Porta Westfalica

Die A 2 bei Porta Westfalica gilt als Schmuggel-Hotspot

Thomas Lieske

Immer wieder ziehen Zollfahnder "dicke Fische" im bereich Porta Westfalica aus dem Verkehr. In diesem Fall war es ein Kleintransporter mit rund 1,4 Millionen Zigaretten. - © Foto: MT-Archiv/Zoll
Immer wieder ziehen Zollfahnder "dicke Fische" im bereich Porta Westfalica aus dem Verkehr. In diesem Fall war es ein Kleintransporter mit rund 1,4 Millionen Zigaretten. (© Foto: MT-Archiv/Zoll)

Porta Westfalica (mt). Kirsten Schüler spricht von einem Hotspot der Schmuggelei. Und die Zahlen, die die Sprecherin des Hauptzollamtes Bielefeld für den Abschnitt der Autobahn 2 in Porta Westfalica präsentiert, sind eindrucksvoll. 33 Kilogramm Kokain – die Beamten mochten ihren Augen zunächst kaum trauen – entdecken Zollfahnder bei ihrem vermutlich größten Fund im Bereich Porta.

„Das war im März 2017“, erinnert sich Schüler im MT-Gespräch. „Der Schwarzmarktwert betrug damals allein 2,5 Millionen Euro.“ Die Zollfahnder gehen aber davon aus, dass die Täter mit dem Kokain vermutlich deutlich mehr Geld gemacht hätten – wenn der Zoll sie nicht erwischt hätte. „Oft strecken die Dealer das Kokain, um mehr zu verkaufen“, weiß Schüler. Das Transportfahrzeug sei damals extra für diesen Schmuggelversuch präpariert worden. Sämtliche Hohlräume des Autos seien ausgenutzt worden. Selbst unter dem Reserverad hätten die Fahnder Kokain gefunden.

33 Kilogramm Rauschgift, das komme natürlich nicht alle Tage vor, erläutert die Sprecherin. „Wir sind nahezu täglich auf der A2 unterwegs und kontrollieren den fließenden Verkehr.“ Vor allem im Bereich des Kreuzes Bad Oeynhausen und Porta Westfalica sei der Zoll „sehr erfolgreich“, wie Schüler es nennt.

Das sei kein Wunder, findet die Fachfrau. „Wir haben es bei der A2 mit einer regelrechten Transitstrecke, der sogenannten Warschauer Allee, zu tun. Hier fährt der Verkehr von den Ostblockstaaten in die Niederlande und anders herum.“ Deshalb könne man schon beinahe stigmatisieren: „Wenn wir Fahrzeuge kontrollieren, die von Westen nach Osten fahren, haben sie meist Drogen geladen. Auf der umgekehrten Route sind es eher Zigaretten.“

An einen großen Zigarettenschmuggel erinnert sich Schüler ebenfalls aus dem Jahr 2017. Damals waren satte 1,4 Millionen Zigaretten auf einer Ladefläche eines Lkw versteckt. „Sie befanden sich zwischen Apfelsaft und Cola“, erzählt Schüler. „Die Kollegen haben sich von den Ladepapieren, die nur die Getränke aufwiesen, nicht täuschen lassen und die Ladefläche trotzdem kontrolliert.“ Die Zigaretten kamen aus Weißrussland und sollten in den Westen gehen.

Aber wie kommen die Fahnder auf die richtigen Fahrzeuge? „Die Kollegen haben dafür ein Feeling, sie sehen das, kennen Merkmale verdächtiger Fahrzeuge“, erklärt Schüler. Natürlich gehöre auch Glück dazu, um die richtigen Fahrzeuge zu treffen. Ob die Schmuggelei zu- oder abnehme, könne sie aber nicht sagen. „Je mehr wir kontrollieren, desto mehr finden wir natürlich auch“, sagt die Zollfrau.

