Porta Westfalica

Einsturzgefahr: Laubenhalle am Kaiserhof muss gesichert werden

Dirk Haunhorst

Trotz Warnung betreten Neugierige immer wieder das Kaiserhof-Gelände.
Trotz Warnung betreten Neugierige immer wieder das Kaiserhof-Gelände.

Porta Westfalica (mt). Die Bauzaun-Schelle liegt im Laub, jemand hat das Verbindungsstück gelöst, um sich zwischen zwei Zäunen hindurchzuzwängen und aufs Kaiserhof-Gelände zu gelangen. „Das passiert häufig", sagt Jörg Albersmeier, Miteigentümer der Immobilie, als er die Schelle aufhebt. Das berühmte Areal lockt immer wieder neugierige Besucher an.

Die nehmen offenbar Gefahren in Kauf. In Höhe der Laubenhalle hängt ein Schild am Zaun: „Lebensgefahr". Das ist durchaus ernst gemeint. „Wenn es richtig pustet, würde ich mich nicht in der Laubenhalle aufhalten", sagt Albersmeier. Sie sei einsturzgefährdet. Tatsächlich machen Mauer, Dach und Stützen keinen sonderlich stabilen Eindruck, der Hang drückt aufs Material. Ein Teil der Bruchsteinmauer ist bereits abgerutscht, am Dach hat sich ganz frisch ein Balken gelöst und einige Pfeiler sind leicht gebogen. Damit die Stützen nicht von den Fundamenten springen, will er den Laubengang kurzfristig sichern, kündigt Albersmeier an. „Das passiert noch in diesem Jahr."

Er spricht von Sicherung, nicht von Instandhaltung- oder setzung des Areals, wie es zuletzt die neue Wählergemeinschaft Porta (WP) forderte. Sie beklagte das gesamte Erscheinungsbild. Nach der Insolvenz des Hotels 2011 und dem Brand des Hauptgebäudes im selben Jahr wurden knapp vier Millionen Euro an Versicherungsgeld in den Wiederaufbau gesteckt – unter maßgeblicher Beteiligung des Mindener Architekten Albersmeier, der später gemeinsam mit Günter Schiffers (West Immo Pro GmbH) das Areal kaufte. Versuche, den Kaiserhof wieder mit Leben zu füllen, sind seither gescheitert. „Klar", sagt Albersmeier und blickt auf die Laubenhalle, „ich fände es auch schön, wenn hier Leute säßen und Kaffee trinken würden." Er habe in den vergangenen Jahren deutschlandlandweit Interessenten gesucht, um im Kaiserhof wieder großflächig Hotel und Gastronomie unterzubringen. Vergeblich. Wie schwierig das sei, zeigten die vielen leerstehenden ehemaligen Gastronomiebetriebe in der Umgebung, beispielsweise das Berghotel.

Immer wieder tauchten Leute auf, die auf dem Grundstück Altenwohnungen bauen wollten, berichtet der Eigentümer. Allerdings scheint in den meisten Fällen das Interesse wenig Substanz zu haben. „Zuletzt haben sich zwei Leute gemeldet. Beide sind zu dem Termin nicht erschienen. Ohne sich abzumelden."

Für große Aufregung sorgte Albersmeier, als er in diesem Jahr Supermarkt-Pläne für das Laubenhallen-Areal präsentierte. Es hagelte Proteste. Manche hielten die Idee wegen der Verkehrsanbindung für absurd, andere empörten sich über die Geschichtsvergessenheit, die mit einem Discounter-Projekt auf dem ehemaligen KZ-Gelände einherginge. Letzteren hält Albersmeier die Historie des bald 125 Jahre alten Kaiserhofs entgegen. Am zentralen Ort des NS-Schreckens sei nach einem Abriss die Reithalle mit eigener Gastronomie entstanden. Im Kaiserhof sei viele Jahre vor und nach dem Krieg gefeiert worden. „Die Geschichte geht weiter", sagt Albersmeier. Man dürfe einerseits nicht vergessen, aber andererseits die Orte in ihrem Schrecken auch nicht konservieren. Er möchte die Geschichte des KZ-Außenlagers Kaiserhof im Gebäude dokumentieren, etwa mithilfe von Informationstafeln.

