegt die kleine Fenra zwischen den Tischen und Stühlen in der Jagdschule am Wiehen umher. Der Westfalen-Terrier interessiert sich weder für die Europäische noch für die Afrikanische Schweinepest. Der Hund hat nur sein Spielzeug im Blick und freut sich über jeden Zweibeiner, der den Ball wirft. Das passiert allerdings nicht allzu häufig, denn die meisten Anwesenden im Raum müssen sich sehr wohl für die Schweinepest interessieren. Sie gehört zum Lehrstoff für den Jagdschein, für den die elf Männer und fünf Frauen pauken. Den wunderschönen Ausblick über die Porta Westfalica und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Rücken, sind ihre Blicke konzentriert auf den Mann am Beamer gerichtet. Roland Bartel spricht über die Tücken der Schweinepest. „Vor der haben wir alle Schiss“, sagt der Jäger. Seit 1996 betreibt er die Jagdschule und unterrichtet gemeinsam mit zwei Kollegen angehende Jäger und führt sie zum „Grünen Abitur“, wie der Jagdschein auch genannt wird. Sechs Kurse, die inklusive Prüfung jeweils über drei Wochen laufen, bietet die Jagdschule am Wiehen im Jahr an. Die Schüler kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, in der näheren Umgebung ist die Schule in Porta Westfalica die einzige. Die nächste liegt in Osnabrück. Laut einer Pressemeldung des Deutschen Jagdverbandes gibt es immer mehr Jäger in Deutschland. 388.529 Menschen hätten im Jahr 2019 einen Jagdschein gelöst – 4.100 mehr als im Vorjahr. Bezogen auf das Jahr 1990, gäbe es damit heute ein Viertel mehr Jägerinnen und Jäger. Auch Roland Bartel stellt in seiner Schule eine steigende Tendenz fest. „Es werden immer mehr“. Und trotzdem werde es auch die Kritik aus der Gesellschaft am Jagen immer geben, ist Bartel überzeugt. Tiere töten habe nun mal einen negativen Touch. Aber seiner Meinung nach wachse das Interesse der Menschen an der Natur. Darüber wollten viele mehr wissen und Zusammenhänge begreifen. Die Jägerausbildung sei eine Rundumausbildung, ein großer Bereich sei der Naturschutz. Zur Jagdschule am Wiehen kommen Menschen aus jeder gesellschaftlichen Schicht. Das Vorurteil, dass Jäger alles „alte Geldsäcke“ seien, stimme nicht. Seine Schüler seien im Durchschnitt 30 Jahre alt und würden ihren Jahresurlaub nehmen, um den Jagdschein, der etwa 2.500 Euro kostet, zu machen. „Die haben wirkliches Interesse“. Zehn bis zwölf Stunden an sieben Tagen die Woche büffeln die zukünftigen Jäger im Unterricht für die Prüfung. Eine von ihnen ist die 23-jährige Alexandra aus Schleswig Holstein. Sie ist wegen der kleinen Kurse und der tollen Beratung am Telefon nach Porta Westfalica gekommen. Während des Seminars wohnt sie in der zur Schule gehörenden Unterkunft – Vollpension inklusive. „Eigentlich war nicht die Frage, ob ich einen Jagdschein mache, sondern nur wann“, berichtet sie. Ihr Vater ist Jäger, ihr Onkel, ihre Tante und auch viele Freunde. Ihre Familie besitzt ein eigenes Jagdrevier und sie ist von klein auf damit aufgewachsen. „In unserer eigenen Wildaufzucht habe ich kleinen Rehen die Flasche gegeben“, erinnert sie sich. Sie wolle nicht Jägerin werden, um Tiere zu töten – die isst sie nämlich nicht mal. Alexandra ist seit einigen Jahren Vegetarierin. In dieser Runde, zwischen all den Jägern – ist ihr das ein bisschen unangenehm. Sie erzählt es ganz leise, möchte niemandem auf die Füße treten. Aufgehört Fleisch zu essen hat sie, weil ihr die Massentierhaltung nicht gefällt. Jägerin möchte sie werden, weil es ihr um die Hege, den Naturschutz geht. In der Ausbildung lerne man unheimlich viel über Pflanzen und Tiere. Auch Gian-Cedric Kromer aus Hille geht es nicht darum, Tiere tot zu schießen, sondern um die Natur. Für den ausgebildeten Landwirt und Agrarstudenten passt das Jagen gut zu seiner beruflichen Ausrichtung. „Ich bin einfach gern in der Natur“, beschreibt er seine Motivation. Die Hauptarbeit eines Jägers sieht er entgegen aller Klischees in der Hege, in den Schutzmaßnahmen für das Wild. Obwohl Gian-Cedric Kromer, der in seiner Freizeit Handball spielt, schon bei einigen Gesellschaftsjagden als Treiber dabei war, kommt er nicht aus einem typischen Jagdumfeld. Ihm sei durchaus bewusst, dass er zu sehr wenigen Menschen in Deutschland zählt, die eine Waffe benutzen dürfen. „Natürlich hat man da Respekt.“ Den wünscht er sich auch der Jägerschaft gegenüber. „Viele Klischees resultieren aus Unwissenheit“, meint der 21-Jährige. Und so möchte auch Roland Bartel mit einem, wie er sagt, „Vorurteil“ aufräumen: „Es stimmt nicht, dass die Tiere unter Stress sterben. Das meiste Wild wird vom Hochsitz aus geschossen. Das ist ein ganz ruhiger Tod.“

Waidmannsheil und Halali: Lernen für den Jagdschein

Porta Westfalica-Hausberge. Aufgeregt fegt die kleine Fenra zwischen den Tischen und Stühlen in der Jagdschule am Wiehen umher. Der Westfalen-Terrier interessiert sich weder für die Europäische noch für die Afrikanische Schweinepest. Der Hund hat nur sein Spielzeug im Blick und freut sich über jeden Zweibeiner, der den Ball wirft. Das passiert allerdings nicht allzu häufig, denn die meisten Anwesenden im Raum müssen sich sehr wohl für die Schweinepest interessieren. Sie gehört zum Lehrstoff für den Jagdschein, für den die elf Männer und fünf Frauen pauken.

