Wo eine Gemeinde aufhört oder anfängt, birgt Überraschungen Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Einige Leserinnen und Leser waren verwundert. Der Lidl-Markt an der Kreuzung B482/Zur Porta liegt doch in Lerbeck, meinten sie und wiesen die Redaktion auf den vermeintlichen Fehler hin. Im Bericht über den Überfall auf den Discounter stand „Neesen“ in der sogenannten Ortsmarke – und das war richtig, wie ein Blick in die interaktiven Karten zeigte, die zum Beispiel auf der Seite des Kreises unter www. minden-luebbecke.de/Service/GEOportal aufgeführt sind. Der Grenzverlauf zwischen Neesen und Lerbeck zählt zu den besonders sprunghaften in Porta Westfalica. Praktisch haben die alten Gemeindegrenzen nach der Gründung der Stadt Porta Westfalica im Jahr 1973 stark an Bedeutung verloren. „Sie sind aber weiterhin interessant, um ein Ortsgefühl zu entwickeln“, sagt Stadtheimatpfleger Herbert Wiese. Das zeigt sich bei Schnatgängen, auf denen die Teilnehmer zumeist unter Führung der Heimatpfleger die Randbereiche des Dorfes erkunden. Dabei wird Ortsgeschichte lebendig. Hans-Martin Polte hat sich in seinem gut 300 Seiten dicken Hausberge-Buch auch mit den Grenzen des Ortes befasst und auf Besonderheiten hingewiesen, die er in seiner früheren politischen Rolle als Bezirksausschussvorsitzender kennenlernte. „Wenn ich unterwegs war, um zu besonderen Geburtstagen zu gratulieren, kam ich in manche Ecke, wo ich mich fragte, ob das überhaupt noch zum Bezirk gehört.“ Dabei stellte Polte zuweilen fest, „dass einige Leute selbst nicht so genau wussten, in welchem Ort sie eigentlich wohnen“. Besonders verwirrend ist die Lage zum Beispiel am Papensgrund. An die Verbindung zwischen Findelstraße und Veltheimer Straße reichen in kurzer Folge mit Holzhausen, Hausberge, Veltheim und Lohfeld gleich vier Orte heran. Früher spielten die Gemeindegrenzen eine bedeutende Rolle – auch in finanzieller Hinsicht. Herbert Wiese weist auf das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim hin, von dessen Steuergeldergeldern die Standortgemeinde profitierte – obwohl sich außer dem Umspannwerk auch ein Großteil der Kraftwerksgebäude auf Möllberger Gebiet befindet (allerdings nur einer der drei Schornsteine). Manch alteingesessener Möllberger hat in den vergangenen Jahren die MT-Redaktion darauf hingewiesen, dass bei Berichten übers inzwischen stillgelegte GKV neben Veltheim auch Möllbergen in der Ortsmarke auftauchen müsste. Übrigens spielt sich ein Teil des Festivalgeschehens „Umsonst und Draußen“ ebenfalls auf Möllberger Gebiet ab. Die alten Gemeindegrenzen sind heute noch bei der Bildung von Wahlbezirken von Bedeutung, weil die Wahlergebnisse über die Zusammensetzung des Ortsrates (Bezirksausschuss) entscheiden. Hans-Martin Polte weist in seinem Buch darauf hin, dass sich auch die Jagdbezirke an den alten Gemarkungsgrenzen ausrichten. In der Stadt Porta Westfalica wachsen die ehemals selbstständigen 15 Gemeinden seit fast einem halben Jahrhundert zusammen. Unterschiede verwischen allmählich. Gleichwohl kann es unterhaltsam sein, in geselliger Runde mit ortskundigem Nischenwissen zu beeindrucken. So manche Wette soll dabei schon kurzerhand gewonnen – oder verloren – worden sein. Hier zwei „Klassiker“, die immer noch für Aha-Erlebnisse sorgen: Das Porta-Bad liegt nicht in Hausberge, sondern eindeutig in Holzhausen. Und der Zugang zu den Bahngleisen samt Aufzug und Treppe befindet sich in – Lerbeck, übrigens ebenso wie das benachbarte Bordell im früheren Hotel „Großer Kurfürst“. Die angrenzende Immobilie des Entsorgers Prezero (ehemals Tönsmeier) gehört ebenfalls zu Lerbeck, der nördliche Bereich samt Lagerplatz jedoch zu Neesen. Die Wurzeln des Unternehmens Tönsmeier liegen wiederum in Hausberge. Doch das ist eine andere Geschichte.

