Hausberge

Irritation auf der Kempstraße in Hausberge

Hans-Martin Polte

Der Autofahrer links, der aus der Straße „Am Park“ auf die Kempstraße fährt, hat nach der Rechts-vor-links-Regelung Vorfahrt. In dieser Szene klappt das problemlos. Doch schon häufiger sei es an dieser Stelle zu Beinah-Unfällen gekommen, berichten Anwohner. Fotos: Hans-Martin Polte - © Polte
Der Autofahrer links, der aus der Straße „Am Park“ auf die Kempstraße fährt, hat nach der Rechts-vor-links-Regelung Vorfahrt. In dieser Szene klappt das problemlos. Doch schon häufiger sei es an dieser Stelle zu Beinah-Unfällen gekommen, berichten Anwohner. Fotos: Hans-Martin Polte (© Polte)

Porta Westfalica-Hausberge (pte). Besonders gut aufpassen müssen Autofahrer, wenn sie in Hausberge von der neuen Straße „Am Park" auf die Kempstraße in Höhe des Rathauses einbiegen wollen. Denn seitdem die ehemalige Parkplatzausfahrt im Frühjahr 2017 zur Straße umgebaut worden ist und mit der Kempstraße verkehrsrechtlich gleichgestellt ist, gilt hier die Rechts-vor-Links-Regelung, da sich die Kempstraße in einer beschilderten Tempo-30-Zone befindet.

Beide Regelungen sind einigen Autofahrern offenbar nicht bewusst, wie Anwohnerin Rosemarie Schubert des Öfteren feststellt: „Abgesehen davon, dass Autofahrer hier häufig schneller als 30 Stundenkilometer fahren, bekommt man so manches Mal Kopfschütteln und sogar eindeutige Handzeichen zu sehen, wenn man von rechts kommend mit der Spitze des Autos vorsichtig auf die Mitte der Kempstraße zu fahren versucht. Ich habe bis vor zwei Jahren in der Großstadt gewohnt und so etwas dort nicht erlebt."

Solch eine Wartelinie wie hier an der Einmündung der Straße Faulensiek auf die Kempstraße ist neueren Vorschriften zufolge nicht mehr erlaubt.
Solch eine Wartelinie wie hier an der Einmündung der Straße Faulensiek auf die Kempstraße ist neueren Vorschriften zufolge nicht mehr erlaubt.

Allerdings ist der Einmündungsbereich der neuen Straße für Autofahrer auf der Kempstraße schwer zu überschauen, denn direkt nebenan liegen die beiden ähnlich aussehenden Ausfahrten des großen Rathausparkplatzes, bei denen die ausfahrenden Verkehrsteilnehmer nicht vorfahrtsberechtigt sind.

Deshalb stellen sich neben Anwohnern auch Besucher des Bürgerhauses die Frage, warum an dieser Stelle die neue Rechts-vor-Links-Regelung nicht deutlicher hervorgehoben wird. So hat das Ordnungsamt Vorschläge erhalten, eine durchbrochene weiße Wartelinie auf der Straße aufzubringen, wie sie im weiteren Verlauf der Kempstraße mehrfach zu sehen ist.

Diese Markierung sei allerdings nicht mehr erlaubt, erläutert Stadtsprecherin Babette Lissner auf Nachfrage: „Nach der die Verkehrsbehörde rechtlich bindenden Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung dürfen Wartelinien zur Klarstellung der Rechts-vor-links-Regelung in 30er-Zonen seit einigen Jahren nicht mehr aufgebracht werden."

Zum Hinweis auf die Handhabung der Stadt Minden, wo beispielsweise in der Straße Bärenkämpen und in dem an Porta Westfalica angrenzenden Neubaugebiet Erbeweg recht frisch wirkende Wartelinien aufgebracht worden sind, äußert sich Porta so: „Einer Erneuerung der nach früherem Recht aufgebrachten Linien steht die Verwaltungsvorschrift nicht entgegen. Ansonsten können Wartelinien (in 30er-Zonen) nur in seltenen Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Vorliegen einer Gefahrenlage) von der zuständigen Behörde (Bezirksregierung) auf Antrag der Stadt Porta Westfalica genehmigt werden." Eine Gefahrenlage liege aber hier bei der Einmündung der Straße „Am Park" nicht vor, da es an dieser Stelle noch keinen Unfall auf Grund einer Missachtung der Rechts-vor-Links-Regelung gegeben habe.