Die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl und Kaufland unter anderem der Entsorger PreZero (ehemals Tönsmeier) gehört, hat erklärtermaßen weiter Interesse an möglichen Standorten in Porta (MT vom 19. Oktober). Seine damit verbundene hochumstrittene Idee, so Albersmeier, sei nicht vom Tisch. Allerdings meidet er möglichst den Begriff Supermarkt sowie andere konkrete Vorschläge, etwa die Ansiedlung etlicher Büros, die im Gespräch waren. Lieber spricht Albersmeier von der Suche nach Kompromissen, um eventuell einen Teil der Laubenhalle erhalten zu können. An einem Thema aber komme man nicht vorbei, sagt der Architekt: Geld. Um das Kaiserhof-Areal attraktiv zu gestalten, sei ein zweistelliger Millionenbetrag nötig. „Wir müssen das Denkmal ja mitziehen und brauchen ein tragfähiges Konzept, zu dem ein Banker sein Okay gibt."

Geld fehlt, Zeichnungen gibt es längst. Die aktuelle Planung für den Kaiserhof sei denkmalgerecht und sehe die Verglasung des Obergeschosses (Fachwerksebene) vor. Albersmeier: „Das Gebäude bietet sich für eine Nutzung im Bereich Büro und im Erdgeschoss mit Gastronomie an." Die rückwärtige Bebauung solle entgegen erster Planungen erhalten bleiben und einen gestalteten Innenhof umschließen. Und der Gebäudeteil rechtwinklig zum Hauptgebäude setze auf die noch vorhandenen Gewölbe auf und bekomme einen Versammlungsraum für ungefähr 200 Personen mit einer Nutzung etwa für die Freilichtbühne sowie sonstige Veranstaltungen. Die ehemaligen Hotelzimmer parallel zum Hauptgebäude sollen oberhalb der neu errichteten Arkaden in Laubengängen erschlossen und als kleine Wohnungen der Büroräumen zur Verfügung stehen.

Aus der Umsetzung wird allerdings auch 2019, dem Jahr 8 nach dem verheerenden Brand, definitiv nichts. Albersmeier will sich in diesem Jahr neben der Sicherung der Laubenhalle noch um die Grünpflege kümmern. Am Hauptgebäude selbst sei keine Instandhaltung notwendig. Das habe heute mehr Stabilität als vor dem Brand, sagt der Architekt. Damals sei sei die Fachwerkebene einsturzgefährdet gewesen. Bereits bei einer öffentlichen Gebäudebesichtigung im Mai dieses Jahres hatte Albersmeier darauf hingewiesen, dass der Kaiserhof ab der neuen Stahlbetondecke über dem ersten Obergeschoss ein vollständiger Neubau sei – auch wenn das von außen nicht so wirkt.

Der Mindener würde gerne eines Tages mit seinem Büro direkt unter den Kaiserhof-Turm einziehen. Im Idealfall könnte er dann beobachten, wie Gondeln von Hausberger Seite über die Weser am Kaiserhof vorbei in Richtung Denkmal und zurück schweben. Auch an diesem Spektakel möchte Albersmeier mitwirken. Ein namhafter Seilbahn-Hersteller habe sein Architektenbüro mit der Projektentwicklung beauftragt, bestätigt er dem MT. Allerdings seien vor der möglichen Realisierung einer Gondelbahn, die sich an dem Muster Koblenz orientieren solle, noch viele Hürden zu überwinden. Eine konkrete Studie dazu sei noch nicht in Auftrag gegeben. Jörg Albersmeier spricht von einer „Vorphase".

Und so dürfte der Architekt wohl noch einige Zeit am Kaiserhof mit eher profanen Dingen beschäftigt sein. Wie dem Richten und Reparieren von Bauzäunen nach heimlichen Besuchen leichtsinniger Kaiserhof-Fans.

Emotional

Kommentar von Dirk Haunhorst

Der Kaiserhof soll komplett aufgebaut werden. Das versicherten die Verantwortlichen kurz nach dem Großbrand vor acht Jahren. Mit am Tisch saß damals Architekt Jörg Albersmeier, der vom Insolvenzverwalter den Auftrag für die Arbeiten erhalten hatte. Inzwischen ist er sogar Eigentümer der Immobilie und zieht sich den Zorn vieler Leute zu, die ihm die Hauptverantwortung für den desolaten Zustand des Areals geben.

Die Emotionen sind verständlich, sie verstellen aber den Blick auf das Machbare. Zwar mag Albersmeiers Supermarkt-Idee nicht die beste sein. Wer jedoch Altes nur bewahren möchte, wird vermutlich am Ende den Kaiserhof verlieren. Gute Konzepte sind das Resultat aus Kompromissen. Ist der Erhalt der Laubenhalle wirklich so wichtig? Wer jetzt Ja ruft, muss sich womöglich fragen lassen, warum er sich nicht für den Erhalt des Vereins zugunsten dieses Baudenkmals eingesetzt hat. Der wurde vor zwei Jahren aufgelöst – auch weil das öffentliche Interesse fehlte.