Wo eine Gemeinde aufhört oder anfängt, birgt Überraschungen

Den Bahnhof Porta ordnen viele spontan Hausberge zu. Aufs Bahnhofsgebäude (im Hintergrund) trifft das auch zu. Doch der Zugang mit Rampe, Aufzug und Treppe gehört zu einem anderen Ort – ebenso wie das Bordell in unmittelbarer Nähe.? MT- © Foto: Dirk Haunhorst

Porta Westfalica. Einige Leserinnen und Leser waren verwundert. Der Lidl-Markt an der Kreuzung B482/Zur Porta liegt doch in Lerbeck, meinten sie und wiesen die Redaktion auf den vermeintlichen Fehler hin. Im Bericht über den Überfall auf den Discounter stand „Neesen“ in der sogenannten Ortsmarke – und das war richtig, wie ein Blick in die interaktiven Karten zeigte, die zum Beispiel auf der Seite des Kreises unter www. minden-luebbecke.de/Service/GEOportal aufgeführt sind.

Der Grenzverlauf zwischen Neesen und Lerbeck zählt zu den besonders sprunghaften in Porta Westfalica. Praktisch haben die alten Gemeindegrenzen nach der Gründung der Stadt Porta Westfalica im Jahr 1973 stark an Bedeutung verloren. „Sie sind aber weiterhin interessant, um ein Ortsgefühl zu entwickeln“, sagt Stadtheimatpfleger Herbert Wiese. Das zeigt sich bei Schnatgängen, auf denen die Teilnehmer zumeist unter Führung der Heimatpfleger die Randbereiche des Dorfes erkunden. Dabei wird Ortsgeschichte lebendig.

Hans-Martin Polte hat sich in seinem gut 300 Seiten dicken Hausberge-Buch auch mit den Grenzen des Ortes befasst und auf Besonderheiten hingewiesen, die er in seiner früheren politischen Rolle als Bezirksausschussvorsitzender kennenlernte. „Wenn ich unterwegs war, um zu besonderen Geburtstagen zu gratulieren, kam ich in manche Ecke, wo ich mich fragte, ob das überhaupt noch zum Bezirk gehört.“ Dabei stellte Polte zuweilen fest, „dass einige Leute selbst nicht so genau wussten, in welchem Ort sie eigentlich wohnen“. Besonders verwirrend ist die Lage zum Beispiel am Papensgrund. An die Verbindung zwischen Findelstraße und Veltheimer Straße reichen in kurzer Folge mit Holzhausen, Hausberge, Veltheim und Lohfeld gleich vier Orte heran.

Hausberge-Chronist Hans-Martin Polte (links) und Stadtheimatpfleger Herbert Wiese sehen sich Hausberges Gemeindegrenze an. In manchen Abschnitten ist der Verlauf ungewöhnlich. MT- - © Foto: Dirk Haunhorst
Hausberge-Chronist Hans-Martin Polte (links) und Stadtheimatpfleger Herbert Wiese sehen sich Hausberges Gemeindegrenze an. In manchen Abschnitten ist der Verlauf ungewöhnlich. MT- - © Foto: Dirk Haunhorst

Früher spielten die Gemeindegrenzen eine bedeutende Rolle – auch in finanzieller Hinsicht. Herbert Wiese weist auf das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim hin, von dessen Steuergeldergeldern die Standortgemeinde profitierte – obwohl sich außer dem Umspannwerk auch ein Großteil der Kraftwerksgebäude auf Möllberger Gebiet befindet (allerdings nur einer der drei Schornsteine). Manch alteingesessener Möllberger hat in den vergangenen Jahren die MT-Redaktion darauf hingewiesen, dass bei Berichten übers inzwischen stillgelegte GKV neben Veltheim auch Möllbergen in der Ortsmarke auftauchen müsste. Übrigens spielt sich ein Teil des Festivalgeschehens „Umsonst und Draußen“ ebenfalls auf Möllberger Gebiet ab.

Die alten Gemeindegrenzen sind heute noch bei der Bildung von Wahlbezirken von Bedeutung, weil die Wahlergebnisse über die Zusammensetzung des Ortsrates (Bezirksausschuss) entscheiden. Hans-Martin Polte weist in seinem Buch darauf hin, dass sich auch die Jagdbezirke an den alten Gemarkungsgrenzen ausrichten.

In der Stadt Porta Westfalica wachsen die ehemals selbstständigen 15 Gemeinden seit fast einem halben Jahrhundert zusammen. Unterschiede verwischen allmählich. Gleichwohl kann es unterhaltsam sein, in geselliger Runde mit ortskundigem Nischenwissen zu beeindrucken. So manche Wette soll dabei schon kurzerhand gewonnen – oder verloren – worden sein. Hier zwei „Klassiker“, die immer noch für Aha-Erlebnisse sorgen: Das Porta-Bad liegt nicht in Hausberge, sondern eindeutig in Holzhausen. Und der Zugang zu den Bahngleisen samt Aufzug und Treppe befindet sich in – Lerbeck, übrigens ebenso wie das benachbarte Bordell im früheren Hotel „Großer Kurfürst“. Die angrenzende Immobilie des Entsorgers Prezero (ehemals Tönsmeier) gehört ebenfalls zu Lerbeck, der nördliche Bereich samt Lagerplatz jedoch zu Neesen. Die Wurzeln des Unternehmens Tönsmeier liegen wiederum in Hausberge. Doch das ist eine andere Geschichte.

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