PortaWestfalica

Sportverein wendet sich bei Dart an Menschen mit Handikap

Stefan Lyrath

Mit dem Darts-Virus infiziert: Rollidarter Thomas „Munky“ Munkelt aus Bückeburg nimmt an Turnieren in ganz Europa teil. - © Foto: Stefan Lyrath
Mit dem Darts-Virus infiziert: Rollidarter Thomas „Munky“ Munkelt aus Bückeburg nimmt an Turnieren in ganz Europa teil. (© Foto: Stefan Lyrath)

PortaWestfalica (Ly). Ob Darts ein Sport ist? Die Frage hat Carsten Bartsch, Spartenleiter beim TuS Holzhausen/Porta, schon öfter gehört. „Natürlich. Darts ist Mentalsport. Es geht um die Auge-Arm-Koordination“, antwortet er geduldig. „Bei den übernächsten Spielen soll Darts sogar olympisch werden. Wenn es eine Boom-Sportart gibt, dann Darts. Das liegt natürlich auch an den Übertragungen im Fernsehen.“

Zum zweiten Mal hat der TuS kürzlich in der Sporthalle Hausberge zwei Ranglistenturniere des Niedersächsischen Dart-Verbandes ausgerichtet. Erstmals gehörte am zweiten Tag ein reiner Paradarts-Wettbewerb für Menschen mit Handikap dazu. Sonst spielen Darter mit und ohne Behinderung zusammen – gelebte Inklusion.

Thomas „Munky“ Munkelt aus Bückeburg sitzt im Rollstuhl und will keine Extrawurst. Er könnte darauf pochen, dass die Scheibe für ihn in einer Höhe von 1,37 Metern aufgehängt wird. Tut er aber nicht. Der Mann vom TSV Bad Eilsen wirft wie alle anderen auf eine 1,73 Meter hohe Scheibe. Das bringt ihm Respekt ein.

Munkelt reist zu Turnieren in ganz Europa, hat bereits bei der EM und zwei Weltmeisterschaften gespielt. „Deutschland ist Paradarts-Entwicklungsland“, sagt er. Das könnte sich ändern. Neuerdings ist Paradarts als eigenständige Sparte anerkannt. Das hat der Verbandstag des Deutschen Dart-Verbandes vor zwei Wochen beschlossen.

„Dafür haben wir drei Jahre gekämpft“, atmet Thomas Munkelt auf. Jörg Schäfer-Messerschmid vom TuS Holzhausen/Porta, der selbst seit Jahrzehnten spielt, versteht das als „eine Art Anstoß“, nun verstärkt um Paradarter zu werben, die es bisher im Verein nicht gibt.

„Zunächst könnten wir improvisieren“, erklärt der frühere Geschäftsführer. Dann müssten die Toiletten umgebaut werden. „In einem Teil der Herrentoilette müsste man die Trennwand entfernen und Haltegriffe anbringen. Das wäre eine schnelle Nummer“, so Spartenleiter Carsten Bartsch. „Paradarter könnten wir aber auch schon jetzt aufnehmen.“

Paradarter Armin Wilhelm (Wiesbaden) wünscht sich, „dass bei neuen Sportstätten darauf geachtet wird, ob Paradarts machbar ist, und dass alte umgebaut werden – das wäre zumindest der Idealfall“. Vereine, so Wilhelm, würden sich damit schließlich für eine Sportart engagieren, die boomt.

Paradarter treten in zwei Gruppen an, eingeteilt nach der Art ihrer Beeinträchtigung. In der Hausberger Sporthalle waren 16 Spieler gemeldet, darunter drei Rollstuhlfahrer.

Wenn Thomas Munkelt nach seinen bislang besten Platzierungen gefragt wird, muss er erst seinen Sportsfreund Armin Wilhelm rufen, denn der hat alle Zahlen gespeichert. Der Bückeburger sucht zwar auch die sportliche Herausforderung, sportliche Erfolge sind ihm jedoch nicht so wichtig. Munkelt geht es beim Dartspielen vor allem um das Gemeinschaftserlebnis.

Trotzdem können sich seine Ergebnisse sehen lassen: Im März 2016 warf er mit drei Darts 180 Punkte, mit einer Aufnahme die maximale Punktzahl. In Hausberge lief es nicht richtig rund: Munkelt musste sich mit Platz drei in der Trostrunde begnügen. In der Hauptrunde siegte Heiko Bohnhorst (Osterode).

Die Holzhauser Ausrichter werten das Turnier als vollen Erfolg: 140 Spieler am ersten Tag, 120 am zweiten – inklusive der Paradarter aus diversen Bundesländern. „Wir haben ein durchweg positives Feedback bekommen“, berichtet Carsten Bartsch.

