Porta Westfalica

ICE-Trasse entlang der A 2 hätte für Porta gravierende Folgen

Dirk Haunhorst

Fahren ICE der Deutschen Bahn bald nicht mehr durch die Porta Westfalica?. - © Foto: dpa
Fahren ICE der Deutschen Bahn bald nicht mehr durch die Porta Westfalica?. (© Foto: dpa)

Porta Westfalica (mt). Diskussionen über eine ICE-Strecke durch das Auetal haben in der niedersächsischen Nachbarschaft bereits zu Protesten geführt. In Porta Westfalica regt sich bislang wenig Widerstand, obwohl eine denkbare Trassenführung gleich mehrere Orte durchschneiden könnte. Politik und Verwaltung kündigen nun an, in Kürze über die hochumstrittenen Pläne informieren zu wollen.

„Der Neubau einer ICE-Schnellfahrstrecke durch einen großen Teil des Stadtgebietes von Porta Westfalica muss aus Sicht der Stadt unter allen Umständen verhindert werden“, teilte am Freitag Technischer Beigeordneter Stefan Mohme auf Anfrage mit. Die vorhandene Bahnstrecke Hannover-Minden solle aus Sicht der Stadt Porta Westfalica „verträglich und trassennah“ ausgebaut werden. Mohme verweist auf die „Nenndorfer Erklärung“, die außer Porta sechs weitere Kommunen unterzeichnet haben. Sie setzen sich ausdrücklich für einen Ausbau der existierenden Trasse ein. Der Beigeordnete kündigt an, am 3. Februar im Planungsausschuss über den Sachstand in Sachen Bahntrasse zu informieren.

Reinhard Fromme (SPD) will kurzfristig seine Fraktion für das brisante Thema sensibilisieren. „Wir wollen keine Zerschneidung der Landschaft durch neue Trassen“, sagt Fromme, der im Vorstand der Bigtab tätig ist. Die Abkürzung steht für Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn. Die Initiative gibt es bereits seit August 2002. Damals drohte der Bau einer neuen Trasse durchs Unternammerholz und die Bückeburger Niederung. Später machten sich Planer über einen Tunnel durch den Jakobsberg Gedanken (eine Variante, die noch nicht verworfen ist). Seit vorigem Jahr gibt es die Idee im Bundesverkehrsministerium, die Fahrzeit zwischen Hannover und Bielefeld mithilfe einer neuen ICE-Trasse auf eine halbe Stunde zu verkürzen. So könnte die Strecke Berlin-Köln in vier Stunden absolviert werden, statt in vier Stunden und 40 Minuten. Die Trassenführung im hiesigen Bereich soll sich südlich des Wesergebirges an der A 2 orientieren. Davon wären eventuell Orte wie Holtrup, Vennebeck, Lohfeld, Veltheim oder Eisbergen betroffen – je nach Verlauf. Die hier abgebildete Karte wurde in ähnlicher Form von der BI Auetal öffentlich ausgehängt. „Es gibt aber noch keine offiziellen Pläne dazu“, sagt Fromme.

Am vergangenen Samstag protestierten etwa 500 Menschen vor dem Rathaus in Rehren. Die Bürgerinitiative (www.bi-auetal.de ) hatte den Protest organisiert. „Uns bereitet das geplante Bauvorhaben der ICE-Trasse große Sorgen“, sagte Claudia Grimm vom BI-Vorstand. Und mit dem Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz (MgvG), das am 31. Januar vom Bundestag verabschiedet werden soll, gebe es noch eine Schippe obendrauf. „Dieses geplante Gesetz schaffe die allerletzten wirklich greifenden Rechte von Bürgern und Verbänden im Verfahren von Bundes-Bauvorhaben ab“, beklagt die BI. Die Öffentlichkeit müsse dann bei großen Bauvorhaben wie der Ausbaustrecke Bielefeld-Hannover nur noch angehört und unterrichtet werden. Mitbestimmung gehe verloren. Die BI wehrt sich mit einer Online-Petition gegen das MgvG.

Seit Monaten mache er gemeinsam mit Kollegen auf die Schwachstellen dieses Gesetzes aufmerksam. teilt der heimische Bundestagsabgeordnete Achim Post (SPD) auf Anfrage mit. Erheblicher Nachbesserungsbedarf bestehe hier vor allem bei der umfassenden Bürgerbeteiligung. „Diese muss meiner Meinung nach von Beginn an und prozessbegleitend gewährleistet sein.“ Post ist dagegen, dass die Strecke Bielefeld-Hannover in diesem Gesetz steht. Der Ausbau der Strecke dürfe sich nicht an den Bedarfen eines vom Bundesverkehrsministerium aufgesetzten Deutschland-Takts orientieren, sondern müsse den Menschen zu Gute kommen. Dafür sei der trassennahe Ausbau die beste Lösung.

Mehrere Bürgerinitiativen bündeln ihre Kräfte seit 2016 in der Interessengemeinschafts Cosinus. Dies ist der Zusammenschluss der Initiativen Seelze, Munzel/Holtensen, Dedensen, Samtgemeinde Nenndorf, Auetal (mit Buchholz) und Bigtab (Bückeburg, Minden, Porta Westfalica). Das gemeinsame Ziel: Klimaschutz durch Natur- und Lebensraumerhaltung sowie Mobilitätssteigerung durch den Ausbau und die Modernisierung der vorhandenen Bahnstrecke Hannover-Minden-Bielefeld.