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Porta WestfalicaEinsturzgefahr: Laubenhalle am Kaiserhof muss gesichert werdenDirk HaunhorstPorta Westfalica (mt). Die Bauzaun-Schelle liegt im Laub, jemand hat das Verbindungsstück gelöst, um sich zwischen zwei Zäunen hindurchzuzwängen und aufs Kaiserhof-Gelände zu gelangen. „Das passiert häufig", sagt Jörg Albersmeier, Miteigentümer der Immobilie, als er die Schelle aufhebt. Das berühmte Areal lockt immer wieder neugierige Besucher an. Die nehmen offenbar Gefahren in Kauf. In Höhe der Laubenhalle hängt ein Schild am Zaun: „Lebensgefahr". Das ist durchaus ernst gemeint. „Wenn es richtig pustet, würde ich mich nicht in der Laubenhalle aufhalten", sagt Albersmeier. Sie sei einsturzgefährdet. Tatsächlich machen Mauer, Dach und Stützen keinen sonderlich stabilen Eindruck, der Hang drückt aufs Material. Ein Teil der Bruchsteinmauer ist bereits abgerutscht, am Dach hat sich ganz frisch ein Balken gelöst und einige Pfeiler sind leicht gebogen. Damit die Stützen nicht von den Fundamenten springen, will er den Laubengang kurzfristig sichern, kündigt Albersmeier an. „Das passiert noch in diesem Jahr." Er spricht von Sicherung, nicht von Instandhaltung- oder setzung des Areals, wie es zuletzt die neue Wählergemeinschaft Porta (WP) forderte. Sie beklagte das gesamte Erscheinungsbild. Nach der Insolvenz des Hotels 2011 und dem Brand des Hauptgebäudes im selben Jahr wurden knapp vier Millionen Euro an Versicherungsgeld in den Wiederaufbau gesteckt – unter maßgeblicher Beteiligung des Mindener Architekten Albersmeier, der später gemeinsam mit Günter Schiffers (West Immo Pro GmbH) das Areal kaufte. Versuche, den Kaiserhof wieder mit Leben zu füllen, sind seither gescheitert. „Klar", sagt Albersmeier und blickt auf die Laubenhalle, „ich fände es auch schön, wenn hier Leute säßen und Kaffee trinken würden." Er habe in den vergangenen Jahren deutschlandlandweit Interessenten gesucht, um im Kaiserhof wieder großflächig Hotel und Gastronomie unterzubringen. Vergeblich. Wie schwierig das sei, zeigten die vielen leerstehenden ehemaligen Gastronomiebetriebe in der Umgebung, beispielsweise das Berghotel. Immer wieder tauchten Leute auf, die auf dem Grundstück Altenwohnungen bauen wollten, berichtet der Eigentümer. Allerdings scheint in den meisten Fällen das Interesse wenig Substanz zu haben. „Zuletzt haben sich zwei Leute gemeldet. Beide sind zu dem Termin nicht erschienen. Ohne sich abzumelden." Für große Aufregung sorgte Albersmeier, als er in diesem Jahr Supermarkt-Pläne für das Laubenhallen-Areal präsentierte. Es hagelte Proteste. Manche hielten die Idee wegen der Verkehrsanbindung für absurd, andere empörten sich über die Geschichtsvergessenheit, die mit einem Discounter-Projekt auf dem ehemaligen KZ-Gelände einherginge. Letzteren hält Albersmeier die Historie des bald 125 Jahre alten Kaiserhofs entgegen. Am zentralen Ort des NS-Schreckens sei nach einem Abriss die Reithalle mit eigener Gastronomie entstanden. Im Kaiserhof sei viele Jahre vor und nach dem Krieg gefeiert worden. „Die Geschichte geht weiter", sagt Albersmeier. Man dürfe einerseits nicht vergessen, aber andererseits die Orte in ihrem Schrecken auch nicht konservieren. Er möchte die Geschichte des KZ-Außenlagers Kaiserhof im Gebäude dokumentieren, etwa mithilfe von Informationstafeln. Die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl und Kaufland unter anderem der Entsorger PreZero (ehemals Tönsmeier) gehört, hat erklärtermaßen weiter Interesse an möglichen Standorten in Porta (MT vom 19. Oktober). Seine damit verbundene hochumstrittene Idee, so Albersmeier, sei nicht vom Tisch. Allerdings meidet er möglichst den Begriff Supermarkt sowie andere konkrete Vorschläge, etwa die Ansiedlung etlicher Büros, die