Am Limit: Der Verein "Hilfe für Flüchtlinge" hat mit Deutschkursen, Behördenbesuchen und Radwerkstatt viel zu tun Thomas Lieske Porta Westfalica. Die große Ankunftswelle der Geflüchteten ist vorbei – auf den ersten Blick. Zumindest aber scheint das Thema aus dem öffentlichen Fokus geraten. Für die Mitglieder des Portaner Vereins „Hilfe für Flüchtlinge“ ist alles, was rund um dieses Thema passiert, immer noch aktuell. Die eigentliche Arbeit läuft fernab von Kameras, anders als noch 2015, als die Kommunen plötzlich vor einer der größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte standen. „Uns gibt es noch, wir sind auch sehr aktiv“, erzählt Hellmut Hiese. Der Tischlermeister ist der Vorsitzende des Vereins. Er weiß: „Die Ehrenamtlichen im Verein leisten eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Eine, die die Mitglieder immer häufiger an die Belastungsgrenze bringt. 25 sind sie noch, im harten Kern vielleicht etwas mehr als die Hälfte davon als aktive Mitstreiter. „Viele investieren eine Menge Zeit darin, den Geflüchteten wieder so etwas wie einen geregelten Tagesablauf zu geben“, erklärt Hiese. Der Verein kümmert sich vor allem um diejenigen Zugereisten, deren Aufenthaltsstatus ungeklärt ist. Da sei rechtlich und emotional eine sehr schwierige Zeit für diese Menschen, weiß Hiese. „Sie bekommen Sozialhilfe, eine notdürftige Arztversorgung, das war's“, ergänzt Vera Lolait. Die Schatzmeisterin des Vereins ist überzeugt davon, dass Vereine wie der Portaner Kreis nur entstanden seien, weil es an der Betreuung dieser Geflüchteten in Deutschland mangele. „Sie sind nach ihrer Ankunft quasi auf sich allein gestellt – ohne Sprachkenntnisse.“ Deshalb bietet der Verein unter anderem seit einigen Jahren Deutschkurse im Hausberger Gemeindehaus an. Die sind mal mehr, mal weniger stark besucht. „Zum einen liegt das daran, dass sie freiwillig sind und wir niemanden zwingen. Zum anderen haben wir einige Menschen so gut versorgt, dass sie die Kurse irgendwann nicht mehr brauchen“, erklärt Hiese. Der Clou: „Wir bieten parallel eine Kinderbetreuung an, damit auch die Mütter an den Kursen teilnehmen können“, sagt Lolait. Derzeit sind zwischen sechs und 15 Teilnehmer dabei. Zu Spitzenzeiten waren es 20 oder 30. Richtig viel zu tun gibt es in der Fahrradwerkstatt des Vereins, die einmal in der Woche mittwochs am Nachmittag in der ehemaligen Porta-Schule in Lerbeck öffnet. „Der Zulauf ist riesig, unsere Ehrenamtlichen wissen oft gar nicht, wie sie hinterher kommen sollen“, sagt Hiese. Zum Teil zehn Stunden an drei Tagen aufeinander folgend hätten die Mitarbeiter dort verbracht, um der großen Nachfrage nachzukommen. „Das ist natürlich kein Dauerzustand“, betont der Vorsitzende. Laut ihm gibt es in der näheren Umgebung kein vergleichbares Projekt. Deshalb würden auch viele Mindener mit ihren Rädern zur Werkstatt nach Porta kommen. Und nicht nur Geflüchtete, sondern auch Deutsche. Die Radwerkstatt gibt dem Vereinsvorstand Anlass zu etwas, was er sonst nicht so offensiv publik machen würde: Der Verein braucht dringend weitere Mitstreiter, damit die Angebote erhalten bleiben können. „Das müssen keine Profis sein. Wir alle sind mit den Aufgaben gewachsen“, sagt Hellmut Hiese. Unterstützung könne der Verein in allen Aufgabenbereichen gebrauchen: bei der Radwerkstatt genauso wie in den Deutschkursen. „Auch da reicht es, wenn man mit Herzblut dabei ist“, ergänzt Vera Lolait. Aber auch bei Besuchen von Behörden, Ärzten und anderen Einrichtungen unterstützen die Vereinsmitglieder die Geflüchteten. „Das sind wichtige Aufgaben, weil die Sprache oft ein großes Hindernis darstellt“, weiß die Schatzmeisterin. Ein Markenzeichen des Vereins: Einige Mitglieder übernehmen Patenschaften für Geflüchtete. Sie kümmern sich dann besonders intensiv um sie, beziehen sie in ihren Alltag ein, unternehmen Ausflüge und andere Dinge. „Ein Pate betreut oft fünf Menschen“, erklärt Lolait. Das sei eine ganze Menge. Natürlich sei das keine Voraussetzung, um im Verein aktiv zu sein. „Wir freuen uns über jeden, der sich irgendwie einbringen will.“ Mit kulturellen Veranstaltungen wendet sich der Verein an die Öffentlichkeit. Zuletzt mit einer „sehr gut besuchten“ Lesung im Bürgerhaus. Im vergangenen Jahr hatte ein Geflüchteter aus seinem Buch gelesen, in dem er seine Flucht verarbeitet hat. Besonders eng arbeitet der Verein übrigens mit der Stadt Porta zusammen. „Das klappt wunderbar, und uns wird vieles ermöglicht“, freut sich Hellmut Hiese. Das fange bei der Vernetzungsarbeit an und höre bei finanziellen Aufwänden auf. Unter anderem habe die Stadt auf Drängen des Vereins Kosten für Ganztagsbetreuung von Kindern aus Flüchtlingsfamilien in Kleinenbremen übernommen. Dort müssen Eltern nämlich unabhängig vom Einkommen alle Kosten selbst tragen. Für Familien Geflüchteter sei das nicht möglich. Außerdem habe die Stadt Geld in die Hand genommen, um Unterkünfte zu renovieren. Und noch immer gebe es viel zu tun. „Der Verein wird jedenfalls noch lange am Ball bleiben müssen, um noch mehr zu bewegen“, sind Lolait und Hiese überzeugt. Kontakt zum Verein Wer Kontakt zum Verein sucht, kann sich über mehrere Wege bei den Verantwortlichen melden: www.fluechtlinge-porta.de info@fluechtlinge-porta.de Hellmut Hiese, Erster Vorsitzender, Telefon (05 71) 710 693 Vera Lolait, Schatzmeisterin, Telefon (05 71) 798 97 27

