Schützenswerte Hainbuche fällt Bauprojekt zum Opfer - empörter Anwohner spricht von "Hinrichtung" Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Hausberge. Die Worte, die Manfred Nickel wählt, unterstreichen seine Empörung: Der Baum sei nicht einfach gefällt worden, sagt er: „Die Hainbuche wurde innerhalb von 15 Minuten brutal zerstört. Das war eine Hinrichtung.“ Nickels Bemühungen, den Baum mit Behördenhilfe zu retten, scheiterten kurz vor Weihnachten. Die Hainbuche sei am 21. Dezember praktisch in einer Nacht- und Nebelaktion abgeholzt worden, um Tatsachen zu schaffen, sagt der Hausberger. Die bevorstehende Unterschutzstellung des Baumes war damit hinfällig. Manfred Nickel wohnt am Hohen Brink, der in Richtung Schulzentrum führt. Von seinem Balkon aus blickt er auf den Hang, der einst mit Bäumen und Büschen bewachsen war und inzwischen kahl ist. „Unsere Befürchtung ist, dass nach dem Verschwinden des Baumes nun der ganze Hang abgetragen wird, um dort bauen zu können“, sagt Maike Steinbrecher. Sie und Detlef Kerkhoff zählen zu den Nachbarn, die sich um das Erscheinungsbild Hausberges mit der charakteristischen Brink- und Sieklandschaft sorgen. „Wir sind nicht prinzipiell gegen eine Bebauung“, sagt Kerkhoff. Es gehe um die Dimension. Und wenn der Hang erst weg sei, dann würden die Häuser wohl in die Höhe schießen. Was dort genau passieren soll, ist Thema im Planungsausschuss am 3. Februar. Klar ist: Die betroffene Fläche zwischen den Straßen Hoher Brink, Schneckenstraße und Hoppenstraße liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplanes Nr. 3, der seit 1978 Rechtskraft hat. Der Plan sieht eine Wohnbaufläche mit ringförmiger Erschließung vor, ausgehend von der Wendefläche vor dem Schulzentrum. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, ist maximal eine zweigeschossige Wohnbebauung in offener Bauweise möglich. Eine konkrete Anzahl von Häusern sei nicht vorgegeben und hänge von der jeweiligen Größe ab. Das Vereinsheim des SV Hausberge liege ebenfalls innerhalb eines Baufeldes. Und entlang der Hoppenstraße verlaufe ein bewachsener Steilhang, der eine Erschließung schwierig mache. Die Anwohner vermuten offenbar zu recht, dass umfangreiche Erdarbeiten geplant sind. Laut Stadtverwaltung gibt es die Idee, „die Topographie durch Abgrabung des vorhandenen Hügels zu verändern“. Und dafür sei die Änderung des Bebauungsplanes notwendig. Das designierte Baugebiet ist im Besitz einer Eigentümergemeinschaft, zu der auch Markus Rosemeyer gehört. Er berichtet dem MT, dass ein ungefähr 15.000 Quadratmeter großes Areal verkauft werden soll. „Wir haben eine Bank gefunden, die das Projekt begleitet“, sagt Rosemeyer. Es spricht von einer „Planung im Interesse der Stadt“, Baulücken würden gefüllt. Rund ein Dutzend Bauplätze sollen auf der Fläche entstehen. Die Abtragung des Hanges bewertet er anders als die besorgten Anwohner: „Das Ganze fällt dann ein bisschen flacher aus und dürfte den Nachbarn entgegenkommen.“ Dass die Hainbuche geschützt werden sollte, sei ihm nicht bekannt gewesen, sagt Rosemeyer, der selbst nicht in Porta lebt. Er habe diesbezüglich keinen Kontakt zu Behörden gehabt. Man habe daher auch vor Weihnachten nicht irgendwelche Tatsachen schaffen wollen, sondern die Fällung der Hainbuche „hat sich zeitlich so ergeben, weil auch an der Hoppenstraße etwas passieren musste und dann haben wir das gleich mitmachen lassen“. Da die Hainbuche unter sommerlicher Hitze stark gelitten habe, stellt er ihren außergewöhnlichen Wert in Frage. „Das war eine vertrocknete Buche.“ Das sieht der Portaner Umweltschutzbeauftragte Dr. Albrecht von Lochow ganz anders. Er berichtet, dass die gesamte Fläche vor gut einem Jahr weitgehend kahlgeschlagen wurde, was aufgrund des vorliegenden Bebauungsplans erlaubt sei. „Auf mein Hinwirken wurden eine Eiche sowie die besagte Hainbuche damals stehen gelassen, da diese beiden Bäume unbedingt schützenswert waren.“ Formal zuständig für eine Sicherung ist der Kreis Minden-Lübbecke als Untere Naturschutzbehörde. Diese hat im vorigen Jahr geprüft, ob die alte Hainbuche als Naturdenkmal auszuweisen ist, nachdem Manfred Nickel im August 2019 einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Ergebnis: Es handelt sich tatsächlich um einen schutzwürdigen Baum. Das Verfahren zog sich allerdings hin. Und nur wenn eine drohende Gefahr bekannt werde, können Objekte oder Gebiete im Vorfeld mithilfe einer einstweiligen Sicherstellung vor Veränderungen geschützt werden, teilt der Kreis mit. Dieser Fall trat dann offenbar im Dezember ein, als sich ein Baumfäll-Unternehmer auf dem Gelände umsah, wie Nickel beobachtete. Der Kreis reagierte und informierte den Unternehmer über die Absicht der sofortigen Sicherstellung. „Dass nur einen Tag später eine Privatperson im Auftrag des Eigentümers die Hainbuche ohne jegliche Rücksprache mit dem Kreisumweltamt oder der Stadt Porta Westfalica fällt, ist eine Entwicklung, die von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde auf der Grundlage der Vorgeschichte nicht vorstellbar war und eine große Enttäuschung hinterlässt“, schreibt der Kreis dem MT. „Dass der Wert dieses Baumes nicht geschätzt wird, offenbart ein Maß an Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen des Klima- und Naturschutzes, welches weder zeitgemäß noch angemessen ist“, ergänzt Martina Vortherms von der Unteren Naturschutzbehörde. „Der Erhalt einer einzelnen Hainbuche auf dem Bebauungsplangelände wäre aus unserer Sicht durchaus möglich gewesen.“ Manfred Nickel und seine Mitstreiter tröstet das nicht. Einige Tage nach der Hainbuche sei auch die Eiche, die der Umweltschutzbeaufragte von Lochow erwähnte, gefällt worden, berichtet Detlef Kerkhoff. Die Anwohner ärgert vor allem, dass ein Kreismitarbeiter den Baumfäll-Unternehmer über die bevorstehende Unterschutzstellung der Hainbuche informiert hat, anstatt den Baum sofort zu sichern. „Dieser Ablauf hat uns erstmal entsetzt und sprachlos gemacht“, sagt Nickel. Den Ausschusstermin am Montag, 3. Februar, haben sich die Anwohner notiert. Die Sache mit der Hainbuche ist für sie noch nicht erledigt. Und die Diskussion über das Bauprojekt Hoher Brink beginnt erst. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882 164oder Dirk.Haunhorst@MT.de