So auch Anfang dieses Jahres kurz vor der Auffahrt auf die A2 im Kreuz Bad Oeynhausen. Fahnder des Zolls kontrollieren einen Kleintransporter und finden: acht Kilogramm Marihuana. Verkaufswert: geschätzte 80.000 Euro. Dazu kommt eine Vielzahl an Kleinfunden bei den Kontrollen.

Für die Kontrollen baut der Zoll viermal im Jahr übrigens eine mobile Röntgenanlage auf. „Über einen langen Arm scannen wir den Innenraum der Fahrzeuge. Damit können wir auch große Lkw auf einen Blick erfassen“, erklärt Schüler. „Wenn uns verdächtige Strukturen auf der Ladefläche auffallen, nehmen wir das Fahrzeug auseinander.“ Größere Kontrollen organisiert der Zoll mit Polizei und teils auch mit der Bezirksregierung zusammen.

Die Schmuggelei sei das eine, sagt Schüler. Das andere seien klassische Straftaten. Auffällig im Bereich Porta Westfalica: Diebe, die in großem Stil Diesel aus stehenden Lkw abzapfen. Und das vor allem auf unbewachten Parkplätzen. Davon gibt es allein im Bereich Porta Westfalica und Bad Eilsen vier – zwei pro Fahrtrichtung. Im vergangenen Monat schlagen die Diebe gleich zweimal zu: Am 30. Oktober zapfen sie 400 Liter Diesel ab, am 9. Oktober rund 330 Liter. Die Fahrer der Lkw schlafen jeweils in ihren Kabinen, als die Täter den Schlauch am Tank ansetzen.

Besonders perfide gehen die Diebe in der Nacht zum 30. September auf dem Parkplatz Papenbrink direkt hinter der Grenze zur Porta vor. Sie leiten Gas in die Fahrerkabine ein, in der der Fahrer des Lkw gerade schläft. Dann pumpen sie knapp 1.000 Liter Diesel ab. Der Lkw-Fahrer kam in ein Krankenhaus.

Um solche Vorfälle zumindest einzudämmen, steuere die Autobahnpolizei zumindest nachts vermehrt auch die unbewachten Rastplätze in Porta Westfalica an, erklärt Polizeisprecherin Hella Christoph.

„A 2 – hautnah“

Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 Porta Westfalica.

Mehr als 100.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A 2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A 2 eine große Rolle spielt: egal ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht.

