Kommentar zur Abholung einer Geflüchteten mitten in der Nacht: Übler Beigeschmack

Thomas Lieske

Gesetze bleiben Gesetze. Sie sind unabdingbar, und das ist auch gut so. Wie unschön deren Umsetzung allerdings sein kann, zeigt sich immer wieder bei Abschiebungen und Überstellungen nach dem Dublin-Verfahren. So auch Anfang dieser Woche in Porta Westfalica.

Was mag man denken, wenn es mitten in der Nacht an der Tür schellt? Wenn bewaffnete Polizisten das Haus umstellen? Wenn ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde die „Herausgabe“ einer Frau fordert? Und sie dann in ein Land kommt, in dem sie nicht mal ein Obdach hat? Geschehen: mitten in Deutschland, dem Sozialstaat mit einem Grundgesetz, das von Menschenrechten erzählt.

Wer von Menschenrechten predigt, aber über Nacht Geflüchtete von bewaffneten Polizisten abholen lässt, verleiht seinem Ruf einen üblen Beigeschmack. Er steht einem Sozialstaat wie Deutschland jedenfalls nicht gut zu Gesicht. Das trifft immer wieder Menschen, die durch ihre Flucht aus einer oft lebensbedrohlichen Lage im Heimatland sowieso schon traumatisiert sind. Und es ist zeitgleich ein Schlag ins Gesicht jener, die ihre Freizeit opfern, um Geflüchteten überhaupt erstmal eine Basis für eine Chance auf Integration zu schaffen.

Hier gibt es den Bericht zum Thema.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Kommentar zur Abholung einer Geflüchteten mitten in der Nacht: Übler BeigeschmackThomas LieskeGesetze bleiben Gesetze. Sie sind unabdingbar, und das ist auch gut so. Wie unschön deren Umsetzung allerdings sein kann, zeigt sich immer wieder bei Abschiebungen und Überstellungen nach dem Dublin-Verfahren. So auch Anfang dieser Woche in Porta Westfalica. Was mag man denken, wenn es mitten in der Nacht an der Tür schellt? Wenn bewaffnete Polizisten das Haus umstellen? Wenn ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde die „Herausgabe“ einer Frau fordert? Und sie dann in ein Land kommt, in dem sie nicht mal ein Obdach hat? Geschehen: mitten in Deutschland, dem Sozialstaat mit einem Grundgesetz, das von Menschenrechten erzählt. Wer von Menschenrechten predigt, aber über Nacht Geflüchtete von bewaffneten Polizisten abholen lässt, verleiht seinem Ruf einen üblen Beigeschmack. Er steht einem Sozialstaat wie Deutschland jedenfalls nicht gut zu Gesicht. Das trifft immer wieder Menschen, die durch ihre Flucht aus einer oft lebensbedrohlichen Lage im Heimatland sowieso schon traumatisiert sind. Und es ist zeitgleich ein Schlag ins Gesicht jener, die ihre Freizeit opfern, um Geflüchteten überhaupt erstmal eine Basis für eine Chance auf Integration zu schaffen. Hier gibt es den Bericht zum Thema.