Hausberge.

Gesamtschul-AG erhält Förderbescheid für ein neues Projekt auf dem jüdischen Friedhof Hausberge

Stefan Lyrath

In Arbeit: Pascal Conrad, Karl-Wilfried Pultke und Kiara Grutas (v.l.) von der Gesamtschul-AG sowie Judith Mohme von der Stadt zeigen einen Entwurf der Broschüre. Foto: Stefan Lyrath - © lyrath
In Arbeit: Pascal Conrad, Karl-Wilfried Pultke und Kiara Grutas (v.l.) von der Gesamtschul-AG sowie Judith Mohme von der Stadt zeigen einen Entwurf der Broschüre. Foto: Stefan Lyrath (© lyrath)

Porta Westfalica-Hausberge. Wenn Kiara Grutas von der Gesamtschul-AG „Jüdischer Friedhof Hausberge“ über das neue Projekt spricht, sagt sie „unser Friedhof“. Dies zeigt, wie groß die Verbundenheit ist. Es gibt mal wieder viel zu tun: 75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, der Millionen Juden den Tod gebracht hat, soll der jüdische Friedhof mehr Beachtung finden. Geplant sind zwei große Info-Tafeln, eine Broschüre, weitere Führungen und die Aufnahme in eine Datenbank.

Im Dezember ist ein Förderbescheid über 13.000 Euro im Rathaus eingetroffen. Damit wird das Projekt der Arbeitsgemeinschaft unterstützt, die im Mai 2019 die Jørgen-Kieler-Medaille des Gedenkstättenvereins bekommen hat. Von der Förderung profitiert aber auch das Steinheim-Institut in Essen, über dessen Datenbank die Grabinschriften vieler jüdischer Friedhöfe weltweit online verfügbar sind.

Im Fall des Hausberger Friedhofs, wo die ältesten Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert stammen, liefern Gesamtschüler dem Institut Fotos und Beschreibungen. In Essen müssen die Daten dann aufgenommen, Bilder und Texte aufbereitet, hebräische Inschriften ins Deutsche übersetzt werden. Dafür ist der größere Teil des Geldes bestimmt.

Stumme Zeugen: Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Hausberge. 

Archivfoto: Stefan Lyrath - © lyrath
Stumme Zeugen: Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Hausberge.
Archivfoto: Stefan Lyrath (© lyrath)

„Damit ist ein wichtiges Stück jüdischen Kulturgutes im regionalen Raum gesichert“, erklärt AG-Leiter Karl-Wilfried Pultke. Einige Inschriften erinnern an Geschichten wie die von Otto Windmüller, der den Holocaust als einziges Mitglied seiner Familie überlebt hat und später zwei Gedenktafeln aufstellen ließ.

Bei ihrem Projekt arbeiten die Gesamtschüler eng mit der Stadt zusammen – namentlich mit Judith Mohme, der stellvertretenden Leiterin des Baubetriebshofes, der auch für Grünflächen zuständig ist. Die Stadt hat den Förderantrag gestellt. „Das Projekt ist ein weiterer Baustein bei der Aufarbeitung von Portas NS-Vergangenheit“, betont Judith Mohme.

Nach Jahrzehnten der Verdrängung widmen sich die Portaner diesem Thema dank des Gedenkstättenvereins seit einigen Jahren umso intensiver, etwa durch die Verlegung von Stolpersteinen, Vorträge oder Führung durch den ehemaligen Nazistollen im Jakobsberg und zu den drei Orten, wo während der Nazizeit Konzentrationslager standen.

Vom Land NRW wird das Unterrichtsprojekt „Der Jüdische Friedhof Hausberge im Epidat“ mit 6500 Euro aus dem Heimatfonds gefördert. Dies entspricht 50 Prozent. „Epidat“ heißt die Essener Datenbank zur Inschriftenkunde (Epigraphik) jüdischer Grabsteine.

„Menschen, die zum Beispiel nach Israel ausgewandert sind, können nachsehen, wo ihre Vorfahren gestorben sind“, erklärt Kiara Grutas. Zur Vorbereitung auf das Fotografieren hatte die Schul-AG die Grabsteine Ende 2018 reinigen lassen, bevor die Stadt im September 23 von ihnen gegen Umstürzen sicherte.

Der Eigenanteil der Gesamtschule beziehungsweise ihres Fördervereins beträgt 40 Prozent, umgerechnet 5200 Euro. „Rund 3500 Euro haben wir schon zusammen“, berichtet Karl-Wilfried Pultke, verbunden mit einem Dankeschön an alle Spender. Die restlichen 1300 Euro kommen von der Stadt. Unterstützt wird das Projekt auch von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der jüdischen Kultusgemeinde Minden.

Die Broschüre erscheint voraussichtlich im Mai oder Juni. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen die beiden Schautafeln mit QR-Code aufgestellt werden. In beiden Fällen sind die Entwürfe bereits fertig.