im Gespräch waren. Lieber spricht Albersmeier von der Suche nach Kompromissen, um eventuell einen Teil der Laubenhalle erhalten zu können. An einem Thema aber komme man nicht vorbei, sagt der Architekt: Geld. Um das Kaiserhof-Areal attraktiv zu gestalten, sei ein zweistelliger Millionenbetrag nötig. „Wir müssen das Denkmal ja mitziehen und brauchen ein tragfähiges Konzept, zu dem ein Banker sein Okay gibt." Geld fehlt, Zeichnungen gibt es längst. Die aktuelle Planung für den Kaiserhof sei denkmalgerecht und sehe die Verglasung des Obergeschosses (Fachwerksebene) vor. Albersmeier: „Das Gebäude bietet sich für eine Nutzung im Bereich Büro und im Erdgeschoss mit Gastronomie an." Die rückwärtige Bebauung solle entgegen erster Planungen erhalten bleiben und einen gestalteten Innenhof umschließen. Und der Gebäudeteil rechtwinklig zum Hauptgebäude setze auf die noch vorhandenen Gewölbe auf und bekomme einen Versammlungsraum für ungefähr 200 Personen mit einer Nutzung etwa für die Freilichtbühne sowie sonstige Veranstaltungen. Die ehemaligen Hotelzimmer parallel zum Hauptgebäude sollen oberhalb der neu errichteten Arkaden in Laubengängen erschlossen und als kleine Wohnungen der Büroräumen zur Verfügung stehen. Aus der Umsetzung wird allerdings auch 2019, dem Jahr 8 nach dem verheerenden Brand, definitiv nichts. Albersmeier will sich in diesem Jahr neben der Sicherung der Laubenhalle noch um die Grünpflege kümmern. Am Hauptgebäude selbst sei keine Instandhaltung notwendig. Das habe heute mehr Stabilität als vor dem Brand, sagt der Architekt. Damals sei sei die Fachwerkebene einsturzgefährdet gewesen. Bereits bei einer öffentlichen Gebäudebesichtigung im Mai dieses Jahres hatte Albersmeier darauf hingewiesen, dass der Kaiserhof ab der neuen Stahlbetondecke über dem ersten Obergeschoss ein vollständiger Neubau sei – auch wenn das von außen nicht so wirkt. Der Mindener würde gerne eines Tages mit seinem Büro direkt unter den Kaiserhof-Turm einziehen. Im Idealfall könnte er dann beobachten, wie Gondeln von Hausberger Seite über die Weser am Kaiserhof vorbei in Richtung Denkmal und zurück schweben. Auch an diesem Spektakel möchte Albersmeier mitwirken. Ein namhafter Seilbahn-Hersteller habe sein Architektenbüro mit der Projektentwicklung beauftragt, bestätigt er dem MT. Allerdings seien vor der möglichen Realisierung einer Gondelbahn, die sich an dem Muster Koblenz orientieren solle, noch viele Hürden zu überwinden. Eine konkrete Studie dazu sei noch nicht in Auftrag gegeben. Jörg Albersmeier spricht von einer „Vorphase". Und so dürfte der Architekt wohl noch einige Zeit am Kaiserhof mit eher profanen Dingen beschäftigt sein. Wie dem Richten und Reparieren von Bauzäunen nach heimlichen Besuchen leichtsinniger Kaiserhof-Fans. Emotional Kommentar von Dirk Haunhorst Der Kaiserhof soll komplett aufgebaut werden. Das versicherten die Verantwortlichen kurz nach dem Großbrand vor acht Jahren. Mit am Tisch saß damals Architekt Jörg Albersmeier, der vom Insolvenzverwalter den Auftrag für die Arbeiten erhalten hatte. Inzwischen ist er sogar Eigentümer der Immobilie und zieht sich den Zorn vieler Leute zu, die ihm die Hauptverantwortung für den desolaten Zustand des Areals geben. Die Emotionen sind verständlich, sie verstellen aber den Blick auf das Machbare. Zwar mag Albersmeiers Supermarkt-Idee nicht die beste sein. Wer jedoch Altes nur bewahren möchte, wird vermutlich am Ende den Kaiserhof verlieren. Gute Konzepte sind das Resultat aus Kompromissen. Ist der Erhalt der Laubenhalle wirklich so wichtig? Wer jetzt Ja ruft, muss sich womöglich fragen lassen, warum er sich nicht für den Erhalt des Vereins zugunsten dieses Baudenkmals eingesetzt hat. Der wurde vor zwei Jahren aufgelöst – auch weil das öffentliche Interesse fehlte.