Holtrup

Im Auftrag der Regierung: Portaner Unternehmen soll für geregelte Abwassersysteme in Ägypten sorgen

Thomas Lieske

Shakehands und Applaus zum Vertragsabschluss in Kairo: ATB-Geschäftsführer Markus Baumann (vorne links) und Dr. Eng Hassan Abdel Magied (vorne rechts) von der Nationalen Organisation für Militärische Produktion haben soeben unterschrieben. - © Foto: pr
Shakehands und Applaus zum Vertragsabschluss in Kairo: ATB-Geschäftsführer Markus Baumann (vorne links) und Dr. Eng Hassan Abdel Magied (vorne rechts) von der Nationalen Organisation für Militärische Produktion haben soeben unterschrieben. (© Foto: pr)

Porta Westfalica-Holtrup (mt). Der Portaner Abwasserspezialist ATB arbeitet ab sofort im Auftrag der ägyptischen Regierung. Vor Kurzem hat das Unternehmen eine Kooperation mit dem Ministerium für Militärische Produktion des Landes geschlossen.

Konkret soll ATB die geradezu katastrophale Situation bei der Abwasserentsorgung in Ägypten verbessern. „Etwa 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung sind überhaupt nicht mit einer Abwassertechnik ausgestattet“, weiß Thomas Gester. Er ist Exportleiter bei ATB und hat den Kontakt nach Kairo geknüpft. „Wir sind selbst erstaunt, dass wir jetzt den Auftrag bekommen haben“, erzählt Gester. Denn: Das Portaner Unternehmen ist proaktiv auf die ägyptische Regierung zugegangen. Und hat damit nun aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mammutprojekt vor der Brust. „Zum teil geht es um einzelne Häuser, zum teil um ganze Dörfer“, erklärt der Exportleiter. Wie groß das Auftragsvolumen ist, darüber kann er allerdings noch gar nichts sagen. „Wir stehen ganz am Anfang. Bis Januar will die Regierung ihre Anforderungen an die Abwassersysteme klarmachen.“

Das mittelständische Unternehmen aus Porta ist unter anderem auf Kleinkläranlagen spezialisiert. Genau da soll die Firma um Geschäftsführer Markus Baumann ansetzen. Denn laut ägyptischer Regierung haben mehr als 40 Millionen Einwohner bis heute keine zeitgemäße Abwasserentsorgung. Die Folge: Oft fließt das gebrauchte Wasser ungefiltert in die Gewässer der Umgebung. Damit soll irgendwann Schluss sein. Doch warum arbeitet ATB dabei ausgerechnet mit dem Militär zusammen? „In Ägypten funktioniert das Militär anders als im westlichen Raum“, weiß Gester. „Die Aufgaben sind dort anders verteilt. Unter anderem ist das Militär für Großproduktionen zuständig.“ Weil die Abwassertechnik in Ägypten eine Mammutaufgabe sein wird, will ATB eng mit dem Militär kooperieren. „Wir werden die spezialisierte Technik für die Systeme liefern und verbauen. Das Militär wird voraussichtlich die Standardprodukte herstellen und ausliefern“, erklärt Thomas Gester am Dienstagnachmittag im Gespräch mit dem MT.

Er und Baumann sind bereits gespannt, wie viel Kapazität sie für den Auftrag aus Afrika benötigen werden. Derzeit hat das Unternehmen rund 60 Mitarbeiter in Deutschland, in der gesamten Unternehmensgruppe – dazu gehören anteilig etwa Betonwerke – rund 100. Ob das reichen wird? Derzeit stehen noch viele Fragezeichen über dem Großauftrag. Sicher ist aber schon jetzt: „Das Abwasser soll hinterher wiederverwendbar sein. Zum Beispiel für die Bewässerung in der Landwirtschaft“, erklärt Gester. Damit wolle die Regierung dem ständigen Wassermangel fernab des Nils begegnen, weiß der Exportleiter.

Für den hat das Portaner Unternehmen übrigens schon mehrere Anläufe unternommen. „Es hat nie so richtig geklappt. Umso mehr freuen wir uns nun, dass wir mit der Regierung zusammenarbeiten können“, sagt Thomas Gester. Und diesen Auftrag werde man sehr ernst nehmen. „Immerhin kommt er von höchster Stelle, dem Präsidenten selbst.“ Der habe nämlich das Abwasserproblem zu einer Aufgabe mit höchster Priorität hochgestuft.

Im November war Gester schon einmal mit Mitarbeitern in Kairo, um erste Vorgespräche zu führen. Nun, vor gut einer Woche, war es dann so weit: ATB und die Regierung haben die Kooperation unterschrieben. Damit ist der Auftrag amtlich.

