Hausberge

Segelflieger aus Baumkronen geborgen: 20.000 Euro Schaden

Thomas Lieske

Porta Westfalica-Hausberge (mt). Mit einem lauten Knall endet das Drama um das vor mehr als zwei Wochen verunglückte Segelflugzeug in Hausberge. Moritz Möller und Yannick Posselt zucken kurz zusammen. Die beiden jungen Männer vom Luftsportverein Lüchow-Dannenberg können nur vom Boden aus zusehen, wie das in den Baumkronen verhakte Vereinsflugzeug langsam durch die dicken Äste gezogen wird. Einer hat sich durch die rechte Tragfläche gebohrt. Mit dem Knall hat sich die Tragfläche vom Ast gelöst. Der Rest ist jetzt beinahe ein Kinderspiel.

Am Haken eines Autokrans gleitet der Segler langsam auf die Wiese neben dem Waldstück. Die letzten Zentimeter sind Handarbeit. Möller, Posselt und weitere Helfer halten die Schnauze des Flugzeugs fest, während der Kran den Segler langsam herunterlässt – damit es keine zweite Bruchlandung gibt. Geschafft. Nach dreieinhalb Stunden ist das Flugzeug wieder am Boden. Sichtlich erleichtert klatschen sich Moritz Möller und Bergungsleiter Janek Glaser ab. Er und seine Crew haben in den vergangenen Stunden alles dafür getan, dass das beschädigte Flugzeug wenigstens in einem Stück nach unten kommt – mit Erfolg.

Bergung des Segelflugzeugs (Plus-Inhalt)
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8 Uhr am Dienstagmorgen: Der große Autokran steht schon. Möller und Posselt sind ein wenig angespannt. Wird alles gut gehen? Die Hubbühne fährt vor. Jetzt wird es ernst. „Einige Äste blockieren das Flugzeug. Die müssen jetzt erstmal weggeschnitten werden", sagt Moritz Möller, während in 35 Metern Höhe die Elektro-Kettensägen aufheulen. Hält der Flieger? „Eigentlich müsste das passen." Möller ist zuversichtlich. „Der hängt ja jetzt schon mehr als zwei Wochen da oben, zwischendurch gab es Sturm. Das hat er alles überstanden."

Die Rettung des Fliegers zieht sich. - © Thomas Lieske
Die Rettung des Fliegers zieht sich. (© Thomas Lieske)

Während Möller von unten schaut, fährt Yannick Posselt zusammen mit einem Vereinskollegen mit einer Gondel am Autokran nach oben. Sie sollen die Arbeiter unterstützen, Tipps geben, welche Eckpunkte des Flugzeugs am wichtigsten für die Bergung sind. Rettung des Vereinsflugzeugs mit imposanter Aussicht – Yannick Posselt ist beeindruckt, als er wieder am Boden ist. „Alles lief wie geplant", sagt er, als er sich aus dem Sicherungsgeschirr quält. Er hat den Schaden am Flugzeug gerade zum ersten Mal aus der Nähe gesehen. Ein beschädigter Rumpf, ein Loch in der Tragfläche, ein weiteres in der Haube des Cockpits. „Geht noch", sagt er und zeigt den Daumen nach oben. Geht noch heißt in diesem Fall: rund 20.000 Euro Schaden und wohl mehrere Monate Reparaturzeit.

Das Ganze hätte aber auch deutlich schlimmer ausgehen können, meint Ulrich Dörjes. Auf seinen Bäumen ist das Flugzeug am Samstag vor zwei Wochen außerplanmäßig gelandet. Dörjes lenkt die Blicke von Möller und Posselt auf die Fichten, die nur wenige Meter hinter der Absturzstelle stehen. „Wenn das Flugzeug da reingegangen wäre, wäre es sofort auf den Boden gekracht", ist sich Dörjes sicher. „Die bieten ja keinen Halt." Ansonsten sieht er die Sache entspannt. Schadenersatzansprüche? Dörjes winkt ab. Und wenn, dann käme die Versicherung des Vereins dafür auf. Der Waldbesitzer erhofft sich vielmehr ein Erinnerungsfoto. Schnell die Kamera gezückt und auf den Auslöser gedrückt. „Sowas hat man ja nicht alle Tage", sagt er und lacht.

Teile der Baumkronen werden weggeschnitten. - © Thomas Lieske
Teile der Baumkronen werden weggeschnitten. (© Thomas Lieske)

Zum Lachen ist Möller und Posselt in diesem Moment nicht zumute. Es knarrt, knirscht, knallt. Das Segelflugzeug ist nach dreieinhalb Stunden endlich am Haken des Krans. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, zieht der Kranfahrer das Flugzeug nach oben. Erst hakt es, doch mit einem kräftigen Ruck lösen sich die Äste. Yannick Posselt und Moritz Möller atmen auf. Die Anspannung löst sich. Der Rest – wie gesagt: beinahe ein Kinderspiel. Die Landung nach der Bruchlandung, sie ist eine federleichte. Landing completed, wie die Piloten sagen: Landung erfolgreich.