Das aber sei nur der defensiven und vorsichtigen Fahrweise der Anwohner zu verdanken, meinen Betroffene, die hoffen, dass vielleicht doch noch eine erhellende Lösung im Interesse der Sicherheit gefunden werden kann. Zumal es so eine Lösung schon einmal gegeben hat: Nach der Fertigstellung der Straße „Am Park" stand für längere Zeit ein Verkehrsschild mit der Aufschrift „Vorfahrt geändert" vor der Einmündung. Solch ein Warnschild darf nach Auskunft der Stadtverwaltung dort nur ein halbes Jahr stehen.

Eine ähnlich heikle Stelle müssen Autofahrer auf der unteren Kempstraße an der Einmündung der Straße Kiekenbrink kurz vor der evangelischen Kirche meistern. Auch hier gilt die Rechts-vor-links-Regel, wobei die Sicht auf den vorfahrtsberechtigten Kiekenbrink durch eine Mauer eingeschränkt ist. Auch hier wäre eine Wartelinie oder Ähnliches besonders für Ortsfremde hilfreich, meinen Hausberger, die dort regelmäßig unterwegs sind.

Defensiv!

Ein Kommentar von Dirk Haunhorst

Autofahrer sehen ja vor lauter Schildern zuweilen die Straße nicht. Deshalb ist es grundsätzlich richtig, wenn Behörden den Schilderwald zurechtstutzen. An der Kempstraße wäre jedoch ein expliziter Hinweis auf die Rechts-vor-links-Situation wünschenswert. Denn die Straße „Am Park", an der außer dem Bürgerhaus zwei neue Gebäude mit 20 Wohneinheiten liegen, hat eher den Charakter einer Grundstückszufahrt als einer „richtigen" Straße. Bedauerlich, dass offenbar aktuelle Vorschriften selbst einer schlichten Fahrbahnmarkierung entgegenstehen. Ob mit oder ohne Hinweis – eine defensive Fahrweise ist hier besonders wichtig. Das gilt gleichermaßen für die Abbieger aus der Straße „Am Park" und den Kempstraßen-Verkehr. Wenn sich Letzterer zudem an Tempo 30 hält, sollte das Unfallrisiko deutlich sinken.