Die 2007 gegründete Gesamtschul-AG hat einen harten Kern von fünf Leuten: Simone Costa, Pascal Conrad, Kiara Grutas, Gunnar Falkenberg und Karl-Wilfried Pultke. Es könnten mehr sein. „An Geschichten wie der von Otto Windmüller besteht bei vielen Schülern große Interesse, aber für eine Mitarbeit reicht es dann leider doch nicht“, bedauert Pascal Conrad. Pultke überlegt deshalb, die AG auch für andere Schulen zu öffnen.

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Hausberge.Gesamtschul-AG erhält Förderbescheid für ein neues Projekt auf dem jüdischen Friedhof HausbergeStefan LyrathPorta Westfalica-Hausberge. Wenn Kiara Grutas von der Gesamtschul-AG „Jüdischer Friedhof Hausberge“ über das neue Projekt spricht, sagt sie „unser Friedhof“. Dies zeigt, wie groß die Verbundenheit ist. Es gibt mal wieder viel zu tun: 75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, der Millionen Juden den Tod gebracht hat, soll der jüdische Friedhof mehr Beachtung finden. Geplant sind zwei große Info-Tafeln, eine Broschüre, weitere Führungen und die Aufnahme in eine Datenbank. Im Dezember ist ein Förderbescheid über 13.000 Euro im Rathaus eingetroffen. Damit wird das Projekt der Arbeitsgemeinschaft unterstützt, die im Mai 2019 die Jørgen-Kieler-Medaille des Gedenkstättenvereins bekommen hat. Von der Förderung profitiert aber auch das Steinheim-Institut in Essen, über dessen Datenbank die Grabinschriften vieler jüdischer Friedhöfe weltweit online verfügbar sind. Im Fall des Hausberger Friedhofs, wo die ältesten Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert stammen, liefern Gesamtschüler dem Institut Fotos und Beschreibungen. In Essen müssen die Daten dann aufgenommen, Bilder und Texte aufbereitet, hebräische Inschriften ins Deutsche übersetzt werden. Dafür ist der größere Teil des Geldes bestimmt. „Damit ist ein wichtiges Stück jüdischen Kulturgutes im regionalen Raum gesichert“, erklärt AG-Leiter Karl-Wilfried Pultke. Einige Inschriften erinnern an Geschichten wie die von Otto Windmüller, der den Holocaust als einziges Mitglied seiner Familie überlebt hat und später zwei Gedenktafeln aufstellen ließ. Bei ihrem Projekt arbeiten die Gesamtschüler eng mit der Stadt zusammen – namentlich mit Judith Mohme, der stellvertretenden Leiterin des Baubetriebshofes, der auch für Grünflächen zuständig ist. Die Stadt hat den Förderantrag gestellt. „Das Projekt ist ein weiterer Baustein bei der Aufarbeitung von Portas NS-Vergangenheit“, betont Judith Mohme. Nach Jahrzehnten der Verdrängung widmen sich die Portaner diesem Thema dank des Gedenkstättenvereins seit einigen Jahren umso intensiver, etwa durch die Verlegung von Stolpersteinen, Vorträge oder Führung durch den ehemaligen Nazistollen im Jakobsberg und zu den drei Orten, wo während der Nazizeit Konzentrationslager standen. Vom Land NRW wird das Unterrichtsprojekt „Der Jüdische Friedhof Hausberge im Epidat“ mit 6500 Euro aus dem Heimatfonds gefördert. Dies entspricht 50 Prozent. „Epidat“ heißt die Essener Datenbank zur Inschriftenkunde (Epigraphik) jüdischer Grabsteine. „Menschen, die zum Beispiel nach Israel ausgewandert sind, können nachsehen, wo ihre Vorfahren gestorben sind“, erklärt Kiara Grutas. Zur Vorbereitung auf das Fotografieren hatte die Schul-AG die Grabsteine Ende 2018 reinigen lassen, bevor die Stadt im September 23 von ihnen gegen Umstürzen sicherte. Der Eigenanteil der Gesamtschule beziehungsweise ihres Fördervereins beträgt 40 Prozent, umgerechnet 5200 Euro. „Rund 3500 Euro haben wir schon zusammen“, berichtet Karl-Wilfried Pultke, verbunden mit einem Dankeschön an alle Spender. Die restlichen 1300 Euro kommen von der Stadt. Unterstützt wird das Projekt auch von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der jüdischen Kultusgemeinde Minden. Die Broschüre erscheint voraussichtlich im Mai oder Juni. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen die beiden Schautafeln mit QR-Code aufgestellt werden. In beiden Fällen sind die Entwürfe bereits fertig. Die 2007 gegründete Gesamtschul-AG hat einen harten Kern von fünf Leuten: Simone Costa, Pascal Conrad, Kiara Grutas, Gunnar Falkenberg und Karl-Wilfried Pultke. Es könnten mehr sein. „An Geschichten wie der von Otto Windmüller besteht bei vielen Schülern große Interesse, aber für eine Mitarbeit reicht es dann leider doch nicht“, bedauert Pascal Conrad. Pultke überlegt deshalb, die AG auch für andere Schulen zu öffnen.