ATB hat sich in der Vergangenheit bereits einen Namen auf dem Abwassermarkt gemacht. Das weltweit agierende Unternehmen hat sich auf Abwassertechnologie und dezentrale Klärtechnik spezialisiert – genau das, was in Ägypten dringend benötigt wird. Gebaut werden nicht nur Standardlösungen, sondern vor allem individuelle Anlagen. Seit 20 Jahren ist das Unternehmen in diesem Sektor aktiv und hat unter anderem für seine Produkte bereits den Preis des Deutschen Mittelstandes eingeheimst.

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HoltrupIm Auftrag der Regierung: Portaner Unternehmen soll für geregelte Abwassersysteme in Ägypten sorgenThomas LieskePorta Westfalica-Holtrup (mt). Der Portaner Abwasserspezialist ATB arbeitet ab sofort im Auftrag der ägyptischen Regierung. Vor Kurzem hat das Unternehmen eine Kooperation mit dem Ministerium für Militärische Produktion des Landes geschlossen. Konkret soll ATB die geradezu katastrophale Situation bei der Abwasserentsorgung in Ägypten verbessern. „Etwa 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung sind überhaupt nicht mit einer Abwassertechnik ausgestattet“, weiß Thomas Gester. Er ist Exportleiter bei ATB und hat den Kontakt nach Kairo geknüpft. „Wir sind selbst erstaunt, dass wir jetzt den Auftrag bekommen haben“, erzählt Gester. Denn: Das Portaner Unternehmen ist proaktiv auf die ägyptische Regierung zugegangen. Und hat damit nun aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mammutprojekt vor der Brust. „Zum teil geht es um einzelne Häuser, zum teil um ganze Dörfer“, erklärt der Exportleiter. Wie groß das Auftragsvolumen ist, darüber kann er allerdings noch gar nichts sagen. „Wir stehen ganz am Anfang. Bis Januar will die Regierung ihre Anforderungen an die Abwassersysteme klarmachen.“ Das mittelständische Unternehmen aus Porta ist unter anderem auf Kleinkläranlagen spezialisiert. Genau da soll die Firma um Geschäftsführer Markus Baumann ansetzen. Denn laut ägyptischer Regierung haben mehr als 40 Millionen Einwohner bis heute keine zeitgemäße Abwasserentsorgung. Die Folge: Oft fließt das gebrauchte Wasser ungefiltert in die Gewässer der Umgebung. Damit soll irgendwann Schluss sein. Doch warum arbeitet ATB dabei ausgerechnet mit dem Militär zusammen? „In Ägypten funktioniert das Militär anders als im westlichen Raum“, weiß Gester. „Die Aufgaben sind dort anders verteilt. Unter anderem ist das Militär für Großproduktionen zuständig.“ Weil die Abwassertechnik in Ägypten eine Mammutaufgabe sein wird, will ATB eng mit dem Militär kooperieren. „Wir werden die spezialisierte Technik für die Systeme liefern und verbauen. Das Militär wird voraussichtlich die Standardprodukte herstellen und ausliefern“, erklärt Thomas Gester am Dienstagnachmittag im Gespräch mit dem MT. Er und Baumann sind bereits gespannt, wie viel Kapazität sie für den Auftrag aus Afrika benötigen werden. Derzeit hat das Unternehmen rund 60 Mitarbeiter in Deutschland, in der gesamten Unternehmensgruppe – dazu gehören anteilig etwa Betonwerke – rund 100. Ob das reichen wird? Derzeit stehen noch viele Fragezeichen über dem Großauftrag. Sicher ist aber schon jetzt: „Das Abwasser soll hinterher wiederverwendbar sein. Zum Beispiel für die Bewässerung in der Landwirtschaft“, erklärt Gester. Damit wolle die Regierung dem ständigen Wassermangel fernab des Nils begegnen, weiß der Exportleiter. Für den hat das Portaner Unternehmen übrigens schon mehrere Anläufe unternommen. „Es hat nie so richtig geklappt. Umso mehr freuen wir uns nun, dass wir mit der Regierung zusammenarbeiten können“, sagt Thomas Gester. Und diesen Auftrag werde man sehr ernst nehmen. „Immerhin kommt er von höchster Stelle, dem Präsidenten selbst.“ Der habe nämlich das Abwasserproblem zu einer Aufgabe mit höchster Priorität hochgestuft. Im November war Gester schon einmal mit Mitarbeitern in Kairo, um erste Vorgespräche zu führen. Nun, vor gut einer Woche, war es dann so weit: ATB und die Regierung haben die Kooperation unterschrieben. Damit ist der Auftrag amtlich. ATB hat sich in der Vergangenheit bereits einen Namen auf dem Abwassermarkt gemacht. Das weltweit agierende Unternehmen hat sich auf Abwassertechnologie und dezentrale Klärtechnik spezialisiert – genau das, was in Ägypten dringend benötigt wird. Gebaut werden nicht nur Standardlösungen, sondern vor allem individuelle Anlagen. Seit 20 Jahren ist das Unternehmen in diesem Sektor aktiv und hat unter anderem für seine Produkte bereits den Preis des Deutschen Mittelstandes eingeheimst.