Konfirmanden erinnern in Kleinenbremen an die Befreiung aus dem Holocaust Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Jana ist 14 und Konfirmandin in Kleinenbremen. Vor der Brust hält sie an diesem Sonntagvormittag ein Transparent mit Bildern aus dem Warschauer Ghetto. „Ich wünsche mir, dass so etwas nie wieder passiert“, steht darauf. „Ich hätte vor Angst nicht mehr schlafen können“, versetzt sich eine andere Jana (13), ebenfalls Konfirmandin, im Gespräch in die Lage von jüdischen Opfern. „Sie haben nichts getan.“ Heute vor 75 Jahren haben Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreit, das zum Synonym für den Holocaust geworden ist. Seit 1996 ist dieser 27. Januar bundesweiter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit zwei Jahren steht vor der Kleinenbremer Kirche eine Stele aus Sandstein, die an alle NS-Opfer aus dem Dorf erinnert. Bereits gestern – einen Tag früher – hat es dort zum dritten Mal eine Feier der Kirchengemeinde zum Gedenktag gegeben, unterstützt vom Heimatverein Kleinenbremen. „Dieser Tag steht für etwas, das wir manchmal ausklammern und verdrängen wollen, aber nicht vergessen sollten“, sagt Pfarrer Ekkehard Karottki. „Wir haben nicht die Schuld, aber wir haben die Scham. Und die sollten wir uns bewahren.“ Das Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland und Europa macht auch Konfirmanden Sorgen. Einige bekennen, Angst davor zu haben. „Wer andere Menschen mobbt, muss darauf hingewiesen werden“, meint Jana (14). „Man muss jeden Menschen integrieren. Es sind alles Menschen.“ Weil die letzten Zeitzeugen bald tot sein werden, sieht Niklas sich und andere junge Leute in der Verantwortung, künftig vor den Gefahren zu warnen. Die beiden Janas können sich ein Engagement für Kinder vorstellen, zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe. Auch in Kleinenbremen gab es zur Nazi-Zeit zwei jüdische Familien: Philippsohn und Tannenbaum. Neun dieser Menschen sind dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer gefallen, darunter der kleine Kurt Tannenbaum, ein Junge von sechs Jahren, verscharrt irgendwo im Osten. Ein Grab hat er nicht bekommen. Allein in Auschwitz wurden mehr als eine Million Menschen erschossen, zu Tode geschunden oder vergast. Andere sind verhungert, an Krankheiten gestorben oder aus Verzweiflung in den elektrischen Zaun gelaufen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der Tod hatte viele Gesichter in Auschwitz und anderen Orten des Massenmords. „Wer arbeiten konnte, durfte noch leben“, erinnert Niklas (13) an Selektionen an der Rampe, die SS-Ärzte wie der berüchtigte Dr. Josef Mengele vornahmen. Alte, Kranke und Kinder bis zu 14 Jahren werden meist sofort in die Gaskammern geschickt, wenn nicht gerade dringend Arbeitskräfte gebraucht wurden. „Die Konfirmanden mussten einige Bilder verkraften“, berichtet Pfarrer Karottki. In mehreren Unterrichtsstunden hatte Presbyter Hartmut Haselau die jungen Leute auf ihren Part bei die Gedenkfeier vorbereitet, wo sie kurze Texte vorlasen. „Sie sind sensibel und aufmerksam mit dem Thema umgegangen“, lobt er. Welche Auswüchse der Judenhass hatte, zeigt das üble Brettspiel „Juden raus“, an das ein Konfirmand erinnerte: „Wer es schaffte, sechs Juden aus ihren Häusern zu vertreiben und nach Palästina zu schicken, hatte gewonnen.“

Konfirmanden erinnern in Kleinenbremen an die Befreiung aus dem Holocaust

„So etwas sollte nie wieder passieren“: Zur Mahnung haben sich die Konfirmanden vor der Stele aufgestellt. Auf kleinen Plakaten haben sie Details zum Holocaust-Verbrechen erarbeitet. © Foto: Stefan Lyrath

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Jana ist 14 und Konfirmandin in Kleinenbremen. Vor der Brust hält sie an diesem Sonntagvormittag ein Transparent mit Bildern aus dem Warschauer Ghetto. „Ich wünsche mir, dass so etwas nie wieder passiert“, steht darauf. „Ich hätte vor Angst nicht mehr schlafen können“, versetzt sich eine andere Jana (13), ebenfalls Konfirmandin, im Gespräch in die Lage von jüdischen Opfern. „Sie haben nichts getan.“

Heute vor 75 Jahren haben Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreit, das zum Synonym für den Holocaust geworden ist. Seit 1996 ist dieser 27. Januar bundesweiter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit zwei Jahren steht vor der Kleinenbremer Kirche eine Stele aus Sandstein, die an alle NS-Opfer aus dem Dorf erinnert. Bereits gestern – einen Tag früher – hat es dort zum dritten Mal eine Feier der Kirchengemeinde zum Gedenktag gegeben, unterstützt vom Heimatverein Kleinenbremen.

„Dieser Tag steht für etwas, das wir manchmal ausklammern und verdrängen wollen, aber nicht vergessen sollten“, sagt Pfarrer Ekkehard Karottki. „Wir haben nicht die Schuld, aber wir haben die Scham. Und die sollten wir uns bewahren.“

Das Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland und Europa macht auch Konfirmanden Sorgen. Einige bekennen, Angst davor zu haben. „Wer andere Menschen mobbt, muss darauf hingewiesen werden“, meint Jana (14). „Man muss jeden Menschen integrieren. Es sind alles Menschen.“

Weil die letzten Zeitzeugen bald tot sein werden, sieht Niklas sich und andere junge Leute in der Verantwortung, künftig vor den Gefahren zu warnen. Die beiden Janas können sich ein Engagement für Kinder vorstellen, zum Beispiel in der Flüchtlingshilfe.

Auch in Kleinenbremen gab es zur Nazi-Zeit zwei jüdische Familien: Philippsohn und Tannenbaum. Neun dieser Menschen sind dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer gefallen, darunter der kleine Kurt Tannenbaum, ein Junge von sechs Jahren, verscharrt irgendwo im Osten. Ein Grab hat er nicht bekommen.

Allein in Auschwitz wurden mehr als eine Million Menschen erschossen, zu Tode geschunden oder vergast. Andere sind verhungert, an Krankheiten gestorben oder aus Verzweiflung in den elektrischen Zaun gelaufen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Der Tod hatte viele Gesichter in Auschwitz und anderen Orten des Massenmords. „Wer arbeiten konnte, durfte noch leben“, erinnert Niklas (13) an Selektionen an der Rampe, die SS-Ärzte wie der berüchtigte Dr. Josef Mengele vornahmen. Alte, Kranke und Kinder bis zu 14 Jahren werden meist sofort in die Gaskammern geschickt, wenn nicht gerade dringend Arbeitskräfte gebraucht wurden.

„Die Konfirmanden mussten einige Bilder verkraften“, berichtet Pfarrer Karottki. In mehreren Unterrichtsstunden hatte Presbyter Hartmut Haselau die jungen Leute auf ihren Part bei die Gedenkfeier vorbereitet, wo sie kurze Texte vorlasen. „Sie sind sensibel und aufmerksam mit dem Thema umgegangen“, lobt er.

Welche Auswüchse der Judenhass hatte, zeigt das üble Brettspiel „Juden raus“, an das ein Konfirmand erinnerte: „Wer es schaffte, sechs Juden aus ihren Häusern zu vertreiben und nach Palästina zu schicken, hatte gewonnen.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.