Porta Westfalica/Bünde/Bielefeld

Tachobetrug: Gericht verurteilt Mittäter aus Porta Westfalica zu einer Bewährungsstrafe

veröffentlicht

Porta Westfalica/Bünde/Bielefeld (joh). Indem sie Tachostände manipuliert haben, sollen der Chef eines Bünder Gebrauchtwagenhandels und seine Helfer mehrere Käufer betrogen und 65.000 Euro Gewinn erzielt haben. Vor der 20. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts begann gestern der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter, darunter ein Mann aus Porta, der nach seinem Geständnis bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Gewerbsmäßiger Bandenbetrug lautet der Hauptvorwurf gegen das 50-jährige Oberhaupt eines „Familienclans mit verschiedenen Gewerben“ in Bünde, so die Anklageschrift, und dessen 29-jährigen Sohn. Als Spezialist für das Zurückdrehen der Kilometerstände der Pkw saß ein von seinen Kumpanen „Doktor“ genannter 40-Jähriger aus Porta Westfalica mit auf der Anklagebank.

Der vierte Angeklagte, ein 38-jähriger Lippstädter, der unter falschem Namen als Verkäufer der manipulierten Fahrzeuge aufgetreten sein soll, hatte es vorgezogen, gar nicht erst vor Gericht zu erscheinen.

Die Staatsanwältin verlas ein Dutzend Fälle, hier ein Beispiel: Ein VW Polo hatte beim Ankauf einen Kilometerstand von 260.000. Als er Anfang 2016 für den Preis von 3.300 Euro verkauft wurde, waren es nur noch 93.000 Kilometer. Tatsächlicher Wert: 1.700 Euro. Die meisten Pkw wurden in Bünde verkauft, zwei in einem Bielefelder Autohandel an der Detmolder Straße.

Etwas überraschend war die auf acht Verhandlungstage angesetzte Hauptverhandlung nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwältinnen und Verteidigern für zwei Angeklagte bereits am ersten Prozesstag beendet. Das Verfahren gegen den Sohn des Chefs, der an zwei Verkäufen beteiligt war, wurde gegen die Auflage der Schadenswiedergutmachung eingestellt. Und der „Doktor“ aus Porta legte durch Erklärung seiner Verteidiger ein umfassendes Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in sieben Fällen und „Missbrauchs von Wegstreckenzählern“ zu einer Haftstrafe von 18 Monaten mit Bewährung. Sein Beuteanteil von 400 Euro wurde eingezogen, außerdem muss er als Bewährungsauflage 1.000 Euro zahlen.

Das Verfahren gegen den flüchtigen Verkäufer wurde abgetrennt. Der Autohändler machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Sein Verfahren wurde ebenfalls abgetrennt und wird mit der Vernehmung von Zeugen am 30. Januar fortgesetzt.

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Porta Westfalica/Bünde/BielefeldTachobetrug: Gericht verurteilt Mittäter aus Porta Westfalica zu einer BewährungsstrafePorta Westfalica/Bünde/Bielefeld (joh). Indem sie Tachostände manipuliert haben, sollen der Chef eines Bünder Gebrauchtwagenhandels und seine Helfer mehrere Käufer betrogen und 65.000 Euro Gewinn erzielt haben. Vor der 20. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts begann gestern der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter, darunter ein Mann aus Porta, der nach seinem Geständnis bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Gewerbsmäßiger Bandenbetrug lautet der Hauptvorwurf gegen das 50-jährige Oberhaupt eines „Familienclans mit verschiedenen Gewerben“ in Bünde, so die Anklageschrift, und dessen 29-jährigen Sohn. Als Spezialist für das Zurückdrehen der Kilometerstände der Pkw saß ein von seinen Kumpanen „Doktor“ genannter 40-Jähriger aus Porta Westfalica mit auf der Anklagebank. Der vierte Angeklagte, ein 38-jähriger Lippstädter, der unter falschem Namen als Verkäufer der manipulierten Fahrzeuge aufgetreten sein soll, hatte es vorgezogen, gar nicht erst vor Gericht zu erscheinen. Die Staatsanwältin verlas ein Dutzend Fälle, hier ein Beispiel: Ein VW Polo hatte beim Ankauf einen Kilometerstand von 260.000. Als er Anfang 2016 für den Preis von 3.300 Euro verkauft wurde, waren es nur noch 93.000 Kilometer. Tatsächlicher Wert: 1.700 Euro. Die meisten Pkw wurden in Bünde verkauft, zwei in einem Bielefelder Autohandel an der Detmolder Straße. Etwas überraschend war die auf acht Verhandlungstage angesetzte Hauptverhandlung nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwältinnen und Verteidigern für zwei Angeklagte bereits am ersten Prozesstag beendet. Das Verfahren gegen den Sohn des Chefs, der an zwei Verkäufen beteiligt war, wurde gegen die Auflage der Schadenswiedergutmachung eingestellt. Und der „Doktor“ aus Porta legte durch Erklärung seiner Verteidiger ein umfassendes Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in sieben Fällen und „Missbrauchs von Wegstreckenzählern“ zu einer Haftstrafe von 18 Monaten mit Bewährung. Sein Beuteanteil von 400 Euro wurde eingezogen, außerdem muss er als Bewährungsauflage 1.000 Euro zahlen. Das Verfahren gegen den flüchtigen Verkäufer wurde abgetrennt. Der Autohändler machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Sein Verfahren wurde ebenfalls abgetrennt und wird mit der Vernehmung von Zeugen am 30. Januar fortgesetzt.