Heute: Erfolge der Zollfahnder

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Porta WestfalicaDie A 2 bei Porta Westfalica gilt als Schmuggel-HotspotThomas LieskePorta Westfalica (mt). Kirsten Schüler spricht von einem Hotspot der Schmuggelei. Und die Zahlen, die die Sprecherin des Hauptzollamtes Bielefeld für den Abschnitt der Autobahn 2 in Porta Westfalica präsentiert, sind eindrucksvoll. 33 Kilogramm Kokain – die Beamten mochten ihren Augen zunächst kaum trauen – entdecken Zollfahnder bei ihrem vermutlich größten Fund im Bereich Porta. „Das war im März 2017“, erinnert sich Schüler im MT-Gespräch. „Der Schwarzmarktwert betrug damals allein 2,5 Millionen Euro.“ Die Zollfahnder gehen aber davon aus, dass die Täter mit dem Kokain vermutlich deutlich mehr Geld gemacht hätten – wenn der Zoll sie nicht erwischt hätte. „Oft strecken die Dealer das Kokain, um mehr zu verkaufen“, weiß Schüler. Das Transportfahrzeug sei damals extra für diesen Schmuggelversuch präpariert worden. Sämtliche Hohlräume des Autos seien ausgenutzt worden. Selbst unter dem Reserverad hätten die Fahnder Kokain gefunden. 33 Kilogramm Rauschgift, das komme natürlich nicht alle Tage vor, erläutert die Sprecherin. „Wir sind nahezu täglich auf der A2 unterwegs und kontrollieren den fließenden Verkehr.“ Vor allem im Bereich des Kreuzes Bad Oeynhausen und Porta Westfalica sei der Zoll „sehr erfolgreich“, wie Schüler es nennt. Das sei kein Wunder, findet die Fachfrau. „Wir haben es bei der A2 mit einer regelrechten Transitstrecke, der sogenannten Warschauer Allee, zu tun. Hier fährt der Verkehr von den Ostblockstaaten in die Niederlande und anders herum.“ Deshalb könne man schon beinahe stigmatisieren: „Wenn wir Fahrzeuge kontrollieren, die von Westen nach Osten fahren, haben sie meist Drogen geladen. Auf der umgekehrten Route sind es eher Zigaretten.“ An einen großen Zigarettenschmuggel erinnert sich Schüler ebenfalls aus dem Jahr 2017. Damals waren satte 1,4 Millionen Zigaretten auf einer Ladefläche eines Lkw versteckt. „Sie befanden sich zwischen Apfelsaft und Cola“, erzählt Schüler. „Die Kollegen haben sich von den Ladepapieren, die nur die Getränke aufwiesen, nicht täuschen lassen und die Ladefläche trotzdem kontrolliert.“ Die Zigaretten kamen aus Weißrussland und sollten in den Westen gehen. Aber wie kommen die Fahnder auf die richtigen Fahrzeuge? „Die Kollegen haben dafür ein Feeling, sie sehen das, kennen Merkmale verdächtiger Fahrzeuge“, erklärt Schüler. Natürlich gehöre auch Glück dazu, um die richtigen Fahrzeuge zu treffen. Ob die Schmuggelei zu- oder abnehme, könne sie aber nicht sagen. „Je mehr wir kontrollieren, desto mehr finden wir natürlich auch“, sagt die Zollfrau. So auch Anfang dieses Jahres kurz vor der Auffahrt auf die A2 im Kreuz Bad Oeynhausen. Fahnder des Zolls kontrollieren einen Kleintransporter und finden: acht Kilogramm Marihuana. Verkaufswert: geschätzte 80.000 Euro. Dazu kommt eine Vielzahl an Kleinfunden bei den Kontrollen. Für die Kontrollen baut der Zoll viermal im Jahr übrigens eine mobile Röntgenanlage auf. „Über einen langen Arm scannen wir den Innenraum der Fahrzeuge. Damit können wir auch große Lkw auf einen Blick erfassen“, erklärt Schüler. „Wenn uns verdächtige Strukturen auf der Ladefläche auffallen, nehmen wir das Fahrzeug auseinander.“ Größere Kontrollen organisiert der Zoll mit Polizei und teils auch mit der Bezirksregierung zusammen. Die Schmuggelei sei das eine, sagt Schüler. Das andere seien klassische Straftaten. Auffällig im Bereich Porta Westfalica: Diebe, die in großem Stil Diesel aus stehenden Lkw abzapfen. Und das vor allem auf unbewachten Parkplätzen. Davon gibt es allein im Bereich Porta Westfalica und Bad Eilsen vier – zwei pro Fahrtrichtung. Im vergangenen Monat schlagen die Diebe gleich zweimal zu: Am 30. Oktober zapfen sie 400 Liter Diesel ab, am 9. Oktober rund 330 Liter. Die Fahrer der Lkw schlafen jeweils in ihren Kabinen, als die Täter den Schlauch am Tank ansetzen. Besonders perfide gehen die Diebe in der Nacht zum 30. September auf dem Parkplatz Papenbrink direkt hinter der Grenze zur Porta vor. Sie leiten Gas in die Fahrerkabine ein, in der der Fahrer des Lkw gerade schläft. Dann pumpen sie knapp 1.000 Liter Diesel ab. Der Lkw-Fahrer kam in ein Krankenhaus. Um solche Vorfälle zumindest einzudämmen, steuere die Autobahnpolizei zumindest nachts vermehrt auch die unbewachten Rastplätze in Porta Westfalica an, erklärt Polizeisprecherin Hella Christoph. „A 2 – hautnah“ Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 Porta Westfalica. Mehr als 100.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A 2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A 2 eine große Rolle spielt: egal ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht. Heute: Erfolge der Zollfahnder