Schützenswerte Hainbuche fällt Bauprojekt zum Opfer - empörter Anwohner spricht von "Hinrichtung"

Noch kann Manfred Nickel (links) von seinem Balkon auf einen (inzwischen kahlen) Hang schauen. Nickel und seine Nachbarn Detlef Kerkhoff und Maike Steinbrecher befürchten, dass der Hügel platt gemacht wird. MT-Foto: Dirk Haunhorst © haunhorst

Porta Westfalica-Hausberge. Die Worte, die Manfred Nickel wählt, unterstreichen seine Empörung: Der Baum sei nicht einfach gefällt worden, sagt er: „Die Hainbuche wurde innerhalb von 15 Minuten brutal zerstört. Das war eine Hinrichtung.“ Nickels Bemühungen, den Baum mit Behördenhilfe zu retten, scheiterten kurz vor Weihnachten. Die Hainbuche sei am 21. Dezember praktisch in einer Nacht- und Nebelaktion abgeholzt worden, um Tatsachen zu schaffen, sagt der Hausberger. Die bevorstehende Unterschutzstellung des Baumes war damit hinfällig.

Manfred Nickel wohnt am Hohen Brink, der in Richtung Schulzentrum führt. Von seinem Balkon aus blickt er auf den Hang, der einst mit Bäumen und Büschen bewachsen war und inzwischen kahl ist. „Unsere Befürchtung ist, dass nach dem Verschwinden des Baumes nun der ganze Hang abgetragen wird, um dort bauen zu können“, sagt Maike Steinbrecher. Sie und Detlef Kerkhoff zählen zu den Nachbarn, die sich um das Erscheinungsbild Hausberges mit der charakteristischen Brink- und Sieklandschaft sorgen. „Wir sind nicht prinzipiell gegen eine Bebauung“, sagt Kerkhoff. Es gehe um die Dimension. Und wenn der Hang erst weg sei, dann würden die Häuser wohl in die Höhe schießen.

Was dort genau passieren soll, ist Thema im Planungsausschuss am 3. Februar. Klar ist: Die betroffene Fläche zwischen den Straßen Hoher Brink, Schneckenstraße und Hoppenstraße liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplanes Nr. 3, der seit 1978 Rechtskraft hat. Der Plan sieht eine Wohnbaufläche mit ringförmiger Erschließung vor, ausgehend von der Wendefläche vor dem Schulzentrum.

Die Hainbuche am Hohen Brink ist am 21. Dezember gefällt worden. Ihr Erhalt wäre trotz Bebauung möglich gewesen, betont der Kreis. - © Foto: pr
Die Hainbuche am Hohen Brink ist am 21. Dezember gefällt worden. Ihr Erhalt wäre trotz Bebauung möglich gewesen, betont der Kreis. - © Foto: pr

Wie die Stadtverwaltung mitteilt, ist maximal eine zweigeschossige Wohnbebauung in offener Bauweise möglich. Eine konkrete Anzahl von Häusern sei nicht vorgegeben und hänge von der jeweiligen Größe ab. Das Vereinsheim des SV Hausberge liege ebenfalls innerhalb eines Baufeldes. Und entlang der Hoppenstraße verlaufe ein bewachsener Steilhang, der eine Erschließung schwierig mache.