Am Limit: Der Verein "Hilfe für Flüchtlinge" hat mit Deutschkursen, Behördenbesuchen und Radwerkstatt viel zu tun

Bei einer Lesung im September schilderte Seif Arsalan seine dramatische Flucht. © Foto: pr

Porta Westfalica. Die große Ankunftswelle der Geflüchteten ist vorbei – auf den ersten Blick. Zumindest aber scheint das Thema aus dem öffentlichen Fokus geraten. Für die Mitglieder des Portaner Vereins „Hilfe für Flüchtlinge“ ist alles, was rund um dieses Thema passiert, immer noch aktuell. Die eigentliche Arbeit läuft fernab von Kameras, anders als noch 2015, als die Kommunen plötzlich vor einer der größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte standen.

„Uns gibt es noch, wir sind auch sehr aktiv“, erzählt Hellmut Hiese. Der Tischlermeister ist der Vorsitzende des Vereins. Er weiß: „Die Ehrenamtlichen im Verein leisten eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Eine, die die Mitglieder immer häufiger an die Belastungsgrenze bringt. 25 sind sie noch, im harten Kern vielleicht etwas mehr als die Hälfte davon als aktive Mitstreiter. „Viele investieren eine Menge Zeit darin, den Geflüchteten wieder so etwas wie einen geregelten Tagesablauf zu geben“, erklärt Hiese.

Die Fahrradwerkstatt des Vereins „Hilfe für Flüchtlinge“ ist so gut besucht, dass die Ehrenamtlichen um den Vereinsvorsitzenden Hellmut Hiese (rechts) und Christoph Siemon (Dritter von rechts) oft etliche Stunden pro Tag dort verbringen. Foto (Archiv): Stefan Lyrath
Die Fahrradwerkstatt des Vereins „Hilfe für Flüchtlinge“ ist so gut besucht, dass die Ehrenamtlichen um den Vereinsvorsitzenden Hellmut Hiese (rechts) und Christoph Siemon (Dritter von rechts) oft etliche Stunden pro Tag dort verbringen. Foto (Archiv): Stefan Lyrath

Der Verein kümmert sich vor allem um diejenigen Zugereisten, deren Aufenthaltsstatus ungeklärt ist. Da sei rechtlich und emotional eine sehr schwierige Zeit für diese Menschen, weiß Hiese. „Sie bekommen Sozialhilfe, eine notdürftige Arztversorgung, das war's“, ergänzt Vera Lolait. Die Schatzmeisterin des Vereins ist überzeugt davon, dass Vereine wie der Portaner Kreis nur entstanden seien, weil es an der Betreuung dieser Geflüchteten in Deutschland mangele. „Sie sind nach ihrer Ankunft quasi auf sich allein gestellt – ohne Sprachkenntnisse.“

