Barkhausen

Freundschaft auf Rädern: Zwei Barkhauser Jugendliche fahren Tausende Kilometer zusammen Fahrrad

Thomas Lieske

Endlich angekommen: Benjamin Backmeister vor dem Zielort Rovinj in Kroatien. Fotos: pr
Endlich angekommen: Benjamin Backmeister vor dem Zielort Rovinj in Kroatien. Fotos: pr

Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Ihre Freundschaft wächst mit jeder Umdrehung, mit jedem Kilometer, mit jedem Schweißtropfen. „Wir teilen die schönen Momente genauso wie die Kosten, den Schmerz und den Schweiß“, erzählt Benjamin Backmeister und lacht. Vor ihm und seinem Freund Simon Müller liegt ein Tagebuch auf dem Holztisch. Darin: Tabellen, Zahlen, Adressen. Das Tagebuch ist Zeuge ihres gemeinsamen Sommerprojekts: einmal mit Fahrrad von Barkhausen nach Kroatien – 1.350 Kilometer in zwölf Tagen. Ohne Umwege, durchs Mittelgebirge, durch die Alpen, über den Brennerpass.

Wenn die beiden 17-Jährigen aus Barkhausen übers Radfahren sprechen, klingt das für so manchen nach einer Tagestour mit dem Auto. Einmal auf dem Fahrrad zum Steinhuder Meer und zurück an einem Tag? Kein Problem für die beiden. Einmal die Schwester in Hannover mit dem Rad besuchen? Ein Klacks. „Aber diese Touren sind langweilig“, findet Backmeister. Was vor einigen Jahren mit einer Steinhude-Tour begann, mündete nun in der Kroatien-Tour – ihre bisher längste Fahrt. Zu zweit. „Ohne den anderen geht da nichts“, sagt Müller.

Zu zweit auf dem Rad nach Kroatien (Plus-Inhalt)

Der extreme Wille, möglichst alles mit dem Rad zu schaffen, hat die beiden stark zusammengeschweißt. Sogar zu ihrem ersten Date – natürlich ein Doppel-Date – fuhren sie mit dem Fahrrad: von Barkhausen nach Minden. Das war vor mehr als drei Jahren. Mittlerweile haben die beiden Teenager Tausende Kilometer zusammen auf dem Rad zurückgelegt. „Ich fahre rund 5.000 Kilometer pro Jahr mit dem Rad, Benjamin etwa 4.000“, erzählt Simon Müller.

Da lernt man sich von ganz anderen Seiten kennen, erzählen die beiden. „Wir haben längst die Marotten des anderen übernommen“, sagt Benjamin Backmeister und lacht. Die unterwegs ständig gestellte Frage seines Freundes, ob denn der Zeltplatz auch sicher sei, ist längst zu einem Selbstläufer der beiden geworden. „Wir wissen alles übereinander“, sagt Müller. Klar, Strecken über 1.000 Kilometer können zwischendurch auch ziemlich langweilig werden, wenn man sich nichts erzählt. Jeder könne dem anderen zu 100 Prozent vertrauen. Jeder baue den anderen unterwegs immer wieder auf. „Nur so schafft man solche Strecken wie jetzt nach Kroatien überhaupt“, findet Simon Müller. „Auf diesen Touren sind wir eigentlich nicht eine Sekunde allein, der andere ist zumindest immer in Sichtweite“, sagt Backmeister.

Ohne den anderen nicht zu schaffen: Auch Simon Müller ist froh, endlich in Kroatien angekommen zu sein.
Ohne den anderen nicht zu schaffen: Auch Simon Müller ist froh, endlich in Kroatien angekommen zu sein.

Was für andere eine echte Belastungsprobe für die Freundschaft wäre, ist für die beiden überhaupt kein Problem. „Natürlich haben wir ganz zu Anfang mal eine Test-Radtour gemacht“, erinnern sich die beiden. Sie führte zum Steinhuder Meer. Und als sie schnell merkten, dass sie gut miteinander klar kommen und außerdem viel zu schnell am Ziel waren, „haben wir spontan beschlossen, nach Hamburg weiterzufahren“, sagt Benjamin Backmeister. Sowieso verbinde die beiden die Spontaneität unterwegs.

Auch wenn die Tour an sich immer gut durchgeplant ist: Manchmal kommt es doch anders als gedacht. Wenn die beiden nur zwölf anstatt der geplanten 16 Tage nach Kroatien brauchen. Wenn der Gebirgspass unpassierbar wird und sie ihre Fahrräder hunderte Meter über die Steigung tragen müssen. Oder wenn der Fahrradständer nicht mehr hält und nur dank Panzerband und fünf Kabelbindern wieder funktioniert. So etwas werfe die beiden aber nicht aus der Bahn. „Wir motivieren uns gegenseitig immer wieder.“

Diese Motivation werden die beiden Barkhauser wohl auch in der nächsten zeit brauchen. Motivation, um die Freundschaft so lebendig zu halten, wie sie derzeit ist. Benjamin Backmeister steht kurz vor dem Abitur, Simon Müller will sein Fach-Abi machen und macht derzeit ein einjähriges Praktikum. Wo sich bei vielen Schulfreunden die Wege trennen, haben die beiden aber schon ihre nächste Tour vor Augen: „Wir wollen gern zum Nordkap fahren. Das sind mal eben 3.500 Kilometer für eine Strecke“, erzählt Backmeister. Zweifel daran, diese Tour zu schaffen, haben die beiden nicht, erklärt Backmeister: „Wir haben Kroatien zusammen geschafft. Was soll uns jetzt noch im Wege stehen?“