Die Anwohner vermuten offenbar zu recht, dass umfangreiche Erdarbeiten geplant sind. Laut Stadtverwaltung gibt es die Idee, „die Topographie durch Abgrabung des vorhandenen Hügels zu verändern“. Und dafür sei die Änderung des Bebauungsplanes notwendig.

Das designierte Baugebiet ist im Besitz einer Eigentümergemeinschaft, zu der auch Markus Rosemeyer gehört. Er berichtet dem MT, dass ein ungefähr 15.000 Quadratmeter großes Areal verkauft werden soll. „Wir haben eine Bank gefunden, die das Projekt begleitet“, sagt Rosemeyer. Es spricht von einer „Planung im Interesse der Stadt“, Baulücken würden gefüllt. Rund ein Dutzend Bauplätze sollen auf der Fläche entstehen. Die Abtragung des Hanges bewertet er anders als die besorgten Anwohner: „Das Ganze fällt dann ein bisschen flacher aus und dürfte den Nachbarn entgegenkommen.“

Dass die Hainbuche geschützt werden sollte, sei ihm nicht bekannt gewesen, sagt Rosemeyer, der selbst nicht in Porta lebt. Er habe diesbezüglich keinen Kontakt zu Behörden gehabt. Man habe daher auch vor Weihnachten nicht irgendwelche Tatsachen schaffen wollen, sondern die Fällung der Hainbuche „hat sich zeitlich so ergeben, weil auch an der Hoppenstraße etwas passieren musste und dann haben wir das gleich mitmachen lassen“. Da die Hainbuche unter sommerlicher Hitze stark gelitten habe, stellt er ihren außergewöhnlichen Wert in Frage. „Das war eine vertrocknete Buche.“

Das sieht der Portaner Umweltschutzbeauftragte Dr. Albrecht von Lochow ganz anders. Er berichtet, dass die gesamte Fläche vor gut einem Jahr weitgehend kahlgeschlagen wurde, was aufgrund des vorliegenden Bebauungsplans erlaubt sei. „Auf mein Hinwirken wurden eine Eiche sowie die besagte Hainbuche damals stehen gelassen, da diese beiden Bäume unbedingt schützenswert waren.“

Formal zuständig für eine Sicherung ist der Kreis Minden-Lübbecke als Untere Naturschutzbehörde. Diese hat im vorigen Jahr geprüft, ob die alte Hainbuche als Naturdenkmal auszuweisen ist, nachdem Manfred Nickel im August 2019 einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Ergebnis: Es handelt sich tatsächlich um einen schutzwürdigen Baum. Das Verfahren zog sich allerdings hin. Und nur wenn eine drohende Gefahr bekannt werde, können Objekte oder Gebiete im Vorfeld mithilfe einer einstweiligen Sicherstellung vor Veränderungen geschützt werden, teilt der Kreis mit.

Dieser Fall trat dann offenbar im Dezember ein, als sich ein Baumfäll-Unternehmer auf dem Gelände umsah, wie Nickel beobachtete. Der Kreis reagierte und informierte den Unternehmer über die Absicht der sofortigen Sicherstellung. „Dass nur einen Tag später eine Privatperson im Auftrag des Eigentümers die Hainbuche ohne jegliche Rücksprache mit dem Kreisumweltamt oder der Stadt Porta Westfalica fällt, ist eine Entwicklung, die von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde auf der Grundlage der Vorgeschichte nicht vorstellbar war und eine große Enttäuschung hinterlässt“, schreibt der Kreis dem MT. „Dass der Wert dieses Baumes nicht geschätzt wird, offenbart ein Maß an Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen des Klima- und Naturschutzes, welches weder zeitgemäß noch angemessen ist“, ergänzt Martina Vortherms von der Unteren Naturschutzbehörde. „Der Erhalt einer einzelnen Hainbuche auf dem Bebauungsplangelände wäre aus unserer Sicht durchaus möglich gewesen.“

Manfred Nickel und seine Mitstreiter tröstet das nicht. Einige Tage nach der Hainbuche sei auch die Eiche, die der Umweltschutzbeaufragte von Lochow erwähnte, gefällt worden, berichtet Detlef Kerkhoff. Die Anwohner ärgert vor allem, dass ein Kreismitarbeiter den Baumfäll-Unternehmer über die bevorstehende Unterschutzstellung der Hainbuche informiert hat, anstatt den Baum sofort zu sichern. „Dieser Ablauf hat uns erstmal entsetzt und sprachlos gemacht“, sagt Nickel.

Den Ausschusstermin am Montag, 3. Februar, haben sich die Anwohner notiert. Die Sache mit der Hainbuche ist für sie noch nicht erledigt. Und die Diskussion über das Bauprojekt Hoher Brink beginnt erst.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882 164oder Dirk.Haunhorst@MT.de

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