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HausbergeIrritation auf der Kempstraße in HausbergeHans-Martin PoltePorta Westfalica-Hausberge (pte). Besonders gut aufpassen müssen Autofahrer, wenn sie in Hausberge von der neuen Straße „Am Park" auf die Kempstraße in Höhe des Rathauses einbiegen wollen. Denn seitdem die ehemalige Parkplatzausfahrt im Frühjahr 2017 zur Straße umgebaut worden ist und mit der Kempstraße verkehrsrechtlich gleichgestellt ist, gilt hier die Rechts-vor-Links-Regelung, da sich die Kempstraße in einer beschilderten Tempo-30-Zone befindet. Beide Regelungen sind einigen Autofahrern offenbar nicht bewusst, wie Anwohnerin Rosemarie Schubert des Öfteren feststellt: „Abgesehen davon, dass Autofahrer hier häufig schneller als 30 Stundenkilometer fahren, bekommt man so manches Mal Kopfschütteln und sogar eindeutige Handzeichen zu sehen, wenn man von rechts kommend mit der Spitze des Autos vorsichtig auf die Mitte der Kempstraße zu fahren versucht. Ich habe bis vor zwei Jahren in der Großstadt gewohnt und so etwas dort nicht erlebt." Allerdings ist der Einmündungsbereich der neuen Straße für Autofahrer auf der Kempstraße schwer zu überschauen, denn direkt nebenan liegen die beiden ähnlich aussehenden Ausfahrten des großen Rathausparkplatzes, bei denen die ausfahrenden Verkehrsteilnehmer nicht vorfahrtsberechtigt sind. Deshalb stellen sich neben Anwohnern auch Besucher des Bürgerhauses die Frage, warum an dieser Stelle die neue Rechts-vor-Links-Regelung nicht deutlicher hervorgehoben wird. So hat das Ordnungsamt Vorschläge erhalten, eine durchbrochene weiße Wartelinie auf der Straße aufzubringen, wie sie im weiteren Verlauf der Kempstraße mehrfach zu sehen ist. Diese Markierung sei allerdings nicht mehr erlaubt, erläutert Stadtsprecherin Babette Lissner auf Nachfrage: „Nach der die Verkehrsbehörde rechtlich bindenden Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung dürfen Wartelinien zur Klarstellung der Rechts-vor-links-Regelung in 30er-Zonen seit einigen Jahren nicht mehr aufgebracht werden." Zum Hinweis auf die Handhabung der Stadt Minden, wo beispielsweise in der Straße Bärenkämpen und in dem an Porta Westfalica angrenzenden Neubaugebiet Erbeweg recht frisch wirkende Wartelinien aufgebracht worden sind, äußert sich Porta so: „Einer Erneuerung der nach früherem Recht aufgebrachten Linien steht die Verwaltungsvorschrift nicht entgegen. Ansonsten können Wartelinien (in 30er-Zonen) nur in seltenen Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Vorliegen einer Gefahrenlage) von der zuständigen Behörde (Bezirksregierung) auf Antrag der Stadt Porta Westfalica genehmigt werden." Eine Gefahrenlage liege aber hier bei der Einmündung der Straße „Am Park" nicht vor, da es an dieser Stelle noch keinen Unfall auf Grund einer Missachtung der Rechts-vor-Links-Regelung gegeben habe. Das aber sei nur der defensiven und vorsichtigen Fahrweise der Anwohner zu verdanken, meinen Betroffene, die hoffen, dass vielleicht doch noch eine erhellende Lösung im Interesse der Sicherheit gefunden werden kann. Zumal es so eine Lösung schon einmal gegeben hat: Nach der Fertigstellung der Straße „Am Park" stand für längere Zeit ein Verkehrsschild mit der Aufschrift „Vorfahrt geändert" vor der Einmündung. Solch ein Warnschild darf nach Auskunft der Stadtverwaltung dort nur ein halbes Jahr stehen. Eine ähnlich heikle Stelle müssen Autofahrer auf der unteren Kempstraße an der Einmündung der Straße Kiekenbrink kurz vor der evangelischen Kirche meistern. Auch hier gilt die Rechts-vor-links-Regel, wobei die Sicht auf den vorfahrtsberechtigten Kiekenbrink durch eine Mauer eingeschränkt ist. Auch hier wäre eine Wartelinie oder Ähnliches besonders für Ortsfremde hilfreich, meinen Hausberger, die dort regelmäßig unterwegs sind. Defensiv! Ein Kommentar von Dirk Haunhorst Autofahrer sehen ja vor lauter Schildern zuweilen die Straße nicht. Deshalb ist es grundsätzlich richtig, wenn Behörden den Schilderwald zurechtstutzen. An der Kempstraße wäre jedoch ein expliziter Hinweis auf die Rechts-vor-links-Situation wünschenswert. Denn die Straße „Am Park", an der außer dem Bürgerhaus zwei neue Gebäude mit 20 Wohneinheiten liegen, hat eher den Charakter einer Grundstückszufahrt als einer „richtigen" Straße. Bedauerlich, dass offenbar aktuelle Vorschriften selbst einer schlichten Fahrbahnmarkierung entgegenstehen. Ob mit oder ohne Hinweis – eine defensive Fahrweise ist hier besonders wichtig. Das gilt gleichermaßen für die Abbieger aus der Straße „Am Park" und den Kempstraßen-Verkehr. Wenn sich Letzterer zudem an Tempo 30 hält, sollte das Unfallrisiko deutlich sinken.