Deshalb bietet der Verein unter anderem seit einigen Jahren Deutschkurse im Hausberger Gemeindehaus an. Die sind mal mehr, mal weniger stark besucht. „Zum einen liegt das daran, dass sie freiwillig sind und wir niemanden zwingen. Zum anderen haben wir einige Menschen so gut versorgt, dass sie die Kurse irgendwann nicht mehr brauchen“, erklärt Hiese. Der Clou: „Wir bieten parallel eine Kinderbetreuung an, damit auch die Mütter an den Kursen teilnehmen können“, sagt Lolait. Derzeit sind zwischen sechs und 15 Teilnehmer dabei. Zu Spitzenzeiten waren es 20 oder 30.

Richtig viel zu tun gibt es in der Fahrradwerkstatt des Vereins, die einmal in der Woche mittwochs am Nachmittag in der ehemaligen Porta-Schule in Lerbeck öffnet. „Der Zulauf ist riesig, unsere Ehrenamtlichen wissen oft gar nicht, wie sie hinterher kommen sollen“, sagt Hiese. Zum Teil zehn Stunden an drei Tagen aufeinander folgend hätten die Mitarbeiter dort verbracht, um der großen Nachfrage nachzukommen. „Das ist natürlich kein Dauerzustand“, betont der Vorsitzende. Laut ihm gibt es in der näheren Umgebung kein vergleichbares Projekt. Deshalb würden auch viele Mindener mit ihren Rädern zur Werkstatt nach Porta kommen. Und nicht nur Geflüchtete, sondern auch Deutsche.

Die Radwerkstatt gibt dem Vereinsvorstand Anlass zu etwas, was er sonst nicht so offensiv publik machen würde: Der Verein braucht dringend weitere Mitstreiter, damit die Angebote erhalten bleiben können. „Das müssen keine Profis sein. Wir alle sind mit den Aufgaben gewachsen“, sagt Hellmut Hiese. Unterstützung könne der Verein in allen Aufgabenbereichen gebrauchen: bei der Radwerkstatt genauso wie in den Deutschkursen. „Auch da reicht es, wenn man mit Herzblut dabei ist“, ergänzt Vera Lolait. Aber auch bei Besuchen von Behörden, Ärzten und anderen Einrichtungen unterstützen die Vereinsmitglieder die Geflüchteten. „Das sind wichtige Aufgaben, weil die Sprache oft ein großes Hindernis darstellt“, weiß die Schatzmeisterin.

Ein Markenzeichen des Vereins: Einige Mitglieder übernehmen Patenschaften für Geflüchtete. Sie kümmern sich dann besonders intensiv um sie, beziehen sie in ihren Alltag ein, unternehmen Ausflüge und andere Dinge. „Ein Pate betreut oft fünf Menschen“, erklärt Lolait. Das sei eine ganze Menge. Natürlich sei das keine Voraussetzung, um im Verein aktiv zu sein. „Wir freuen uns über jeden, der sich irgendwie einbringen will.“ Mit kulturellen Veranstaltungen wendet sich der Verein an die Öffentlichkeit. Zuletzt mit einer „sehr gut besuchten“ Lesung im Bürgerhaus. Im vergangenen Jahr hatte ein Geflüchteter aus seinem Buch gelesen, in dem er seine Flucht verarbeitet hat.

Besonders eng arbeitet der Verein übrigens mit der Stadt Porta zusammen. „Das klappt wunderbar, und uns wird vieles ermöglicht“, freut sich Hellmut Hiese. Das fange bei der Vernetzungsarbeit an und höre bei finanziellen Aufwänden auf. Unter anderem habe die Stadt auf Drängen des Vereins Kosten für Ganztagsbetreuung von Kindern aus Flüchtlingsfamilien in Kleinenbremen übernommen. Dort müssen Eltern nämlich unabhängig vom Einkommen alle Kosten selbst tragen. Für Familien Geflüchteter sei das nicht möglich. Außerdem habe die Stadt Geld in die Hand genommen, um Unterkünfte zu renovieren. Und noch immer gebe es viel zu tun. „Der Verein wird jedenfalls noch lange am Ball bleiben müssen, um noch mehr zu bewegen“, sind Lolait und Hiese überzeugt.

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Wer Kontakt zum Verein sucht, kann sich über mehrere Wege bei den Verantwortlichen melden:

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