Ihm zufolge ist TuS Holzhausen/Porta der einzige Portaner Verein, der Darts im Ligabetrieb spielt. Zur Darts-Sparte (drei Mannschaften, 32 Scheiben) gehören 18 Spieler. Auch Paradarter (oder die es werden wollen) sind eingeladen, donnerstags um 19 Uhr zum Training im Sportheim an der Vlothoer Straße 165 zu kommen. Infos bei Carsten Bartsch, Telefon (01 77) 247 96 79.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

PortaWestfalicaSportverein wendet sich bei Dart an Menschen mit HandikapStefan LyrathPortaWestfalica (Ly). Ob Darts ein Sport ist? Die Frage hat Carsten Bartsch, Spartenleiter beim TuS Holzhausen/Porta, schon öfter gehört. „Natürlich. Darts ist Mentalsport. Es geht um die Auge-Arm-Koordination“, antwortet er geduldig. „Bei den übernächsten Spielen soll Darts sogar olympisch werden. Wenn es eine Boom-Sportart gibt, dann Darts. Das liegt natürlich auch an den Übertragungen im Fernsehen.“ Zum zweiten Mal hat der TuS kürzlich in der Sporthalle Hausberge zwei Ranglistenturniere des Niedersächsischen Dart-Verbandes ausgerichtet. Erstmals gehörte am zweiten Tag ein reiner Paradarts-Wettbewerb für Menschen mit Handikap dazu. Sonst spielen Darter mit und ohne Behinderung zusammen – gelebte Inklusion. Thomas „Munky“ Munkelt aus Bückeburg sitzt im Rollstuhl und will keine Extrawurst. Er könnte darauf pochen, dass die Scheibe für ihn in einer Höhe von 1,37 Metern aufgehängt wird. Tut er aber nicht. Der Mann vom TSV Bad Eilsen wirft wie alle anderen auf eine 1,73 Meter hohe Scheibe. Das bringt ihm Respekt ein. Munkelt reist zu Turnieren in ganz Europa, hat bereits bei der EM und zwei Weltmeisterschaften gespielt. „Deutschland ist Paradarts-Entwicklungsland“, sagt er. Das könnte sich ändern. Neuerdings ist Paradarts als eigenständige Sparte anerkannt. Das hat der Verbandstag des Deutschen Dart-Verbandes vor zwei Wochen beschlossen. „Dafür haben wir drei Jahre gekämpft“, atmet Thomas Munkelt auf. Jörg Schäfer-Messerschmid vom TuS Holzhausen/Porta, der selbst seit Jahrzehnten spielt, versteht das als „eine Art Anstoß“, nun verstärkt um Paradarter zu werben, die es bisher im Verein nicht gibt. „Zunächst könnten wir improvisieren“, erklärt der frühere Geschäftsführer. Dann müssten die Toiletten umgebaut werden. „In einem Teil der Herrentoilette müsste man die Trennwand entfernen und Haltegriffe anbringen. Das wäre eine schnelle Nummer“, so Spartenleiter Carsten Bartsch. „Paradarter könnten wir aber auch schon jetzt aufnehmen.“ Paradarter Armin Wilhelm (Wiesbaden) wünscht sich, „dass bei neuen Sportstätten darauf geachtet wird, ob Paradarts machbar ist, und dass alte umgebaut werden – das wäre zumindest der Idealfall“. Vereine, so Wilhelm, würden sich damit schließlich für eine Sportart engagieren, die boomt. Paradarter treten in zwei Gruppen an, eingeteilt nach der Art ihrer Beeinträchtigung. In der Hausberger Sporthalle waren 16 Spieler gemeldet, darunter drei Rollstuhlfahrer. Wenn Thomas Munkelt nach seinen bislang besten Platzierungen gefragt wird, muss er erst seinen Sportsfreund Armin Wilhelm rufen, denn der hat alle Zahlen gespeichert. Der Bückeburger sucht zwar auch die sportliche Herausforderung, sportliche Erfolge sind ihm jedoch nicht so wichtig. Munkelt geht es beim Dartspielen vor allem um das Gemeinschaftserlebnis. Trotzdem können sich seine Ergebnisse sehen lassen: Im März 2016 warf er mit drei Darts 180 Punkte, mit einer Aufnahme die maximale Punktzahl. In Hausberge lief es nicht richtig rund: Munkelt musste sich mit Platz drei in der Trostrunde begnügen. In der Hauptrunde siegte Heiko Bohnhorst (Osterode). Die Holzhauser Ausrichter werten das Turnier als vollen Erfolg: 140 Spieler am ersten Tag, 120 am zweiten – inklusive der Paradarter aus diversen Bundesländern. „Wir haben ein durchweg positives Feedback bekommen“, berichtet Carsten Bartsch. Ihm zufolge ist TuS Holzhausen/Porta der einzige Portaner Verein, der Darts im Ligabetrieb spielt. Zur Darts-Sparte (drei Mannschaften, 32 Scheiben) gehören 18 Spieler. Auch Paradarter (oder die es werden wollen) sind eingeladen, donnerstags um 19 Uhr zum Training im Sportheim an der Vlothoer Straße 165 zu kommen. Infos bei Carsten Bartsch, Telefon (01 77) 247 96 79.