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Porta WestfalicaICE-Trasse entlang der A 2 hätte für Porta gravierende FolgenDirk HaunhorstPorta Westfalica (mt). Diskussionen über eine ICE-Strecke durch das Auetal haben in der niedersächsischen Nachbarschaft bereits zu Protesten geführt. In Porta Westfalica regt sich bislang wenig Widerstand, obwohl eine denkbare Trassenführung gleich mehrere Orte durchschneiden könnte. Politik und Verwaltung kündigen nun an, in Kürze über die hochumstrittenen Pläne informieren zu wollen. „Der Neubau einer ICE-Schnellfahrstrecke durch einen großen Teil des Stadtgebietes von Porta Westfalica muss aus Sicht der Stadt unter allen Umständen verhindert werden“, teilte am Freitag Technischer Beigeordneter Stefan Mohme auf Anfrage mit. Die vorhandene Bahnstrecke Hannover-Minden solle aus Sicht der Stadt Porta Westfalica „verträglich und trassennah“ ausgebaut werden. Mohme verweist auf die „Nenndorfer Erklärung“, die außer Porta sechs weitere Kommunen unterzeichnet haben. Sie setzen sich ausdrücklich für einen Ausbau der existierenden Trasse ein. Der Beigeordnete kündigt an, am 3. Februar im Planungsausschuss über den Sachstand in Sachen Bahntrasse zu informieren. Reinhard Fromme (SPD) will kurzfristig seine Fraktion für das brisante Thema sensibilisieren. „Wir wollen keine Zerschneidung der Landschaft durch neue Trassen“, sagt Fromme, der im Vorstand der Bigtab tätig ist. Die Abkürzung steht für Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn. Die Initiative gibt es bereits seit August 2002. Damals drohte der Bau einer neuen Trasse durchs Unternammerholz und die Bückeburger Niederung. Später machten sich Planer über einen Tunnel durch den Jakobsberg Gedanken (eine Variante, die noch nicht verworfen ist). Seit vorigem Jahr gibt es die Idee im Bundesverkehrsministerium, die Fahrzeit zwischen Hannover und Bielefeld mithilfe einer neuen ICE-Trasse auf eine halbe Stunde zu verkürzen. So könnte die Strecke Berlin-Köln in vier Stunden absolviert werden, statt in vier Stunden und 40 Minuten. Die Trassenführung im hiesigen Bereich soll sich südlich des Wesergebirges an der A 2 orientieren. Davon wären eventuell Orte wie Holtrup, Vennebeck, Lohfeld, Veltheim oder Eisbergen betroffen – je nach Verlauf. Die hier abgebildete Karte wurde in ähnlicher Form von der BI Auetal öffentlich ausgehängt. „Es gibt aber noch keine offiziellen Pläne dazu“, sagt Fromme. Am vergangenen Samstag protestierten etwa 500 Menschen vor dem Rathaus in Rehren. Die Bürgerinitiative (www.bi-auetal.de ) hatte den Protest organisiert. „Uns bereitet das geplante Bauvorhaben der ICE-Trasse große Sorgen“, sagte Claudia Grimm vom BI-Vorstand. Und mit dem Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz (MgvG), das am 31. Januar vom Bundestag verabschiedet werden soll, gebe es noch eine Schippe obendrauf. „Dieses geplante Gesetz schaffe die allerletzten wirklich greifenden Rechte von Bürgern und Verbänden im Verfahren von Bundes-Bauvorhaben ab“, beklagt die BI. Die Öffentlichkeit müsse dann bei großen Bauvorhaben wie der Ausbaustrecke Bielefeld-Hannover nur noch angehört und unterrichtet werden. Mitbestimmung gehe verloren. Die BI wehrt sich mit einer Online-Petition gegen das MgvG. Seit Monaten mache er gemeinsam mit Kollegen auf die Schwachstellen dieses Gesetzes aufmerksam. teilt der heimische Bundestagsabgeordnete Achim Post (SPD) auf Anfrage mit. Erheblicher Nachbesserungsbedarf bestehe hier vor allem bei der umfassenden Bürgerbeteiligung. „Diese muss meiner Meinung nach von Beginn an und prozessbegleitend gewährleistet sein.“ Post ist dagegen, dass die Strecke Bielefeld-Hannover in diesem Gesetz steht. Der Ausbau der Strecke dürfe sich nicht an den Bedarfen eines vom Bundesverkehrsministerium aufgesetzten Deutschland-Takts orientieren, sondern müsse den Menschen zu Gute kommen. Dafür sei der trassennahe Ausbau die beste Lösung. Mehrere Bürgerinitiativen bündeln ihre Kräfte seit 2016 in der Interessengemeinschafts Cosinus. Dies ist der Zusammenschluss der Initiativen Seelze, Munzel/Holtensen, Dedensen, Samtgemeinde Nenndorf, Auetal (mit Buchholz) und Bigtab (Bückeburg, Minden, Porta Westfalica). Das gemeinsame Ziel: Klimaschutz durch Natur- und Lebensraumerhaltung sowie Mobilitätssteigerung durch den Ausbau und die Modernisierung der vorhandenen Bahnstrecke Hannover-Minden-Bielefeld.