Jäger Roland Bartel mit seinem Hund Fenra.

MT- - © Foto: Christine Riechmann
Jäger Roland Bartel mit seinem Hund Fenra.
MT- - © Foto: Christine Riechmann

Den wunderschönen Ausblick über die Porta Westfalica und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Rücken, sind ihre Blicke konzentriert auf den Mann am Beamer gerichtet. Roland Bartel spricht über die Tücken der Schweinepest. „Vor der haben wir alle Schiss“, sagt der Jäger.

Seit 1996 betreibt er die Jagdschule und unterrichtet gemeinsam mit zwei Kollegen angehende Jäger und führt sie zum „Grünen Abitur“, wie der Jagdschein auch genannt wird. Sechs Kurse, die inklusive Prüfung jeweils über drei Wochen laufen, bietet die Jagdschule am Wiehen im Jahr an. Die Schüler kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, in der näheren Umgebung ist die Schule in Porta Westfalica die einzige. Die nächste liegt in Osnabrück.

Laut einer Pressemeldung des Deutschen Jagdverbandes gibt es immer mehr Jäger in Deutschland. 388.529 Menschen hätten im Jahr 2019 einen Jagdschein gelöst – 4.100 mehr als im Vorjahr. Bezogen auf das Jahr 1990, gäbe es damit heute ein Viertel mehr Jägerinnen und Jäger. Auch Roland Bartel stellt in seiner Schule eine steigende Tendenz fest. „Es werden immer mehr“.

Und trotzdem werde es auch die Kritik aus der Gesellschaft am Jagen immer geben, ist Bartel überzeugt. Tiere töten habe nun mal einen negativen Touch. Aber seiner Meinung nach wachse das Interesse der Menschen an der Natur. Darüber wollten viele mehr wissen und Zusammenhänge begreifen. Die Jägerausbildung sei eine Rundumausbildung, ein großer Bereich sei der Naturschutz.

Zur Jagdschule am Wiehen kommen Menschen aus jeder gesellschaftlichen Schicht. Das Vorurteil, dass Jäger alles „alte Geldsäcke“ seien, stimme nicht. Seine Schüler seien im Durchschnitt 30 Jahre alt und würden ihren Jahresurlaub nehmen, um den Jagdschein, der etwa 2.500 Euro kostet, zu machen. „Die haben wirkliches Interesse“. Zehn bis zwölf Stunden an sieben Tagen die Woche büffeln die zukünftigen Jäger im Unterricht für die Prüfung.

Eine von ihnen ist die 23-jährige Alexandra aus Schleswig Holstein. Sie ist wegen der kleinen Kurse und der tollen Beratung am Telefon nach Porta Westfalica gekommen. Während des Seminars wohnt sie in der zur Schule gehörenden Unterkunft – Vollpension inklusive. „Eigentlich war nicht die Frage, ob ich einen Jagdschein mache, sondern nur wann“, berichtet sie. Ihr Vater ist Jäger, ihr Onkel, ihre Tante und auch viele Freunde. Ihre Familie besitzt ein eigenes Jagdrevier und sie ist von klein auf damit aufgewachsen. „In unserer eigenen Wildaufzucht habe ich kleinen Rehen die Flasche gegeben“, erinnert sie sich. Sie wolle nicht Jägerin werden, um Tiere zu töten – die isst sie nämlich nicht mal. Alexandra ist seit einigen Jahren Vegetarierin. In dieser Runde, zwischen all den Jägern – ist ihr das ein bisschen unangenehm. Sie erzählt es ganz leise, möchte niemandem auf die Füße treten. Aufgehört Fleisch zu essen hat sie, weil ihr die Massentierhaltung nicht gefällt. Jägerin möchte sie werden, weil es ihr um die Hege, den Naturschutz geht. In der Ausbildung lerne man unheimlich viel über Pflanzen und Tiere.

Auch Gian-Cedric Kromer aus Hille geht es nicht darum, Tiere tot zu schießen, sondern um die Natur. Für den ausgebildeten Landwirt und Agrarstudenten passt das Jagen gut zu seiner beruflichen Ausrichtung. „Ich bin einfach gern in der Natur“, beschreibt er seine Motivation. Die Hauptarbeit eines Jägers sieht er entgegen aller Klischees in der Hege, in den Schutzmaßnahmen für das Wild. Obwohl Gian-Cedric Kromer, der in seiner Freizeit Handball spielt, schon bei einigen Gesellschaftsjagden als Treiber dabei war, kommt er nicht aus einem typischen Jagdumfeld. Ihm sei durchaus bewusst, dass er zu sehr wenigen Menschen in Deutschland zählt, die eine Waffe benutzen dürfen. „Natürlich hat man da Respekt.“

Den wünscht er sich auch der Jägerschaft gegenüber. „Viele Klischees resultieren aus Unwissenheit“, meint der 21-Jährige. Und so möchte auch Roland Bartel mit einem, wie er sagt, „Vorurteil“ aufräumen: „Es stimmt nicht, dass die Tiere unter Stress sterben. Das meiste Wild wird vom Hochsitz aus geschossen. Das ist ein ganz ruhiger Tod.“

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