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HausbergeSegelflieger aus Baumkronen geborgen: 20.000 Euro SchadenThomas LieskePorta Westfalica-Hausberge (mt). Mit einem lauten Knall endet das Drama um das vor mehr als zwei Wochen verunglückte Segelflugzeug in Hausberge. Moritz Möller und Yannick Posselt zucken kurz zusammen. Die beiden jungen Männer vom Luftsportverein Lüchow-Dannenberg können nur vom Boden aus zusehen, wie das in den Baumkronen verhakte Vereinsflugzeug langsam durch die dicken Äste gezogen wird. Einer hat sich durch die rechte Tragfläche gebohrt. Mit dem Knall hat sich die Tragfläche vom Ast gelöst. Der Rest ist jetzt beinahe ein Kinderspiel. Am Haken eines Autokrans gleitet der Segler langsam auf die Wiese neben dem Waldstück. Die letzten Zentimeter sind Handarbeit. Möller, Posselt und weitere Helfer halten die Schnauze des Flugzeugs fest, während der Kran den Segler langsam herunterlässt – damit es keine zweite Bruchlandung gibt. Geschafft. Nach dreieinhalb Stunden ist das Flugzeug wieder am Boden. Sichtlich erleichtert klatschen sich Moritz Möller und Bergungsleiter Janek Glaser ab. Er und seine Crew haben in den vergangenen Stunden alles dafür getan, dass das beschädigte Flugzeug wenigstens in einem Stück nach unten kommt – mit Erfolg. 8 Uhr am Dienstagmorgen: Der große Autokran steht schon. Möller und Posselt sind ein wenig angespannt. Wird alles gut gehen? Die Hubbühne fährt vor. Jetzt wird es ernst. „Einige Äste blockieren das Flugzeug. Die müssen jetzt erstmal weggeschnitten werden", sagt Moritz Möller, während in 35 Metern Höhe die Elektro-Kettensägen aufheulen. Hält der Flieger? „Eigentlich müsste das passen." Möller ist zuversichtlich. „Der hängt ja jetzt schon mehr als zwei Wochen da oben, zwischendurch gab es Sturm. Das hat er alles überstanden." Während Möller von unten schaut, fährt Yannick Posselt zusammen mit einem Vereinskollegen mit einer Gondel am Autokran nach oben. Sie sollen die Arbeiter unterstützen, Tipps geben, welche Eckpunkte des Flugzeugs am wichtigsten für die Bergung sind. Rettung des Vereinsflugzeugs mit imposanter Aussicht – Yannick Posselt ist beeindruckt, als er wieder am Boden ist. „Alles lief wie geplant", sagt er, als er sich aus dem Sicherungsgeschirr quält. Er hat den Schaden am Flugzeug gerade zum ersten Mal aus der Nähe gesehen. Ein beschädigter Rumpf, ein Loch in der Tragfläche, ein weiteres in der Haube des Cockpits. „Geht noch", sagt er und zeigt den Daumen nach oben. Geht noch heißt in diesem Fall: rund 20.000 Euro Schaden und wohl mehrere Monate Reparaturzeit. Das Ganze hätte aber auch deutlich schlimmer ausgehen können, meint Ulrich Dörjes. Auf seinen Bäumen ist das Flugzeug am Samstag vor zwei Wochen außerplanmäßig gelandet. Dörjes lenkt die Blicke von Möller und Posselt auf die Fichten, die nur wenige Meter hinter der Absturzstelle stehen. „Wenn das Flugzeug da reingegangen wäre, wäre es sofort auf den Boden gekracht", ist sich Dörjes sicher. „Die bieten ja keinen Halt." Ansonsten sieht er die Sache entspannt. Schadenersatzansprüche? Dörjes winkt ab. Und wenn, dann käme die Versicherung des Vereins dafür auf. Der Waldbesitzer erhofft sich vielmehr ein Erinnerungsfoto. Schnell die Kamera gezückt und auf den Auslöser gedrückt. „Sowas hat man ja nicht alle Tage", sagt er und lacht. Zum Lachen ist Möller und Posselt in diesem Moment nicht zumute. Es knarrt, knirscht, knallt. Das Segelflugzeug ist nach dreieinhalb Stunden endlich am Haken des Krans. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, zieht der Kranfahrer das Flugzeug nach oben. Erst hakt es, doch mit einem kräftigen Ruck lösen sich die Äste. Yannick Posselt und Moritz Möller atmen auf. Die Anspannung löst sich. Der Rest – wie gesagt: beinahe ein Kinderspiel. Die Landung nach der Bruchlandung, sie ist eine federleichte. Landing completed, wie die Piloten sagen: Landung erfolgreich.