MT-Serie "Zu zweit"

Bei der MT-Serie „Zu zweit“ geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbstgewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge. Stichwort: „Zu zweit“, E-Mail: lokales@MT.de

Hier gibt es weitere Teile der MT-Serie "Zu zweit"

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BarkhausenFreundschaft auf Rädern: Zwei Barkhauser Jugendliche fahren Tausende Kilometer zusammen FahrradThomas LieskePorta Westfalica-Barkhausen (mt). Ihre Freundschaft wächst mit jeder Umdrehung, mit jedem Kilometer, mit jedem Schweißtropfen. „Wir teilen die schönen Momente genauso wie die Kosten, den Schmerz und den Schweiß“, erzählt Benjamin Backmeister und lacht. Vor ihm und seinem Freund Simon Müller liegt ein Tagebuch auf dem Holztisch. Darin: Tabellen, Zahlen, Adressen. Das Tagebuch ist Zeuge ihres gemeinsamen Sommerprojekts: einmal mit Fahrrad von Barkhausen nach Kroatien – 1.350 Kilometer in zwölf Tagen. Ohne Umwege, durchs Mittelgebirge, durch die Alpen, über den Brennerpass. Wenn die beiden 17-Jährigen aus Barkhausen übers Radfahren sprechen, klingt das für so manchen nach einer Tagestour mit dem Auto. Einmal auf dem Fahrrad zum Steinhuder Meer und zurück an einem Tag? Kein Problem für die beiden. Einmal die Schwester in Hannover mit dem Rad besuchen? Ein Klacks. „Aber diese Touren sind langweilig“, findet Backmeister. Was vor einigen Jahren mit einer Steinhude-Tour begann, mündete nun in der Kroatien-Tour – ihre bisher längste Fahrt. Zu zweit. „Ohne den anderen geht da nichts“, sagt Müller. Der extreme Wille, möglichst alles mit dem Rad zu schaffen, hat die beiden stark zusammengeschweißt. Sogar zu ihrem ersten Date – natürlich ein Doppel-Date – fuhren sie mit dem Fahrrad: von Barkhausen nach Minden. Das war vor mehr als drei Jahren. Mittlerweile haben die beiden Teenager Tausende Kilometer zusammen auf dem Rad zurückgelegt. „Ich fahre rund 5.000 Kilometer pro Jahr mit dem Rad, Benjamin etwa 4.000“, erzählt Simon Müller. Da lernt man sich von ganz anderen Seiten kennen, erzählen die beiden. „Wir haben längst die Marotten des anderen übernommen“, sagt Benjamin Backmeister und lacht. Die unterwegs ständig gestellte Frage seines Freundes, ob denn der Zeltplatz auch sicher sei, ist längst zu einem Selbstläufer der beiden geworden. „Wir wissen alles übereinander“, sagt Müller. Klar, Strecken über 1.000 Kilometer können zwischendurch auch ziemlich langweilig werden, wenn man sich nichts erzählt. Jeder könne dem anderen zu 100 Prozent vertrauen. Jeder baue den anderen unterwegs immer wieder auf. „Nur so schafft man solche Strecken wie jetzt nach Kroatien überhaupt“, findet Simon Müller. „Auf diesen Touren sind wir eigentlich nicht eine Sekunde allein, der andere ist zumindest immer in Sichtweite“, sagt Backmeister. Was für andere eine echte Belastungsprobe für die Freundschaft wäre, ist für die beiden überhaupt kein Problem. „Natürlich haben wir ganz zu Anfang mal eine Test-Radtour gemacht“, erinnern sich die beiden. Sie führte zum Steinhuder Meer. Und als sie schnell merkten, dass sie gut miteinander klar kommen und außerdem viel zu schnell am Ziel waren, „haben wir spontan beschlossen, nach Hamburg weiterzufahren“, sagt Benjamin Backmeister. Sowieso verbinde die beiden die Spontaneität unterwegs. Auch wenn die Tour an sich immer gut durchgeplant ist: Manchmal kommt es doch anders als gedacht. Wenn die beiden nur zwölf anstatt der geplanten 16 Tage nach Kroatien brauchen. Wenn der Gebirgspass unpassierbar wird und sie ihre Fahrräder hunderte Meter über die Steigung tragen müssen. Oder wenn der Fahrradständer nicht mehr hält und nur dank Panzerband und fünf Kabelbindern wieder funktioniert. So etwas werfe die beiden aber nicht aus der Bahn. „Wir motivieren uns gegenseitig immer wieder.“ Diese Motivation werden die beiden Barkhauser wohl auch in der nächsten zeit brauchen. Motivation, um die Freundschaft so lebendig zu halten, wie sie derzeit ist. Benjamin Backmeister steht kurz vor dem Abitur, Simon Müller will sein Fach-Abi machen und macht derzeit ein einjähriges Praktikum. Wo sich bei vielen Schulfreunden die Wege trennen, haben die beiden aber schon ihre nächste Tour vor Augen: „Wir wollen gern zum Nordkap fahren. Das sind mal eben 3.500 Kilometer für eine Strecke“, erzählt Backmeister. Zweifel daran, diese Tour zu schaffen, haben die beiden nicht, erklärt Backmeister: „Wir haben Kroatien zusammen geschafft. Was soll uns jetzt noch im Wege stehen?“ MT-Serie "Zu zweit" Bei der MT-Serie „Zu zweit“ geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbstgewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge. Stichwort: „Zu zweit“, E-Mail: lokales@MT.de Hier gibt es weitere Teile der MT-Serie "Zu zweit"