Eisbergen

Neuer Arzt für Eisbergen nicht vor November

Thomas Lieske

Hier wird vermutlich so schnell kein Patient mehr die Treppe hochlaufen: Seit Ende August ist die Hausarztpraxis in Eisbergen vakant. Den Antrag eines Arztes aus Löhne und Oberlübbe hat die Kassenärztliche Vereinigung bisher nicht verhandelt. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Hier wird vermutlich so schnell kein Patient mehr die Treppe hochlaufen: Seit Ende August ist die Hausarztpraxis in Eisbergen vakant. Den Antrag eines Arztes aus Löhne und Oberlübbe hat die Kassenärztliche Vereinigung bisher nicht verhandelt. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Ein neuer Arzt für Eisbergen schon Ende Oktober? Aus diesen Plänen wird nichts. Wie das MT auf Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) erfuhr, ist die für Dienstag anberaumte Entscheidung über eine Zulassung des Arztes Dr. Joachim Fuchs nicht verhandelt worden. „Weitere Informationen kann ich aus Datenschutzgründen nicht mitteilen", vertröstet Sprecherin Vanessa Pudlo.

Entsprechend geknickt sind die Reaktionen in Eisbergen und beim Arzt selbst. Fuchs ist ratlos. Ihm sei nicht klar, warum sein Antrag nicht verhandelt worden sei. „Der liegt seit drei Wochen dort vor. Das hätten sich die Entscheider gut durchlesen können", findet er. Sogar Stellenanzeigen hatte er bereits geschaltet – bisher allerdings ohne Erfolg. Fuchs hofft nun, dass sein Antrag wenigstens Anfang November geprüft wird. „Dann könnten wir Mitte November starten."

Erste skeptische Reaktionen kommen aus dem Eisberger Umfeld. Denn die Portaner Praxis wäre bei Zulassung bereits Fuchs' dritte. Einige befürchten, dass der Arzt in Eisbergen kaum anwesend sein werde, denn auch in Oberlübbe und in Löhne bietet er Sprechstunden an. „Das ist eine Frage der Organisation", sagt Fuchs. Zunächst wolle er zwei Stunden pro Tag Sprechstunden anbieten. „Bei Bedarf dehne ich diese Zeiten aus." Er wolle aber ohne zweiten Arzt klarkommen. Das habe er schon mehrfach geschafft. Denn es sei nicht das erste Mal, dass er drei Praxen gleichzeitig bediene. Ob das womöglich ein Grund für die Verzögerung bei der Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung sei, fragen MT-Leser. Die Antwort bleibt offen.

Dabei brauche Eisbergen dringend einen eigenen Hausarzt, weiß Apothekerin Sabine Müller. Sie betreibt die Weser-Apotheke direkt neben der seit Ende August geschlossenen Praxis. Täglich spreche sie mit ehemaligen Patienten des Vorgängers oder bekomme Gespräche mit. „Hier leben viele ältere Leute, die über kurz oder lang nicht mehr mobil sind", betont Müller. Die bräuchten den Hausarzt vor Ort. „Immerhin ist Eisbergen kein 300-Seelen-Dorf." Es sind mit rund 3.400 Einwohnern mehr als elfmal so viele.

Immer wieder würden ehemalige Patienten nach einem neuen Hausarzt fragen. Dass sie mit ihren Sorgen zu Sabine Müller und ihrem Team kommen, ist dabei kein Zufall. Seitdem die Apothekerin vor zwei Jahren den Sitz in Eisbergen übernommen hat, engagiert sie sich immer wieder dafür, dass die medizinische Versorgung sichergestellt wird. Sie ist davon überzeugt, dass die Versorgung nur im Zusammenspiel von Praxis und Apotheke funktioniert. Gerade für einen abgelegenen Ortsteil wie diesen.

Deshalb griff sie auch aktiv in die Suche nach einem neuen Arzt ein, als klar war, dass sich das vorherige Arztpaar aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen wird. Dass Eisbergen nun nicht Ende Oktober einen neuen Arzt bekommen wird, bewertet sie als Katastrophe für den Ortsteil. Einige hätten sich bereits umorientiert. Aber für viele sei das kaum möglich.

Skeptisch

Kommentar von Thomas Lieske

Die Suche nach einem Arzt für Eisbergen wird für die potenziellen Patienten zur Geduldsprobe. Eigentlich hätte die Kassenärztliche Vereinigung den Antrag des Arztes Dr. Joachim Fuchs am Dienstag prüfen sollen. Die Prüfung ist ausgefallen. Dass die KV nun mauert und nichts weiter dazu sagt, trägt nicht zur Beruhigung der wartenden Einwohner bei. Aber auch die jetzige Situation des Arztes sorgt für misstrauische Fragen in Porta: Wie kann ein Arzt, der schon zwei Praxen mit fast identischen Sprechstunden in Löhne und Oberlübbe anbietet, eine weitere Praxis in Eisbergen öffnen? Darunter wird zwangsläufig ein Standort leiden.

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